Ur-Ängste der Kleinen besänftigen 

 03/10/2018

Besprechung und Verlosung des Bilderbuch-Klassikers „Ich bin die kleine Katze“ von Helmut Spanner.

Vor einigen Wochen habe ich euch von meinem Besuch bei Kinderbuch-Autor Helmut Spanner in München berichtet. Nie hätte ich gedacht, dass hinter dem Pappbilderbuch, dem allerersten Buch für kleine Menschen, so viele substanzielle Überlegungen stecken können. „Babykram! – denkt der Erwachsene und macht sich nicht klar, dass zwischen den dicken Deckeln der Zauber des Anfangs steckt, des Anfangs einer womöglich lebenslangen Liebe zum Buch.
Für uns Große ist das selbstverständlich. „Ja, klar. Auf der Seite sehe ich einen Schuh. Und ich weiß, es ist nur das Bild von einem Schuh.“ Wer aber erst vor wenigen Monaten auf dieser Erde angekommen ist, kennt einen Schuh nur vom Hören-Sagen, Fühlen-Schmecken und vom Sehen-Tasten her: das Geräusch der Schritte auf dem Boden, das weiche Leder, die Struktur der Sohle, der Schnürriemen, der sich durch die Löcher windet. Nun eine Seite aufzuschlagen und etwas zu erblicken, was wie ein Schuh aussieht, aber nicht zu greifen ist, was nur zwei Dimensionen hat, wo die Finger an nichts stoßen oder hängenbleiben oder etwas Raues fühlen, wo die Seiten nur glatt sind und doch für die ganze Welt des Kindes stehen, ist für die Ein- bis Zweijährigen faszinierend. Das sind die zarten Anfänge davon, etwas zu erfassen, ohne es greifen zu können. Vorstellungen werden geprägt, Dinge bekommen Namen, und der kleine Mensch beginnt, mit anderen Menschen beim Anschauen des Buches über all das zu reden.
Heute möchte ich euch an dem Bestseller „Ich bin die kleine Katze“ erklären, was in so einem Bilderbuch von Helmut Spanner alles steckt und warum es ein Klassiker ist, der in das erste Bücherregal gehört. Seit 37 Jahren ist es auf dem Markt. Und Buchhändler, die es für antiquiert halten und deshalb aus ihrem Laden verbannt haben, verstehen nichts von Kindern.
Worum geht es in dem Buch?
Das Buch schildert den Tag einer Katze. Auf der ersten Seite sehen wir sie kurz vor dem Aufwachen. Sie hat sich eingekuschelt auf einem Kissen neben dem Bett von Christine, einem kleinen Mädchen. Die Bilder zeigen, wie die Katze vom Kind gefüttert wird, wie sie den Vögeln draußen zuschaut, im Garten einen Maulwurf entdeckt, sich an den Stacheln eines Igels sticht, den Stallhasen besucht, weitere kleine Abenteuer erlebt und schließlich von Christine wieder ins Haus geholt wird und sich im Mondschein auf der Fensterbank das Fell putzt.
Warum wirkt das Buch gleichzeitig faszinierend und beruhigend auf ein kleines Kind?
Weil die kleine Katze stellvertretend für das Kind einen Tag erlebt. Das Kind kann gedanklich die Katze vorschicken in die aufregende Welt. Es muss die Ängste nicht selbst ausstehen. Der Katze passieren Missgeschicke, sie verschüttet Milch, sie sehnt sich nach draußen, sie tut sich weh, sie erlebt Freude und Leid, Angst und Geborgenheit … Alles, was der kleine Betrachter auch erlebt. Nur in dem Buch ist es ein Kind, das Mädchen Christine, die die Katze versorgt und sie beschützt. Das Kind hat die starke Rolle. Das tut wohl. So lässt sich der Kitzel aushalten.
„Ich bin die kleine Katze“ ist ein Buch für Klein-Kinder und berührt doch Ur-Themen des Lebens: Trennung und Wiedersehen, Drinnen und Draußen, Natur und künstliche Welt, Jagen und Gejagtwerden, Freiheit und Gefangenschaft, heil und kaputt, Verlust und Wiederfinden, Tag und Nacht.

