Neue Klarheit beim Aufräumen von Tontöpfen, Schaufeln und Ameisenköder
Ich habe begonnen, von Grund auf unser Gartenhaus aufzuräumen. Das mache ich nach Kategorien. Ich habe am Montag angefangen mit Kleingeräten, am Dienstag waren alle Pflanz- und Übertöpfe in Haus und Garten dran, gestern die Mittel zur Schädlingsbekämpfung, die sich sowohl im Keller als auch im Gartenhaus fanden. Jeden Tag eine andere Kategorie und allerhöchstens eine Stunde Arbeit. Ziel ist, alle Dinge einer Kategorie zusammenzutragen, Überflüssiges wegzubringen und dann alle übrigen Dinge dieser Kategorie nur noch an einem Ort, entweder Gartenhaus oder Keller, aufzubewahren.

Erste Kategorie: Kleingeräte
Mit angeschlagenen Töpfen und verklumptem Ameisen-Granulat bin ich zum Recyclinghof gefahren und habe auch von der alten Gartenschere Abschied genommen, die noch nie gut in der Hand lag. Ich bedankte mich bei allen Dingen für die Dienste, die sie mir geleistet hatten, achtete aber peinlich genau darauf, dass mein Gemurmel am Tisch mit den Altmetallen oder meine kleine Verbeugung vor dem Container für Hausrat niemand mitbekam. Erst dann legte ich die Schere zu den anderen rostigen Werkzeugen und gab den Töpfen einen Schubs vom Rand in den Container.
Der Recyclinghof in unserer Nähe hat eine lange Ausfahrt. Nur fünf Stundenkilometer darf man dort fahren. Immer wenn unser Auto über eine Bodenschwelle nach der anderen hoppelt, zähle ich innerlich alle Dinge auf, um die unser Leben leichter geworden ist. Am Ende meiner Liste biege ich zurück auf die Straße und fliege nach Hause.

Das sind alle Töpfe, die gerade nicht benutzt werden. Von denen durften einige in Dankbarkeit gehen
Aufräumen und Ausmisten - das sind bewährte Glücksbringer. Nur zu behalten, was man wirklich nutzt oder schön findet, schenkt einem freudvolle Momente. Es ist wie eine Häutung. Ich zumindest fühle mich danach wieder ein Stückchen mehr wie die Person, die ich sein möchte: klar, leicht und zielstrebig.
Zu den Zielen, nach denen ich strebe, zählt ein zweites Gartenhaus. Keines für Geräte, für die Rattenfalle oder das Gift gegen die Rhododendron-Zikade. Keines, in dem Kompost-Siebe mit Erdresten am Haken hängen oder leere Grünmüllsäcke nach getaner Arbeit in die Ecke gepfeffert werden, sondern eine Art Teehaus. Wenn man es betritt, hat man die Gummistiefel längst abgestreift, ist in einen Korbsessel gesunken und mehr als bereit, beim Halten der hauchdünnen Bone-China-Tasse den kleinen Finger abzuspreizen.
Ich habe eine zeichnerisch sehr begabte Bekannte, Julia. Sie wohnt ein paar Straßen weiter, ist die Freundin einer Freundin und genauso Hunde-verrückt wie ich. Vor allem aber kann sie wunderbar malen. Auf mein Bitten hin brachte sie das Teehaus meiner Träume aufs Papier.

