Glückliche Familie Nr. 24: Selbstwirksamkeit 

 16/03/2012

Wir haben ein anderes Auto und ein anderes Navigationsgerät. Bei unserer Rückreise hatte ich beides im Wechsel mit meinem Mann zu bedienen. Es funktionierte leidlich. Der Zielort muss bei diesem Navi durch das Drehen eines Rades eingegeben werden. „Mautstraßen meiden“ findet sich auf einer ganz anderen Menü-Ebene. Zwischendurch möchte Kronprinz (14) von hinten seinen I-Pod über Bluetooth verbinden und hängt über der Mittelkonsole, weil Mama das ja nicht kapiert. Die ist gerade mit dem Knie an einen Knopf gekommen, der Lendenwirbelstützen aus der Sitzlehne herausfährt. Die Navi-Frau will, dass ich mich geradeaus halte, mein Mann sagt, ich solle den Media-Knopf drücken, Prinzessin will eine „???“-CD hören. Wo schiebt man die rein? In die Kopfstütze?

Wenn ich von allen Seiten Tipps bekomme, werde ich ganz matschig im Kopf. Dann kann ich gar nichts mehr.
In Höhe des Kölner Rings hatte ich den IQ-Wert unseres Airbags.

Da ist mir wieder klar geworden, welche große Bedeutung die „Selbstwirksamkeit“ hat. Die Möglichkeit, die eigene Wirkung zu spüren, etwas in eigenem Tempo in Ruhe durch Ausprobieren zu lernen. Das Recht zu haben, Fehler zu machen und sie selber zu beheben.
Für Kinder ist das so wichtig, nein, für alle Menschen: die Erfahrung von Selbstwirksamkeit.

Bei unseren Nachbarn im Garten bekomme ich manchmal mit, wie die Oma ihre zwei Enkel, vier und sieben Jahre alt, im Garten beaufsichtigt. Die beiden möchten helfen und auch mal einen Ast abschneiden, aber Oma nimmt ihnen alles weg, weil es zu gefährlich ist. Sie meint es ja gut, möchte nicht, dass etwas passiert. Aber für das Selbstvertrauen der beiden Kinder wäre es toll, wenn sie mit anpacken dürften.

Als einer meiner Neffen klein war, prägte er den Satz „Alleine kann er’s!“.

Wenn wir das nächste Mal eine längere Autoreise machen, schleiche ich mich vorher ins Auto und programmiere ins Navi ein, dass die nette Frau alle fünf Minuten sagt: „Alleine kann sie’s.“

Ich habe unsere Kinder auf jede Mauer, jeden Baum klettern lassen, auf den sie wollten. Sie durften früh mit scharfen Messern schneiden, mit Feuer auf der Terrasse zündeln und mit Schirmen vom Gartenhaus springen.

Jetzt muss ich damit leben, dass die Brut alles besser kann und weiß.

Aber das ist es doch wert, oder?

Was erlaubt Ihr Euren Kindern? Holzspalten mit dem Beil? Springen vom 5-Meter-Turm? Allein zum Bäcker?
Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht? Was kann man wagen?

Immer schön fröhlich bleiben

Uta

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Uta


Ich arbeite als Eltern-Coach, Buchautorin und Journalistin, bin Ehefrau und Mama (ein Sohn, eine Tochter) und kann es nicht lassen, dem Familien-Glück auf die Spur zu kommen. Ich forsche in Büchern, spreche mit Experten und teste alle Erkenntnisse in der Praxis. Nur was mich überzeugt, weil es das Leben mit Kindern wirklich erfüllender macht, schafft es auf diese Seite.

Deine, Uta

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