Erziehen ohne zu strafen 

 12/06/2015

Über den 3. Weg zwischen Strenge und Haltlosigkeit.

Gerade lese ich von Thomas Gordon „Die neue Familienkonferenz“. Das ist ja ein Klassiker. Das heißt, der eigentliche Klassiker ist seine erste Fassung  „Die Familienkonferenz“, 1972 in Deutschland erschienen, ein Weltbestseller. Schon ganz lange schmort er auf meiner Leseliste. Und ich weiß gar nicht, warum es so lange gedauert hat, bis ich mir dieses Buch endlich gönnte. Denn der Amerikaner Thomas Gordon war humanistischer Psychologe in der Tradition Carl Rogers. Und ich liebe Carl Rogers, überhaupt alle humanistischen Psychologen. Und wenn ich etwas in meinem Leben erreichen möchte, dann dass sich jemand bei meinem Beerdigungskaffee ein Stück Käsesahne-Torte nimmt und sagt: „Sie stand ja in der Tradition der humanistischen Psychologen.“
Kaum hatte ich die ersten Seiten des Buches gelesen, wurde ich von Sätzen wie diesen beschenkt:
„Man gewinnt bei Kindern mehr Einfluss, wenn man aufhört, Macht zu ihrer Kontrolle einzusetzen.“ (Thomas Gordon: Die neue Familienkonferenz. Kinder erziehen ohne zu strafen. München 2014, Seite 30)
Gordon schreibt von Eltern, die berichten, sie wären beim ersten Kind streng gewesen und das hätte nicht funktioniert. Jetzt wollten sie es beim Zweiten mit Nachgiebigkeit versuchen. Aber auch das sei zum Scheitern verurteilt, weil es gar nicht um nachgiebig oder streng, nicht um schwarz oder weiß ginge.

„Nur selten lerne ich Eltern oder Lehrer kennen“, so Gordon, „die begreifen, dass es nicht notwendig ist, sich zwischen diesen beiden Führungsstilen zu entscheiden. Das wissen nur wenige Erwachsene, aber es gibt eine Alternative zu der Entscheidung für einen der beiden Pole auf der Verhaltensskala. Es gibt einen dritten Stil.“ (ebenda, Seite 34)

Mensch, Thomas Gordon, das geht mir auch so. Wie oft erlebe ich in Gesprächen, dass der jeweils andere mich für völlig weich gespült hält, was den Umgang mit Kindern angeht. Und wie schwer kann ich begreiflich machen, dass Eltern sogar mehr Einfluss auf Kinder gewinnen, wenn sie nicht ständig schimpfen oder strafen, sondern die Nähe zu ihnen pflegen und sie unterstützen, ohne sich natürlich alles gefallen zu lassen.

Gut dass ich frisch „gordonisiert“ war, als eines meines Kinder mit einer völlig versemmelten Klassenarbeit nach Hause kam. Ich fragte: „Woran lag es?“ – Antwort: „Ich habe nicht gelernt.“
Der Humanpsychologie und der erfrischenden Ehrlichkeit meines Kindes ist es zu verdanken, dass ich gelassen blieb. Was sollte ich tun? Das große Donnerwetter loslassen? Den Computer einziehen? Den Weg ins Internet abschneiden? Zum Lernen zwingen? Taschengeld kürzen? Hausarrest?

  1. Mit der Note selber ist ja schon eine Konsequenz eingetreten. Kein Schüler bleibt von so einer Note unberührt.
  2. Beide Thronfolger kennen die Haltung ihrer Eltern zu Lernen und Leistung. Glauben wir tatsächlich, wir müssten ihnen jeden Tag auf’s Neue erzählen, welche Werte wir hochhalten?
  3. Wenn ich mein Kind strafen würde mit zusätzlichen Konsequenzen (die übrigens keine sein können, weil die einzig logische Konsequenz ist die Note), riskiere ich ein Ausweichverhalten: nichts mehr von der Schule erzählen oder lügen, mogeln bei Arbeiten …Wenn das dann wieder auffliegt, wäre ich gezwungen, zu härteren Strafen zu greifen … eine Abwärtsspirale, die unsere Beziehung gleich mit in die Tiefe reißen würde.

