Regretting nothing

Ein paar Fragen zum Verhältnis von Frau und Mann, die Eltern sind.

Neulich habe ich an einem „Webinar“ zum Thema „Erfüllte Familie“* teilgenommen. Mich hat dabei besonders beeindruckt hat, wie sehr es Eltern unglücklich machen kann, wenn sie sich mit dem Wert „Gleichheit zwischen Mann und Frau“ herumschlagen.

Wie soll der Mann ausgleichen, dass die Frau ihren Körper monatelang dem gemeinsamen Kind zur Verfügung gestellt hat? Wie soll er das tun?

Gut, er kann danach in Elternzeit gehen. Aber wie viel Elternzeit ist genug, um Gleichheit herzustellen?

Sie ist nachts aufgestanden und hat das Baby herumgetragen. Reicht es, wenn er dafür am Morgen die Spülmaschine ausräumt und am Abend eine Stunde bügelt?

Er bringt das Kind ins Bett und beide haben viel Spaß beim Vorlesen. Ja, aber das zählt ja nicht. So etwas Schönes. Wenn er immer nur den Märchen- und Zuckerwatte-Papa gibt, kann er auch den Müll runterbringen.

Wenn er die Zeit mit dem Kind genossen hat, gilt das dann als Beitrag?

Wie viel Leiden ist genug? Wie viele Windeleimer muss er füllen? Wann ist es ausgeglichen zwischen Mann und Frau?

Sie schreibt die Einladungen zur Kinderparty und kauft seiner Mutter das Geburtstagsgeschenk. Also ist sie so etwas wie der Sozialminister der Familie (… und der bessere Mensch?). Dafür hat er sich um die neuen Sommerreifen gekümmert. Dafür? Reicht das für die Balance im täglichen Kampf? Ja, und wenn es reicht, warum sind die beiden bloß gendermäßig so festgefahren? Wieder ein Grund, sich irgendwie schlecht zu fühlen.

Er versorgt mit dem Geld, das er verdient, zum Großteil die Familie. Das Weihnachtsgeld, das sie von ihren Eltern bekommen hat, ist dann nur für sie, oder? Schließlich macht er Karriere, während sie zu Hause das meiste an der Backe hat. Oder?

Er bezweifelt, dass das, was er da macht, „Karriere“ ist. Ja, was denn sonst? Wenn er die Freiheit, die er hat, nicht dazu nutzt, kann sie ja nichts dafür.

Wer definiert, was Karriere ist? Wann ist es ausgeglichen? Wann kehrt Frieden ein?

Wenn beide 50 Prozent im und außer Haus arbeiten? Wenn jeder sich um jeweils ein Kind kümmert? Wenn beide abwechselnd zu den Elternabenden gehen? Wenn er eine Skizze macht von der optimalen Ordnung in der Spülmaschine? Wenn sie mit dem Handy dokumentiert, dass er das Waschbecken nicht geputzt hat?

An dem Wert „Gleichheit“ kann man sich in der Familie so richtig aufarbeiten. „Gleichheit“ funktioniert irgendwie nicht, ständig hat man es mit Äpfel und Birnen zu tun.

Und dann kommen oben drauf noch die ganzen Gender-Fragen. Ist sie der personifizierte Rückschlag für die Emanzipation, wenn sie einen Mann mit Wagenheber erotisch findet? Fällt sie  der tapferen Manuela Schwesig in den Rücken, wenn sie es genießt, mit dem Kleinkind den halben Vormittag Gänseblümchen-Kränze zu winden?

Wer hat die Bewertungshoheit darüber, wie ich mein Leben führe?

Ich.

Das ist wahre Emanzipation, oder?

Ich meine damit nicht, dass sich irgendjemand zu Hause zum Deppen vom Dienst machen sollte. Aber es ist ein Unterschied, ob ich „Gleichheit zwischen Mann und Frau“ zum Familienwert erhebe oder „gemeinsames Glück“.

Ständiges Herummeckern, Aufrechnen und Jammern öffnet die Tür für die Beziehungs-Abwärtsspirale, liebevolle gegenseitige Unterstützung lässt einen zusammen abheben.

