Tipp für Zwischendurch: Hausaufgaben 

 11/04/2012

„Wer ist verpflichtet, Almosen zu geben?“ – „Die Islamisten.“ – „Nein, Schatz, die spenden nichts, die legen Bomben. Es sind die Moslems.“ – „Und wie hieß noch mal der, der Jesus umgebracht hat?“ – „Pontius Pilatus, er hat Jesus aber nicht umgebracht, er hat ihn zum Tode verurteilt.“ – „Und der war Jude und deshalb werden die Juden immer gejagt, oder?“ – „Nicht ganz, Schatz, der war Römer und die Römer glaubten damals an viele Götter, Gott des Weins, Göttin des Krieges und so weiter …“

Prinzessin (11) übt für den Test über Weltreligionen und ist schließlich eine intime Kennerin der Unterschiede zwischen Juden, Moslems, Buddhisten und Terroristen.

Aber nach knapp einer Stunde des Fragens nach Atheismus und Hinduismus sehnt sich die ganze Familie nach dem Nirvana des Feierabends.

Sollen wir unseren Kindern bei den Hausaufgaben helfen? 


Auch das ist eine echte Glaubensfrage.

Als Elterntrainerin habe ich immer erzählt, die Eltern sollten möglichst nicht helfen, damit die Kinder lernen, selbständig zu lernen.
Auch die Lehrer sagen, man solle nicht helfen, sonst würden sie nicht merken, wo bei dem einzelnen Schüler die Schwächen liegen.

Soweit die Theorie.

Aber mal ehrlich. Wenn das eigene Kind verzweifelt ist, weil es etwas nicht verstanden hat, dann lässt man es nicht ins Messer laufen, oder?

Wenn im Körper der Frust tobt, weil es in einem Fach stark abgesunken ist, dann braucht es Hilfe, oder?

1. Regel
In unserer Familie gilt die Maxime: Wir unterstützen uns gegenseitig und das gilt auch für den Lebensbereich, der im Leben unserer Kinder viel Platz einnimmt: die Schule. 

Als ich Kind war, hatte eine meiner älteren Schwestern in Kunst eine Schwachsinns-Hausaufgabe auf. Sie sollte aus Krepppapier Hunderte bunter Knubbel formen und auf ein großes Blatt Papier kleben. Stunden hätte das für meine Schwester gedauert. Schließlich hat sich die ganze Familie am Abend hingesetzt und Knubbel geknetet. Das war richtig nett.

2. Regel
Wir interessieren uns als Eltern für Schule und wir helfen punktuell, aber wir werden nicht zu „helicopter-parents“. Das sind Eltern, die nur noch über ihren Kindern kreisen. 

„Gab es in Englisch einen neuen Zettel?“ – „Nein, Mama.“
„Hast du Nora nach den Kopien der Übungsarbeit gefragt?“ – „Ja, Mama.“
„Hast du in Deutsch wirklich keine Hausaufgaben auf?“ – „Neiiiiiiiiiiiiiin, Mammmaaaa!“ 

Wenn wir so über unseren Kindern kreisen, sind wir voller Angst, sie könnten Niederlagen erleben. Auch ich bin immer wieder gefährdet, in den Sinkflug zu gehen und mit lärmenden Rotorblättern meinen Kindern viel zu Nahe zu kommen. Auch ich habe die obigen Fragen schon gestellt. 

Aber ich merke, dass es keinem von uns gut tut. Ein furchtbarer Argwohn schleicht sich ein, eine Atmosphäre des Misstrauens, der Enge, der Angst. 

Beim Elterntraining erzählte eine Mutter, dass sie regelmäßig im Ranzen nachschauen würde, ob da nicht doch noch wichtige Zettel lägen, und ob das nicht okay sei. 

Nein, ist es nicht. 

Wenn ich zwischen dem Wert „Gute Schulnoten“ und „Vertrauen zwischen Kind und Eltern“ abwägen  soll, muss ich nicht lange nachdenken.

3. Regel
Wir sind als Eltern nicht der verlängerte Arm der Schule, wir sind nicht der fünfte oder sechste Lehrer unseres Kindes.
Wir sind Mutter oder Vater.

Kümmere ich mich deshalb gar nicht mehr um die Schulaufgaben meiner Kinder?

Doch.

  • Ich mache mit Prinzessin (11) direkt nach dem Mittagessen „Lagebesprechung“. Welche Hausaufgaben liegen an? Was ist das Wichtigste? Was ist direkt für morgen? Ich finde, dass Kinder im ersten Jahr auf der weiterführenden Schule etwas Hilfe brauchen, um sich zu organisieren mit den vielen neuen Fächern und Lehrern.
  • Bei Kronprinz (14) gibt es nur noch „Lagebesprechung“, wenn er darum fragt.
  • Wenn die Kinder in der Schule ihren Job nicht machen, trete ich bei den „Junk“-Medien (Playstation, Computerspiele) auf die Bremse.
  • Wir machen uns immer wieder klar, dass Schule nicht alles ist im Leben. Wirklich nicht.
Immer schön fröhlich bleiben
Uta

  • Liebe Uta,
    eigentlich sehe ich es genauso wie Du. Raushalten und vertrauen. Funktioniert bei meinen Großen bestens. Der Jüngste hat überhaupt keine Lust auf Schule, findet schlechte Noten allerdings auch doof. Ich glaube, er braucht ein bisschen Schub, vor allem vor den Arbeiten. Wenn ich alles komplett ihm überlasse und wir nicht üben, ärgert er sich anschließend über die schlechte Note. Mittlerweile übt er wesentlich bereitwilliger, weil er gemerkt hat, dass es was bringt. Die Lagebesprechung – guter Name – mache ich auch immer mit ihm. Die Schultasche durchsuche ich nicht – so habe ich allerdings auch den letzten Elternstammtisch, den ich eigentlich ganz gerne wahrnehme, verpasst. Die Einladung kramte er drei Tage danach heraus …

    Liebe Grüße,
    Isa

  • Theoretisch bin ich ganz bei dir. Praktisch ist die Schule mittlerweile so komplex, dass es ohne Eltern gar nicht mehr geht und das höre ich auch ganz offiziell von den Lehrern. Sie finden, wir Eltern sind doch der verlängerte Arm der Schule.
    Ich habe auch ein schlusiges und eher unlustvoll zur Schule gehendes Kind zu Hause und wir schauen gemeinsam jeden Tag ins Hausaufgabenheft, in der Hoffnung, dass dort Zettel, Einladungen, Mittleiungen für die Eltern abgelegt sind. Und dann werfe ich auch einen Blick auf die eingetragenen Hausaufgaben. Den Ranzen gehen wir auch ab und zu gemeinsam durch. Ich finde es täglich schwierig, die richtige Balance zu finden. Gerne würde ich mich etwas weniger engagieren, aber dann hätten wir wohl größere Probleme, weil die Einsicht bei 11jährigen Jungs meist nicht so ausgeprägt ist, was ich durchaus verstehe… lg

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    Uta


    Ich arbeite als Eltern-Coach, Buchautorin und Journalistin, bin Ehefrau und Mama (ein Sohn, eine Tochter) und kann es nicht lassen, dem Familien-Glück auf die Spur zu kommen. Ich forsche in Büchern, spreche mit Experten und teste alle Erkenntnisse in der Praxis. Nur was mich überzeugt, weil es das Leben mit Kindern wirklich erfüllender macht, schafft es auf diese Seite.

    Deine, Uta

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