Weltoffenheit und Englisch im Schlaf 

 30/05/2018

Interview mit Saskia Volkmann von „Kanadaplus“

In drei Wochen endet der Aufenthalt von Prinzessin (17) in Kanada. Zehn Monate lang hat sie dort ein Internat besucht. Zweimal war sie in der Zeit zu Hause, zu Weihnachten und zu Ostern. In den ersten Wochen nach ihrer Abreise hat es sich ganz merkwürdig angefühlt, besonders nachts. Wenn ich mal aufwachte, war sofort der Gedanke da: „Was sie wohl gerade macht am anderen Ende der Welt? Ob es ihr gut geht?“ Mit den Monaten wurde es normaler. Dann habe ich nachts nicht mehr an den daheim gebliebenen Kleidern in ihrem Schrank geschnuppert oder Fotos an ihrer Pinnwand angeschaut. Bald war klar: sie kommt dort gut zurecht, sie wird sehr von ihren Erfahrungen allein im Ausland profitieren und – wow! – wie stark sie ist: Nur in den ersten Tagen nach der Rückkehr aus der Weihnachtspause hatte sie ein wenig Heimweh. Und einmal rief sie an, weil sie sich einen Magen-Darm-Virus eingefangen hatte und nachts allein mit schlimmster Übelkeit und allem, was dazu gehört, im Waschraum ihres Mädelshauses hockte.
Dass wir Prinzessin im vergangenen Sommer gut ziehen lassen konnten, verdanken wir vor allem Saskia Volkmann, die in ihrer kleinen Agentur „Kanadaplus“ das Auslandsschuljahr organisiert hat. Während andere Anbieter – wie man hört – viel versprechen und wenig halten, ist es bei Saskia Volkmann genau umgekehrt: Sie hält mehr, als sie vorher versprochen hat. So hat sie nicht nur alle Formalitäten erledigt und geduldig unsere vielen Fragen beantwortet, sondern auch unsere Tochter kurz nach ihrer Ankunft im Internat besucht. Sie hat sich ein Bild gemacht von ihrem Zimmer und ihrer Seelenlage und uns einen ausführlichen Bericht geschickt. Im Frühjahr gab es noch einen Besuch, aber besonders der erste Rapport hat mich unglaublich erleichtert und meinen nächtlichen Gedankenreisen (wahlweise brachen ein tollwütiger Schwarzbär oder ein stadtbekannter Dealer in ihr Zimmer ein) ein Ende bereitet.
Deshalb freue ich mich sehr, dass ich euch heute Saskia Volkmann vorstellen darf und sie ganz viele Fragen rund um Auslandsaufenthalte für Schüler im Westen Kanadas beantwortet. (Das ist Werbung aus dankbaren Herzen und unbezahlt.)

Zur Person:
Saskia Volkmann ist in Berlin aufgewachsen und hat selbst durch Gastschulaufenthalte Französisch und Englisch gelernt. Nach mehrjährigen Aufenthalten in Südafrika und England lebt sie mit ihrem Mann seit 2004 in Kanada. Ihre drei Kinder haben die High School-Zeit im kanadischen Schulsystem absolviert und studieren nun an verschiedenen Universitäten in Kanada und Europa. Sie hat sieben Jahre an Schulen in Vancouver unterrichtet und hatte so die Gelegenheit, das Schulsystem von innen und von außen kennen zu lernen: als Lehrerin, Betreuerin internationaler Schüler und Mutter. Die Idee zur Firmengründung von „Kanadaplus“ im Jahr 2012 entstand aus dem Wunsch heraus, speziell deutschsprachigen Schülern während ihrer Gastschulaufenthalte zur Seite zu stehen und auch für die Eltern direkte Ansprechpartnerin zu sein.
Interview:
Liebe Frau Volkmann, was genau bietet Ihre Agentur an?
