Glück – ein gigantischer Anspruch

Geschrieben, gelöscht, geschrieben, gelöscht … wie soll ich euch sagen, dass Alfie Kohn, der amerikanische Erziehungs-Autor, große Verdienste um Kinder erworben hat, mich nicht überzeugt? Mehrere Menschen, die ich schätze, haben mir sein Buch „Liebe und Eigenständigkeit“ ans Herz gelegt. Jetzt habe ich es durchgelesen und habe gemischte Gefühle.

Wie kaum ein Zweiter setzt sich Alfie Kohn dafür ein, dass Kinder nicht manipuliert werden, um bloß im Alltag ihrer Eltern zu funktionieren.

Kohn prangert ….“die Epidemie (an), Kinder bis ins Kleinste hinein zu managen, so zu tun, als seien sie Ableger von uns, die uns gehörten.“ (Seite 60)

Sein zweites großes Verdienst ist, das Loben von Kindern in einem neuen Licht zu betrachten. Wie kein Zweiter hat er uns vor Augen geführt, dass Loben nur die Kehrseite von Strafen ist, dass beides die Seiten der gleichen Dressur-Medaille sind. Wenn ich als Mutter oder Vater lobe, um ein Verhalten des Kindes, das mir genehm ist, zu verstärken, behandele ich mein Kind wie einen Zirkus-Pudel. Das ist respektlos.

Wenn ich mein Kind wie von einer höheren Warte betrachte und bei allem, was es tut, den Daumen senke oder hebe, erfährt es eine Liebe, die scheinbar an Bedingungen geknüpft ist, statt sich einfach zu freuen, mit ihm zusammen zu sein. Einer solchen bedingten Liebe hat Alfie Kohn den Kampf angesagt. Und das ist großartig.

Aber woher dann meine Zweifel?

Im letzten Drittel seines Buches „Liebe und Eigenständigkeit“ schildert er eine Szene mit seiner Tochter:

„Als ich einmal mit meiner dreijährigen Tochter eine Besorgung machte, weigerte sie sich, zum Auto zurückzugehen, und hielt mitten auf dem Bürgersteig einen Sitzstreik ab. Glücklicherweise hatte ich es nicht eilig, daher blieb ich freundlich und wartete einfach ab. Schließlich stand sie auf und stampfte wortlos zurück. Ich hatte es vermieden, direkten Zwang anzuwenden, doch Tatsache war, dass ich mich durchgesetzt hatte und sie nicht, und darüber war sie unglücklich. Als wir in die Garage fuhren, verkündete sie, sie wolle im Auto bleiben und Musik hören. Ich ließ sie das nicht nur länger tun als gewöhnlich, sondern ging sie auch ab und zu besuchen, um zu fragen, ob sie hereinkommen wolle. Sie sollte wissen – und auch wissen, dass ich wusste – , dass es ihre Entscheidung war. Wiederum ist die Idee simpel: „Wenn Sie etwas tun müssen, wodurch das Selbstbestimmungsgefühl des Kindes an einer Stelle geschmälert wird, bemühen Sie sich, es an einer anderen Stelle zu stärken.“ (Seite 212/213)

Wieso schreibt er, er habe sich durchgesetzt? Sie ist doch schließlich von selbst gekommen?

Woher weiß er, dass sie unglücklich war, als sie schließlich aufstand? Bedeutet Glück, sich durchzusetzen? Und muss sie jetzt nicht folgern, dass der, der seinen Willen nicht durchsetzt, immer unglücklich sein muss und umgekehrt?

Wenn ich – wie Kohn in dem Beispiel – vom Unglücklichsein des Kindes ausgehe (warum noch mal? weil es nicht länger auf einem Bürgersteig sitzen durfte?), fühle ich mich unter Druck, das auszugleichen. So wie Kohn mit dem Gerenne in die Garage.

