Bereit für den Neustart

Was helfen kann in schweren Zeiten.

Freundinnen von mir durchleben gerade schwere Zeiten. Aus unterschiedlichen Gründen.

Heute morgen habe ich mir überlegt, was mir hilft, wenn es mir nicht so gut geht, und bin auf Folgendes gekommen:

  • Nichts gegen das haben, was gerade passiert. Die größte Quelle von Unglück ist dieser Widerstand, das Nicht-Akzeptieren-Können von Realität. (nach Eckhart Tolle)
  • Es darf so sein. Als ich eine Freundin traf, sagte ich ihr, dass ich vom Tod ihres Vaters gehört hätte und es mir sehr leid tue. Darauf erzählte sie ein wenig, wie er gestorben ist, und sagte am Ende: „Inzwischen darf es für mich so sein.“
  • Die innere Haltung bewusst machen und verändern. Wenn ich, egal was ich im Äußeren tue, immer die gleichen, unerwünschten Ergebnisse erziele, muss ich mich fragen, welche inneren Haltungen und Wertungen mich steuern. Beispiel: Wenn ich meinen Sohn für den größten Chaoten unter der Sonne halte und ich mal mit dem Konfrontationskurs und mal mit dem Harmoniekurs versuche, etwas daran zu ändern, wird alle Mühe vergebens sein. Meine Interventionen, meine Strategien und Tricks bleiben unwirksam, weil ich auf meinem alten Standpunkt beharre. Mein Innerstes (der Standpunkt „Tim ist ein Chaot“) ist auf Sendung und sabotiert alle äußeren Bemühungen.  (nach CoachingAcademie Bielefeld)

 

Prinzessin (14) auf neuem Standpunkt.

Prinzessin (14) auf neuem Standpunkt.

  • Das Recht-haben-wollen aufgeben. In einem Konflikt hilft es mir, mich vorher zu fragen, was ich erreichen möchte für die Beziehung zu dem betreffenden Menschen. Will ich die Beziehung verbessern? Oder ist sie mir gar nicht wichtig? Will ich mir bloß später nichts vorzuwerfen haben? Will ich mein Gesicht wahren? Bin ich lieber im Recht und allein? Oder im Unrecht und glücklich? (nach CoachingAcademie Bielefeld)
  • Weg mit Schuldgefühlen. Mein Mann und ich haben neulich mal wieder den Film „Good Will Hunting“ aus dem Schrank geholt: Der hochbegabte Will (Matt Damon) kann zwar mathematische Gleichungen lösen, die nicht mal ein Harvard-Professor knackt, aber wegen Schlägereien landet er immer wieder im Gefängnis. Deshalb schickt man ihn als Bewährungsauflage zu dem Therapeuten Sean (Robin Williams). Der Therapeut kennt aus den Akten nicht nur Wills Straftaten, sondern weiß auch, dass Will als Kind bei Stiefeltern Gewaltexzesse erlebt hat und sagt zu ihm: „Du kannst nichts dafür!“ – „Ich weiß“, sagt Will. – „Du kannst nichts dafür!“ – „Ich weiß“, sagt Will. – „Du kannst nichts dafür!“ – „Ich weiß“, sagt Will genervt. -Und Sean immer eindringlicher: „Du kannst nichts dafür.“ Will bricht in Tränen aus und liegt plötzlich wie ein kleiner Junge in Seans Armen. Nichts nimmt uns so sehr die Kraft wie Schuldgefühle. Weg damit! Verantwortung übernehmen, die Wahrheit sagen, um Verzeihung bitten und die Zukunft anders gestalten, ja. Aber weg mit der Schuld und ihrem moralischen Ballast!
  • Problem = Danke, ich darf mich weiter entwickeln! Das griechische Wort „Problem“ heißt übersetzt: „das uns zur Lösung Vorgelegte“. Da sieht man das Wort und die Situation doch gleich in einem anderen Licht, oder?
  • Was für ein Mensch möchte ich sein? Probleme, egal welcher Art, geben mir die Gelegenheit, neu zu entscheiden und zu gestalten, was für ein Mensch ich in Bezug auf das vom Leben „Vorgelegte“ sein möchte (nach Neal Donald Walsch). Bin ich eine Besserwisserin, eine Überlegene, eine Rechthaberin, eine Kritikerin, eine Lahmgelegte, eine Um-sich-Schlagende, eine Beleidigte, eine Jammernde, eine Konstruktive, eine Ermutigende, eine Anpackende, eine Das-Beste-aus-der-Situation-Machende?
  • Immer die Zügel in der Hand halten. Vor zwei Wochen habe ich bei einer Reitstunde von Prinzessin (14) zugeschaut. „Immer fleißig reiten!“ ist die häufigste Ansage ihrer Reitlehrerin. Sie meint damit: nicht so schlapp im Sattel hängen, sondern aufrecht sitzen, für Körperspannung sorgen, Haltung bewahren und sich sagen: „Nicht, dieses Pferd schaukelt mich durch die Gegend, sondern ich führe es.“ Eine wichtige Lektion auch für unsere Gefühle, Gedanken und Taten jenseits des Gatters.
  • Aufräumen und Ausmisten. Jetzt hatten wir es viel mit „von innen nach außen“, davon dass eine neue innere Haltung meine Realität verändert. Aber es geht auch umgekehrt. Wenn ich Schubladen ausmiste, Sachen wegschmeiße, den Schrank auswische und nur das einräume, was jetzt und für die Zukunft zu mir passt, wirkt das auch auf mein Innerstes. Die Seele lässt sich anstecken von diesem Großreinemachen. Die Tochter einer Bekannten litt unter der Trennung von ihrem Freund. Da tat sie, was seit Jahren nicht geschehen war: sie räumte freiwillig ihr Zimmer auf. Zusammen mit einer Freundin schmiss sie alten Krempel raus, strich eine Wand neu, stellte die Möbel um und fühlte sich gleich besser. Jetzt war sie bereit für einen Neubeginn.

