Die Amygdala und was Persönliches 

 30/12/2019

Meine lieben Leserinnen und Leser,
ehe das Jahr zu Ende geht, möchte ich mich noch einmal bei euch melden.
Im kommenden Februar sind es acht Jahre, dass ich blogge. Und in dieser ganzen Zeit habe ich keinen einzigen Hass-Kommentar bekommen. Im Gegenteil. Über das Netz landet so viel Anerkennung und Wertschätzung bei mir, dass ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bei euch bedanken möchte. Ihr schreibt kluge Kommentare, manchmal ganze Beiträge, ihr stellt wichtige Fragen, scheut euch nicht, Persönliches beizusteuern, seit manchmal anderer Ansicht, was auch sehr wertvoll für mich ist, und motiviert mich immer wieder neu, weiter zu lesen, zu recherchieren, Experten zu interviewen und vor allem zu schreiben.
Besonders liebe ich übrigens die Mails, die beginnen mit: „Ich bin schon seit langem eine stille Leserin, aber heute möchte ich dir doch endlich mal schreiben, dass …“
Danke!
Im Sommer hatte ich große Pläne. Ich wollte Online-Kurse für Eltern anbieten. Bei einem Amerikaner belegte ich selbst einen Kurs, wie man Online-Kurse baut. Ich lernte einiges über Video-Präsentationen, Marketing und eine bessere Ausleuchtung meiner Nase. Mein Vater (87) konstruierte einen Ständer für mein neu erworbenes Mikrophon. Ich experimentierte mit launigen Ansprachen und fand gut, dass ich mich aus meiner Komfort-Zone heraus bewegte.
Ihr wart dann so lieb und habt an meiner großen Umfrage teilgenommen. So habe ich seither sehr viel genauere Erkenntnisse darüber, wie viele Kinder ihr im Schnitt habt und wo es bei euch im Alltag manchmal hakt.
Dann passierten ein paar Dinge, die mein Leben in die Tiefe zwangen und mir deutlich machten, wie kostbar meine Zeit auf Erden ist. Eins wusste ich plötzlich: ich will schreiben und Menschen im persönlichen Gespräch coachen. Was ich nicht will: Videos drehen, Präsentationen bauen, mich stundenlang mit Technik herumschlagen, Bezahlsysteme installieren und was sonst noch alles dazu gehört, wenn man Online-Kurse anbietet.

Weil also das Präsentieren vor der Kamera nicht so mein Ding war, wird es hier im neuen Jahr weiterhin Texte von mir geben. Ich brenne weiter dafür, Ideen zu finden, die das Leben von Eltern und Kindern schöner machen. Das ganze Psychologisieren, Dramatisieren und Problematisieren, was ich leider in so vielen Neuerscheinungen über Leben mit Kindern finde, mag ich gar nicht. Mama oder Papa und vor allem Kind zu sein, ist doch etwas Großartiges.

Am vorletzten Tag des Jahres will ich mich dann einmal selbst zitieren:

„Kinder lachen – eigentlich – viel mehr als Erwachsene. Kindheit stand mal für Unbekümmertheit. In aktueller Erziehungsliteratur klingt es eher so, als müssten Erwachsene Kindern helfen, ihre Gefühle zu regulieren, um glücklich zu werden. Wo ist nur der schöne Gedanke geblieben, dass wir Großen uns von der Unbekümmertheit etwas abgucken könnten und dass wir wieder mehr werden sollten wie die Kinder. Stattdessen meinen wir, uns mit der vermeintlichen Unreife ihres  Gehirns herumschlagen zu müssen. Je mehr wir gegen ihr Unglücklichsein ankämpfen, desto mehr manövrieren wir sie da hinein.“

Vor diesem „Manöver“ möchte ich Eltern bewahren. Das ist meine Mission. Dass das Gehirn von Kindern noch unreif ist, darin liegt doch der Zauber von Kindheit. Und was machen wir? Wir bewerten es als Mangel, arbeiten uns im Schein der Nachttischlampe durch Bücher, die sich mit dem Präfrontalen Cortex von Klein-Louisa-Sophie befassen und damit, dass ihre Amygdala eine stärkere Verbindung zum Panikzentrum im Gehirn hätte als die Amygdala von anderen Kindern. Wir behandeln sie, als wäre sie unserer Steuerung bedürftig, zu heftig in ihren Gefühlen und zu schwach, sich selbst zu steuern.

Wir können einfühlsam sein und ihnen mehr zutrauen. Das vermittele ich in meinen Texten und in meinen Coachings. (Neue Coaching-Seite schon besucht?) Wir selbst haben es dann auch leichter und können glücklicher voranschreiten. Niemand wird uns schneller in die Fröhlichkeit folgen als unsere Kinder.

Euch allen einen guten Rutsch und ein erfüllendes Familienlieben in 2020!

