Koffer packen

Heute packen wir. Morgen fliegt Sadia nach Afghanistan zurück.

Wir haben bei Ebay-Kleineinzeigen einen großen Koffer gekauft. Da kommt alles rein, was ihr wichtig ist.  Die Kleider, die sie mag, Creme fürs Gesicht, Creme für die Füße, doch kein Senf (weil – wie sie meinte – es die passende Wurst dazu in Afghanistan nicht gibt), Lavendel-Seife für ihre Mutter und für ihre sechs Geschwister ein Basketball-Korb zum Aufhängen im Hof.

Sadia klaubt nicht einfach alles zusammen. Sie zeigt auf etwas und sagt: „Das ja!“ – „Das nein!“

Als ich ihr sagte, dass sie ihr Fahrrad nicht mitnehmen kann, hat sie sehr geweint. Kein wütendes Weinen wie sonst schon mal, sondern ein Trauriges. Mal sehen, vielleicht können wir es organisieren, dass sie in Afghanistan ein Fahrrad bekommt. Ich habe aber lieber nichts gesagt, weil ich nicht weiß, ob es klappt.

 

Auf der Rückreise wird sie wieder das Kleid anziehen, das sie bei der Ankunft getragen hat. Inzwischen hat sie mehrere Kleider. Eines schöner als das andere. Aber sie wird das tragen, was ihre Eltern ihr als einziges mitgegeben haben. „Guck mal,“ sagt sie und zeigt mir zum mindestens zwanzigsten Mal die gestickten Blüten am Saum. „Guck mal, wie schön!“

Sie hat nie vergessen, woher sie kommt und wohin sie zurück will. Sie hat so etwas Aufrechtes und Stolzes.

Bewahre es dir, Sadia, und bleib immer so fröhlich, wie du bist!

Uta

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