Juli hatte mir in den Kommentaren zum letzten Beitrag die Hausaufgaben-Situation mit ihrer Tochter geschildert. Darauf möchte ich ausführlicher eingehen und veröffentliche es hier als Beitrag. Ganz unten lest ihr, wer mein neues Buch gewonnen hat.

Liebe Uta, 

meine Tochter ist in der dritten Klasse und wir sind immer noch dabei heraus zu finden, wie es mit den Hausaufgaben gut klappen kann. Oft macht meine Tochter die einfachen Sachen allein in der Mittagspause und für das Anspruchsvolle reservieren wir Zeit vor dem Abendessen.

Wie es läuft, hängt sehr vom Fach ab. Schreiben und Malen liegt ihr, aber beim Rechnen haben wir viel Stress. Meine Tochter fällt dann in die Verweigerung. Die Lehrerin sagt, es soll lieber zu „Streit“ zwischen Schüler und Lehrer kommen als zu „Streit“ zwischen Eltern und Kind. Wenn ich aber nicht „hinterher“ bin und zu den Hausaufgaben ermahne, fällt meiner Tochter abends ein, dass sie nichts gemacht hat und wenn es dann zu spät ist, ist das Drama groß.

Es ist ein „auf-dem-Weg-sein“ und eigentlich wäre ich - ehrlich gesagt - gern weniger mit den Hausaufgaben befasst.

Zur Corona Zeit war die Motivation übrigens zuerst noch hoch, dann schnell nachlassend und am Ende musste ich oft auf die Fertigstellung verzichten, um den Familienfrieden zu wahren.

LG Juli

Liebe Juli,

danke für deinen Erfahrungsbericht! Dazu habe ich zwei Ideen. 

Wie wäre es, wenn …

  • ihr nach ihrer und deiner Heimkehr eine kleine Pause macht, danach besprecht, was an Hausaufgaben (HG) anliegt und deine Tochter sagt, bei welcher Aufgabe sie eventuell deine Unterstützung braucht? Wenn möglich würde ich zudem für jeden Tag eine feste Uhrzeit für die Aufgaben festlegen. Das gibt Sicherheit und Klarheit. Das ist etwas anderes als „hinterher sein“ oder „ermahnen“, sondern eine Begleitung, die ein Grundschulkind braucht. Ich nenne das „Strukturhilfe“. So sind alle im Bilde, was zu tun ist, und der Stress, am Abend noch Aufgaben zu entdecken, wird vermieden. Dann hängt die Pflicht, noch etwas tun zu müssen, nicht wie eine dunkle Wolke über der Freizeit.
  • ihr festlegt, dass sie zehn Minuten am Tag Mathe macht, mehr nicht? Wenn sie zehn Minuten konzentriert dabei bleibt, ist das der Erfolg, den ihr feiert, egal wie viele Aufgaben geschafft werden. Dieses Vorgehen müsstest du allerdings mit der Lehrerin abstimmen. Es geht darum, dass deine Tochter keine Mathe-Blockade entwickelt. Ganz wichtig! Wir kennen das doch alle: ein Themenfeld, auf dem schmerzliche Niederlagen drohen, meiden wir wie die Pest. Wer will sich schon freiwillig schlechten Gefühlen aussetzen. Ich kenne das von der Steuererklärung oder meiner Buchhaltung. Dabei fühle ich mich doof und unfähig, also schiebe ich es Tage und Wochen vor mir her. Kindern geht es genauso, wenn sie irgendwo Misserfolge erlebt haben. Ich behaupte mal, dass Überforderung ein häufiger Grund dafür ist, dass die eigentlich im Kind angelegte Lernmotivation, verloren geht. Hier muss man niederschwellig ansetzen: also - wie oben beschrieben - 10 Minuten konzentriertes Arbeiten vereinbaren oder einen Teil der Rechenpäckchen streichen oder sich von der Lehrerin Aufgaben geben lassen, die leicht unter dem Niveau der aktuellen HG liegen. So kann sich das Kind zaghaft dem Level annähern, Rückstände aufholen und findet über kleine Erfolgserlebnisse seine Lernlust wieder. 

Magst du das mal ausprobieren, Juli? Über eine Rückmeldung würde ich mich freuen.

Vielleicht kommt bei euch beim Lernen demnächst so viel Freude auf wie bei diesem jungen Mann:

Photo by Ben White on Unsplash

Und mein neues Buch hat Sabine gewonnen. Herzlichen Glückwunsch, liebe Sabine! Bitte maile mir deine Adresse.

Immer fröhlich kleine Erfolgserlebnisse ermöglichen, wenn das Kind mit Schulaufgaben überfordert ist,

eure Uta, 

die morgen mit ihrem Mann und seinen Sachen in einem Mietwagen von München nach Hamburg zurückfährt. Denn er hat ab November eine neue Arbeit im Norden und wohnt wieder zu Hause. Jubel!

  • Liebe Uta!
    Vielen Dank für deine Ideen!
    Ich habe durch die Auseinandersetzung mit dem Thema hier gemerkt, dass es bei mir durchaus noch an innerer Klarheit und Ruhe beim Thema Hausaufgaben mangelt. Ich werde also versuchen, mich innerlich klar auszurichten, meinen Blickwinkel ein wenig zu verschieben (mehr in die Richtung, dass die Unterstützung – wenn sie benötigt – unsere Beziehung stärken kann) und dann im Handeln deine Anregungen beherzigen.
    Ähnlich geht es mir mit dem Blickwinkel übrigens gerade mit dem Haarewaschen/Föhnen bei meiner Tochter. Es war mir zu wenig selbständig und hat mich genervt. Nun sage ich mir, dass es auch Beziehungspflege ist und dass sie vielleicht als Teenager mit Liebeskummer zu mir kommt zum Haarepflegen, um sich geborgen zu fühlen ?.
    Lieben Gruß Juli

  • Ihr Lieben,
    eine meiner Töchter tat sich ebenfalls mit Mathe sehr schwer. Immer wurden diese Hausaufgaben nach hinten geschoben….bis zu dem Zeitpunkt, als die Lehrerin (da war sie in der 2. Klasse) mich fragte: Kennen Sie den Ausdruck „Dyskalkulie“?
    Es ist ähnlich wie Legasthenie, nur im mathematischen Bereich.
    Und endlich wurde es einfacher, denn wir wussten, woran es lag, und konnten diesbezüglich handeln.
    Es liegt also nicht immer an der Unlust auf ein bestimmtes Fach, manchmal kann das Kind es einfach nicht verstehen aufgrund bestimmter Dinge.
    Ganz liebe Grüße,
    Petra

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    Uta


    Ich arbeite als Eltern-Coach, Buchautorin und Journalistin, bin Ehefrau und Mama (ein Sohn, eine Tochter) und kann es nicht lassen, dem Familien-Glück auf die Spur zu kommen. Ich forsche in Büchern, spreche mit Experten und teste alle Erkenntnisse in der Praxis. Nur was mich überzeugt, weil es das Leben mit Kindern wirklich erfüllender macht, schafft es auf diese Seite.

    Deine, Uta

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