10 aus 25 Fragen an Väter: Björn

Ich sende Müttern, Vätern, Omas, Opas und anderen Kinder-Experten 25 Fragen, von denen sie 10 Fragen oder mehr auswählen, auf die sie antworten möchten.

Heute:

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Björn (37) aus Hamburg hat eine Tochter (5) – gemeinsam mit seiner Freundin und deren Tochter (6) sucht er eine Wohnung in den üblichen Stadtteilen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fandest du es leicht oder schwer, in die Rolle als Vater hineinzuwachsen?

Ganz ehrlich: Leicht fand ich’s nicht. Vor der Geburt meiner Tochter hatte ich so meine Vorstellungen, Hoffnungen, wie das dann wohl später sein würde als Vater – wie ich gerne sein würde. Hatte mir überlegt, wie ich Erziehung, Familie, Partnerschaft eventuell gestalten werde, gestalten möchte. Und das sah meist durchaus konkret aus – und durchaus anders als das, was mein Vater, meine Eltern mir Jahrzehnte vorher vorgelebt hatte(n).

Dann kam meine Tochter auf die Welt, vor fünfeinhalb Jahren, und irgendwie war von heute auf morgen alles anders. Nicht unbedingt komplett auf den Kopf gestellt, aber doch einigermaßen verdreht. Meine vorherigen Vorstellungen lösten sich ad hoc in Luft auf.

Klar, vieles passiert ab dann irgendwie instinktiv – die Baby-Phase bzw. die ersten 10, 12, 15 Monate empfand ich (auf meine Tochter bezogen) fast wie im Autopilot-Modus. Aber auf einmal tauchen an anderer Stelle Fragen auf, die man vorher nicht absehen konnte. Zumindest ich nicht. Vereinbarkeit von Job und Familie zum Beispiel: 

Ich hatte mich erst ein paar Monate vor der Geburt als Freelancer selbstständig gemacht. Und zwischen Existenz- und Familiengründung die richtige Balance zu finden – meine Energien einzuteilen und so auf mich zu achten, dass ich nicht nur bei meinen Agentur-Buchungen ordentlich performte, sondern auch für mein Kind da sein konnte –, das war für mich ein Drahtseilakt. Einer, der mir nicht unbedingt gelungen ist.

Inzwischen geht meine Tochter auf ihren sechsten Geburtstag zu. Ihre Mutter und ich sind seit fast drei Jahren getrennt. Ich bin glücklich in einer neuen Partnerschaft und im Großen und Ganzen finde ich, dass mit jedem weiteren Lebensjahr das Vatersein insgesamt einfacher wird; jedenfalls mag ich mir diesen Glauben noch bis zur Pubertät bewahren.

Dafür bietet die Patchwork-Konstellation neue Aufgaben und stellt veränderte Anforderung an mich, auch als Vater – das Thema Wohnungssuche bzw. Zusammenziehen wirft das eine oder andere vage Fragezeichen auf. Und ich bin gespannt, wie die Tochter meiner Freundin und auch meine Tochter damit umgehen werden.

 

Was soll dein Kind später mal über dich sagen können? „Mein Vater war ein…“

Rolling Stone.

Nein, Quatsch. Aber Stein ist ein gutes Stichwort: „Mein Vater war ein Fels in der Brandung.“  Das wäre ein toller Satz. Wenn meine Tochter den später mal über mich sagen kann, uff, dann werde ich mehr als glücklich sein.

Wenn sie durch ihr Aufwachsen hindurch einfach weiß und spürt, dass sie jederzeit zu mir kommen kann und auch in unruhigen Zeiten oder turbulenten Lebensphasen Ruhe, Gelassenheit und ein verlässliches Fundament für sich bei mir findet, dann habe ich als Vater so ziemlich das erreicht, was ich als Vater erreichen möchte.

 

Was machst du unheimlich gern mit deinem Kind?

Dummerweise halte ich mich persönlich in Sachen Zeichnen, Malen und Basteln für weitestgehend unbegabt – weshalb solche Kreativ-Nachmittage, bei denen meine Tochter und ich an einem Tisch sitzend mit Schere, Stiften und Papier rumkruscheln, eher Mangelware sind. Aber ihr beim Malen, Kleben und Zusammentackern zuzuschauen, während ich dabei schreibe oder mich ausgiebig mit to-do-Listen organisiere, das mache ich schon gern.