Und jetzt kommt zum 54. und letzten Mal in diesem Jahr das Unvermeidliche:

Immer schön fröhlich bleiben,

Eure Uta

 

  • Liebe Uta,
    danke für schön gewählte Worte, ich bin froh, dass du beim Geschriebenen bleibst und deinem Gefühl vertraust.
    Ich lese hier ja nun schon einige Jahre und freue mich sehr auf weitere Denkanstöße und Inspirationen.
    Alles Gute für dich,
    Frieda

  • DANKE für diese Worte zum Leben mit den Kindern. Meine Kinder sind jetzt 20 Jahre und 16 3/4 Jahre.
    Ich habe es früher schon sehr befremdlich gefunden, wenn irgendwelche Erziehungsratgeber ohne Reflexion als das“Nonplusultra“ übernommen worden sind. Ich habe mich oft auf mein Bauchgefühl verlassen.
    Deswegen mache dein Blog genauso wie bisher!
    Guten Rutsch und ein gesundes und glückliches Jahr 2020.
    LG Elke Schmerer

    • Liebe Elke, ja, das Bauchgefühl, das ist wichtig. Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass es seine Zeit braucht, bis man als Mama in seiner Persönlichkeit so gefestigt ist, dass diese Intuition immer sicherer wird. Einige haben das von Anfang an. Ich habe Zeit, viele Bücher und eigene Weiterentwicklung gebraucht, um die Essenz zu finden. Dir auch alles Gute für 2020! LG Uta

  • Danke – auch dass es weiter Texte geben wird. Diese regen mich Vierfach-Mama immer wieder zum Nachdenken und „Umhandeln“ an. Auch gebe ich gerne einen entsprechenden Link an Freunde weiter.
    Vielen herzlichen Dank und eine guten Rutsch,
    Ines

  • Liebe Uta,
    wunderbar, Deine Erkenntnis bei Dir selbst zu bleiben, zu schauen, was für Dich richtig ist – Deine Texte sind nun schon viele Jahre Denkanstoß und Anregung für mich als Mutter und ich mag Dir Danke sagen und ein gutes erfüllendes Neues Jahr wünschen!
    liebe Grüße
    Veronika

  • Hallo Uta,
    Danke für deinen tollen Blog, den ich immer äußerst gerne lese. Jeden Beitrag empfinde ich als Bereicherung und ich bewundere deine Fähigkeit, Dinge so schön schlüssig auf den Punkt zu bringen. Der von dir selbst zitierte Absatz bspw hat mir denn auch sehr nachhaltig Eindruck gemacht. Ja, so ist es, du hast du Recht! Und schließlich bin auch froh, dass du vorwiegend beim Schreiben bleibst. Ich persönlich lese sehr viel lieber, als dass ich zu denselben Themen Videos schaue oder Podcasts höre. Selbst dass ich dadurch so manches Interessante verpasse nehme ich in Kauf. Aber nun wünsche ich dir ebenfalls erstmal einen guten Rutsch ins neue Jahr!! Liebe Grüße

  • Liebe Uta,
    ich noch mal 😉
    Ich finde es bewundernswert, dass Du entscheiden konntest, was der richtige Weg für Dich beruflich ist. Das ist ja manches Mal nicht so einfach … vor allem, wenn man schon „investiert“ hat. Ich mag Deine Seite völlig ohne Videos und fand Dein Coaching auch wunderbar-hilfreich – „nur“ per Mail und ohne Video 😉
    Auch, wenn ich manches Mal in letzter Zeit bedauert habe, dass der Weg von (m)einer Bedürfnisorientierung weggeht, mag ich Deine Texte trotzdem sehr und nehme mir immer das mit, was gut zu mir und meiner Familie passt. Manchmal – Achtung! 😉 – probieren wir sogar was Neues aus (z.B. Thema Nachfolgewillen; klappt bei uns nur in 10% der Fälle, aber manchmal eben schon ;)).
    Vielleicht ist es beim Thema Bücher „rund um die Amygdala“ auch so: solange es einem beim Verstehen und Akzeptieren hilft, einen stärkt in dem, was man ohnehin möchte, keinen Druck aufbaut, sondern eher wie freundliche Freunde im Hintergrund sind, sind all diese Bücher – in meinen Augen – wichtig und bereichernd. Sie werden es (wie aber denke ich, alles im Leben) dann ungünstig, wenn sie aufgebauschte Ideale und hohen Druck transportieren bzw. so von/vom Leser*in wahrgenommen werden
    Einen guten Start in ein hoffentlich gesundes neues Jahr!
    LG
    Bianca

    • Liebe Bianca, ich danke dir, dass du mich nicht zu positioniert werden lässt, was die Bedürfnisorientierte Erziehung angeht. Da ist ja viel Gutes dabei. Und ich will nicht der Rechthaberei verfallen, sondern stärkende und erleichternde Ideen verbreiten, egal aus welcher „Schule“ sie kommen.
      Danke für dein Feedback zum Coaching und für die Verbindung, die wir haben. Ein glückliches neues Jahr für dich und deine Familie, liebe Grüße von Uta