Dieses Gefühl, einen Ausgleich schaffen zu müssen für ein vermeintliches Unglücklichsein des Kindes, bringt die wohlmeinendsten Eltern ins Rotieren. Das ist genau der Grund, warum so viele total erschöpft sind von den einfachsten Unternehmungen mit Kind. Sie sind erschöpft von dem gigantischen Anspruch, ihr Kind glücklich machen zu müssen. Noch fünf Minuten länger auf dem Asphalt, wäre es dann glücklich? Noch mal zurück und ein Eis holen? Stellt sich jetzt das Glück ein? Anderer Supermarkt, andere Autobahn nach Hause, andere Musik hören? Wann haben wir es endlich vertrieben, das Unglücklichsein unseres Kindes?

Der Punkt ist, dass wir das Unglücklichsein ins Haus holen, je mehr wir dieses Fass ohne Boden, das Fass des Glücks, füllen wollen.

Stattdessen male ich mir die gleiche Einkaufsszene mit einem fröhlich voranschreitenden Vater aus, einem Mann, der bald nach Hause möchte und nicht so tut, als wollte er es nicht. Es ist ein Vater, der sich vielleicht auch mal hinhockt und mit dem Kind guckt, was so krabbelt zwischen den Steinen, dann aber auch sagt: „Jetzt hoch den Hintern, ich brauche einen Kaffee!“ Zuhause hat das Kind gar nicht die Idee, im Auto zu bleiben, weil es gerne in der Nähe seines Papas ist. Es braucht keine Machtspielchen und will keine Minute mit ihm verpassen. Denn nach dem Einkauf fallen beide immer aufs Sofa und probieren die neuen Kekse. Ich stelle mir den Vater als einen Menschen vor, der so viel Liebe und Zutrauen zu seinem Kind hat, dass er nicht einen einzigen Gedanken daran verschwendet, es könnte unglücklich werden wegen irgendwelcher Kleinigkeiten. Ein Vater, der mal Bundesliga-Reportagen hört und mal eine Kinder-CD, der mal ein Eis kauft und mal nicht. So what! Ein Vater, der sein Kind nicht mit Gefühlen erpresst, sich aber auch umgekehrt nicht von dessen Gefühlen erpressen lässt. Bei so einem Vater wäre ich lieber Kind als bei dem von Kohn beschriebenen. Ich dürfte auch mal wütend oder stur sein, ohne dass jemand gleich so eine große „Mein-Kind-ist-unglücklich-Nummer“ daraus macht. Man würde mich in Ruhe lassen und sich nicht mit Ausgleichsaktionen verausgaben. Bin ich so ein armer Wicht, dass ich das nötig hätte?

Was der Amerikaner Eltern empfiehlt, ist mir zu ängstlich und zu besorgt. Da ist mir zu wenig Zutrauen in die Stärke von Kindern.

Man sagt, Kinder „lesen“ in ihren Eltern wie in einem Buch. Bei dem Beispiel mit der Tochter nach dem Einkauf kann das Kind lesen: mein Papa ist ängstlich darauf bedacht, es mir Recht zu machen, er ist sich seiner nicht sicher, stellt seine Bedürfnisse in den Hintergrund, er traut mir nicht zu, mit Frust und Anstrengung zurecht zu kommen. Es liest Angst, Sorge, Unsicherheit, Erpressbarkeit, wenig Vertrauen in seine und in meine Stärke.

 

IMG_8887

Kinder in Barcelona beim Nachjagen einer großen Seifenblase (leider nicht im Bild), fotografiert in unserem Sommerurlaub.