Es gibt Lehrer, die viele Eltern mit dem Service erfreuen, dass sie ihnen eine E-Mail schicken, wenn eine Klassenarbeit zurück gegeben wurde. Es mag verlockend sein, mehr Kontrolle über das Kind zu gewinnen. Aber man landet letzten Endes in einer Sackgasse. Wenn ich so engmaschig das Schulleben meines Kindes überwache, zerstört es schließlich das Vertrauen und ich habe weniger Einfluss auf mein Kind als ohne diese Kontroll-Maßnahmen.
Engmaschig bin ich lieber beim Waffelbacken, Burger-Bauen, Rückenkratzen, Haareföhnen, Beine-Eincremen … Da erfahre ich sowieso, was läuft, und meistens auch, was wirklich dahinter steckt, wenn es in der Schule nicht gut läuft. Dann kann ich tiefer ansetzen, Unterstützung anbieten und wir können zusammen Ideen entwickeln. Wir bleiben „auf Sendung“ – das Entscheidende in der Pubertät überhaupt.
Ich werde sicher noch mehr über Gordons „dritten Stil“ im Zusammenleben mit Kindern schreiben. Aber hier schon mal ein paar Stichworte, damit ihr wisst, worum es geht:
– bei störendem Verhalten sich immer fragen, welches Bedürfnis dahinter liegt
Ich-Botschaften senden; für seine eigenen Grenzen eintreten, statt die Kinder herabzuwürdigen („ich brauche eine Pause“ statt „du gehst mir auf die Nerven“)
– keine Befehle erteilen, sondern gemeinsam Regeln aufstellen
Es würde gut passen, wenn ich jetzt etwas erzählen könnte, was beweist, wie gut der „3.Stil“ funktioniert. Irgendetwas Glorreiches. Es gibt tatsächlich etwas, ob es mit unserem Verhalten als Eltern zu tun hat oder einfach mit dem Kind selber. Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall hat gerade das Kind, das die schlechte Arbeit zurück bekam, im Internet einen Intelligenz-Test entdeckt und ihn absolviert. Weil der Test für einen Teilbereich eine kleine Schwäche aufwies, hat sich das Kind selbst ein Training auferlegt, um dieses Defizit auszugleichen. Die Schule hat damit nichts zu tun. Fast jeden Tag absolviert es jetzt sein Training.
Für das „Anspringen“ von Eigenmotivation und Selbstdisziplin muss ich Raum lassen und als Eltern vielleicht durch die eine oder andere Durststrecke hindurch. Aber es lohnt sich. Wenn dieser „Motor“ angesprungen ist, ist das viel mehr wert, als wenn sie kurzfristig gute Noten erreichen, weil ich ihnen im Nacken sitze.
Immer fröhlich von Strafen und pseudo-logischen Konsequenzen absehen und die Kinder unterstützen.
Eure Uta

  • Liebe Uta,
    bei der Lütten wirkt oft leider nur das Androhen einer Strafe oder eines Verbotes … Manchmal ist es auch eine „logische Konzequenz“ … Aber meist das andere … naja, wir lernen ja noch 🙂
    Liebe Grüße,
    Dorthe