Der Ball von der ersten Seite …

 
… taucht später wieder auf. Für Kleinkinder ist das tröstend. Da sie in dem Alter alles, was sie nicht sehen, für verschwunden halten, freuen sie sich, etwas wieder zu entdecken. Für Helmut Spanner ist das ein wichtiges Element der Angstbewältigung. Dinge wieder zu finden, beruhigt Kinder ungemein.

 
Das Vergehen von Zeit, erlebbar in einem Bilderbuch: hier ist der Marienkäfer noch unterwegs auf dem Vorhang …

 
… eine Seite weiter ist er angekommen auf der Fensterbank.

 
Auch ein Gefühl, das Kinder kennen: Ich darf nicht raus.                                   Alle Abbildungen mit freundlicher Genehmigung von Helmut Spanner und dem Verlag Ravensburger.

„Ich bin die kleine Katze“ lässt Kindern mit den klaren Bildern, den wiederkehrenden Elementen und dem wenigen Text Raum für eigene Vorstellungen. Helmut Spanner erhielt einen Brief von einer Mutter, die schrieb, dass ihre kleine Tochter seit zwei Jahren nur das Katzen-Buch anschauen möchte und inzwischen beim Blättern eigene Geschichten dazu erfindet.
Vielleicht wird es euch bald ähnlich gehen. Denn heute verlose ich das Buch unter denjenigen von euch, die mir in einem Kommentar schreiben, wie euer Abendritual in der Familie aussieht. Einsendeschluss ist Montag, 8. Oktober, um 24 Uhr.
 

Immer fröhlich Bilderbücher anschauen und bei mir welche gewinnen,
eure Uta
PS: Herzlichen Dank an Helmut Spanner, der mir das Buch zur Verfügung gestellt hat. Dieser Beitrag ist nach den jetzt geltenden Richtlinien als Werbung einzustufen, ich habe aber kein Geld dafür erhalten. Ich zeige nur Sachen, die mich begeistern.

  • Hallo,
    als ich die Bilder gesehen habe, hab ich mich eine kleine Zeitreise gemacht. Den ich hab dieses Buch als Kind auch gern gelesen. Daher hätte ich es gern wieder für meine kleine Tochter

  • Guten Morgen Uta,
    früher, als die Tochter noch klein war (vor ungefähr 30 Jahren)
    haben wir schon Bücher von Helmut Spanner angesehen.
    Deine Blogeinträge lassen Erinnerungen hochkommen.
    Es wäre um so schöner, wenn ich dieses Buch für meine jüngste Enkeltochter bei dir gewinnen würde.
    Liebe Grüße
    Gine

  • Liebe Uta! Oh, wie schön, das war mein Lieblingskindergarten-Buch. Das würde ich gern für meinen Kleinen und mich haben. Danke und viele Grüße,
    Vanessa

  • Oh, wie schön! Das war tatsächlich mein Lieblingsbuch, als ich klein war. Hätte es sehr gerne für meinen Sohn. Unser aktuelles Abendritual sieht ein Buch lesen, Spieluhr lauschen und kuscheln vor. Viele Grüße!

