Glückliche Familie Nr. 154: Goldene Regeln und Blog-Ferien 

 04/07/2013

Der (Soßen-)König meinte, der Post mit dem Buchs und der „energy“ sei schön gewesen, aber so etwas Ähnliches hätte er von mir schon gelesen. Ob ich nicht etwas über Schule schreiben wollte?

Schule?

Wir haben in Hamburg seit zwei Wochen Ferien. Kaum einer erinnert sich hier noch an den Zweck dieses Rotklinker-Gebäudes an der Landstraße stadtauswärts.

Aber was immer ein Thema ist: Kommunikation.

Deshalb heute exklusiv:

Utas goldene Sprach-Regeln für den Familienalltag

  • Wenn ich die Kinder auffordere, eine Hausarbeit zu übernehmen, achte ich darauf, mich an beide zu wenden. Weil klar ist, dass alle etwas tun müssen, gibt es weniger bis keinen Widerstand.
  • Wer nur ein Kind hat, kann sich selber mit einbeziehen: „Bis zu unserer Abreise müssen noch Socken zusammengelegt und die Katzennäpfe ausgewaschen werden. Welchen Job übernimmst du? Die Socken? Okay, dann wasche ich die Näpfe aus.“
  • In Punkt 2 ist schon die nächste Regel enthalten: Menschen (nicht nur Kinder) haben gerne die Wahl. Man sollte den Kindern aufzählen, welche Jobs es gibt und sie dann wählen lassen. Das hat den Vorteil, dass die Frage, ob sie überhaupt etwas tun müssen, gar nicht zur Diskussion steht.
  • Sollte sich die Brut nicht einigen können, sagt einfach „Dann macht alles zusammen! Hauptsache es wird erledigt“ und verlasst sofort den Raum. Meistens einigen sie sich dann schnell, weil keinem die Vorstellung gefällt, in alle Jobs involviert zu sein. 
  • „Ich habe aber keine Lust.“ Dies ist einer der ersten Sätze, die Kinder lernen. Ich habe schon mehrfach gehört, man solle antworten „Dann mach es eben mit ‚ohne Lust‘.“ Noch besser finde ich, gar nicht darauf einzugehen. Für solche Sätze habe ich Filter in den Ohren. 
  • Wenn sich Kinder streiten, mischt euch nicht ein. Kaum etwas bringt so viel Stress und Unfrieden, als wenn sich die Eltern zu Richtern aufzuspielen und beginnen, Untersuchungen anzustellen, wer wen zuerst gehauen oder das Auto weggenommen hat.  
  • Bei Streit solltet ihr euren Lieblingssong laut drehen, mit dem Hund Gassi gehen oder – wenn ihr mit dem Auto unterwegs seid – am Straßenrand halten und nicht eher weiterfahren, bis Frieden auf der Rückbank herrscht. 
  • Solltet ihr keine Fluchtmöglichkeiten haben, verhängt Konsequenzen, die alle Beteiligten gleich treffen. Das mit der Gerechtigkeit wird sowieso überbewertet. „Hier ist sofort Ruhe, sonst gibt es für niemanden Eis.“ – „Aber Svenja hat angefangen. Das ist gemein.“ – „Hier ist sofort Ruhe, sonst gibt es für niemanden Eis.“ – „Aber Till hat getreten. Ich hab‘ gar nichts gemacht.“ – „Hier ist sofort Ruhe, sonst gibt es für niemanden Eis.“
  • Verhaltet euch wie eine alte Platte mit einem Sprung. Wiederholt die Aufforderung und steigt in keine Diskussion ein. Schon der Satz „Keine Diskussion!“ ist zuviel, weil niemand das ‚k‘ von ‚kein‘ hört und dann geht es erst so richtig los.
  • Die Kinder erleben euch als ungerecht? Herzlichen Glückwunsch! Ziel erreicht. Denn dann verbünden sie sich gegen euch, es kehrt Ruhe ein und die Geschwister verstehen sich auf Dauer immer besser. Frieda hatte neulich in einem Kommentar ein herrliches Beispiel für diesen Effekt:

„Grenzen setzen und unbeliebt machen? Oh ja … immer wieder aktuell und unvermeidlich. Meine Herzbuben (2 und 4) kommentieren das dann (hinter der Palisade, wenn Mama vermeintlich außer Sichtweite ist …) mit „Blöder Mama.“ – „Ja, blöder Mama.“. Es folgt Gebrummel. Es herrscht Einigkeit, Bedarf an weiterer Sprachentwicklung und ein breites Lächeln meinerseits. Zumindest halten sie zusammen.

