Eiszeit im Garten und im Kopf 

 05/02/2026

Wie ich vorschnell über eine Freundin schmollte

Über Hamburg ist eine neue Eiszeit hereingebrochen. Für die Hunderunde habe ich meinen Ski-Anzug aus dem Keller geholt und im Park spaziere ich an Kindern vorbei, die auf dem Ententeich Schlittschuh laufen. Zurück am Schreibtisch kann ich unsere neu erworbene Wildnis bei diesem Schneefall nur schemenhaft erkennen. Jeder Strauch, jede Efeuschlinge, jeder Baumstumpf wird vom Himmel dick in Watte gepackt.

Die neue Eiszeit ist der denkbar ungünstigste Zeitpunkt, um einen Gartenblog zu starten. Könnte man meinen. Zum Glück bin ich hier ja breiter und nicht nur botanisch aufgestellt und berichte auch über meine persönliche Weiterentwicklung. So sie denn stattfindet. 

Wunsch nach Anerkennung

Auf diesem Feld geht man gerne einen Schritt vor und zwei wieder zurück. Heute früh kann ich aber einen Fortschritt verzeichnen und davon wird heute die Rede sein. Auslöser war die Lektüre von „Lieben was ist“ von Byron Katie. Aus diesem Buch las ich einen Abschnitt zum Morgenstart. Beim Aufschlagen erwischte ich die Seiten, auf denen ein Gespräch Byron Katies mit einem jungen Mann wiedergegeben wird, der sich mehr Anerkennung von seinen Eltern und Geschwistern wünscht und schon lange darum kämpft, dass sie seine Lebensweise akzeptieren. 

„Eltern sollten nicht über ihre Kinder urteilen - ist das wahr?“, fragt Byron Katie. Und der junge Mann erkennt im Laufe des Gesprächs, dass Menschen gar nicht anders können, als andere zu bewerten, und dass die Familie ihn mit Ratschlägen überhäuft, weil alle ihn lieben und ihre Art der Lebensführung nun mal für den besten Weg halten, um glücklich zu sein. Sein Widerstand dagegen - das wird ihm immer klarer - schafft eine große Distanz zu seinen Eltern und Geschwistern. Vor allem aber fällt ihm wie Schuppen von den Augen, dass auch er Urteile über seine Lieben fällt. Geradezu scharfrichterliche Urteile sogar. Sie sollten seine Lebensweise nicht bewerten? Interessant. Er tut es mindestens genauso heftig, erwartet aber, dass sie es lassen, während er kaum damit aufhören kann. 

Gerne hätte ich Winterlinge in unserem Garten. Für kommenden Herbst trage ich mir im Kalender ein, dass ich mir Zwiebeln besorge. Und zwar nicht zu knapp.

Wenn ich das bei Byron Katie lese, fällt die eine oder andere Geschichte, die ich mir über mich selbst oder jemand anderen erzähle, in sich zusammen. Katies Fragen-Methode lockert im Verstand die alten Knoten. Es ist wie bei meinem verknoteten Goldkettchen gestern. Krampfhaftes Auseinanderpulen half nicht. Erst als ich es locker schüttelte, lösten sich die Schlingen.  

Mein aktueller Knoten im Verstand hatte mit dem Neustart dieses Blogs zu tun. Vielen Freunden hatte ich den Link zum ersten Beitrag geschickt und es gab ein großes Echo. Nur eine Freundin reagierte nicht. Gar nicht. Keine Zeile, kein Daumen hoch, kein Herzchen. Nichts. 

Ein ungemütliches Geständnis

Wenn man ein neues Projekt startet, dann gehört zur Freundschaft doch dazu, dass man einander „supported“. Oder? Das war auf jeden Fall die Geschichte, die mein Verstand im Kopf lostrat und mir schlechte Gefühle machte.

Durch Katies Gespräch mit dem jungen Mann ist mir aufgegangen, wie sehr ich Bestätigung von anderen Menschen erwarte. Das ist ein ungemütliches Geständnis, aber leider wahr. Und wenn diese Bestätigung ausbleibt, fälle ich schnell ein Urteil und gehe in Distanz. Wie der junge Mann aus dem Buch zu seiner Familie. 

Drei Gedanken dazu:

  1. Bin ich nicht alt genug, mir selbst Bestätigung zu schenken und den Mut zu haben, meinen Weg zu gehen, auch wenn es dafür wenig oder keinen Zuspruch geben sollte?
  2. Möchte ich nicht, dass Leute beim Lesen meiner Texte einfach Freude haben und reagieren, wenn es ihnen ehrlich gefällt, anstatt sich gegenüber der Schreiberin verpflichtet zu fühlen? Du musst Bitteschön begeistert sein. Autsch! 
  3. Wie vermessen, der Freundin gedanklich Vorwürfe zu machen und sich nicht zu melden. Wer weiß, was sie gerade umtreibt. Womöglich eine Sorge, mit der verglichen, neue Themen auf dem Blog einfach Pillepalle sind. 

Wenig später hörte ich übrigens von der Freundin. Sie überraschte mich mit einer Sache, die nichts mit dem Blog zu tun hatte, aber viel schöner war. Wie blöd, welche Geschichten sich der Verstand oft zusammen reimt und man sich unnötig selbst eine schlechte Zeit bereitet. Die Freundin ist mir aufrichtig zugetan. Blog hin oder her. 

Immer fröhlich überprüfen, welche Geschichte man sich gerade selbst erzählt.

Eure Uta 

PS: Das Titelbild zeigt nicht unseren Garten, aber wir haben den gleichen Schnee und sogar noch mehr davon. 

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Uta


Ich arbeite als Buchautorin, Journalistin, Bloggerin und Coach. Die Themen, über die ich am liebsten schreibe, sind das Gärtnern, das Familien-Glück und die persönliche Weiterentwicklung.

„Wie gelingt das Leben?“ Das erforsche ich fröhlich im Selbstversuch und ganz praktisch in unserem neuen Projekt ‚Von der Wildnis zum Traum-Garten‘, von dem ich regelmäßig hier berichte.

Deine, Uta

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