Meine Tochter liebt Ponys und Reiten, geht momentan auch einmal die Woche zum Reitunterricht, und da ich selbst auf einem Bauernhof in Niedersachsen mit Pferden aufgewachsen bin, genieße ich die Zeit mit ihr in Reithalle und Stall sehr. Überhaupt: mit ihr und Tieren sein – einfach toll!

Oder ans Meer fahren. Meine Freundin und mich zieht’s oft raus aus der Stadt gen Ostsee. Und mit ihrer Tochter und meiner am Strand im Sand zu graben, Steine zu sammeln und unter freiem Himmel unterwegs zu sein – da braucht’s gerade mal einen Nachmittag und das Gefühl von Erholung und Urlaub stellt sich ein.

 

Darf das Kind bei euch im Bett schlafen?

An den Tagen bzw. in den Nächten, wenn meine Tochter bei mir ist, schläft sie eh in meinem Bett – und ich weiche auf die Gäste-Couch im Wohnzimmer aus. Bei einer kleinen 2-Zimmer-Wohnung gibt es da kaum eine andere Lösung. Und überhaupt ist mein Schlafzimmer über die vergangenen zwölf Monate mehr und mehr zu ihrem Kinderzimmer geworden.

Bei ihrer Mutter kommt sie im Moment wohl so gut wie jede Nacht angeschlichen und will mit bei ihr im Bett schlafen. Seit ein paar Wochen tut meine Tochter sich schwerer mit der Trennung als noch am Anfang – und ist gerade in den Abendstunden, beim Zubettgehen und nachts, wenn sie aufwacht, mehr als anhänglich.

 

Was machst du in der Erziehung anders als deine Eltern?

Weniger Von-oben-Herab – und dafür mehr auf Augenhöhe.

Heißt auch: Weniger erziehen – mehr erklären.

Weniger über mein Kind sprechen und mehr mit ihm.

Es ernst nehmen und ihm in die Augen schauen. Seine Wünsche und seinen Unmut nicht nur hören, sondern auch wahrnehmen. Das versuche ich jedenfalls.

Und vor allem: lieber authentisch sein als autoritär.

 

Was hat dein Kind von dir geerbt?

Hoffentlich die guten Zähne. Vor allem aber die Hamsterbacken. Auf jeden Fall mein nicht vorhandenes Talent fürs Witze-Erzählen.

In Sachen Musikgeschmack besitze ich noch Hoffnung. „Deine Freunde“ und „Coldplay“ sind schon mal ein ‚okayer‘ Startpunkt.

Ach, und die Lust am Autofahren – mit „Bibi & Tina“ im Tape-Deck ist „Papa, wann sind wir endlich da?“ eine Frage, die so gut wie nie aufkommt.

 

Was wünscht du dir am meisten für dein Kind?

Zuversicht und Zuneigung. Dass sie das eine besitzen und das andere erfahren (und teilen können) wird.

Ich wünsche meiner Tochter eine ordentliche Portion Optimismus, mit der sie dem Leben frisch die Stirn bieten und es gleichzeitig beidhändig umarmen kann.

Tapfer, fröhlich und unverzagt zu sein, das wünsche ich ihr von ganzem Herzen. Unabhängigkeit zu leben und Verbundenheit zu fühlen. Dass sie ihren offenen und munteren Geist behält, über die Kitazeit hinaus bis ins hohe Alter.

Und, ja, dass sie die Trennung ihrer Eltern irgendwann eher als bereichernd und nicht als belastend wahrnimmt.

 

Gibt es einen Ort, den du deinem Kind unbedingt einmal zeigen möchtest?

Es gibt einige Orte und Länder, die ich ihr nicht nur zeigen, sondern lieber selbst mit ihr entdecken möchte.

Argentinien ist eines davon. Denn Argentinien ist in der Vorstellung meiner Tochter das Land der wilden Pferde – und weil ich selbst noch nie in Südamerika gewesen bin, wäre das eine Entdeckungstour, die ich in ein paar Jahren gern mit ihr unternehmen werde.

Zeigen möchte ich ihr auf jeden Fall den Bauernhof in Niedersachsen, auf dem ich groß geworden bin. Meine Eltern wohnen dort nicht mehr und die Stallungen verfallen so langsam… weshalb ich mich etwas beeilen sollte mit dem Zeigen.

Tasmanien hat da etwas mehr Zeit. Obwohl es auf meiner Liste ziemlich weit oben steht. Ein Jahr auf der Südhalbkugel vor zehn Jahren sind nicht spurlos an mir vorüber gegangen, im positiven Sinne, und ich würde ihr lieber früher als später die fantastische Natur dort und die eigenwillig freundlichen Menschen vorstellen.

