Glückliche Familie Nr. 177: Die Hausaufgaben-Falle

Gestern Abend war ich bei einem Vortrag über Hausaufgaben in unserer Schule. Die Aula war fast voll.

Hausaufgaben sind ein Hass-Thema für Eltern.

80 Prozent aller Eltern in Deutschland helfen bei den Hausaufgaben, sagt die Lern-Trainerin, die den Vortrag hielt.

80 Prozent von all dem Stress, den es in Familien gibt, hat mit Hausaufgaben zu tun, sagt Uta.

Hausaufgaben kommen in der Streit- und Stress-Statistik wahrscheinlich noch vor Aufräumen, Zähneputzen und Katzenklo saubermachen.

Die Lern-Trainerin machte deutlich, dass Eltern schnell in eine Hausaufgaben-Falle gerieten. Irgendwann fangen sie an zu helfen, helfen dann immer mehr (Papa hat sich ja auch so gut in das Thema eingearbeitet, Mama hatte schließlich auch mal Latein) und sitzen plötzlich in der Falle.

Trotz all der Hilfe wird es in der Schule auch nicht besser oder höchstens ein bisschen. Also hilft man noch mehr und streitet noch mehr … eine Falle, wie gesagt.

Zuviel Hilfe ist also schädlich, aber sein Kind gar nicht zu unterstützen, kommt auch nicht in Frage.

Deshalb hier ein paar Ideen für einen gesunden Mittelweg:

  • dem Kind Hilfe anbieten, aber ihm nicht kontrollierend im Nacken sitzen
  • bei älteren Kindern Sprechzeiten vereinbaren: z.B. „wenn du Fragen hast, nehme ich mir von 18 bis 19 Uhr Zeit, sie mit dir durchzugehen“
  • die eigene Haltung überprüfen: Erlebt mich mein Kind als Mensch gewordenes Misstrauensvotum?
  • bei Grundschulkindern nach Mittagessen und Erholungspause (Toben, Trampolin, Fußball …) Schulaufgabenzeit mit Ritual eröffnen (immer wenn der Wecker geklingelt hat, geht es los mit Hausaufgaben; immer wenn Mama mir einen Kakao kocht, hole ich meine Schulsachen heraus; immer wenn …)
  • Anfangs- und Endpunkt der Schularbeiten festlegen und besprechen, was das Kind danach Schönes tun könnte
  • wenn das Kind sich schwer tut, mit der Arbeit zu beginnen, zusammen schätzen, wie viel Zeit es wohl benötigen wird und auf einem Timer einstellen; die meisten Kinder lieben diese Art von Wettbewerb, zumal sie meistens weniger Zeit brauchen werden als gedacht: „Mensch, nur 20 Minuten, dann mache ich das schnell.“
  • nie auf dem Arbeitsplatz des Kindes sitzen, sondern neben ihm
  • nie in die Hefte des Kindes hineinschreiben oder etwas radieren; Hefte, Bücher und Ranzen sind Autonomie-Gebiet des Kindes
  • bei der Hausaufgabenhilfe nur reden, was die Aufgabe gerade verlangt. Die meisten Eltern reden viel zu viel und stören die Konzentration des Kindes: „Warum hast du nur stumpfe Bleistifte? Kannst du dich nicht mal gerade hinsetzen? Weißt du schon, wann ihr die nächste Arbeit schreibt? Bei dieser Unordnung hier könnte ich ja gar nicht lernen …“ Nicht machen!
Schulaufgaben-Stilleben
Bei Prinzessin (12) läuft es gerade gut mit den Hausaufgaben. Das verdanken wir der neuen Freiheit. Es hat zwar ein paar Wochen gedauert, aber jetzt schafft sie es immer häufiger, sich ihre Arbeit selbst einzuteilen.
In den Noten schlägt sich das noch nicht nieder, aber als Person wirkt sie stärker als vorher.

Und ehrlich, das ist mir viel wichtiger als alles andere.

Immer fröhlich den Mittelweg bei der Hausaufgabenhilfe suchen

eure Uta.

PS: Da ich Gelassenheit und Humor in der Liste oben vergessen habe, kommt jetzt noch ein Witz hinterher, den ich in der Zeitung gelesen habe.

