Prinzessin auf dem Smartphone

Wie eine Schlaf-App unser Nachtleben veränderte.

Seit der Kronprinz 14 oder 15 wurde, ging er immer später ins Bett. Erinnert ihr euch, wie ich mitten in der Nacht sah, wie noch Licht in seinem Zimmer brannte? Online-Spiele spielen, Dokus im Internet gucken, Hausaufgaben machen  – alles ging ineinander über und vor allem bis tief in die Nacht hinein.

Auch bei Prinzessin (14) fing es an, später zu werden. Wir Eltern gingen immer früher ins Bett, die Kinder immer später. Obwohl sie nun länger wach blieben, waren sie nicht bereit, uns etwas vorzulesen oder uns in den Schlaf zu singen. Schade.

Experten sagen ja, dass das normal sei bei Teenagern, dass sich ihre Schlafstunden nach hinten verschieben würden. Nur, liebe Experten, ist das Nach-hinten-Verschieben leider limitiert durch die allseits verbreitete Schulpflicht in unserem Lande. Unsere Kinder standen zwar immer morgens tapfer auf. Aber ich machte mir schon Sorgen, ob sie nicht zu wenig Schlaf bekämen.

Vor drei Wochen jedoch geschah ein Wunder. Der Kronprinz (17) entdeckte die App „Sleep Cycle“ und lud sie für einen Cent-Betrag herunter. Seither schiebt er das iPhone unter sein Laken, so dass es bäuchlings auf der Matratze liegt. Über einen Sensor zeichnet es in der Nacht jede Bewegung des Prinzen auf und ermittelt so die Phasen tiefen und flachen Schlafs. Wenn man zum Beispiel eingibt, man möchte zwischen 6 und 7 Uhr oder zwischen 6:30 und 7 Uhr geweckt werden, sucht sich die App in dieser Zeit eine Phase flachen Schlafs. Das Versprechen ist, dass man so viel leichter aus den Federn kommt, als wenn ein herkömmlicher Wecker einen immer zu gleichen Zeit aus dem Schlaf reißt.

Ich weiß, es ist umstritten, ob die App die Schlafphasen richtig „erkennt“. Schlafforscher sprechen von einem Placebo-Effekt des Programms.

Soll ich euch was sagen? Mir ist das völlig egal. Denn wir haben es dieser kleinen App zu verdanken, dass der Kronprinz seit dreieinhalb Wochen unter der Woche zwischen 21:30 und allerspätestens 22 Uhr ins Bett geht, dass er endlich etwa acht Stunden schläft, dass auch Prinzessin wieder früher das Licht ausmacht und ich morgens niemandem die Decke wegreißen muss. Kaum habe ich mir selber den Schlaf aus den Augen gerieben, duftet es schon nach Kaffee, im Waschkeller prüft jemand, ob die Jeans trocken sind … Schon vor Sonnenaufgang gibt es eine Aktivität in unserem Haus, die wir uns bis vor kurzem kaum hätten träumen lassen.

 

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Ich schreibe heute erst darüber, weil mein Mann und ich uns nicht sicher waren, ob es sich um ein Strohfeuer handelt. Aber nach dreieinhalb Wochen jeden Morgen … Was meint ihr? Das ist signifikant, oder?

Der Grund für den Erfolg liegt sicher darin, dass sich die Nutzer sehr viel bewusster mit ihrem Schlafverhalten auseinandersetzen. Am Morgen kann man eine beeindruckende Grafik aufrufen, die den Wechsel der Schlafphasen aufzeigt. Im Laufe der Nächte bekommt jeder sein persönliches Schlafprofil, kann Schlafdauer und -qualität überprüfen. „Mein Bestes war eine Schlafqualität von 94 Prozent“, meinte der Kronprinz gestern zu seiner Schwester. „Ich hatte von Dienstag auf Mittwoch 88 Prozent“, verkündete Prinzessin.

Ich bin sehr froh über diese Entwicklung und hoffe, dass sie anhält. Leider gibt es „Sleep Cycle“ nur für Apple-Handys, weshalb ich Prinzessin meines über Nacht ausleihe. Hat jemand Erfahrungen mit einer Schlaf-App für Android-Geräte?