  • Wir haben es bis jetzt nur in klein, also die Hosentaschen-Ausgabe. Meine beiden großen Kinder haben es genauso wie ich sehr geliebt, die Jüngste kommt gerade erst in das Alter. Von daher würden wir uns sehr über das Buch freuen.
    Unser Abendritual für unsere Kinder (2 bis 6 Jahre): leider kommt Papa erst nach 18 Uhr nach Hause, wir versuchen dann ein konzentriertes Abendessen zu machen (da arbeite ich gerade dran) da die Kinder sonst die Zeit bis 19:30 ruckzuck beim langsamen Essen vertrödeln und keine Zeit mehr bleibt. Nach dem Abendessen gibt es das Sandmännchen und für die beiden großen je 6min Sendung mit der Maus- und Sendung mit dem Elefanten-App und dabei 4 Süßigkeiten (Toffifee, Maoam oder andere Schätze) für jeden. Dann lese ich ein Buch vor, wobei die Jüngste noch nicht dafür zu begeistern ist und Papa sie ablenken muss. Zähneputzen und Schlafanzug anziehen ziehen sich meist wieder sehr hin, was schade ist weil wenn die großen bis um kurz vor 8 im Bett liegen würde ich ihnen nochmal was vorlesen. Jedes Kind wird zugedeckt, Mama bringt die Jüngste ins Bett, Papa bleibt bei den großen im Zimmer bis alle schlafen. Einen besonderen Spruch oder ein Gesprächsthema zur Nacht haben wir leider noch nicht etablieren können.

  • Vorlesen ist hier das wichtigste Ritual überhaupt. Ohne Buch werden die kleinen Äuglein nicht geschlossen. Daher würden wir uns als Katzenfans riesig über das Buch freuen! Liebe Grüße Elli

  • Oh, ich vergaß unser Abendritual: Katze füttern, kuscheln und vorlesen, dann heutigen und morgigen Tag besprechen, dabei Rücken kraulen. Wir würden uns sehr über das Buch freuen. Danke, für das in Erinnerung bringen. Ich hatte es völlig vergessen… LG

  • Hallo Uta,
    Unsere kleine Tochter hat mit ihren 16 Monaten gerade die Bücher für sich entdeckt und so schön wie du das Buch beschreibst, würde ich es sehr gern mit ihr anschauen.
    Unser Abendritual beinhaltet zwar nicht das Bücher anschauen, der Nachmittag dafür umso mehr.
    Bei uns geht’s nach dem Abendbrot ins Bad, dann ziehen wir sie um ( die Große sitzt meist mit auf dem Wickeltisch) und dann tragen wir sie im Tuch in den Schlaf.

  • Liebe Uta, seit deinem letzten Beitrag über Helmut Spanner nehme ich die Illustrationen in Kinderbüchern noch viel genauer unter die Lupe als ich das sowieso schon getan habe. Ich finde es ehrlich gesagt eine ziemliche Zumutung, was Kindern in vielen Büchern so vorgesetzt wird…
    Unser Abendritual befindet sich mit einer Dreijährigen und einem Anderthalbjährigen im ständigen Wandel, weil auch ihre abendlichen Bedürfnisse sich immer wieder ändern. Aber Bücher gehören immer dazu! Momentan lesen wir gemeinsam im Bett der Großen 2 bis 4 Bücher (Favorit seit 2 Jahren: „Gute Nacht kleine Ente Nelli“), dann schläft die Große beim Vorsingen ein, während der Kleine z.B. alle Bücher die in der Kiste neben dem Bett stehen einzeln in sein Bett räumt und dabei sehr geschäftig und zufrieden vor sich hin schnauft. Dann kommt er irgendwann zu mir und verlangt relativ unverschämt nach der Brust ;-), stillt, turnt dann noch in der Dunkelheit in seinem Bettchen herum und erzählt Geschichten („Bwwwwwrrrr…. Baba!… Baaa!… Dodlodlodlodl….“) um dann mitten im Satz einzuschlafen.

  • Hallo Uta,
    das Buch hatte ich als Kind! Umso schöner wäre es, es gemeinsam mit meiner Tochter anzusehen!
    Unser Abendritual sieht so aus: wir singen beim Zähneputzen Abendlieder (also ich singe, meine Tochter summt), dann Schlafanzug und im Bett noch ein Buch ansehen und vorlesen, kuscheln und einschlafen. Meine Tochter geht sehr gerne ins Bett (ja, wirklich!).
    liebe Grüße
    Veronika

  • Liebe Uta, das Buch mit seinen vielen Details kenne ich gut und würde es sehr gerne meiner Nichte schenken. Unser Abendritual, Buch vorlesen, Rücken „chräbele“, Tag erzählen und zwei Guten-Nacht Lieder vorsingen. Liebe Grüsse