Zwei Zahnstocher laufen eine Straße entlang, als sie plötzlich ein Igel überholt. Sagt der eine Zahnstocher zum anderen: „Ich wusste gar nicht, dass hier ein Bus fährt.“

 

10 Kommentare

  • Dorthe sagt:

    Liebe Uta,
    und wenn die (Grundschul-)Kinder auf einer Ganztagsschule sind? Eigentlich sollte das Thema „Eltern helfen bei den Hausaufgaben“ dann doch erledigt sein, weil alles in der Schule während der Betreuung gemacht wurde. Oder??? Ich hab allerdings von einigen gehört, dass das nicht klappt, und dann doch am späten Nachmittag/Abend die Eltern mit ihren (Grundschul-)Kinder dran sitzen …
    LG Dorthe

    • Lebemaja sagt:

      Natürlich gibt es sehr unterschiedliche Schulmodelle, auch unter den Ganztagsschulen. Aber ich denke, einen Großteil des Stress machen sich die Eltern selbst. An der Ganztagsschule meiner Kinder höre ich immer mal, dass sich die Eltern wünschen, dass die Kinder mehr zu Hause machen sollen. Ich bekomme auch mit, dass Kinder zu Hause aufgefordert werden, die bereits erledigten Aufgaben noch einmal „ordentlich“ zu machen. Ich denke, dass hat einerseits mit der Kontrollsucht der Eltern zu tun aber auch mit dem schlechten Gewissen, wenn die Kinder „nichts“ für die Schule tun bzw. die Eltern keinen Einfluss auf die Bildung ihrer Kinder haben. Das hängt sicher mit den Erfahrungen in der eigenen Kindheit zusammen. Eltern, die selbst ständig von ihren Eltern kontrolliert und zum Büffeln verdonnert wurden und alles perfekt haben sollten, können bei ihren eigenen Kindern einfach nicht anders …
      Viele Grüße!
      Jenny

  • Anonymous sagt:

    Liebe Uta ,dank dir und deiner Posts,habe ich schon vor längerer Zeit meinen Kindern absolutes Vertrauen ausgesprochen bei den Hausaufgaben und helfe nur ,wenn nötig,Manchmal motiviere ich,aber ich möchte ihre Kompetenzen soweit wie möglich unantastbar lassen.Ich bin entspannter,meine Kinder auch,die Noten sind gleich geblieben,außer in den Fächern ,wo die Lehrer gewechselt haben,leider dort schlechter,das liegt aber nicht an meinem Sohn.
    Ich bin dir so dankbar ,für die damalige Anregung mit dem Vertrauen,DANKE !Nein ,auch die Kinder sind so wie sie sind in Ordnung und müssen nicht bis in jede Pore liebenswert sein,wie du schriebst.Und auch nicht die perfekten Hausaufgaben abgeben,erstmal muss dieses wirklich nicht gute Schulsystem in Deutschland endlich verändert werden.
    Liebe Grüße von Silke Schmidt

  • Lebemaja sagt:

