Der Knackpunkt bei den Weihnachtskarten

Wie man mühelos weiter kommt, wenn ein Projekt ins Stocken gerät.

Ich wollte Weihnachtskarten schreiben. Längst. Ein Foto von uns Vieren sollte vorne auf die Karte und innen persönliche Worte. Den Akku von den Kamera hatte ich schon aufgeladen, um ein Foto beim Weihnachtsbaum-Schlagen zu schießen. Wir vier mit Fäustlingen im Schnee, lachend, alles ein bisschen verwischt von der fröhlichen Action, mein Mann trägt Norwegerpulli und Säge, alle haben rote Wangen, jeder hält ein Stück von der Tanne. Das Ganze fröhlich – versteht sich.

Nun war Prinzessin nicht mit in der Schonung und wir hätten eher eine Schlamm-, denn eine Schneeballschlacht machen können. Jetzt habe ich wieder kein Foto und das Projekt „Weihnachtskarten schreiben“ fing an, lästig zu werden. Sollte ich das Foto nehmen, das bei der Konfirmation entstanden ist, und mit einem Stift jedem von uns Weihnachtsmützen auf den Kopf malen? Geschmacklos! Ich kaufte ein paar Karten, konnte mich aber nicht aufraffen, sie zu schreiben.

Zum Glück lese ich gerade das Buch „Schluss mit der Anstrengung! Ein Reiseführer in die Mühelosigkeit“ von Barbara Berckhan. Darin schreibt sie, man müsse bei jedem Projekt – ob privat oder beruflich – den Knackpunkt und den Kern finden. Das Ganze sei wie bei Saftflaschen. Man kann mit hochrotem Kopf am Deckel zerren und sich abmühen oder die Flasche umdrehen, dann macht es „plob“ und plötzlich lässt sich die Flasche ganz leicht öffnen. Den „Plob“ einer jeden Aufgabe findet man, wenn man sich fragt, worum es im Kern eigentlich geht. Also überlegte ich, wozu ich überhaupt Karten schreiben wollte, wenn sich das Jahr rasend schnell auf den 24. Dezember zubewegt.

Meine Antwort:

An Weihnachten möchte ich die Verbundenheit stärken mit Menschen, die mir wichtig sind und die ich das Jahr über gar nicht oder nur selten sehe.

Plob! Das war’s. Jetzt hatte ich plötzlich frischen Schwung. Mir wurde klar, mir kommt es nicht darauf an, Originalitätswettbewerbe zu gewinnen oder andere Menschen vom Aussehen einzelner Familienmitglieder in Kenntnis zu setzen – für mich ist wichtig, die Verbindung zu halten. Deshalb habe ich vorgestern angefangen, jeden Tag beim Nachmittags-Kaffee einer Person, an die ich gerade denke, eine Karte, einen Brief oder eine Mail zu schreiben. Manche werde ich auch anrufen. Je nach Situation. Und wenn sich das Ganze bis Neujahr hinzieht, ist das auch nicht schlimm.

Jetzt ist alles ganz leicht und ich freue mich, gleich die Weihnachtskarte des Tages zu schreiben.

Wenn es bei euch also irgendwo stockt, immer fröhlich den Kern einer Sache herausschälen!

Eure Uta

9 Kommentare

  • Laura sagt:

    Ein prima Gedanke, liebe Uta. Auch ich quäle mich oft mit diesen Aufgaben. Danke dir für die Anregung! Liebe Grüße von Laura

  • Das ist eine super Anbau! Ich werde es mir gleich notieren!
    Danke dir 🙂 ich geh jetzt einkaufen,der leere Kühlschrank muss gefüllt werden – um mehr geht es dabei nicht 😉
    Lg Sternie

  • Das soll natürlich nicht Anbau sondern Ansatz heißen… sorry

  • Suse sagt:

    Und wenn Du mir noch den Kern von Putzen, Wäschefalten und Rechnungenbezahlen verrätst, dann werde ich glücklich ins neue Jahr starten.
    Spaß bei Seite. Genauso ist es.
    Liebe Grüße
    Suse

  • Irma sagt:

    Liebe Uta,
    Ja genau drum schreib ich dir heute, in Verbindung bleiben… als langjährige stille Leserin deines Blogs.
    Einfach mal ein dickes Dankeschön! Triffst es immer auf den Punkt, machst den Kopf klar, die Seele frei, sprichst mir so aus dem Herzen und berührst mich. Und ich liebe die Paralellen( Tochter 15, Sohn17) das ist oft zum Lachen.. Also ????und ganz liebe Grüße aus Bayern
    Irma

  • Jutta sagt:

    Liebe Uta,
    ich mag Deinen Blog.
    Meine beiden sind zwar noch kleiner (8/6), aber so ein Blick in die Zukunft ist ja auch ganz witzig.
    Zum Thema Karten: ich schreibe jedes Jahr einen Haufen Weihnachtskarten, immer mit einem Bild der Kinder mit einem anderen Motiv. Inzwischen „wartet“ die gesamte Verwandt- und Freundschaft schon darauf :o) Und es hilft wirklich, sich zu überlegen, warum man das Ganze macht: Motiv überlegen, 30 Bilder einkleben, 30 mal was nettes schreiben, etc. Weil die meisten der Angeschriebenen anrufen und sich über die Karte freuen. Weil ich selber lieber „echte“ Post statt Werbung/Rechnungen o.ä. bekomme.
    Fröhliche Weihnachten!
    Grüßle
    Jutta

  • Claudia sagt:

    Hej Uta!

    Wunderbar, jetzt schaff ich vielleicht auch noch die letzten Weihnachtsbriefe. Irgendwie ist das ganze nämlich ins Stocken geraten, als ich ausführlicher werden wollte…

    In diesem Sinne Weihnachtliche Grüße vom Deich
    Claudia

  • Frieda sagt:

    Liebe Uta,

    das Buch klingt interessant. Ich versuche seit einiger Zeit mehr oder weniger erfolgreich (ich vergesse es und mich einfach mal), mich zu fragen, ob etwas gerade jetzt wichtig ist und sein muss. Und was ich wirklich will. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Aber meine Getriebenheit und der mir selbst auferlegte Stress überträgt sich 1:1 auf die ganze Familie.
    Leicht fällt es mir mittlerweile mit der Wäsche. Ich hatte immer den Drang und Zwang, keine Berge entstehen zu lassen. Mittlerweile ist es für mich ok, solange jeder noch Kleidung im Schrank hat. Dann kann die Wäsche weiter warten und wird kein Stressfaktor.
    Oder Kindergeburtstag. Ein echtes Kreativitätsmessen vieler Mütter. Ja, auch meine Herzbuben bekommen ihre Wunschkuchen zum Kindergeburtstag (Piratenschiff, Baggerkuchen, brennendes Flugzeug …). Aber ist es echt wichtig für meinen Herzbuben, dass aufwändig gestaltete Kuchen-ähnliche Kreationen mit in die Kita genommen werden, oder reichen da einfache Muffins (die Muffins haben der Glückseligkeit des Herzbubens nicht gemindert, mir aber viel Stress genommen).
    Muss ich schnell noch wegen 3 Teilen einkaufen oder hat es Zeit, bis der Herzbuben-Papa sowieso den Großeinkauf vornimmt?
    Das sind meine Alltagskernfragen.

    Mit den Weihnachtskarten habe ich es dieses Jahr so gehalten, dass ich ausschließlich Menschen geschrieben habe, die mir wichtig sind, die ich aber nicht regelmäßig spreche oder sehe. Und Menschen, die neu in mein Leben getreten sind und mich bereichern. Menschen, für die ich dankbar bin.
    Die Auswahl kam ohne große Vorüberlegungen beim Schreiben. Die Texte gingen mir leicht von der Hand.
    Verwandte und Freunde, zu denen ich regelmäßig Kontakt habe, bekommen keine Karte. Sie rufe ich an und ihnen sage ich auch (hoffentlich) zwischendurch immer mal wieder, wie wichtig sie mir sind.

    Als elektronischen Weihnachtskartenersatz dir liebe Uta ein herzliches Dankeschön für deine wertvollen Anregungen, Denkanstöße und Sichtweisen. Nicht nur für das Familienleben, auch für die eigene Persönlichkeitsentwicklung.

    Fröhliche Weihnachten,
    Frieda

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