  • Hallo Ulla,
    mit unserer Ella haben wir noch kein richtiges Abendritual, sie wird morgen vier Monate. Ich singe etwas, ziehe sie um und meist wird dann noch gestillt. Ich freue mich auf die Abende an denen wir was vorlesen können und das Buch ist bestimmt schön dafür.
    Liebe Grüße
    Andrea

  • Hallo Uta,
    wie schön, dass du dieses Buch vorgestellt hast. Ich habe es als Kind selber geliebt, es zwischenzeitlich etwas vergessen und hätte es nun so gerne für meinen Sohn (2 Jahre).
    Unser Abendritual fängt eigentlich schon am späten Nachmittag an, wenn mein Sohn mir in der Küche beim Vorbereiten des Abendessen hilft. Gegen 18.00 essen wir dann gemeinsam, danach wird geduscht und bettfein gemacht. Im Bett hat sich das Nachtgebet zum wichtigsten Teil des Rituals entwickelt, auch weil es die Möglichkeit bietet, schöne und schwierige Erlebnisse noch einmal zu besprechen und zu einem Abschluss zu bringen. Danach singe ich meinen Sohn in den Schlaf.
    Viele Grüße!

  • Nach dem Abendessen und Duschen / Baden / Waschen geht es ins große Elternbett und dort werden zwei Bücher vorgelesen. Deshalb begrenzt weil die große Tochter (3,5 Jahre) sonst unzählige Geschichten hören möchte. Über Wochen sind es oft die gleichen Bücher, bis wir dann mal tauschen können. Der kleine Sohn (3 Monate) wird solange gestillt. Nach dem Vorlesen singen wir „Weißt du wieviel Sternlein stehen“, natürlich alle drei Strophen :-). Und dann schlafen hoffentlich alle. „Ich bin die kleine Katze“ habe ich in meiner Kindheit oft angesehen, dann aber vergessen und mit der Tochter in der Bücherei wieder entdeckt, ebenso wie die anderen kleinen Tiere. Die Bücher sind so schön und weil wir keins davon daheim haben, würden wir uns sehr darüber freuen. Liebe Grüße, Teresa

  • Dieses Buch habe ich selbst als Kind geschenkt bekommen und es auch schon oft mit meinen Kindern gelesen. Unsere Ausgabe ist nun ziemlich abgegriffen. Daher würde ich mich über eine neue freuen!

  • Hallo Uta,
    wir haben hier tatsächlich noch mein Buchexemplar vom Anfang der 80er Jahre. Kürzlich musste ich es mal wieder kleben. Ich würde das Buch dennoch gerne gewinnen und es dann weiterschenken an eine liebe Freundin, die bald ihr erstes Kind erwartet.
    Abends sieht es bei uns so aus, dass wir nach dem Abendessen die Kinder fürs Bett umziehen und waschen. Im Bett gibt es dann noch Gelegenheit für kleine Gespräche und dann wird noch gesungen.
    Liebe Grüße! Julia

  • Hallo Uta,
    meine kleine Krabbelmaus ist zwar erst 8 Monate jung, liebt es aber schon jetzt die Bilderbücher vom grossen Bruder anzuschauen. Zum Schlafengehen lese ich ihr immer „Weisst du eigentlich wie lieb ich dich hab“ vor.
    Wir würden uns sehr über das Buch freuen.
    Alles Liebe
    Katja

  • {"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

    Uta


    Ich arbeite als Eltern-Coach, Buchautorin und Journalistin, bin Ehefrau und Mama (ein Sohn, eine Tochter) und kann es nicht lassen, dem Familien-Glück auf die Spur zu kommen. Ich forsche in Büchern, spreche mit Experten und teste alle Erkenntnisse in der Praxis. Nur was mich überzeugt, weil es das Leben mit Kindern wirklich erfüllender macht, schafft es auf diese Seite.

    Deine, Uta

    >