Große Brötchen

Was ich euch für das neue Jahr wünsche.

Ich habe es nicht so mit Jahresrückblicken. Zurückschauen, sinnieren, grübeln, Abschied nehmen. Die Jahre sollen nicht winkend an mir vorbeiziehen, ich will gestalten, Neues erschaffen, wirksam sein.

So wie Eckhart Tolle sagt: „Ich habe wenig Verwendung für die Vergangenheit ….“*

Das gilt auch für die kleinen Auseinandersetzungen, die man hatte. Die Großen muss man klären, bei den Kleinen kommt der Schwamm drüber.

Wie bei Lady Lorradaile, der Schwester des alten Earl of Dorincourt, im Film „Der kleine Lord“. Als der Griesgram vorschlägt, die alte Fehde einfach zu beenden, willigt sie freudig ein. „Ich kann mich auf den Kopf stellen, ich kann mich gar nicht mehr erinnern, weshalb wir überhaupt gestritten haben.“

Ganz viele Neuanfänge wünsche ich uns allen. Den Mut, das Alte abzuschütteln, die Ärmel hoch zu krempeln, Neues zu wagen: eine neue Sicht auf die Dinge, neue Standpunkte, immer bereit für Wunder und Geschenke.

Im neuen Jahr wird der Kronprinz Abitur machen und in die Welt ziehen. Ob ich darüber nicht traurig sei, wurde ich gefragt. Nein, ehrlich gesagt, erlaube ich mir das nicht. Ich bin dankbar für das Geschenk von 18 tollen Jahren mit ihm und wenn wir ihn jetzt festhalten würden, wenn wir ihn unter Druck setzen würden mit Traurigkeit, Sorgen oder gar Schwermut, würden wir alle verlieren. Dann wäre er nicht frei, seinen ganz eigenen Weg zu finden und sicher würde er uns dann auch seltener besuchen.

Hochfliegende Pläne hat er und ich möchte auf keinen Fall, dass diese Pläne an Höhe verlieren. Hier werden keine kleine Brötchen gebacken.
Kleine Brötchen? Das hat nichts mit Bescheidenheit und schon gar nichts mit Realismus zu tun.
Wie sagt Joanna vom Blog „Liebesbotschaft“ immer: „Wenn Gott mich hätte anders haben wollen, hätte er mich nicht so erschaffen, wie ich bin!“ Das gilt erst recht für unsere Kinder.

Unser Job als Eltern ist, uns auf lange Sicht überflüssig zu machen. Und wenn die Momente kommen, in denen ich den Kronprinzen vermisse, werde ich diesen Post wieder lesen und mir auf die Schulter klopfen: „Er drängt nach draußen, er will eigene Erfahrungen, eigene Fehler machen, alles richtig gemacht!“

Ich freue mich auf das neue Jahr, auf neue Lebensphasen, die anbrechen, auf all die Erfahrungen, gute und schlechte, die mir immer neu die Chance geben zu entscheiden, was für ein Mensch ich sein möchte.

Ich wünsche euch allen für 2016 große Brötchen und hochfliegende Pläne und dass ihr immer fröhlich bereit seid für Wunder und Geschenke!

Eure Uta

* Eckhart Tolle: Jetzt! Die Kraft der Gegenwart. Bielefeld 2010, Seite 15

7 Kommentare

  • Seifenfrau sagt:

    Danke, liebe Uta,
    Deine guten Wünsche und das große Brötchen nehme ich gerne an.
    Ein fröhliches neues Jahr wünsche ich Dir!

  • Lena sagt:

    Liebe Uta,
    „uns als Eltern auf Dauer überflüssig zu machen“, ja, das trifft es.
    Hab vielen Dank für diesen schönen Rück- und Ausblick .
    Einen guten Jahreswechsel für Dich und Deine Familie,
    Lena

  • Wahre Worte liebe Uta… alles Liebe für das neue Jahr und guten Flug dem Kronprinzen!
    lg Sternie

  • M. sagt:

    Gratulation ! M.

  • Dorthe sagt:

    Liebe Uta,
    das hast du so schön geschrieben … also ich hätte heulen können … aber wenn du es nicht tust, verkneife ich es mir auch 🙂
    Und ich halte (ab jetzt) unglaublich gern die Augen und Ohren offen für die kleinen Geschenke und Wunder. Und ich bin auch für große Brötchen. Ja, bitte!
    Ich wünsche dir und deiner Familie ein ganz tolles 2016!
    Danke! Liebe Grüße,
    Dorthe

  • Laura sagt:

    Liebe Uta, danke für diese Anregungen. Genau wie du sehe ich es auch: Kinder sollen selbstständig ihre eigene Welt erkunden und sie festzuhalten tut ihnen nicht gut. Schon mit kleinen Kindern muss man sich das vor Augen halten. Alles Liebe und ein frohes neues Jahr, Laura

  • Claudia sagt:

    Super schön geschrieben! Auch meine Große wird dies Jahr flügge, aber bis zum Abi haben wir noch ein Jahr. Trotzdem heißt es schon jetzt loslassen. Aber irgendwie ist es ja schon das ganze Kinderleben so. Erst spielen sie plötzlich alleine woanders, dann übernachten sie, fahren ohne zu zucken mit andern Familien glücklich in den Urlaub und werden Stück für Stück immer ein wenig selbständiger. Machen wir es ihnen schön zu Hause und geben ihnen was sie brauchen und genießen unsere wieder gewonnene Freiheit, dann kommen sie auch gerne zu uns nach Hause.
    Liebe Grüße vom Deich
    Claudia

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