Immer fröhlich gucken, ob euch davon etwas helfen könnte.

Eure Uta

6 Kommentare

  • Ich durchlebe zwar momentan nur den alltäglichen „Wahnsinn“ aber für mich sind das alles zusammen wichtige und sehr hilfreiche Punkte!
    Sich die innere Haltung bewusst machen: wie oft habe ich schon erlebt, dass plötzlich (endlich) Dinge beim anderen ankommen, die ich gefühlt vorher schon einige Male genau so formuliert hatte.
    „Good Will Hunting“: ebenfalls einer meiner Lieblingsfilme. Den muss ich auch unbedingt mal wieder sehen.
    Aufräumen und Ausmisten für das Kommende: mache ich tatsächlich gerade! Der Herbst bietet sich dafür ja auch ganz prima an.
    Und jetzt werde ich mir noch einen gut sichtbaren Zettel aufhängen mit der Übersetzung des Problems 😉

    Vielen Dank!

    Herzliche Grüße,
    Maike

  • Christina sagt:

    Ein sehr schöner Bericht.
    Ich finde, dazu passt folgendes Zitat:

    „Herr, gib mir die Kraft, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, die Gelassenheit, das Unabänderliche zu ertragen und die Weisheit, zwischen diesen beiden Dingen die rechte Unterscheidung zu treffen.“

    Franz von Assisi

    Schöne Grüße von Christina

  • Stefanie sagt:

    Ganz wunderbar und in verständlichen Worten geschrieben. Wenn doch alle sich daran halten könnten. Aber wir können damit anfangen. Das ist ein tolles Gefühl.
    Danke, Danke!
    Stefanie

  • Dorthe sagt:

    Liebe Uta,
    ja, davon könnte mir ganz sicher etwas helfen.
    Die Übersetzung von „Problem“ ist ja toll. Sieht gleich ganz anders aus. Die innere Haltung … ja, schwierig … kenne ich immer wieder … Danke für die Tipps!
    Liebe Grüße,
    Dorthe

  • Lolo sagt:

    Hm, sehr wahr, was Du da schreibst. Für schlimme Lebenskrisen hat man aber so oft die Kraft nicht mehr, sich an Thesen zu erinnern. Ich würde mir wünschen, dass man selbst auch sieht, wenn dass der Fall ist und dann andere wieder mit diesen Thesen oder ganz praktisch auf den Weg hilft.
    Zumindest bei Trauer kann ich sagen, dass sie einem so oft einfach wegspült. Mir hat es geholfen, die Trauer geschehen zu lassen, irgendwann, aber das war ein Prozess. Eine Frau aus dem Frauenworteforum sagte mir, die Trauer sei wie die Wellen im Meer. Erst geht es hoch und runter, dann wird es ganz langsam weniger und irgendwann laufen sie sacht ans Meer. Ich weiß nicht, wo ich da bin, aber es geht auf jeden Fall nicht mehr so hoch und runter – der Satz war für mich so wichtig, weil er ein hoffnungsvolles Bild zeichnet.
    Ich lasse ihn hier für alle da, die ihn vielleicht brauchen!
    Das mit den Zügeln habe ich ebenfalls ganz praktisch gemacht. Sport und Reiten und ein Instrument (Harfe) haben meinen Weg durch die Trauer begleitet. Man muss an Trauer nicht verzweifeln, aber sie raubt Kraft – ich finde heute abgesehen vom Unglück, das uns ereilt hat, und dass wir unseren Sohn vermissen, dass das Leben für mich mehr Farben bekommen hat.

    Puh, das war viel über Trauer – aber damit kenne ich mich zumindest bei mir aus!;-)
    Alles Liebe Lolo

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