Interview mit „Fräulein Ordnung“ über ihr neues Buch und wie sie es schafft, als Mama im Homeoffice zu arbeiten

Denise Colquhoun ist vielen von euch als „Fräulein Ordnung“ bekannt. Jetzt ist ihr Buch über das Arbeiten im Homeoffice erschienen, das ich hier verlosen darf. In „Homeoffice. Besser arbeiten, freier leben“ kommen auch Frauen und Männer zu Wort, die Eltern sind und Arbeit und Familienmanagement in Einklang bringen. Im Buch wird das am Rande erwähnt. Ich wollte mehr darüber wissen und freue mich, dass Denise meine Fragen dazu beantwortet hat.

Denise Colquhoun alias "Fräulein Ordnung"

Uta: Liebe Denise, für dich war die Arbeit im Homeoffice schon lange vor Corona normal. Als du damit angefangen hast, waren deine Kinder vier, sechs und zehn Jahre alt. In einem Haushalt mit Kindern gibt es immer etwas zu tun und die Unterbrechungen sind häufig. Wie hast du es geschafft, trotzdem konzentriert zu Hause zu arbeiten?

Denise: Damals habe ich mir nicht viele Gedanken darüber gemacht. Ich habe einfach gearbeitet, wenn meine Kids in der Schule und im Kindergarten waren oder eben abends, wenn sie im Bett waren. Meine Selbständigkeit brachte am Anfang genügend Flexibilität mit, so dass ich nie das Gefühl hatte, mich abgrenzen zu müssen. Heute bin ich dankbar, dass ich ein eigenes Arbeitszimmer habe, klar kommunizieren kann, wenn ich nicht gestört werden möchte, und die Tür schließen kann. Kommunikation ist ohnehin das A und O.

Uta: In deinem neuen Buch über das Arbeiten im Homeoffice erwähnst du, dass deine Kinder zur Zeit im Homeschooling sehr selbstständig arbeiten. Welche Unterstützung brauchen sie trotzdem von dir und welche Regeln helfen euch dabei?

Denise: Ich stehe jederzeit als Ratgeber zur Verfügung. Es ist wichtig, immer ein offenes Ohr für die Kinder zu haben, aber das ist es ja auch unabhängig vom Homeschooling. Davon abgesehen ist es für uns alle selbstverständlich, dass wir pünktlich aufstehen, jeder seine Aufgaben erledigt und dass wir uns pünktlich zum Mittagessen in der Küche treffen. Das war es auch schon mit unseren Regeln. 

Meine Kinder waren schon immer sehr selbstständig, davon profitiere ich heute.

Uta: Du erwähnst im Buch, dass deine Kinder schon früh die Pomodoro-Technik gelernt haben, bei der man fokussiert in bestimmten Zeitabschnitten arbeitet. Erinnerst du dich noch, bei welcher Gelegenheit du ihnen diese Technik vermittelt hast und wie alt sie damals waren?

Denise: Die Pomodoro-Technik haben wir schon angewendet, als die Kinder noch klein waren. Da hieß es zum Beispiel „15 Minuten Zimmer aufräumen, bevor die Sesamstraße anfängt!“

In der ersten Homeschooling-Phase im Frühjahr 2020 war meine Tochter manchmal überfordert mit der Vielzahl der Hausaufgaben und da habe ich ihr empfohlen, den Tag wie in der Schule zu strukturieren: 45 Minuten Aufgaben machen, kleine Pause, 45 Minuten Aufgaben, lange Pause.  Mir war wichtig, dass sie mit dieser Anleitung ihren eigenen Weg findet und wenn sie längere Pausen benötigt, dann ist das auch okay. 

Uta: Alle Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder lernen, selbstständig zu lernen. Wie ist es dir gelungen, ihnen diese Selbstverantwortlichkeit beizubringen?

Denise: Ich habe meinen Kindern immer gesagt, dass sie in der Schule nicht für mich fleißig sein müssen. Mir ist es nicht wichtig, ob sie Bestnoten schreiben. Viel wichtiger ist mir, dass sie glücklich sind. Gleichzeitig habe ich ihnen aber auch vermittelt, dass sie etwas dafür tun müssen, wenn sie später ein selbstbestimmtes Leben führen möchten. 

Meine Kinder sehen, dass ich gerne arbeite, fleißig bin und mir dadurch Privilegien erarbeite. Mir ist eine gesunde Work-Life-Balance wichtig und ich glaube, dass ich damit ein gutes Vorbild für sie bin. 