Es wird wahrscheinlich, ein oder zwei Jahre dauern, bis wir Zeit und Geld haben, das Teehaus zu bauen. Aber ich mag es, wie sich alles nach und nach entwickelt. Was habe ich schon Pläne gezeichnet? In Buchdeckeln auf Zugfahrten, auf Millimeterpapier am Schreibtisch, auf Servietten in Cafés. Aber dann kommt doch vieles anders, weiß man plötzlich, dass die drei Herbstannemonen vor die Kolkwitzie müssen und nirgendwo anders hin, entdeckt man beim Laden des Autos vor einem Baumarkt eine Duftnessel in einem Korb und schreien zwei Bäume im goldrichtigen Abstand nach einer Hängematte.
Gärtnern ist ein wenig wie Schreiben. Kaum hat man mit dem ersten Pflanz-Loch oder mit dem ersten Satz angefangen, landet man am Ende ganz woanders als erwartet. Vielleicht bekommen wir statt Teehaus einen Schwimmteich oder vielleicht trinken wir unseren Earl-Grey statt in einem Pavillon lieber auf einer Baumbank unter dem Mirabellenbaum. „Füsschen vor Füsschen,“ sagt der Kettensägenmann immer.
Herz hüpft höher
Auf jeden Fall wollte ich zuerst das alte Gartenhaus aufräumen, ehe an ein Neues gedacht werden kann. Das Chaos dort soll nicht auf eine neues Häuschen überschwappen. Niemand will beim Teetrinken neben einem Sack mit organischem Dünger sitzen.
Die japanische Aufräumexpertin Marie Kondo - I love her, you know - empfiehlt, alles, was man besitzt, in einem Rutsch aufzuräumen. Ich komme aber besser mit der Strategie 'Jeden Tag eine Kategorie' zurecht. Ich habe schließlich noch anderes vor, als Baumscheren in der Hand zu wiegen und mich zu fragen, ob sie mein oder das Herz des Kettensägenmanns höher hüpfen lassen. Heute ist der Tag der Pflanzstützen. Alle Stöcke und Stäbe werden gecheckt und neu sortiert. Das ist eine kleine Aufgabe, die ich zwischen meinen Terminen heute gut schaffen kann.
Zeit statt Zeug
Bin ich eigentlich die einzige, die gerne aufräumt? Auf meine Familie ist der Funke nie so richtig übergesprungen. Mann, Sohn und Tochter tun es. Gelegentlich. Aber wo bleibt die Begeisterung?
Die finde ich eher bei Birgit, die mit ihren Büchern und ihrer Seite "Zeit statt Zeug" Menschen hilft, sich auf das Wesentliche in ihrem Leben zu konzentrieren und das Glück zurück in den Alltag zu holen. "Wenn ich mich überfordert fühle", schrieb sie gestern in einem Instagram-Post, "räume ich zehn Minuten lang etwas auf. Irgendwas. Weil ich weiß, dass sich dabei auch in mir etwas neu sortiert."

Neu sortiert habe ich auch meine Kräuterschilder. Die Hinweise auf Oregano, Petersilie, Liebstöckel, Zitronenmelisse und Minze stehen sinnigerweise in einem Topf mit einem Rosmarin-Bäumchen. Für Rosmarin habe ich kein Schild, aber für alle Kräuter, die ich nicht habe. Es fällt mir schwer, mich von diesen Schildern zu trennen, aber ihr Verbleib im Hause Writing & Gardening würde nur Sinn ergeben, wenn ich zu einem Kräuter-Großeinkauf starten würde.
Von mehreren Seiten wurde mir schon angetragen, im neuen Garten auch ein Hochbeet für Kräuter anzulegen. Ich habe es aber nicht so mit großen Kästen, die in der Landschaft herumstehen. Ich müsste außerdem jede Woche Frankfurter Grüne Soße zubereiten, um das alles zu verwerten. Und mit dem Kochen habe ich es genauso wenig wie mit den großen Kästen. Ihr wisst schon, hier gilt: lieber lustwandeln als ernten und einmachen.
Verlosung
Deshalb möchte ich meine Kräuterschilder verschenken. Schreibt mir einfach in einem Kommentar, dass ihr die passenden Kräuter dafür habt oder euch anschaffen möchtet. Dann machen sich die Schilder zu einer oder einem von euch auf den Weg. Sollten sich mehrere Interessenten finden, entscheidet das Los. Einsendeschluss des Kommentars ist kommender Montag, 20. Juli, um 23.59 Uhr.
Immer fröhlich ausmisten, aufräumen und sich in neuer Klarheit ein Teehaus bauen 🧚🏼♀️
Eure Uta
Herzlichen Dank, liebe Julia, für deine Zeichnung! Als Gegenleistung wollte sie nur - ja, was wohl? - eine Pflanze haben.



Sehr gute Idee mit dem Aufräumen! Ich hoffe nur, die Korb-Übertöpfe sind nicht in den Container gesegelt, die fand ich bei euch auf der Terrasse immer so schön!!
Ne, sind sie nicht. Nur der gelbe Korb, zwei graue Übertöpfe (Recyclingkaufhaus) und die Plastiktöpfe (Container). 👨🌾
Liebe Uta,
bei mir wachsen alle Kräuter im Garten, für welche Du die tollen Schilder hast, außer Liebstöckl. Ich würde mich riesig freuen!
Liebe Grüße
Patrizia
Liebe Patrizia, dann bist du die erste im Lostopf! Viel Glück! Liebe Grüße, Uta
Liebe Uta, es hat Spaß gemacht für Dich die Visualisierung Deines neuen Teehauses zu übernehmen . Ich verfolge die Umsetzung Eures Gartenprojektes mit viel Spaß! Es sieht schon richtig toll aus… bis demnächst bei einer Hunderunde! Liebe Grüße Julia 😌
Da ist sie … die Künstlerin! Ja, bis demnächst bei einer Hunderunde! Herzlich, Uta