Es geht um die Betreuung von Gastschülern in British Columbia (BC) (Provinz an der Westküste Kanadas, Anmerkung der Bloggerin), zumeist aus Deutschland, aber auch aus der Schweiz und demnächst aus Österreich. Es gibt insbesondere im Bereich Gastfamilienunterbringung und Schule viele Fragen, die sich vor Ort am besten klären lassen. Trotz der vielen Ähnlichkeiten zwischen Deutschland und Kanada kommt es zu Missverständnissen, die wir früh aufklären können, um größere Probleme zu vermeiden. Es hilft sehr, hier seit 14 Jahren zu wohnen und die kulturellen Unterschiede zu verstehen.
Wie viele Schüler betreuen Sie?
Es sind während des Schuljahres etwa 50 Kanadaplus-Schüler in BC, wobei viele ein ganzes Schuljahr bleiben, andere nur ein Halbjahr und wieder andere nur einige Monate. Wir haben auch Sommerschüler, wobei hier die Betreuung eine sehr untergeordnete Rolle spielt.
Unsere Tochter berichtet, dass ihr die Schule in Kanada deutlich mehr Spaß macht als zu Hause. Hören Sie das auch von anderen Schülern aus Deutschland?
Ja, jedes Semester erfahre ich von den Schülern, dass sie mehr Spaß im Unterricht haben, Schule wird als entspannter und leichter erlebt. Es gibt natürlich internatsspezifische Erfahrungen, die Schüler an der High School so nicht machen. Aber dass die Lehrer sich selbst auch immer durch Workshops und andere Fortbildungsmöglichkeiten (Konferenzen) selbst fördern sollen und wollen, ist hier normal. Dass sie die Schüler unterstützen, auch in den Pausen, versteht sich von selbst. Dass sie Spaß mit den Schülern haben, ist hier auch die Regel. Schule scheint in Deutschland oft lästiger als hier. So ist mein Eindruck nach vielen Gesprächen mit Gastschülern.
Prinzessin berichtet aber auch von einer eher oberflächlichen Nettigkeit. Aber es kann ja alles nicht immer nur nett und toll sein, oder?
Es herrscht hier unter den Leuten eine oberflächlich sehr angenehme Kommunikationskultur, und die wird in den Schulen von den Lehrern automatisch auch gelebt (und auch von den Schülern). Deswegen versteht mancher deutscher Schüler Kritik nicht, weil sie so freundlich verpackt wird. Das führt zu interessanten Missverständnissen und ist vielleicht die Kehrseite der Medaille. Dann heißt es, die Lehrer seien scheinheilig, weil es plötzlich ein Gespräch beim Direktor gibt, obwohl vorher ‚gar nichts‘ gesagt wurde. Stattdessen wurde es einfach nicht verstanden.
Was ist – über die andere Kommunikationsweise hinaus – aus Ihrer Sicht der Unterschied zwischen Schule in Kanada und in Deutschland?
Aus meiner Sicht sind vier Unterschiede wesentlich:
1.    In Deutschland gibt es drei Oberschulen (Haupt-, Realschule und Gymnasium). Hier gibt es nur Gesamtschulen. Das heißt, das Niveau der Hauptfächer, die alle belegen müssen (z.B. Englisch), ist oft nicht mit Kursen am deutschen Gymnasium zu vergleichen. Im Bereich Mathematik gibt es verschiedene Kurse mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Hier müssten Gymnasiasten aus Deutschland den schwierigsten Kurs belegen, um nicht unterfordert zu sein.
2.    Wahlfächer: es gibt hier eine Vielzahl an Wahlfächern im Bereich Kunst (Keramik, ‚Print Making‘, Fotografie), Musik (Chor, Jazz Band, Concert Band, Musicals) und Technik (Automechanik, Computerkurse, ‚Robotics‘ etc.), aber auch Kurse wie Psychologie und ‚Marine Biology‘, ‚Leadership‘ oder ‚Law‘, die Schülern Einblicke in Bereiche geben, die sie oft an deutschen Schulen nicht bekommen würden.
3.    Benotet werden hier in erster Linie die schrifltichen Arbeiten, und nicht die mündliche Mitarbeit. Das hat Vor- und Nachteile. Schüchterne Schüler haben so die Chance, durch ihre schriftlichen Arbeiten zu beweisen, was sie können und sind gegenüber extrovertierten Schülern nicht im Nachteil. Die Gefahr ist, dass der Unterricht dadurch weniger interaktiv ist. Es kommt hier ganz auf die Lehrer an, wie sie die Schüler einbinden.