Am Ende habe ich schlichtweg großes Glück mit meinen Kindern. Sie haben einfach Freude daran, ihren Weg zu gehen und Schule gehört nun mal dazu. 

Foto vom Christian-Verlag

Uta: In dem Kapitel über „Digital Detox“ empfiehlst du, eine Stunde nach dem Aufwachen und eine Stunde vor dem Schlafengehen keine Emails oder sonstigen Social-Media-Nachrichten zu checken. Da fühlte ich mich ertappt, weil ich immer direkt vor und nach  dem Schlafengehen schaue, ob es dringende Nachrichten von meinen Kindern an ihren Studienorten oder von meinen Eltern in ihrer Corona-Isolation gibt. Auch du hast liebe Menschen in der Ferne. Deine große Tochter studiert in England. Bist du da trotz Pandemie gelassener als ich und ziehst „Digital Detox“ durch?

Denise: Ja, ich bin sehr gelassen! Selbst wenn mir meine Tochter nachts eine Nachricht schicken würde, könnte ich ja doch nichts für sie tun! Ich vertraue darauf, dass sie im Notfall das Festnetz nutzen würde.

Mein Sohn versucht ebenfalls, die erste Stunde am Morgen auf Social media zu verzichten. Er gründet gerade - mit 16 Jahren - seine eigene Modemarke und liest erstmal einige Seiten im Buch, sobald er wach wird, was ich ziemlich cool finde.

Ansonsten würde ich empfehlen, gelassen mit dem Thema 'Digital Detox' umzugehen. Erst einmal ausprobieren, welche Auswirkungen es hat, wenn man Abends eine Stunde vor dem Schlafengehen auf das Handy verzichtet. Wenn man dann merkt, wie gut es einem tut, kann man auch die Stunde nach dem Aufwachen dazu nehmen. Alles kann, nichts muss!

Liebe Denise, ich danke dir herzlich für deine Antworten und wünsche dir weiterhin viel Erfolg für dein inspirierendes Buch, das mich übrigens neu motiviert hat, meine Morgenroutine einzuhalten und konzentriert in Zeitabschnitten zu arbeiten (auch jetzt läuft die Uhr). 

Wenn du das Buch "Homeoffice" von Denise gewinnen möchtest, schreibe mir bis diesen Samstag, 6. März, 18 Uhr in einem Kommentar, welche Erfahrungen du im Homeoffice machst und was dir hilft, in diesen Zeiten den Kopf über Wasser zu halten.

Immer fröhlich Kinder dabei unterstützen, selbständig zu werden,

eure Uta 

Ich danke dem Christian-Verlag für das Rezensionsexemplar. 

Wegen Buch-Verlinkung gilt dieser Beitrag als unbezahlte Werbung.

  • Liebe Uta, Oh,

    Danke für das inspirierende Interview mit Denise. Ich hab mich bei der Digital-Detox-Sache auch direkt ertappt gefühlt und werde es heute Abend direkt mal versuchen. Mein Buch liegt schon neben mir. 🙂

    Unsere Erfahrungen zum Thema Homeoffice/Homeschooling… mir fällt es doch recht schwer muss ich zugeben. Bei mir hat es sich nun so eingependelt, dass ich arbeite, wenn die Kinder im Bett sind. Meine sonstige Routine kann ich leider derzeit nicht so fortführen, immerhin schaffe ich es tagsüber Kleinigkeiten zu erledigen. Ich bin aber tatsächlich schon immer erst dann am produktivsten, wenn ich alleine ungestört bin… oder im Team arbeiten kann. Wenn alle zu Hause sind und jeder anderen Aufgaben nachgehen muss, ist es schwierig. Meine Tochter arbeitet sehr selbstständig, mein Sohn braucht etwas mehr Unterstützung. Wir versuchen das Beste daraus zu machen. Ausnahmesituationen erfordern einfach Flexibilität. 🙂

    Liebe Grüße, Martina

  • Liebe Uta,
    Home Office mache ich schon länger, seit einem Jahr vermehrt. Ich habe das Glück mir einen eigenen Raum dafür einrichten zu können. Was mir manchmal schwer fällt, ist die richtige Work Life Balance zu finden. Aber ich arbeite ständig daran genug Pausen zu machen. Das Einzige: das Wochenende ist mir heilig, da wird Pause gemacht.
    Zum Thema Digital Detox: Vor dem Schlafengehen fällt es mir leichter auf das Handy zu verzichten. Morgens, tja da hast du meine Achillesferse erwischt…

  • Guten Morgen liebe Uta, ein tolles Interview mit Denise. Auch wenn ich ihr schon ganz lange folge, habe ich wieder etwas für mich herausgezogen und bin selbst als homeoffice erfahrene Frau sehr begeistert. Liebe Grüße & einen guten Start ins Wochenende ?