  • Liebe Uta,
    unsere „Durststrecke“ dauert schon so lange – gerade heute Morgen war mir echt zum heulen!
    Es sind die zig Kleinigkeiten, bei denen ich mir den Mund fusselig rede… z.B. Instrument üben, Pausenbrot-Dosen mittags an die Spüle stellen, Schulranzen direkt nach den Hausis für den nächsten Tag packen, Schulhefte ansehen, wenn eine Ex anstehen könnte, Wäsche in den Wäschekorb werfen, statt 20cm daneben, Zahnspange nachts tragen und morgens reinigen – zur Zeit reibe ich mich an diesen Dingen dermaßen auf, dass ich das Gefühl habe, überhaupt nichts „erreicht“ zu haben bislang.
    Und dann sitze ich wieder im Lehrergespräch, weil sich die Einstellung zum Lernen endlich ändern müsste usw.
    Oder ich sitze (wie gestern) beim Kieferorthopäden und muss mir anhören, dass sich die Zähne in 6 Woche nur 0,5 mm bewegt haben.
    Und dass das andere Kind (das mit der festen Spange) sich die Zähne gründlicher zwischen den Drähten putzen müsste.
    Und zum krönenden Tagesabschluss ein riesen Drama beim Kinderarzt wegen einer Impfung (also wegen der Spritze)…
    Manchmal denke ich echt, ob nicht irgend jemand zwei Kinder haben möchte (mit leichten Gebrauchtspuren, ansonsten gut erhalten).
    Liebe Grüße,
    von einer gerade ziemlich geschlauchten Papagena

  • Oh ja, erzähle bitte mehr vom 3. Stil. Meine Kinder sind noch klein. Ich komme bei ihrem typisch kleinkindlichen Verhalten oft an die Grenzen meiner Erziehung. Dann gibt es öfter wenn,dann-Sätze. Ich verabscheue sie, weiß mir aber oft nicht zu helfen.
    Toll, dass dein Kind sich ein Training auferlegt hat, um Defizite auszugleichen. Am erfolgreichsten ist man aus eigener Motivation heraus. Da versagt das Schulsystem regelmäßig. Ich habe mich oft auf neue Kapitel in der Schule gefreut und wurde oft enttäuscht vom Inhalt. Ich war an vielen Dingen interessiert. Im Nachhinein hätte ich mir von meinen Eltern auch ein bisschen mehr Unterstützung in Bezug auf meine Interessen gewünscht.
    Viele Grüße,
    Kathrin

  • Das Buch habe ich vor einigen Jahren auch angefangen zu lesen, es aber nicht zu Ende gebracht. Auf der einen Seite dachte ich: „Was für tolle neue Sichtweisen, so will ich es machen!“ Und gleichzeitig fühlte ich mich irgendwie ohnmächtig, weil ich scheinbar schon so viel verkehrt gemacht hatte und mir irgendwie nicht zutraute, die Dinge wirklich umsetzen zu können.
    Allerdings, Ich-Botschaften sind mir immer schon wichtig, nicht nur im Umgang mit den Kindern 😉 Und ich finde mit den Jahren kriege ich es schon immer besser hin. Gemeinsame Regeln aufzustellen, müssen wir noch sehr üben, aber kleine Erfolge gab es auch da schon (meine Kinder sind ja noch jünger).
    Wenn ich bei meinen Kindern „störendes Verhalten“ wahrnehme, frage ich mich eigentlich sehr schnell welches Bedürfnis dahinter steckt, auch wenn ich es nicht immer gleich erkenne. Und ich würde mir wünschen, dass auch in der Schule das eine oder andere Mal genauer hingeschaut wird.
    Vielleicht sollte ich das Buch doch noch mal wieder zur Hand nehmen…
    Ich bin übrigens begeistert von der klaren und ehrlichen Antwort Deines Sohnes und Deiner Sicherheit, ihm Eure Haltung und Werte bereits deutlich gemacht zu haben.
    Herzliche Grüße,
    Maike