 

Ich möchte mich nicht an der Einkaufssituation in Kohns Buch festbeißen, sondern noch ein weiteres Beispiel nennen, wo es mir zu weit damit geht, Einfluss auf die Gefühle der Kinder nehmen zu wollen. Kohn schreibt, dass viele Schüler den Eindruck hätten, ihre Eltern würden sie nur anerkennen, wenn sie in der Schule gute Noten hätten. Um das zu verhindern, empfiehlt er, sein Kind ganz offen danach zu fragen:

„In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, unsere Kinder ganz direkt zu fragen: ‚Hast du manchmal das Gefühl, ich würde dich mehr lieben, wenn du gute Noten bekommst (oder im Sport gute Leistungen erbringst oder sonst etwas tust, mit dem ich bei meinen Freunden angeben kann), als wenn du es nicht tust?“‚ (Seite 185)

Ich habe Prinzessin (15) vor einiger Zeit etwas gefragt, was in eine ähnliche Richtung ging. Daraufhin guckte sie mich an, als hätte ich den Verstand verloren, schüttelte den Kopf und ging lachend in ihr Zimmer. Ich war beschämt. Wie konnte ich überhaupt eine Frage dazu haben? Das sagte mehr über meine Unsicherheit aus als über ihre.

Kohn lässt Kinder zu wenig ihre Gefühle (gerade die schlechten) haben. Das irritiert mich, weil gerade ihm Respekt doch so wichtig ist. Unbedingt sollen Kinder glücklich sein und auch noch andere Menschen glücklich machen. Der Wunsch ist verständlich. Ich befürchte aber, er lässt Eltern ausbrennen und infiziert Kinder mit der Idee, andere seien für ihre Gefühle verantwortlich. Und das schwächt sie eher, als dass es sie stark macht, wie Kohn es doch so sehr für alle Kinder wünscht.

Die ersten zwei Drittel des Buches öffnen einem dafür die Augen, wie wenig wir manchmal die Bedürfnisse von Kindern berücksichtigen. Das habe ich mit Gewinn gelesen. Die zaghaften Empfehlungen aber, wie wir unser Miteinander in der Familie konkret verbessern könnten, am Ende des Buches überzeugen mich nicht. Sie kippen mir zu sehr ins Neoromantische, wie Jesper Juul es nennen würde (vgl. Jesper Juul: 4 Werte, die Kinder ein Leben lang tragen. München 2014, Seite 27).

Immer fröhlich führen, dabei Freiheiten gewähren und Kindern ihre Gefühle lassen.

Eure Uta

15 Kommentare

  • Wie recht du hast! Das ist DER Punkt für unsere Ehekrisen. Mein Friede-Freude-Eierkuchenmann macht unsere Kinder so gerne glücklich, koste es, was es wolle. Im Gegenzug ist er selbst nie schlecht gelaunt, ihm wird die Laune vermiest (von mir zum Beispiel). Zum Glück bin ich auch noch da, ich halte es nämlich aus/übernehme die Verantwortung wenn die 9jährige keinen Eisbecher vor dem in einer Stunde geplanten Restaurantbesuch bekommen darf oder der 19jährige sein (spinnertes) Traumauto eben noch nicht kaufen kann. Die Finanzspritze für das zweitliebste Auto hat dann übrigens auch kein Glück gebracht.
    Die Kinder wissen, dass sie den besten Papa der Welt haben, mich lieben sie nicht weniger (höchstens Phasenweise, wenn ich wieder mal die Böse bin).
    Abschlussbemerkung: vielleicht habe ich unsere Konstellation jetzt ein wenig überzeichnet, aber wirklich nur ein bisschen 🙂
    glg

    • Dorthe sagt:

      Liebe Tagpflückerin und natürlich liebe Uta!
      Bei uns ist das ganz ähnlich. Ich kann es meist aushalten, wenn die Lütte wütend ist, weil es jetzt kein Eis o.ä. gab. Oma, Opa und der Papa geben dann irgendwann nach. Ob es daran liegt, dass sie die Lütte nicht „unglücklich“ machen wollen oder eher daran, dass sie das Genörgel nicht mehr ertragen, weiß ich nicht so genau …
      Das mit dem Loben finde ich nach wie vor schwierig. Ich find es auch unnötig, wenn der Papa jedes, wirklich jedes, Kunstwerk mit „Hey, super!“ abtut, anstatt sich mal kurz in echt dem Kind zu widmen. Aber … ich denke trotzdem, dass es das Kinder stärkt, wenn es auch mal hört: „Ich finde, das hast du richtig gut gemacht.“ Gerade, wenn dieses Kind ständig denkt, alle können alles und nur ihm passieren doofe Dinge …
      Liebe Grüße von Dorthe