    Liebe Uta, vielen Dank für den Beitrag. Wir hatten auch mal das 80% Problem und ich war sehr unglücklich darüber, dass es unser Familienleben so gestört/zerstört hat. Ich denke aber, dass es hier sehr auf die Haltung der Schule bzw. einzelner Lehrer drauf ankommt. Bei unserem Ältesten hatten wir dieses Problem nur selten, da die Klassenlehrerin bestrebt war, die Kinder zu Selbständigkeit zu erziehen und ihr eine gute Lehrer-Kind-Beziehung sehr wichtig war. Das ist ihr auch gelungen. Natürlich habe ich aber mitbekommen, dass es dennoch Eltern gab, die einfach nicht anders können, als ihren Kindern trotzdem dauernd über die Schulter zu schauen, sie nachts aus dem Schlaf zu holen, weil eine Mathe-Aufgabe falsch war und großen Wert auf perfekt angefertigte Hausaufgaben gelegt haben. Ich fand das schon immer sehr unnötig und die Lehrerin fand meine Haltung OK.
    Bei unserem 2. Sprössling – selbe Schule, andere Klassenlehrerin – habe ich schon auf der 1. Elternversammlung herausgehört, dass Elternhilfe, notfalls auch auf Kosten der Eltern-Kind-Beziehung, erwartet wird. Hier wurde auch jedes „unpässliche Benehmen“ des Kindes, jedes fehlende Buch etc. ins Hausaufgabenheft geschrieben, damit ich das unterschreiben soll. Jegliche Verantwortung für die Dinge, die nicht gut liefen, wurde also ans Elternhaus abgeschoben. Anfangs war ich noch gelassen, aber die roten Einträge vermehrten sich, Gespräche fruchteten nicht (es gab auch unheimlich viele Eltern, die das Ganze mitgemacht haben) und ja: wir saßen in der Falle, weil der Druck einfach zu hoch war, die Angst, dass das Kind auf der Strecke bleibt ebenfalls. Aber irgendwann hielt ich dem Druck nicht mehr stand und hatte nicht mehr die Geduld, meinem Kind die Dinge beizubringen, die ihm eigentlich hätte die Schule beibringen müssen, während sich ein bockiges Kleinkind brüllen auf dem Boden wälzte. Vorschlag von der Schule: Ergotherapie, Logopädie, Nachhilfe.
    Beide Kinder haben die Schule inzwischen gewechselt und sind nun an einer Ganztagsschule (bei uns geht die Grundschule bis zur 6. Klasse), das 3. Kind wurde dieses Jahr auch gleich in einer Ganztagsschule eingeschult. Und zum Glück haben die Großen die Kurve – dank des Engagement der Lehrer dieser Schule – bekommen und fühlen sich komplett verantwortlich für alles, was mit der Schule zusammen hängt. Unser Zweiter hat gerade in 2 Tagen ein Buch durchgelesen, wozu er eigentlich 14 Tage Zeit gehabt hätte. An den Wochenenden haben sie anfangs oft ihre nicht geschafften Freiarbeitsaufgaben (sowas wie Hausaufgaben, nur dass sie in der Schule mit freier Einteilung gemacht werden) mitgebracht. Sie mussten erst lernen, dass hier nun nicht mehr immer jemand da ist, der sagt, was wann gemacht werden muss, aber auch diese Aufgaben haben sie plötzlich ohne zu murren und zu meckern erledigt – zugegeben, ab und zu musste ich auch hier Lehrer spielen, weil etwas nicht begriffen wurde, aber die Kinder kamen dann zu mir und nicht umgekehrt. Die Voraussetzung für die Selbständigkeit der Kinder beim Thema Schule ist meiner Meinung nach eine gute die Lehrer-Kind-Beziehung sowie eine gute Klassen-/Schulatmosphäre.
    Ich finde es sehr traurig, dass die schulischen Angelegenheiten oft Streitpunkte in der Familie sind. Nicht nur Eltern und Kinder streiten, sondern auch die Eltern untereinander, was ich viel schlimmer finde.
    Liebe Grüße!
    Jenny

  • Hallo,

    Ich handhabe das wie beschrieben. Von Anfang an habe ich mich nie eingemischt oder danebengesetzt wenn Hausaufgaben gemacht wurden, genauso wenig kontrolliere ich die Vollständigkeit oder den Schulranzen. Hilfe biete ich an, diese wird aber höchstens alle 3-4 Wochen in Anspruch genommen, meist sind die Fragen dann auch recht schnell geklärt.
    Der Erfolg bestätigt mich in meinem Handeln, unsere Kinder sind beide unter den Klassenbesten, erledigen alle Arbeiten immer zügig und wir haben keinen Hausaufgabenstress.
    Das kann sich natürlich auch noch ändern (sie sind jetzt in der ersten bzw. dritten Klasse), aber solange es gut funktioniert, belasse ich es dabei.
    Kinder lernen Selbstständigkeit nur, indem man sie ihnen überlässt !

    Liebe Grüsse,

    Katrin (die sonst eher still mitliest :-))

  • einzigART sagt:

    Juhu! Eine Erziehungsfalle in die ich nicht hineingetappt bin!
    Ich habe es von der 1. Klasse an so gehabt: die Kinder müssen alleine ihre Hausaufgaben machen, ich bin aber für Fragen immer da, aber ich mache nicht ihre Aufgaben. Hört sich manchmal etwas hart an, aber es klappt. Wenn ich nicht ständig daneben sitze, mische ich mich auch nicht dauern ein… Den einzigen Stress, den wir mit Hausaufgaben haben ist, warum sie überhaupt gemacht werden müssen…aber da bin ich fein raus… ich habe sie ja nicht aufgegeben 😉 Und selbst da haben wir im Moment wenig Probleme.
    Danke immer wieder für Deine anregenden Blogbeiträge!
    LG
    Christina

  • Antje M. sagt:

    Oh. schönes Thema, bei 3 Kindern habe ich da genug erlebt. Als vollberufstätige Mutter fand ich es immer besonders schwer, genug Zeit für die Hausaufgabenkontrolle zu haben… Ich habe sie mir aber genommen und naja, dann passierte auch mal Folgendes: mein Sohn. 1. Klasse sollte in sein Heft Haustiere malen oder aus einer Zeitschrift ausschneiden und dann noch die Produkte dazu malen, die das Tier liefert. Weil man die Tiere, die mein Sohn gemalt hatte, aber absolut nicht erkennen konnte, habe ich mich abends hingesetzt (wo er im Bett war) und alles verbessert bzw. sogar neu gemalt. Leider früh vergessen, es ihm zu zeigen. Als er dann in der Unterrichtsstunde sein Heft aufschlug, soll er wohl laut gesagt haben: „Oh, schaut doch mal, hat meine Mama das nicht schön gemacht!“ Peinlich… Wurde zur Elternversammlung mit einen zwinkernden Auge der Lehrerin zum Besten gegeben;-)
    Noch besser ist es meiner Freundin ergangen… Jüngster Spross, liebenswert, aber ziemlich faul in der Schule, bekam sehr viel Nachhilfe vom Vater in Mathe. Trotzdem gab es in der Klassenarbeit eine 5. Da er schon ziemlich am Boden zerstört war, fragte die Lehrerin, ob er Angst hat, dass er zu Hause ausgeschimpft wird. Darauf Junior: „Ne, ich krieg keine Schimpfe, aber mein Papa von meiner Mama;-)))“

    Bei unserer jüngsten Tochter (14) haben wir uns für Nachhilfe außer Haus entschieden. Sie geht in die Schülerhilfe und wir kümmern uns nur noch um das Notwendigste, die Abende sind viel entspannter und die Zensuren deutlich besser. Und Ihr macht es sogar Spaß…

  • Die Raumfee sagt:

    Die Hausaufgaben selber sind bei uns eigentlich kein Problem, da kann ich mich ganz gut raushalten und frage, ob ich es kontrollieren soll – das dran Denken ist allerdings eher schwierig. „Hast Du was auf?“ „Nö.“ 20.30 Uhr. „Oh, ich hab doch was auf, fällt mir grade ein – 2 Seiten Rechtschreiben.“ Das führt bei uns zu Stress, denn da Büchertasche Autonomiebereich, schaue ich nicht nach. Und daseigenständige Erkennen der Notwendigkeit des Lernens für Schulaufgaben… aber das ist ein ganz anderes Thema. 😉

    Herzlich, Katja

    • familylife sagt:

      Liebe Katja, in einem solchen Fall finde ich die „Hausaufgaben-Sprechstunde“ sinnvoll. Direkt nach der Schule und einer kleinen Pause oder wenn Du halt Zeit hast, einmal kurz auf den Tisch legen lassen, was heute noch an „Schularbeit“ anliegt, sich zusammen einen Überblick verschaffen und den Filius sagen lassen, wann er plant, sich welche Aufgabe vorzunehmen. Mehr nicht!
      Besonders geeignet für Kinder zwischen 3. und 7. Klasse.

      Herzliche Grüße Uta

  • Ich kann mich nicht erinnern, dass sich meine Eltern jemals in meine Hausaufgaben eingemischt haben. Das war meine Sache, und es lief.
    Als mein Großer eingeschult wurde, lief leider gar nichts. Ich ging davon aus, dass es genauso unproblematisch vonstatten gehen würde wie bei mir damals. Stattdessen schon im ersten Jahr ähnliches, wie Jenny das oben beschreibt (nur das das Kind, das sich am Ende brüllend auf dem Boden wälzte, mein Schulkind war). Da noch einige andere Dinge zwischen Kind und Schule (und mir als verzweifelndem Vermittler) nicht funktioniert haben, haben wir uns nach eigentlich viel zu langer Zeit des Überlegens für einen Wechsel zur Waldorfschule entschieden. Und siehe da: Auf einmal geht das Kind gern zur Schule! Auch hier gibt es Hausaufgaben. Aber erstens sind sie von vornherein nicht darauf ausgelegt, dass sie ein bis zwei Stunden dauern. Zweitens sind es oft welche, die die Kreativität fördern und den Kindern Freiheiten lassen (z.B. letztens: „Schreibe zehn Adjektive auf, die eine Katze beschreiben können!“). Und drittens gelingt es dem Lehrer, seinen Schülern zu vermitteln, dass die ordentliche Erledigung der Hausaufgaben wichtig für den Lernfortschritt der ganzen Klasse ist und alle mitziehen müssen, um als Gemeinschaft voran zu kommen. Ein Traum, wirklich! 🙂

    Viele Grüße,
    Lena

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