  • Gut beschrieben, die Sache mit dem 3. Stil. Ich glaube auch wie Du, Uta, dass es das einzige ist, was langfristig funktioniert. Ich erinnere mich noch an diese „wenn … dann“-Geschichten, als unsere drei (heute 15, 19, 20) noch kleiner waren. Wenn sie die Bedingung nicht erfüllten, stand man da mit seiner angekündigten Konsequenz … von wegen keine Gute-Nacht-Geschichte (dabei liebe ich die doch so!), kein Schwimmbad-Besuch (fand ich doch selber nett) … In der Regel bedeuten diese Wenn-dann-Konsequenzen immer nur mehr Stress, nur länger doofe Stimmung … es bleibt die Frage, wen man damit denn eigentlich bestraft … tja, leider blöd gelaufen …
    Seinen Kindern vertrauen und ihnen vor allem eigene Erfahrungen zutrauen … Wer sagt denn, dass mein Weg der richtige ist, meine Maßstäbe die einzig geltenden?
    Wenn es viel Stress und Unruhe gibt, frage ich mich immer: Was ist mir WIRKLICH wichtig? Und wo kann ich auch mal Fünfe gerade sein lassen? Vielleicht ist das, was ich da gerade durchsetzen will, gar nicht so wichtig. Vielleicht gibt es da ja auch eine andere Lösung.
    Ich bin auch nicht für alles, was meine Kinder in der Schule so treiben, verantwortlich. Ich kann da ja nicht danebenstehen und dafür sorgen, dass sie nicht quatschen, dass sie mehr bei der Sache sind, ich kann nur zu Hause mit ihnen sprechen.
    Eins ist klar: Es bleibt spannend!
    Liebe Grüße,
    Isa

  • Hallo Uta, auch ich habe in Studium und Referendariat Rogers und Gordon gelesen. Ich denke weder der autoritäre noch antiautoritäre Erziehungsstil sind geeignet um Kinder zu verantwortungsvollen Mitgliedern unserer Gesellschaft zu erziehen. Denn das ist doch das, was wir wollen. Die Kinder sollen verantwortungsvoll mit sich selbst, anderen und ihrer Umwelt umgehen. Und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben gehört doch auch zu unseren kulturellen Errungenschaften. Eines setzt aber egal welcher Erziehungsstil voraus: dass Kinder grundsätzlich (nicht jede einzelne Stunde oder jeden einzelnen Tag) bereit sind etwas zu lernen, Neues zu entdecken, sich für ein Ziel anzustrengen, für etwas zu brennen, Zeit zu investieren… Zugegeben sind englische Vokabeln vermutlich nicht besonders beliebt, sie gehören aber dazu. Es gibt keine Möglichkeit die englische Sprache zu erlernen ohne Vokabelwissen. Anstrengend ohne Frage und manchmal auch frustrierend, aber leider notwendig. Gerade jetzt sitze ich hier und zermartere mir den Kopf wie ich die Kinder dazu bekommen kann dies zu tun. Ich habe einen schier unendlichen Katalog von Maßnahmen ergriffen, um die Kinder zu ermutigen und zu motivieren. Vokabelspiele, Selbstkontrolle, Verabredungen treffen,Belohnungskarten, Erklärungen wie das Gehirn funktioniert (siehe Herr Spitzer) und warum wir es nicht austricksen können, Teamarbeit und letztendlich auch Tests. Informationen an die Eltern über die jeweiligen Maßnahmen und den Leistungsstand inklusive. Einüben eines speziellen neuropsychologischen Lernsystems in kleinen Portionen. Doch schlussendlich muss das Lernen eben doch erfolgen, wie auch immer. Das Kind muss aktiv werden, wenn es einen adäquaten Wortschatz für echte Kommunikation Verfügung haben möchte. Das Ergebnis ist frustrierend. Heute konnten nur zwei von 27 Kindern überhaupt nennenswerte Lernergebnisse vorweisen. Stattdessen erfinden sie immer neue Möglichkeiten mein System zu umgehen.Ich würde meinen Schülern so gerne die Welt zu Füßen legen, ihnen alle Möglichkeiten bieten, wenn sie in fünf Jahren die Schule verlassen, in zehn Jahren von ihren ersten Schritten in die Welt hören, stattdessen sehe ich sie scheitern, weil sie sich nicht dazu aufraffen, ein wenig Zeit in ihre Zukunft zu investieren. (Die Vokabeln waren jetzt nur ein Beispiel von vielen) Ich befürchte daran wird auch kein Erziehungsstil dieser Welt etwas ändern können. Viele Grüße von Tine, die jetzt erstmal die Zehntkässler verabschiedet, dann Wochenende macht und die sich Montag hoffentlich mit neuer Motivation trotzdem auf ihren Job freut.

