Sich selbst heilen für das eigene Kind

Warum Eltern nicht psychologisieren sollten.

Wenn ich schreibe, Eltern sollten nicht zu sehr psychologisieren, was meine ich damit?

  • Eine der Grundannahmen in der Psychologie ist, dass frühkindliche Erlebnisse den Menschen prägen und darüber bestimmen, was für ein Erwachsener er oder sie wird. Dass diese Prägung stattfindet, ist unbestritten. Die Frage ist nur, in welchem Maße und wie sehr sie veränderbar ist. Es gibt Menschen, die ein unglückliches Leben führen, obwohl sie liebevolle und feinfühlige Eltern hatten, und es gibt Menschen, die auf eine furchtbare Kindheit zurückblicken und beeindruckende Persönlichkeiten wurden. 
  • Ich kann als Mama und Papa dafür sorgen, dass wichtige Bedingungen für das Aufwachsen meines Kindes erfüllt sind: Bedürfnisbefriedigung für die ersten Wochen und Monate, viel Nähe, Feinfühligkeit, liebevoller Umgang, die Persönlichkeit achten, Grenzen setzen, Freiräume lassen, Regeln aufstellen, Autonomie fördern, das Kind unterstützen, als Eltern authentisch sein … aber es gibt kein „Mein-Kind-wird-garantiert-jetzt und-später-glücklich-sein“-Programm.
  • Wenn sich Menschen sehr auf die Psychologie berufen, fallen oft Sätze wie „Ich kann ja nicht glücklich sein, weil meine Eltern früher dies oder jenes gemacht haben.“ Ist das so? Kann ich wirklich wissen, dass das wahr ist? Könnten nicht weitere Faktoren eine Rolle gespielt haben? War das, was ich meiner Mutter vorwerfe oder meinem Vater anlaste, vielleicht sogar der für sie größtmögliche Ausdruck von Liebe zu mir? Und selbst wenn das, was vorgefallen ist, in keiner Weise gut zu heißen ist, kann ich vielleicht trotzdem vergeben und mich dadurch heilen?
  • Für ihre Kinder möchten viele Menschen genau das Gegenprogramm zu dem erschaffen, was sie einmal erlebt haben. Das Problem ist: sie hängen damit in der Vergangenheit fest, sie haben die Neigung, stark um ihre Prägung und damit um sich selbst zu kreisen. So kann es passieren, dass sie nicht im berühmten „Hier und Jetzt“ leben, dass sie nicht für ihr Kind präsent sind und ihr Kind nur durch die Brille der eigenen Kindheitserfahrung sehen. Dabei sind sie voll edler Absichten und wollen wirklich für ihr Kind da sein. Nur zu viel Psychologie trübt ihnen den liebenden Blick. 
  • Ist es denn nicht wichtig, sich der Erlebnisse bewusst zu werden, die einen geprägt haben, und eventuelle Traumata zu überwinden?
  • Unbedingt! Davon bin ich zutiefst überzeugt. Idealerweise bevor man Kinder bekommt. Aber auch wenn sie schon da sind, ist es nicht zu spät. Niemand wird so schnell auf die Weiterentwicklung der Eltern reagieren wie die eigenen Kinder. Wenn Eltern bereit sind, sich die eigenen inneren Programme bewusst zu machen und zu verändern, passieren Wunder für die ganze Familie. Das habe ich selbst erlebt. 

Mit sich im Reinen sein, Erfüllung finden, tanzen ... ein größeres Geschenk kann man seinem Kind nicht machen.

  • Wichtig ist, sich ein Coaching zu suchen, bei der die Vergangenheit zwar Thema ist, aber nicht ausschließlich. Kreist die Beratung nur um belastende Kindheitserlebnisse oder um einen schmerzvollen Einschnitt im Leben, kommt man da schlecht wieder raus und man erweist sich und seiner Familie einen Bärendienst. „Ah, jetzt habe ich ärztlich bescheinigt bekommen, wie traumatisiert ich bin. Dann weiß ich endlich, wer ich bin.“ Das mag zunächst tröstlich sein. Aber so entstehen Festschreibungen, jedoch keine Weiterentwicklungen. 
  • Wichtige Fragen sind: Was hat mich geprägt? Muss es das weiter tun? Welche neuen Haltungen kann ich zu alten Erlebnissen finden? Wie kann ich meine verschüttete Kraft wieder entdecken und damit mein Leben neu gestalten? 
  • Bitte! Bevor ihr eure Kinder in eine Therapie schickt, guckt, was ihr für euch selbst tun könnt! Ihr könnt bei mir ein Einzel-Coaching buchen oder ich gebe euch auf Anfrage sehr gerne Hinweise auf Trainings. 