 

Was ist deinem Kind bei dir streng verboten?

Gehässigkeit. Über andere Kinder (oder auch Erwachsene) schlecht reden oder sonstwie abfällige Bemerkungen machen. Ausdruck von Geringschätzung kommt bei mir nicht durch.

 

Werden Süßigkeiten bei euch versteckt?

Ja. Allerdings von meiner Tochter. Die ist in der Hinsicht wie so ein Eichhörnchen kurz vor dem Wintereinbruch. Und manchmal staunen wir dann beide, wo später überall kleine Gummibären-Tüten rausfallen oder in welcher Schublade die lang vermisste Bonbontüte auftaucht.

Generell sehe ich das relativ entspannt und überlasse ihr oftmals die Entscheidungshoheit über ihr Schnuckzeug und sie geht damit auch ziemlich verantwortungsvoll um.

 

Findest du, dass sich Eltern in Erziehungsfragen abstimmen sollten?

Unbedingt. So eine Art roter Faden sollte sich schon durch die großen Fragen der Erziehung ziehen, finde ich. So etwas wie die grundsätzlichen Werte. Wobei man genau das erst einmal zusammen ausklamüsern muss, was denn für beide die großen Fragen sind.

Höflichkeit, „bitte“, „danke“ zum Beispiel. Das hört sich vielleicht piefig an, aber das gemeinsam vorzuleben, mit einer gemeinsamen Gewichtung, das halte ich durchaus für eines der Puzzlestücke von Erziehung.

Als getrennt lebender Vater ist das ja ein wiederkehrendes Thema für mich; das Abstimmen mit der Mutter meiner Tochter. Auch über das Getrenntsein hinweg ähnliche Prinzipien aufrecht zu erhalten und jeweils mit Leben zu füllen. Das ist nicht immer einfach.

Ansonsten tut es einem Kind sicherlich gut, wenn die Eltern auch mal widersprüchlich sind, unterscheidbar. Dass meine Tochter zum Beispiel feststellt, ich wäre hier und da strikter als ihre Mutter und würde mehr auf die Einhaltung bestimmter Regeln pochen, das finde ich nicht weiter schlimm. Und Kleinigkeiten verschieden zu handhaben, gehört einfach dazu – gerade wenn man getrennt erzieht.

 

Was ist dein Lieblingsvorlesebuch?

In meiner Familie gab es leider keine richtige Vorlesekultur. Und ich bin als Kind – von „Fix & Foxi“, „Asterix“ und den lustigen Taschenbüchern mal abgesehen – ziemlich bücherlos aufgewachsen. Deshalb kann ich nur auf einen überschaubaren Fundus von Kinderbuchklassikern zurückblicken. Bullerbü ist immer noch ein Dorf, dessen Idylle ich selbst nicht entdeckt habe.

Aber jetzt als Vater in der Kinderbuchabteilung rumzustöbern, das mache ich trotzdem gern. Und ein Fund, der uns viel Spaß bereitet hat, war auf jeden Fall „Die fabelhafte Welt von Nö-Nö, dem Unerschrockenen“. Allerdings ist das mehr ein Wimmel-, als ein Vorlesebuch.

Seit ein paar Monaten stecken wir mitten in der Buchreihe „Liliane Susewind“. In den Büchern geht es um ein Mädchen, das mit Tieren sprechen und Pflanzen zum Wachsen bringen kann. Ich meine, hey, mit Tieren sprechen – da werden Kinderträume wahr.

Die Bücher sind eigentlich erst für Kinder ab 8 (wahrscheinlich zum Selberlesen), aber wenn ich das gespannte Gesicht meiner Tochter und ihre leuchtenden Augen sehe abends im Bett bei Episoden wie „So springt man nicht mit Pferden um“ oder „Rückt dem Wolf nicht auf den Pelz“, Dann weiß ich, dass wir mit unserer Textauswahl nicht ganz falsch liegen können. Das Beste an den Büchern: Es gibt so viele sprechende Charaktere – vor allem aus der Welt der Tiere –, dass es eine wahre Freude ist, von Stimme zu Stimme zu wechseln und zum Beispiel dem Familienhund Bonsai oder einem leicht zerstreuten Springpferd Leben einzuhauchen.

 

Lieber Björn, herzlichen Dank für deine Antworten und dafür, dass du dich als erster dem Väter-Fragbogen gestellt hast.

Fröhliche Grüße

Uta

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