  • Ach Uta, das ist mal wieder so passend. Ich kann mich ja selber nicht leiden, wenn ich den ersten oder den zweiten Stil anwende. Man merkt ja, dass es den Kindern gar nicht gut damit geht und das Gefühl finde ich so schrecklich, für mich und für mein Kind. Der böse Teufelskreis! Der dritte Stil hört sich toll an und es ist nie zu spät einiges zu verändern. Vielen Dank für diesen schönen Ansatz!
    Liebe Grüße von Jenny

  • .. klingt zu schön, um wahr zu sein. Ich habe drei Punkte, weshalb ich das System scheitern sehe:
    1: Meine Kinder ticken nicht so
    2: Mein Mann tickt nicht so.
    3: Es ist oft zu anstrengend.
    Mein Jüngster (knapp 4) ist das, was man früher wohl ungehorsam nannte.Schreckliches Wort. Aber er tut einfach das, was er will. Er hört nur in Ausnahmefällen darauf, was man ihm sagt. Natürlich bekommen Kleinkinder viele Anweisungen (wenn man mit mir so reden würde….), aber das ist nun mal so. Kleiner Mitschnitt von heute morgen: Zähneputzen! Ich putz dir jetzt die Zähne, mach bitte den Mund auf. Willst du selber? Nein? Dann mach den Mund auf. Mach den Mund auf. Mach jetzt bitte den Mund auf. Du sollst den Mund aufmachen. Danke. Und jetzt nicht auf die Zahnbürste beißen. Du sollst nicht draufbeißen. Hör bitte auf damit. So, Mund auf. Okay, geht doch. Und wenn du jetzt noch aufhörst herumzuzappeln, dann kann ich dir die Zähne putzen. Oh bitte! Das sind 2 Minuten, die das dauert, jetzt stell dich doch nicht so an! gut. Dann putzen wir nicht, aber dann gibt es heute keine Süßigkeiten. Du kannst dich entscheiden. Ich zähle bis 5. 1,2,3,4,5. Hast du dich entschieden? Nicht Zähne putzen? Willst du es selbst machen. Nein? Okay, dann sag ich auch in der Kita Bescheid. Sollte es Nachtisch geben, dann darfst du davon nichts haben.
    Wenn – dann. er hat sich die Zähne nicht putzen lassen. Sein Vater hätte ihn in Klammergriff genommen und es erzwungen.
    Wenn ich nachher noch dran denke, bekommt er heute keinen Schlickerkram. Wutgebrüll ist programmiert.
    Manchmal ist die Wenn-dann-Methode einfacher und ja, es ist vielleicht Erpressung, aber im Alltag muss vieles einfach flutschen und ich hab auch Bedürfnisse, nicht nur meine Kinder…

  • Liebe Uta,
    danke für diesen Artikel. Das Buch steht auch schon lange auf meiner Wunsch- und Leseliste. Jetzt gewinnt es wieder an Priorität und ich werde es mir tatsächlich holen.
    Ich übe mich schon seit einiger Zeit im dritten Stil, was für mich gar nicht so einfach ist, weil ich ein Kontrollfreak bin.
    Es lebt sich seitdem viel entspannter, wirklich. Ich hatte dieses ständige Hinterhersein, Ermahnen, Schimpfen, Meckern – und das nur bei einem Kind – so satt. Ich konnte mich selbst nicht mehr ausstehen.
    Also hab ich es einfach gelassen. Manchmal falle ich noch in alte Muster zurück, vor allem, wenn ich gestresst bin.
    Fazit: Das Kind (12) ist selbständiger geworden, das Haus steht noch, das Kinderzimmer ist nicht im Chaos versunken, die Noten sind stabil (obwohl mir Noten eh nicht wichtig sind) und die Stimmung zu Hause ist soooo viel besser geworden.
    Die natürlichen Konsequenzen reichen allemal aus. Da muss ich nicht noch dazu bestrafen.
    Ich kann es nur jedem raten, es auszuprobieren.
    Lieben Gruß
    Birgit