Immer fröhlich sich weiter entwickeln - für sich selbst, den Partner und die nächste Generation, 

eure Uta

Photo by Josh Willink from Pexels

Meine 7 wichtigsten Buch-Tipps für Weiterentwicklung:

  • Eckhart Tolle: Eine neue Erde. Bewusstseinssprung anstelle von Selbstzerstörung. München 2009
  • Neale Donald Walsch: Gespräche mit Gott. München 2006
  • Byron Katie: Ich brauche deine Liebe - ist das wahr? Liebe finden, ohne danach zu suchen. München 2012
  • Laura Malina Seiler: Mögest du glücklich sein. Berlin 2017 (Mir gibt ihr erstes Buch mehr als das zweite)
  • Martha Beck: Enjoy your life. 10 kleine Schritte zum Glück. Frankfurt am Main 2004
  • William Martin: Das Tao Te King für Eltern. Bielefeld 1999
  • Wayne W. Dyer: Glück der positiven Erziehung. München 1989 (nur noch antiquarisch)

Zum Weiterlesen: 

* In meinem Blog-Beitrag "Ein Herz und eine Seele mit sich selbst" geht es um unsere Familien-Situation mit Fern-Beziehung und darum als Mama seine Intuition fürs Kind wieder zu finden.

* Der Post "Lieber Achtsamkeit als Multi-Tasking" versammelt unter dieser Überschrift 14 Tipps, mit denen das Familienleben leichter wird. 

* In "Kraftquellen" habe ich über mein Morgenritual geschrieben und einige der oben genannten Bücher näher beschrieben. 

3 Kommentare

  • Marie sagt:

    Liebe Uta,
    das ist so ein wichtiger Beitrag.

    Woher kommt das psychologisieren? Dahinter steckt doch der Gedanke, dass mein Kind Produkt meiner Erziehung ist.
    Wieso fällt es so schwer, sich davon zu lösen?
    Weil alle Welt davon redet/schreibt, was Eltern tun und lassen müssen, um glückliche Kinder zu bekommen. Jeder will glückliche Kinder haben.

    Wie oft haben wir hohe Ideale, wenn das erste Kind geboren wird, wollen alles besser machen, die Liebe geben, die wir von unseren Eltern vermisst haben. Rahmen schaffen, wo sie gefehlt haben, oder Begrenzungen loslassen, wo sie zu viel waren. Und dann ist es da, das Kind. Und bringt uns an unsere Grenzen. Und wir überfordern uns, aus dem Wunsch heraus, alles zu geben und alles besser zu machen.
    Dabei müssen wir uns und unseren Eltern vergeben lernen. Unserem Partner vergeben lernen, der sein eigenes Päckchen (und eigene Ideale) mitbringt.
    Je früher, desto besser. Manchmal braucht es auch die Kinder, um sich für seine eigenen Schmerzen zu öffnen und bereit für eine Heilung zu sein. Manches schlummert im Verborgenen und kommt erst mit der Zeit zum Vorschein.

    Klar, wenn ich mit mir und meiner Vergangenheit im Reinen bin, meine Bedürfnisse kenne und achte, kann ich auch klarer dafür einstehen und auch die Bedürfnisse anderer wertschätzen.

    Danke für den Beitrag und deine unzähligen anderen, die so viel Warmherzigkeit transportieren.

    Liebe Grüße,
    Marie

    • Uta sagt:

      Liebe Marie, ich freue mich gerade ganz doll über deine Zeilen. Du hast so Recht. Es ist vor allem der Gedanke, dass das Kind Produkt unserer Erziehung sei. Natürlich hat es Einfluss, wie wir miteinander sind, aber diese Machbarkeits-Idee ist es, die uns in die Irre führt. Das Kontrollieren, die Angst vor Fehlern, die Angst vor Schuld, vor Traumata, die wir auslösen könnten. Damit geht die Freude baden. Und das ist das, worauf Kinder am meisten anspringen. Sie lachen ja auch viel mehr als Erwachsene. „Mit dem Kind sein“ ist viel wichtiger als alle Aktivität.
      Danke für deine große Anerkennung meiner Arbeit, für deine treue Begleitung und Kommentierung!
      Herzlichst, Uta

  • Vanessa sagt:

    Liebe Uta, erst einmal wieder danke für deine hilfreichen Beiträge. Das Überpsychologisieren ist wirklich ein großes Thema, man traut damit seinem kleinen Wunder wieder erstaunlich wenig zu. Danke für Deine „Erdung“. Was mich jedoch anfixt ist „den Eltern vergeben“, ich glaube, dass meine Eltern wirklich Ihr Bestes gegeben haben, aber vergeben kann ich das Erlebte nicht. Ich bin mit dem Thema dennoch in meiner Mitte, mache keine Vorwürfe und wünsche das Beste. Herzliche Grüße, Vanessa

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