Liebe Grüße von Frieda“

  • Wenn ihr gerecht sein wollt, damit keines eurer Kinder benachteiligt wird, schwächt ihr sie mehr, als dass ihr sie stärkt. Die vermeintlich Schwachen nehmen die Rolle schließlich an und entwickeln eine Opfermentalität. Außerdem begünstigt ihr damit Lügen und Tricksereien und ihr lauft in die Falle, dass sie austesten wollen, wen ihr von der Brut bevorzugt. In dem Post „Ungerechte Eltern“ habe ich das Thema vertieft.
  • Wer bisher in der Familie einen Gerechtigkeitsfeldzug führt und sich umstellen möchte, damit weniger Streit herrscht, übe sich in Geduld. Die Umstellung dauert ungefähr zwei Wochen. 
  • Ich habe mit Erfolg aufgegeben, gerecht sein zu wollen, Höflichkeit aber ist mir wichtig. Bedankt euch auch für Kleinigkeiten. Es ist wie Lavendelseife im Bad – es macht einfach eine bessere Atmosphäre.

John Izzo schreibt, dass – laut einer amerikanischen Studie – das Verhältnis zwischen negativen und positiven Botschaften, die in Durchschnittsfamilien ausgetauscht werden, bei 14 zu 1 liegt. „Auf jede positive Bemerkung, die wir gegenüber einem unserer Familienmitglieder machen, kommen beinahe 14 kritische Kommentare. Eine ähnliche Untersuchung ergab, dass eine der Gemeinsamkeiten langfristig funktionierender Ehen in einem Verhältnis zwischen positiven und negativen Botschaften von 7 zu 1 liegt. Es liegt an uns, wie sich dieses Verhältnis in unseren eigenen Beziehungen gestaltet.“

Das Fazit von Utas goldenen Regeln:

Seid ungerecht, diskutiert weniger und bleibt dankbar und fröhlich

Uta

Ein (leider nicht unser) Haus am Canal du Midi.

PS: Wir reisen morgen nach Frankreich. Ich habe Kamera und jede Menge Bücher im Gepäck, aber mein Laptop lasse ich diesmal daheim. Ihr werdet also erst in zweieinhalb Wochen wieder von mir lesen. Ich wünsche euch wunderschöne Ferien und eine erfüllte Zeit.

  • Hallo Uta
    Ich mag deine Posts immer sehr und auch wenn wir keine Kinder haben, so kann ich (ganz sicher) einige Tipps auf unwillige Arbeitskollegen anwenden, die Aufgaben, die ich im Namen vom Chef an sie weitergebe, nicht ausführen wollen/können etc. Da komme ich mir manchmal nämlich auch vor, als wären das Kinder.

    Ich wünsche Dir und deinen Lieben einen ganz wunderbaren Urlaub und Bon Voyage!

    Liebe Grüße,Bianca

  • Liebe Uta,

    meine Lieblingsregel ist Regel 3. Die kann ich mir leicht merken (ein nicht unwesentlicher Faktor für eine Kleinkind-Mama) und sie funktioniert hervorragend.
    Die anderen werde ich mir die nächsten zweieinhalb Wochen immer und immer wieder durchlesen.

    Ich freue mich schon auf „in zweieinhalb“ Wochen. Bis dahin stelle ich meine Jungs vor die Wahl, bin ungerecht, eine blöder Mama und fröhlich.

    Bon voyage, eine schöne, intensive Zeit,
    Frieda

  • Regel 6 haben meine Eltern sehr beherzigt. Sie bringen das heute noch als Begründung „Aber man hat uns gesagt, in Geschwisterstreit sollen Eltern sich nicht einmischen *jammer*jamme*jamme*“. Ich hatte einen sadistischen, bösartigen Soziopathen zum Bruder, der inzwischen wegen pädophiler Vergehen vorbestraft und wegen Gewalt gegen Freundinnen polizeibekannt ist. Die Hölle, die Kindheit genannt wurde, war der erste Berg Pflastersteine für den Weg zu meiner heutigen Krebserkrankung.
    Wie kann man also Regel 6 umformulieren? Sie gilt nicht, bei Kindern mit einem abnormen Sozialverhalten? Ja wenn es Eltern gäbe, die in der Lage wären, so objektiv zu bleiben, dass sie das so klar erkennen…….

    Gruss
    C.

  • Einen wunderschönen, erholsamen Urlaub wünsche ich Dir/Euch!
    Die Blogpause wird natürlich unerträglich für uns Leser 😉
    Aber wir bleiben dankbar und fröhlich, denn wir haben die nächsten zwei Wochen ja genug zu tuen mit der „Umstellung“!
    Michaela

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    Uta


    Ich arbeite als Eltern-Coach, Buchautorin und Journalistin, bin Ehefrau und Mama (ein Sohn, eine Tochter) und kann es nicht lassen, dem Familien-Glück auf die Spur zu kommen. Ich forsche in Büchern, spreche mit Experten und teste alle Erkenntnisse in der Praxis. Nur was mich überzeugt, weil es das Leben mit Kindern wirklich erfüllender macht, schafft es auf diese Seite.

    Deine, Uta

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