      • Uta sagt:

        Liebe Dorthe, gegen echte Anerkennung spricht gar nichts. Die ist wichtig und schön. Kritisch zu sehen ist eher das Lob aus einer manipulativen Absicht heraus bei Eltern, die so eine Zuckerbrot-und-Peitsche-Strategie nutzen. Liebe Grüße, Uta

  • Mama hoch zwei sagt:

    Ich werde diesen Artikel noch 5 mal lesen – da steck so viel drin und es arbeitet jetzt schon in mir. Wunderbar, vielen Dank, du kannst die Dinge so formulieren, dass i9ch immer nur heftig nicke und sage „ja, genau so will ich es machen“. Manches mache ich tatsächlich so, ohne dass ich es so klar hätte aufschreiben können. Über anderes denke ich nach und schaue, ob ich es gut finde und übernehmen will.
    Danke! Deine Artikel sind immer ganz wunderbar.

  • Danielle sagt:

    Liebe Uta,

    ich denke nicht, dass es Kohn darum geht, Kindern negative Gefühle zu ersparen. Mein Eindruck war vielmehr, dass es darum geht, zu erkennen, wann man seine Macht gebraucht hat – und mit diesem Wissen dem Kind die Gelegenheit gibt, das wieder auszugleichen.

    Er hat sich bei der Situation mit dem Auto insofern durchgesetzt, dass beide ein anderes Bedürfnis hatten – er, zu fahren, sie nicht zu fahren. Am Ende wurde gefahren. Er beschreibt es ja auch als Sitzstreik („passiv-aggressive Reaktion“) – der Situation wird also tatsächlich ein Konflikt voraus gegangen sein.

    Das zentrale Thema an der Stelle ist Würde – hier wurde die der Tochter einfach beeinträchtigt – diesen Gesichtsverlust soll man ausgleichen. Das heißt aber nicht, dass man ständig bemüht sein muss/sollte, negative Gemütszustände auszugleichen – er empfiehlt ja auch kurz danach, Wutanfälle zu begleiten und zu trösten und nicht zu ignorieren oder zu bestrafen.

    Das Nachfragen empfiehlt er explizit nur dann, wenn man selbst das Gefühl hat, im Rahmen der familiären Situation habe das Kind das Gefühl, dass die Zuneigung der Eltern von seinen Leistungen abhinge. Wenn man dies nicht genau wisse, solle man im Zweifel einfach mal fragen (und das richtig stellen). Es geht dabei gar nicht um das Verhindern, sondern das Vergewissern.

    Ganz herzliche Grüße
    Danielle

    • Uta sagt:

      Liebe Danielle,
      danke für deinen Kommentar! Ich freue mich, dass du dich zu Wort meldest.
      Für die meisten Menschen hat der Begriff „Macht“ einen negativen Beigeschmack. Wenn zum Beispiel beim Sport jemand zum Kapitän einer Mannschaft gewählt wird, hat er oder sie die Macht, die Spielrichtung mit auszulosen, sich Teamkollegen bei Fehlverhalten zur Brust zu nehmen und vielleicht mehr mit dem Trainer zu kommunizieren. Muss ich als Trainer diese Macht, der Kapitän zu sein, für die anderen Spieler ausgleichen? Liegt der Ausgleich nicht schon in der Entlastung, diese Verantwortung nicht tragen zu müssen? Auch für ein Kind liegt eine große Entlastung darin, wenn es liebevoll geführt wird. Es ist anstrengend, als Dreijährige entscheiden zu müssen, wann und warum der Vater und sie den Aufenthalt auf einem Supermarktparkplatz beenden sollten, es kann eine Bürde sein, als Dreijährige die Verantwortung dafür übernehmen zu müssen, zu entscheiden, was gefährlich ist und was nicht, wenn man allein in einem Auto in der Garage sitzt … Diese Verantwortung als Kind nicht tragen zu müssen, ist für mich der Ausgleich zum Machtverzicht und eine wichtige Spielart sinnvoller Führung.
      Einen Angriff auf die Würde des Kindes (Gewalt, Missachtung, Auslachen … ) kann ich in dem Beispiel nicht entdecken.
      Herzliche Grüße
      Uta