  • Ich war noch nie ein Fan von Vollzeit Homeoffice. Und habe immer nicht verstanden, wenn viele auch meist Selbständige Mütter auf Ihren Blogs einerseits betont haben, wie praktisch das sei flexibel von zu Hause zu arbeiten (meistens wiegesagt mit dem eigenen kleinen Business), andererseits wurde sehr viel geklagt, dass man auch spät abends und am Wochenende noch arbeiten müsste. Ich habe von Corona immer fast Vollzeit angestellt im Büro gearbeitet. Das hat dazu geführt, dass ich natürlich tagsüber außer Haus war und nachmittags/abends dann alles rund um Kinder, Haushalt, Arztterminen, Sport etc getunt werden musste. Und ja, dann habe ich auch Mal um 22Uhr die Wäsche noch aufgehängt. Das ist dann zwar keine klassische Erwerbsarbeit, aber auch Arbeit. Die, die viele Menschen im gelobten (Selbständigen) Homeoffice tagsüber miterledigen. Aber dann eben abends die Erwerbstätigkeit nachholen müssen.
    Aktuell ist es bei uns so, dass mein Mann und ich uns der Kinder wegen und zur Infektionsrisikominimierung täglich abwechseln mit vor Ort Arbeit und Homeoffice. Das empfinde ich als total gute Kombination.
    Über das Buch würde ich mich sehr freuen.
    VG Anni

  • Ja, das Interview hat mich schon sehr beeindruckt….. ?
    Leider bin ich so gar nicht wirklich organisiert und konsequent….. So dass wir es bisher nicht geschafft haben, uns eine klare Struktur zu schaffen…. Das sollte wohl endlich mal auf meinem to-learn-plan ganz oben stehen!
    Liebe Uta, wenn du glaubst, dass mir das Buch dabei eine Hilfe sein kann, dann würde ich mich darauf sehr freuen! ? ? Liebe Grüße Suma

  • Liebe Uta, ich war leider noch nie besonders gelassen. Aber wenn wir beide als Angestellte Telefonkonferenzen haben, die Kinder (3./5. Klasse) gleichzeitig Videokonferenzen und sehr enge Abgabefristen z.T. von 2 Stunden haben und das Internet zusammenbricht, ist an Gelassenheit nicht zu denken. Für meine Kinder ist die Art des Lernens nicht ihre Art, sie leiden unter der Situation und auch das müssen wir Eltern auffangen, auch bei Lernproblemen brauchen Kinder Unterstützung. Wenn viel zu spät abends Ruhe eingekehrt, die Arbeitsaufträge der Kinder für den nächsten Tag endlich ausgedruckt sind, bin ich nicht mehr in der Lage, mich selbst zu optimieren. Ich versuche aber, zwischendurch, wenn es irgendwie geht, in die Sonne zu gehen.
    Viele Grüße
    A.

  • Liebe Uta, liebe Denise,
    was für ein inspirierendes Interview 🙂 Ich nutze selbst auch die Pomodoro-Methode und bin dann viel produktiver und fokussierter. Ich hätte mir als Kind auch gewünscht solche Methoden an der Hand zu haben, die mir das Lernen spielerisch erleichtern. Ich war immer ziemlich faul 😀 Im Homeoffice habe ich auch wieder vermehrt angefangen, diese Methode zu nutzen und komme damit gut zurecht. Seid ich auch endlich das Arbeitszimmer schöner eingerichtet habe, fällt mir das abschalten nach der Arbeit auch leichter, weil ich nicht mehr am Esstisch arbeite.
    Ich würde mich sehr über das Buch freuen 🙂

    Liebe Grüße
    Juli

  • Liebe Uta,liebe Denise,
    ich finde den Satz alles kann und nichts muß sehr motivierend und nimmt Druck raus.
    Danke für ein inspirierendes Interview.
    …..und genug trinken… hilft oft.
    Dankeschön und gute Zeit
    Regina-Luise

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    Uta


    Ich arbeite als Eltern-Coach, Buchautorin und Journalistin, bin Ehefrau und Mama (ein Sohn, eine Tochter) und kann es nicht lassen, dem Familien-Glück auf die Spur zu kommen. Ich forsche in Büchern, spreche mit Experten und teste alle Erkenntnisse in der Praxis. Nur was mich überzeugt, weil es das Leben mit Kindern wirklich erfüllender macht, schafft es auf diese Seite.

    Deine, Uta

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