  • Hallo Uta,
    Ich freue mich auf ein weiteres Jahr mit deinen Texten, die immer etwas Besonderes sind und mir Viel geben.
    Viele Grüße und einen guten Start in ein gesundes neues Jahr wünsche ich dir.
    Jenny

  • Liebe Uta,
    auch ich bin eine stille Leserin und sage gerne danke für deine Beiträge, freue mich auf alle folgende im neuen Jahr und bleibe dann wieder still…
    Liebe Grüße

  • Liebe Uta,
    Bravo, Bravo, dass Du für Dich diese Entscheidung getroffen hast!
    Ich lese dein Geschriebenes sehr gern…es lässt mich lächeln, lässt mich nachdenken und auf mich selbst schauen!
    Dankeschön!
    Ach ja, wie schön das sich unsere Lebenslinien vor so vielen Jahren gekreuzt haben Und es ist sehr schön, dass es Dich gibt!
    Mahlzeit??‍♂️???

    • Rüüüüüdiger!!! Wie schön, von dir zu hören. Ich freue mich über die Lebenslinien sowieso, aber auch, dass du gelegentlich hier vorbei-liest. Und das, wo du nicht zur Zielgruppe gehörst ?. Ich bin auch froh, dass es dich gibt. Alles Liebe, Uta

  • Liebe Uta,
    danke dir für deine tollen Blog-Artikel in 2019 und in den Jahren davor.
    Was du über Online-Kurse schreibst, kann ich gut nachvollziehen …
    Deine neue Coaching-Seite sieht super aus, Kompliment dafür.
    Alles Gute für dich, deine Familie und alle deine Leser im neuen Jahr.
    Herzliche Grüße aus Köln,
    Christina

    • Liebe Christina, danke für deine lieben Neujahrsgrüße und deine Anerkennung für meine Beiträge! Von deiner Seite bekomme ich auch immer wieder Impulse und Ideen. Dafür möchte ich dir danken. Viel Erfolg und Freude bei deiner neuen Tätigkeit als Coach! Ich freue mich, wenn wir immer mal wieder von einander hören. Herzliche Grüße und ein glückliches 2020! Uta

  • Liebe Uta,
    wie schön, dass Du Dir die Zeit für ein Resumee zum Jahreswechsel genommen hast. Ich finde es großartig, dass du deinen Weg gehst, so wie er sich für dich richtig anfühlt.
    Ich bin auch so froh, dass es den Blog überhaupt noch gibt und du weitermachst! Ich freue mich auf viele neue Inspirationen und Anschubser zum Umdenken und „Umhandeln“ mit ganz viel Herzenswärme und Leichtigkeit. Sehr schön!
    Die besten Wünsche für Dich und deine Familie in 2020!
    Liebe Grüße,
    Marie

  • Liebe Marie, „Herzenswärme und Leichtigkeit“ – ja, wenn das rüber kommt, bin ich sehr froh. Ich danke dir für diese Rückmeldung und für deine vielen wertvollen Beiträge das Jahr über.
    Umdenken und „Umhandeln“ – dafür offen zu bleiben, ist auch ein Jahresvorsatz für mich. Nun wünsche ich dir und deinen Lieben auch ein glückliches neues Jahr, herzliche Grüße, Uta

  • Liebe Uta,
    Auch ich möchte Dir noch einmal Danke sagen! Dein Blog ist eine feste Größe in meinem Leben und ich finde Deine Offenheit und Agilität in Be/Erziehungsfragen so wunderbar und lebensecht, insbesondere Deinen ausgewogenen, vielseitigen Blick auf das Familienleben.
    Und gerade Deine Entdeckung und regelmäßige Konsultation von/mit Rita Messmer fand ich noch einmal sehr bereichernd und horizonterweiternd! Ein bißchen wünschte ich, ich wäre schon früher auf ihre Bücher gestoßen… wobei ihre Philosophie durch Deine Analyse noch einmal ganz sehr an Mehrwert gewinnen da du sie so toll situativ besprichst!
    Großes Dankeschön und alles Gute für 2020!
    Elisabeth

  • Auch ich lese hier schon so lange und gerne mit – begonnen, als ich erst ein Kind hatte und nun mit drei Kindern (9, 6, 2) lerne ich täglich von ihnen neu und habe dabei oft diese Hinweise aus diesen Blogtexten im Kopf. Danke dafür.

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    Uta


    Ich arbeite als Eltern-Coach, Buchautorin und Journalistin, bin Ehefrau und Mama (ein Sohn, eine Tochter) und kann es nicht lassen, dem Familien-Glück auf die Spur zu kommen. Ich forsche in Büchern, spreche mit Experten und teste alle Erkenntnisse in der Praxis. Nur was mich überzeugt, weil es das Leben mit Kindern wirklich erfüllender macht, schafft es auf diese Seite.

    Deine, Uta

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