Die Rasenkante und das ganze Spektrum des Glücks 

 09/07/2026

Was aus der selbst gestellten Herausforderung wurde

Ob es wirklich glücklich macht, sich im Leben immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen, wollte ich - wie hier beschrieben - im Garten testen. Zum Start der Versuchsreihe habe ich klein angefangen. Mein Projekt: Selbst eine Rasenkante legen. 

Pflastersteine und einen Sack Splitt hatte ich mir auf einem Bauhof in den Kofferraum laden und vom Kettensägenmann zu Hause zu dem Apfelbaum bringen lassen, um den die Steine einen Reigen bilden sollten. Aber dann kam die Hitze und ihr hättet mich im Sonnentop, schweiß gebadet, den Gummihammer schwingen sehen können. Bald stellte ich die Arbeiten ein und widmetet mich im kühleren Haus der Lohn-Schreiberei.

Kaum war die Hitze vorbei, kam der Regen nach Hamburg. Auf der Plane, auf der die Steine auf ihren Einsatz warteten, bildeten sich Pfützen, die schmale Rinne, die ich bereits gegraben hatte, geriet zum schlammigen Feuchtgebiet. Aber das sollte niemanden abhalten, der auf Herausforderungen aus ist. In Regenpausen grub ich die Rinne neu, schüttete Splitt als Fundament für die Steine hinein, setzte die ersten Quader, brachte sie mit der Wasserwaage auf Linie, holte mir die Bürste zurück, die unser Hund Polly ständig klaute, und arbeitete mich Stein für Stein weiter. 

Die Wasserwaage habe ich bald verflucht. Mir schien es, als würden sich einzelne kleine Granit-Blöcke aus purer Bosheit schief in den Boden senken, kaum dass ich ihnen den Rücken zukehrte. Also hob ich sie wieder heraus, bettete sie an einer Ecke auf ein größeres Polster aus Granit und fühlte mich wie eine Krankenschwester, die dem mäkelnden Patienten ständig weitere Kopfkissen unterschiebt. Kaum bestand der eine Stein den Test mit der Wasserwaage, passten die Kollegen rechts und links nicht mehr ins Schema. Ich grub, füllte auf, ruckelte und klopfte. Was ein sauber gearbeitetes Splitt-Bett für das Pflaster werden sollte, vermischte sich mehr und mehr mit dem Boden. Regenwürmer mussten gerettet und Haare gerauft werden. 

Schonende Worte

Am Abend zeigte ich meinem Mann den Pflasterkreis, der zu drei Vierteln vollendet war. Ich sah ihn zögern und nach schonenden Worten suchen, bis er aussprach, was mir am Ende auch aufgefallen war. Die Steine lagen zwar bündig, aber zu tief. Der Baum sollte ja einen Rand, keine Rinne bekommen und das hübsche Granitpflaster sollte auffallen und nicht im Rasen gesucht werden müssen. 

Von meinem Vater, einem erfahrenen Handwerker, hörte ich, dass er zeitlebens Steine im Garten direkt in den Mutterboden gesetzt habe. Wozu sich mit einem Untergrund abmühen? Warum Splitt in Rinnen füllen, der sich dann später überall im Beet findet? 

Am anderen Tag ging ich mit frischem Mut und ohne Wasserwaage ans Werk. Stein für Stein wurde wieder ausgegraben, die Rinne wurde mit Erde und dem restlichen Splitt (was sollte ich sonst mit dem Rest?) etwas aufgefüllt, das Pflaster nach Augenmaß wieder eingesetzt und festgeklopft. Am Ende fehlten zwei Steine. Einer wurde hinter dem Schuppen gefunden, ein weiterer aus einer Umrandung im alten Garten geklaut. Fertig! 

Zwischen den Steinen seht ihr Sand. Es handelt sich um einen Spezialsand, der aushärtet, wenn er nass wird, und so verhindert, dass Unkraut hochkommt. Einen angebrochenen Sack davon hatte ich im Gartenhaus entdeckt. Was für ein Glück!

Und? Hat mich diese Herausforderung beglückt? 

Ja, das hat sie. Vor allem das Ergebnis. Wenn ich jetzt in den Garten gehe, mache ich immer einen Schlenker zum Apfelbaum mit dem blank gebürsteten Granit-Saum und freue mich daran. Selbst der Gang abends mit den Gemüseabfällen zum Kompost gerät zu einem kleinen Triumphzug rund um die Rasenkante. 

Aber nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Arbeit selbst war beglückend. Wie immer im Leben gab es Fehlversuche und Erfolg, Frust und neue Energie, dumpfes Brüten und Geistesblitze. Wahrscheinlich ist es diese besondere Mischung aus Höhen und Tiefen, aus der sich das Glück zusammensetzt. Ich habe mal gehört, dass Glück kein positives Gefühl in Dauerschleife ist, sondern ein Spektrum. Es sind der Ärger, die Freude, der Frust, die Wut, die Erleichterung, die Traurigkeit, der Stolz, das volle Programm an Emotionen, die in Summe glücklich machen. 

Und Happiness-Impulse sind dabei auch abgefallen:

🧚🏼‍♀️  Nicht jeder Stein im Garten braucht ein Fundament.

🧚🏼‍♀️  Mache dir die Arbeit und das Leben nicht zu schwer.

🧚🏼‍♀️  Es tut gut,  wenn jemand einen darin bestärkt, es sich leichter zu machen. 

Vielleicht sagt mancher von euch: sie könnte nicht nur den Splitt, sondern auch das ganze Philosophieren sein lassen. Aber so bin ich nun einmal. Ich muss immer über das Leben nachdenken. 

Immer fröhlich bleiben,

Eure Uta 

PS: Das Titelbild zeigt unseren Hund Polly vor dem Mammutbaum. Sie hat dort einen Platz gefunden, von dem sie alles im Blick hat, den alten Garten, den neuen Garten und Frauchen mit dem Gummi-Hammer. 

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Uta


Ich arbeite als Buchautorin, Journalistin, Bloggerin und Coach. Die Themen, über die ich am liebsten schreibe, sind das Gärtnern, das Familien-Glück und die persönliche Weiterentwicklung.

„Wie gelingt das Leben?“ Das erforsche ich fröhlich im Selbstversuch und ganz praktisch in unserem neuen Projekt ‚Von der Wildnis zum Traum-Garten‘, von dem ich regelmäßig hier berichte.

Deine, Uta

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