  • Nicky sagt:

    Liebe, Tagpflückerin, Dorthe & natürlich Uta!
    Das mit den Männern ist wohl eine art Volkskrankheit, den meiner ist so ähnlich. Vermutlich liegt es daran das man als Mutter nicht nur aushalten kann, sondern von Anfang an eine besondere Bindung haben, die egal was ist, nicht zu erschüttern ist. Väter wissen auch das sie diese besondere Bindung zu ihren Kind haben, aber vermutlich haben sie im Unterbewusstsein Angst dies Bindung zu verlieren und versuchen es deshalb dem Kind ständig alles recht zu machen. Aber ein Kind braucht doch fürs Leben nicht nur das Glücklichsein, daraus wird es seine Gefühle nicht lernen. Ein Kind sollte auch wütend, Frust, ängstlich usw sein, denn das gehört nicht nur zum Leben, sondern auch so lernt das Kind sich selber kennen.

    Lg Nicky

  • Luanha sagt:

    Ich glaube, es ging ihm nicht um glücklich oder unglücklich. Das Kind hat sich nicht auf den Weg gesetzt, weil das spannend und bequem war. Es hat damit gesagt: mein Ziel ist nicht das Auto sondern was anderes.
    Es sind zwei verschiedene Bedürfnisse aufeinander geprallt und sie musste zurückstecken, weil er nicht nachgab. Konflikt – Wut/Frust – Trauer. Im Auto hat er ihr lediglich Zeit für ihre Trauerarbeit gegeben und mit seinem Nachfragen nur gezeigt, dass sie immer kommen kann und nicht alleine gelassen wird.
    Aber du hast recht mit diesem Ausgleichsdenken. Wenn es XY gerade nicht gibt, kaufe ich dir dafür QW. Dieses Denken ist mir bei meinem Sohn aufgefallen, der meinte, wenn die eine Schulstunde 10min überzogen wurde, dann darf er zum Ausgleich bei der nächsten 10min später kommen.
    Seit dem pass ich bei den Jüngsten auf, dass ich nicht in das selbe Muster verfalle, denn im Leben werden ein Haufen Ungerechtigkeiten passieren und niemand wird zum Ausgleich ein Lolly uns dafür schenken.

    • Uta sagt:

      Dein Sohn kommt auf Ideen! Lach!

    • Claudia sagt:

      Ich finde die Idee mit dem Ausgleich in der nächsten Schulstunde gar nicht soo abwegig. Die Kinder haben schließlich ein Recht auf ihre Pause, warum sollen sie diese kürzen, wenn der Lehrer nicht pünktlich fertig werden kann? Warum sollte die Pause weniger wert sein als die folgende Stunde?
      Kommt natürlich immer drauf an, warum überzogen wurde. Sind die Schüler selbst schuld, geht das natürlich auf jeden Fall auf Kosten der Pause. Im anderen Fall, muss man den Kindern erstmal deutlich machen, warum der Ausgleich über den Tag verteilt irgendwann zu einem Problem werden muss. In meinen Augen keine Selbstverständlichkeit.
      Und auch wenn mir später niemand einen Lolly schenken wird, so muss ich doch auch lernen, bei Ungerechtigkeiten zu sehen, wie ich das Beste aus der Situation mache. Schenkt dir das Leben Zitronen, so mach Limonade draus! Am Anfang müssen die Eltern dabei eben helfen. Nicht mit Kaufen, sondern mit Ideen, wie die Situation doch noch gerettet werden kann. (Für Eis ist zu kalt, das Argument gilt aber nicht für Kuchen)