  • Liebe Uta,
    die Grundsätze des 3. Stils sind mir, spätestens seit ich deinen Blog lese, bekannt. Aber immer noch finden hier Wenn-Dann-Ansagen statt, die ich schon beim Aussprechen selbst so blöd finde, dass ich gerne noch mal zurückspulen würde. Ich hoffe, ich schaffe es irgendwann, intuitiv besser zu handeln.
    Bei unserem 4-Jährigen ist mir oft klar, warum er gerade so ist wie er ist. Mir fällt es dann auch nicht so schwer, ihn an die Hand zu nehmen. Bei dem großen Herzbuben gelingt es leider selten, oft kann ich es nicht mal erahnen, was die Ursache ist und was ihm helfen könnte.
    Wir waren gerade im Urlaub und haben einige Familien kennengelernt. Es gab dort zwei Familien, die so entspannt und mit Bedacht mit ihren Kindern umgegangen sind, dass ich neidisch war. Ich habe nicht einmal Situationen bei ihnen erlebt, in denen beschimpft oder auf das Kind eingeredet wurde. Die Kinder ruhten in sich, so wie die Eltern auch.
    Es gab aber auch Familien, bei denen Macht Hauptthema war. Da wurde die Tochter schon mal laut schimpfend am Ohr vom Trampolin gezogen, weil sie nicht hörte. Oder der Sohn ständig mit „Mann-oder-Maus-Sprüchen“ vom Papa gedemütigt. Jedenfalls empfand ich es so, schrecklich irgendwie. Und danach folgten die Beschwerden der Eltern, dass die Kinder einfach nicht hören und dass Urlaub ja furchtbar anstrengend ist, weil man sie rund um die Uhr hat.
    Die meisten Familien tickten eher so wie wir: mit zu viel Text und Ansagen, wenigstens insgesamt liebevoll, aber mit Luft nach oben.
    Urlaub kann man prima für Sozialstudien nutzen.
    Danke für den Buchtipp, liebe Grüße,
    Frieda

    • Also der Vater fragt: „Bist du ein Mann oder eine Maus?“ Diese Art Demütigung? Ja, immer noch gerne genommen. Danke für deine Schilderungen! Viele Grüße, Uta

      • Ja genau, diese Art Demütigung und weitere.
        Mir ist dort aufgefallen, dass Macht immer dann zum Einsatz kommt, wenn die Eltern keine Lust haben, sich mit den Kindern zu beschäftigen. Ein Zitat als der Junge mit einem Bilderbuch kam:“Das ist kein Vorleseurlaub, wir sind hier, damit du spielst.“ Traurig, da wird Faulheit mit Zuwendungsentzug bestraft.
        Die Gastgeberin hingegen erzählte von einem Kind, das seien Vater irgendwann anschrieanschrie, dass es auch Urlaub hätte und er sich gefälligst kümmern sollte.

  • Liebe Uta
    Ich habe gerade Deinen Blog entdeckt und freue mich über alles, was ich bisher gelesen habe. Anscheinend haben wir eine sehr ähnliche Sicht auf Kind(er) und Erziehung.
    Thomas Gordons Punkte erinnern mich sehr an den KESS-Kurs, den ich besucht habe. Kennst Du das?
    Es war faszinierend zu erleben, wie sich das Kind-Verhalten ändert, wenn ich nur kleine Stellschrauben an meinem Verhalten „justiere“.
    Kann ich allen vielgeplagten Eltern empfehlen – egal, wie alt die Kinder aktuell sind 🙂
    Liebe Grüsse und einen guten Start in die Woche
    Silke

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    Uta


    Ich arbeite als Eltern-Coach, Buchautorin und Journalistin, bin Ehefrau und Mama (ein Sohn, eine Tochter) und kann es nicht lassen, dem Familien-Glück auf die Spur zu kommen. Ich forsche in Büchern, spreche mit Experten und teste alle Erkenntnisse in der Praxis. Nur was mich überzeugt, weil es das Leben mit Kindern wirklich erfüllender macht, schafft es auf diese Seite.

    Deine, Uta

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