Mehr Geduld bei kindlicher Haushaltshilfe

In diesen Tagen sagen alle, dass Kinder, klein und groß, im Haushalt helfen können. Gerade war ich in einer Schreibtischpause im Garten, habe ein Beet von Blättern befreit und es geharkt und war von Herzen dankbar, dass nicht jeden Moment ein Bobbycar in die frisch bearbeitete Rabatte schießt. Kronprinz (22) sitzt oben im Zimmer an seiner Bachelor-Arbeit, er flitzt nicht mehr auf Plastikautos durch den Garten. Puh!

Haus- und Gartenarbeit mit Kindern wird gerne als Idylle beschworen: krümelige Erde an Patsche-Händchen, Klein-Ida mit Blech-Gießkanne in der Hocke neben Krokussen und eine Schar rosiger Plätzchenbäcker in der Küche. Wir alle wissen, dass es anstrengend ist. Es klebt überall, es läuft eigentlich nie, wie wir uns das vorstellen, und anschließend müssen alle in die Wanne, so dass das Bad in einen ähnlichen Zustand der Verwüstung gerät wie die Küche und das Hochbeet, das wir so schön anlegen wollten. 

Ehe ich gleich textlich nicht mehr im Garten bin, muss ich schnell noch eine Idee aufgreifen, die ich bei Aletha J. Solter gefunden habe. Eine Mama hatte ihr geschrieben, dass sie im Garten dabei war, Setzlinge einzupflanzen. Ihr dreijähriger Sohn störte aber immer wieder die Arbeit und war kurz davor, die zarten Pflänzchen wieder auszureißen. Vorschläge, er könnte doch bei der Arbeit helfen, wurden in den Wind geschlagen. Schließlich dämmerte der Frau, dass sich ihr Sohn die gleiche Aufmerksamkeit wünschte wie die, die sie den Pflanzen angedeihen ließ. „Schatz, lass uns so tun, als wärst du eine kleine Salatgurkenpflanze und ich grabe dich ein, damit du wachsen kannst!“ Gesagt, getan. Sie hob eine Grube aus, in die sich der kleine Mann hinein hocken konnte, bedeckte ihn ein wenig mit Erde, sagte Sätze wie „Was bist du nur für ein süßes kleines Pflänzchen! Ich kann kaum erwarten, dass du wächst und ein paar leckere Gurken hervorbringst.“ Wie berichtet, genoss er jede Minute des Spiels. Danach konnte Mutter ihre Arbeit ungestört fortsetzen. (Aletha J. Solter: „Spielen schafft Nähe - Nähe löst Konflikte“, München 2020, Seite 83/84)

Das ist zauberhaft, oder? Aber auch hier wieder: keine Fotos von den braunen Erdspuren auf dem Wohnzimmer-Teppich, kein Bericht von den Überstunden an Waschmaschine und Badewanne, um aus dem Gurkensprössling am Abend ein bettfähiges Kind zu machen. 

Auch so ein idyllisches Bild. Aber das war wahrscheinlich vor dem Eintopfen des Kindes. Foto von Maggie My Photo Album von Pexels

Gärtnern, Werkeln, Putzen und Kochen mit Kindern ist anstrengend. Keine Frage! Aber weil das so ist, möchte ich daran erinnern, welchen großen Wert es hat, damit ihr es besser aushaltet … oder vielleicht sogar genießt.

Wenn ihr zusammen mit euren Kindern im Haushalt arbeitet,

  • beschäftigt ihr sie nicht bloß. Ihr leistet eine höchst wertvolle pädagogische Arbeit.
  • helft ihr, dass sich ihre motorischen Fähigkeiten rasant weiter entwickeln
  • stärkt ihr ihr Selbstbewusstsein enorm
  • sorgt ihr dafür, dass sie sich als unverzichtbarer Teil der Familie fühlen
  • stärkt ihr eure Verbindung zum Kind und seine zu euch
  • vergrößert ihr seine Haushaltskompetenzen und macht es auf lange Sicht lebenstauglich und partnerschaftsfähig

Ehrlich gesagt halte ich das Ganze für wertvoller als jedes Basteln in der Kita. 

Druckt euch diese Liste aus, dann könnt ihr die Kollateralschäden hoffentlich lockerer sehen. (Vielleicht sollte ich auch nicht von mir auf euch schließen. Bei mir hat der Haushalt immer sehr unter der fröhlichen Mithilfe der Kinder gelitten. Wenn ich eure Kommentare lese, habt ihr alles gut im Griff.)

Das Buch „Im Frühling“ von Jill Barklem hat Danny gewonnen! Ich gratuliere! Bitte maile mir deine Adresse!

Sobald ich sie habe, gehen auch die restlichen Gewinne der vergangenen Woche in die Post. Bitte seht mir nach, dass ich keine persönlichen Grüße dazu schreibe. Das wird mir gerade zu viel. 

Immer fröhlich im Kopf behalten, welche wertvolle pädagogische Arbeit ihr leistet, wenn ihr die Kinder mit im Haushalt helfen lasst,

Eure Uta 

Dieser Beitrag gilt als Werbung wegen der Buchverlinkung. 

3 Kommentare

  • Silke sagt:

    Vielleicht noch etwas Positives, wenn sie schon etwas lesen können, so übt man ganz nebenbei das Lesen ( von Rezepten) mit Zahlen umgehen und rechnen und ganz neu entdeckt, welches Material ist schwerer und welches leichter…Zucker, Mehl, Butter….

    Liebe Grüße Silke – bei uns ist die Küche auch immer ein Schlachtfeld danach, plus Waschmaschine und Badewanne;)

  • CR sagt:

    Liebe Uta, wie recht Du mal wieder hast. Hier wurde kürzlich ganz hervorragend die Küche gewischt… und zum Abschluss fiel der Eimer im Wohnzimmer um und ergoss sich in „breitem Schwalle“… Im Nachhinein war die Überschwemmung allerdings NICHTS im Vergleich zur Trauer des Kindes, weil es passiert war☹️. Bleib schön gesund!

  • Nicki sagt:

    Liebe Uta,
    Achtung Spoiler für Eltern kleinerer Kinder.
    Mein Kronprinz (16) und Prinzessin (14) nutzen die Zeit ohne Schule und Freunde im Garten. Es wurden die Betonfüsse der Schaukel ausgebuddelt. Die Löcher waren zu groß, also wurde mit mehr Sand und Erde als geplant aufgefüllt.
    Der Kronprinz hat jetzt ein Stück Rasen mit Sand und Erde bearbeitet. Er hat sich ein Puttinggreen gebaut. Vermutlich ist wieder Schule, wenn es bespielt werden kann, oder es ist gleich wieder zu heiß und wird nicht genutzt…. Prinzessin hat mir eine wunderschöne Torte zum Geburtstag gebacken. Mit Fondant Flamingo, Girlande, Gnache etc. Die Schüsseln der Ganache wanderten nicht vorgespült in die Spülmaschine…. wir haben dann halt nochmal gespült. Das Kind hat die Küche aufgewaschen und aufgeräumt…Naja…. auf gut hessisch: die ganze Küche bappt.
    Aber die Torte ist super. Kind war 6 Stunden beschäftigt und glücklich.
    Und auch wenn das Grün nie bespielt wird, für einen Tag haben alle ihr Bestes gegeben. Fazit. Auch mit Teenagern braucht es bei Hilfe im Haushalt Geduld und Nachsicht.
    Ich freue mich, dass nicht nur an der Playstation gezockt wird und alle entspannt sind. Bleibt alle gesund und zu Hause.
    Viele Grüße Nicki

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