  • Marie sagt:

    Du sprichst mir aus der Seele. Das Buch habe auch ich mit gemischten Gefühlen gelesen, so wie du es beschreibst. Das Kind in der Mitte und alles andere wird drumherum gebastelt. Das ist verunsichernd und anstrengend und auch für das Kind nicht so zufriedenstellend, wie wir als Eltern uns das vielleicht vorstellen.
    Die liebevolle Führung klingt toll, dafür muss aber die positive innere Einstellung zum Kind vorhanden sein. Das ist in uns drin oder wir müssen sie uns immer wieder bewusst machen. Das empfinde ich als große Herausforderung. Weil Kinder sich halt nicht immer so verhalten, wie wir uns das vorstellen. Geduld und Vertrauen haben in das eigene Kind, nicht zu viel meckern, das Gute bestärken ohne aufs Lob zu reduzieren. Nicht zu demütigen und trotzdem keine Alternative zu sehen, als aufs Zimmer zu schicken.

    Auch Kinder dürfen mal negative Gefühle haben und nicht einverstanden sein oder verunsichert. Wir Erwachsenen auch. Das ist das Leben.
    Wo ist das Problem, wenn wir als Eltern auch mal verunsichert sind? Es ist doch schön, wenn dann so eine Rückmeldung wie von Deiner Tochter kommt. Freu Dich, dass es anscheinend kein Problem gibt und Du kannst mit geradem Rücken weiter liebevoll führen. Oder auch mal aus der Haut fahren. Meinst du nicht?

  • Christian sagt:

    Ich kann nicht ganz nachvollziehen wieso du dieses Buch anhand der zwei Abschnitte kritisierst. Der letztere Abschnitt wurde hier schon diskutiert. Bei dem ersten Zitat ist das Beispiel von Kohn wirklich etwas schlecht gewählt oder übersetzt oder es fehlt einfach der Rahmen (vielleicht wollte das Mädchen ja nicht einkaufen gehen?). Mmn. hälst du dich jedenfalls viel zu sehr daran auf und überliest die Hauptaussage, die Kohn vermitteln wollte: „Wenn Sie etwas tun müssen, wodurch das Selbstbestimmungsgefühl des Kindes an einer Stelle geschmälert wird, bemühen Sie sich, es an einer anderen Stelle zu stärken.“ Da steht nichts von „wieder glücklich machen“. Das stand im Beispiel und wird daraufhin von dir den ganzen Artikel lang thematisiert als ob es die Hauptaussage gewesen wäre, dabei ging es darum nicht. Für mich heißt dieser Satz übersetzt: achte darauf, welche Kompromisse deine Kinder für dich eingehen und wo die Selbstbestimmung deines Kindes einschränkst. Gib ihnen an anderer Stelle Selbstbestimmung/Entscheidungsfreiheit zurück, indem du bspw. einen Kompromiss eingehst. In der Regel müssen Kinder zum einkaufen mitkommen. Sie entscheiden nicht „ich habe _jetzt_ Lust einkaufen zu gehen“. Wo ist da das Problem im Ausgleich etwas Rücksicht auf die Bedürfnisse der Kinder zu nehmen und nicht gleich wieder das nächste eigene Bedürfnis in den Vordergrund zu stellen à la: „Jetzt hoch den Hintern, ich brauche einen Kaffee!“? Ich kann da das Kind verstehen, was nach so einer „Ansage“ anfängt zu „provozieren“ (Sitzstreik würden so manche Eltern als Provokation sehen) und damit ausdrückt „ich kann jetzt nicht mehr funktionieren, ich brauche jetzt wieder selbstbestimmte Zeit für mich“ (Steine angucken, Musik hören, etc.).

  • Martina sagt:

    Ach Uta, ich bin einfach dein grösster Fan!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.