Aus meiner Lektüre noch Bemerkenswertes über das Schlafen:

  • „… viele von uns scheinen vergessen zu haben, dass es ein biologisches Bedürfnis nach Schlaf gibt, Erschöpfung und Schlafmangel sind fast schon eine Art bizarres Statussymbol.“ (Shimi Kang: Das Delfin-Prinzip. gute Erziehung – glückliche und starke Kinder. München 2014, Seite 143)
  • „…ich habe Dutzende von Einweisungen in psychiatrische Kliniken verhindert, indem ich meine Patienten zu besserem Schlaf angeleitet habe. (Shimi Kang, ebd., Seite 142)
  • „Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass Schlaf und Träume das Gedächtnis verbessern und neuronale Prozesse stabilisieren. Insbesondere REM-Schlaf (Schlafphase mit heftigen Augenbewegungen, rapid eye movement, Anmerk. der Bloggerin) trägt zum Testen und Stärken von Schaltkreisen im Gehirn bei und tritt dementsprechend in Zeiten der Gehirnentwicklung, wie Kindheit und Jugend, am häufigsten auf.“ (ebd. Seite 142)
  • Aber auch die Tiefschlaf-Phase hat eine große Bedeutung. So weist der Nürnberger Schlafforscher Joachim Ficker darauf hin, dass der Tiefschlaf über die Regeneration des Körpers entscheide. Puls, Atemfrequenz und Blutdruck würden dabei deutlich absinken. Der Körper werde heruntergefahren, sodass Zellen und Organe repariert werden könnten. (Spiegelonline. Julia Merlot: Mythos oder Medizin: Schlaft man vor Mitternacht am besten?)

Wenn eure Teenager in der Nähe sind, könnt ihr ja mal fröhlich erwähnen, dass ihr von einer Schlaf-App gehört habt.

Eure Uta

PS: Anlass dieses Beitrags sind die Vorkommnisse in unserer Familie, kein Angebot des App-Anbieters.

 

 

10 Kommentare

  • Patrizia sagt:

    Sleep Cyle gibt es auch für Android: http://www.sleepcycle.com/
    Ich überlege gerade, ob das nicht auch etwas für meinen 9-jährigen wäre. Vor 21.30 Uhr ist es schwer ihn zum Lichter löschen zu bewegen.
    Liebe Grüsse
    Patrizia

  • Die Raumfee sagt:

    Nein, leider habe ich keine Erfahrungen damit, aber ich werde mich jetzt gleich auf die Suche machen – denn eine App erscheint mir derzeit der vielversprechendste Anreiz zu sein, um mein Kind zu ausreichend Schlaf zu überreden… 😉

    Herzlich, Katja

  • Seifenfrau sagt:

    Liebe Uta,
    interessant klingt das schon.
    Das werde ich mal dem Sohn gegenüber erwähnen.
    Aber…ist das nicht unbequem, mit einem Handy ins Bett zu gehen?
    Liebe Grüße!

  • Susanne sagt:

    Es hibt auch eine Svjlaf-App von runtastic. Sleep better …. oder so. Die funktioniert ähnlich. Nur ist sie noch einen Ticken bunter. 🙂

    Freu mich über eure unerwartete Problemlösung!

    Lieben Wochenendgruß

  • Susanne sagt:

    Sorry … Handysprachenkauderwelsch. 🙂

  • Frau Krähe sagt:

    Liebe Uta,
    Ich bin ebenfalls „erhellte“ Nutzerin der App. Nachdem ich mir längere Zeit gefragt habe, ob ich wohl in ein „Burn-Out“, eine Depression oder was ähnliches reingerate, hat mir die App meine Welt wieder zurechtgerückt. Wenn meine Zeit im Bett durchschnittlich 6:06 h beträgt und der Schlaf zudem bis dreimal unterbrochen wird (vom Stillkind, was ich aber meist gar nicht bewusst mitkriege), muss man sich über eine leichte Erschöpfung mit all ihren Begleiterscheinungen nicht wundern. Für mich ein echter Augenöffner! Leider kann einen die App noch nicht ins Bett beamen…
    Müde aber frohe Grüsse, Martina

  • Maya sagt:

    Hört sich nach deutlich entspannterem aufwachen an ! Aber…hmmmm…schaltet das Gerät dann automatisch in den Flugzeugmodus oder hab ich dann Funksuche und whatsapppiep direkt am ohr ?

  • Uta sagt:

    Liebe Maya, die App benötigt kein Internet. Sie schaltet zwar nicht allein in den Flugmodus, aber du kannst ihn vorher selber einstellen. VLG Uta

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