Wie geht es bei euch? Seid ihr lieber gleich oder glücklich?

Immer fröhlich zusammen abheben.

Eure Uta

*“Webinar: Erfüllte Familie“ der CoachingAcademie Bielefeld am 8.3.2016

12 Kommentare

  • Cornelia sagt:

    Liebe Uta,
    ich lese schon seit geraumer Zeit Deinen Blog und Dein Buch steht auf meiner Wunschliste, denn ich kann immer wieder Mal was für mich mitnehmen. Aber dieser Artikel, der trifft voll und ganz ins Schwarze. Dieses Thema reibt mich persönlich auf bzw ich mich daran. Bin ich altmodisch weil ich in diese rückständige „Sozialminister der Familie“-Rolle falle? Ist das überhaupt altmodisch? Und dann weiß man ja auch, was die Gesellschaft für einen Blick auf die Sozialminister zuhause hat… Schwierig dabei mit sich selbst ins Reine zu kommen!

    • Uta sagt:

      Ja, der „Blick, den die Gesellschaft auf die Sozialminister zu Hause hat …“ den mag ich auch nicht. Überhaupt, dass immer alles so schnell von anderen bewertet werden muss. Danke fürs Schreiben und liebe Grüße! Uta

  • Inra sagt:

    Liebe Uta,

    wieder ein schöner und wahrer Artikel, den du schreibst! Danke dafür, wie für so viele in den letzten Monaten. Dein Buch „mussten“ schon alle Eltern in meinem Freundeskreis lesen, und allen ging es danach besser.

    Auf deine Frage „gleich oder glücklich“ lautet meine Antwort eindeutig „glücklich“. Aber vielleicht bedingt ja „glücklich“ auch „gleich“? Oder anders: Wenn ich glücklich bin, muss ich weniger aufrechnen, weniger Grundsatzdiskussionen und Grabenkämpfe führen. Wenn ich glücklich in meiner Beziehung bin, weiß ich, dass mein Partner meinen Anteil am Familienarbeitsvolumen wertschätzt. Und wenn ich meinen Partner liebe, kann ich auch seinen Anteil wertschätzen – egal, wie genau die zeitliche und finanzielle Verteilung ist und ob mein Anteil eher typisch männlich oder weiblich ist.
    Hm, und wahre Emanzipation heißt doch tatsächlich auch, dass ich mir erlaube, mit meiner Rolle in meinem Leben zufrieden zu sein, unabhängig von Geschlechter- oder sonstigem Kampf.

    Einen entspannten Abend wünscht
    Inra

    • Uta sagt:

      Über den Satz „Dein Buch „mussten“ schon alle Eltern in meinem Freundeskreis lesen, und allen ging es danach besser“ freue ich mich natürlich riesig. Danke für deine Gedanken zum Thema, Inra!

  • Dorthe sagt:

    Liebe Uta,
    du kannst Gedanken lesen, oder? Ich könnte jetzt so viel darüber schreiben, wie das hier (nicht) läuft … aber ich muss noch Wäsche zusammenlegen, Einladungskarten für den Geburtstag der Lütten basteln, das Baby-Geschenk für meine Nachbarin hübsch verpacken … während der Mann Gitarre übt … Ich danke dir … und maile dir mal …
    Liebe Grüße,
    Dorthe

    • Uta sagt:

      Herrlich! Danke für das Beispiel aus dem Leben! Wer hat schon einen Mann, der einem die Arbeit mit Musik versüßt?! Wie immer alles eine Frage des Standpunkts, oder? Danke für den Kommentar! LG Uta

  • Barbara sagt:

    Hmmm, ich lebe 50/50 mit meinem Freund, seit über 20 Jahren, mit zwei Söhnen, einer schon erwachsen und ausgezogen…
    Wir sind definitiv die Ausnahme, sind damit sehr glücklich und ja, führten und führen (Wickel-)Listen, putzen gemeinsam mit einem Putzplan und Zeitplan (und den Söhnen/dem Sohn), haben genaue Aufteilungen, arbeiten immer genau gleich viel (erst je 20, jetzt je 35 Stunden, und ja: wir haben auf jede Menge Geld/“Karriere“ verzichtet, um das durchzuziehen) und alles das, was als extrem unsexy und zwanghaft gilt.
    Nun, für uns bedeutet es schon auch, uns mit unseren gesellschaftlich und (herkunftsfamiliär) geprägten Rollenverständnissen auseinanderzusetzen. Nicht immer leicht, nicht immer unanstrengend, ….
    Vor allem aber bedeutet es, dass wir einander nichts vorhalten, dass wir keinen heimlichen Groll aufeinander haben, keine Vorbehalte, keine Ungleichheitsgefühle, keine verschleppten Vorwürfe.
    Das können vielleicht andere ohne 50/50. Wir könnten es nicht.

    Das wir es so gemacht haben, genieße ich sehr, das macht mich sehr glücklich und ich habe – seit mehr als 20 Jahren – nie bereut, dass ich mit 18 Mutter wurde und er als der Vater meiner Kinder damit für immer Teil meines Lebens wurde. Nein, keinen einzigen Tag lang.
    Hat sicher nicht nur, aber schon sehr sehr viel mit 50/50 zu tun… War und ist für uns genau das Richtige, funktioniert wirklich gut.
    Für unsere Söhne ist es übrigens absolut normal, sie wundern sich manchmal über andere Familien und die erste Langzeitfreundin hat sich schon bei uns bedankt…

    Liebe Grüße,
    Barbara

    • Uta sagt:

      Hut ab, liebe Barbara, wie das bei euch so klappt. Und wie großartig, dass du sagen kannst: „nie bereut, dass ich mit 18 Mutter wurde und er als der Vater meiner Kinder damit für immer Teil meines Lebens wurde. Nein, keinen einzigen Tag lang.“ Danke, dass du von deinen Erfahrungen geschrieben hast! LG Uta

  • Roxanne sagt:

    gibt es das wirklich, dass man als paar sich gegenseitig vorrechnet wer wie viel Zeit für dies oder jenes opfert und was der andere im Gegenzug DAFÜR zu tun hat?!?

    Wir sehen uns als Paar, als Team…. jeder macht, was anfällt, jeder wie er Kraft und Zeit hat….wir reden viel miteinander…. aber gegenseitig aufrechnen?
    Das kann ich mir für uns nicht vorstellen…

    Liebe Grüße

  • Julia sagt:

    Liebe Uta,

    dieser krampfhafte Ruf nach Gleichheit ist das, was mich am Emanzipationsstreben der Generation meiner Mutter schon immer irritiert hat. Ja, Rollenbilder sind hartnäckig, da braucht es eine Portion Verbissenheit, bis sich etwas ändert. Aber letztlich ist alles, was ich verlange, gleiches Recht zur Selbstbestimmung, die Möglichkeit, eigene Entscheidungen zu treffen. Jeder Mensch hat unterschiedliche Bedürfnisse, und solange in einer Gemeinschaft alle Bedürfnisse ernst genommen werden, ist es doch egal, was für ein Lebensmodell gewählt wird. Insofern finde ich deine Frage, ob lieber gleich oder glücklich, falsch gestellt, entscheidend sollte sein: gleich glücklich! (zumindest soweit man das durch äussere Faktoren erreichen kann).

    LG, Julia

  • Birgit sagt:

    Liebe Uta,

    danke für den Beitrag. Einen Machtkampf kann niemand gewinnen, einzige Möglichkeit, sich dagegen entscheiden gut auf den Punkt gebracht.

    Ich habe den Artikel gleich in meinen Newsletter als Linktipp aufgenommen (960 AbonnentInnen)

    Liebe Grüße,
    Birgit

  • Mama chillt sagt:

    Ich habe deinen Post direkt an meinen Mann weitergeleitet 🙂 Das Thema betrifft nicht nur uns, sondern fast alle Paare mit Kindern in meinem Freundeskreis. Danke dass du es aufgreifst und so pointiert dazu schreibst. Glücklich statt gleich, ja, das macht Sinn. An deine Worte werde ich in Zukunft noch öfter denken. Grüße, Christina

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.