4.    Das Thema Sport-Teams scheint mir an kanadischen Schulen wichtiger zu sein als in Deutschland. Hier werden Sportarten saisonal angeboten, beispielsweise Basketball im Herbst, Skifahren im Winter, Tennis im Sommer. Auch gibt es sogenannte Academys, Förderprogramme, durch die Schüler einen bestimmten Sport wie Fußball, Golf, Tennis, Lacrosse, Klettern, Rudern etc. besonders intensiv trainieren. Diese Academys gibt es auch im künstlerischen Bereich wie Film und Musik oder im technischen Bereich wie ‚Robotics‘. Auch gibt es hier Outdoor-Programme, die von den Schulen angeboten werden, innershalb der Schulzeit, und die Schülern die Gelegenheit geben, die Natur durch Aktivitäten wie Kayaken, Wandern, Klettern, Campen, Schneeschuhwandern, Mountainbiking, Skifahren etc. zu erleben.
In Hamburg wurden wir schon gewarnt, dass das Niveau in den naturwissenschaftlichen Fächern, besonders in Mathematik, in den angelsächsischen Ländern nicht so hoch sei wie in Deutschland und dass die Schüler nacharbeiten müssten, um nach der Heimkehr den Anschluss zu halten. Prinzessin hat das bestätigt. Woran liegt das?
Diese Aussage trifft für Gymnasien teilweise zu. Ich höre allerdings im Bereich der Naturwissenschaften von Gymnasiasten auch ganz andere Einschätzungen. Gerade Biologie finden viele hier nicht einfacher und finden den Unterricht besonders auch deshalb schwer, weil sie sich erst an die Sprache gewöhnen müssen. Mathematik hatte ich bereits thematisiert. Viele Gymnasiasten geraten hier in die einfachen Mathekurse, weil sie den Überblick noch nicht haben. Erschwerend kommt dazu, dass Schüler ihren Aufenthalt in Kanada als ‚Gap Year‘ betrachten und ihre gesamte Kurswahl besonders einfach gestalten. Oft stehen Eltern auf dem Standpunkt, ihre Kinder sollen im Ausland in erster Linie Englisch lernen und die Fächerwahl ist sekundär, da sie ja sowieso dort in Deutschland einsteigen, wo sie aufgehört haben. So entsteht schnell das Vorurteil, Schule sei hier leichter. Es ist etwas dran an diesem Vorurteil, aber man kann sich die Kurse durchaus auch so aussuchen, dass man gut gefördert wird. Ein Nacharbeiten wird trotzdem nie ganz zu vermeiden sein, weil hier der Lehrplan nicht mit dem in Deutschland übereinstimmt.
Und wenn man das vorher weiß, könnte man auch den anspruchsvolleren Kurs wählen?
In den meisten Fällen ist das möglich. An manchen Schulen sind die schweren Kurse allerdings von Kanadiern so begehrt, dass Gastschüler das Nachsehen haben. Kanadier, die hier ihren Abschluss machen müssen, haben einen gewissen Vorteil in Bezug auf die Kurswahl. Das ist an Internaten anders. Dort kann die Kurswahl vorher genau festgelegt werden. An öffentlichen Schulen kann sie zwar besprochen, aber noch nicht festgelegt werden.
Wie sind die staatlichen High Schools in Kanada ausgestattet? Ist das vergleichbar mit deutschen Schulen?
Auch die staatlichen Schulen sind hier, laut Aussagen der Schüler, im Durchschnitt besser ausgestattet als in Deutschland. Es gibt neben den normalen Klassenräumen und Laboren für Chemie und Physik auch Autowerkstätten, Holzwerkstätten und Werkstätten für Metallarbeiten, Klassenräume zum Kochen (mit Herden), zum Nähen (Nähmaschinen) und Tanzen, Orchesterräume mit Musikinstrumenten, oft auch Theaterräume, Filmstudios, Musikräume zum Aufnehmen von Songs. Ich habe keinen Überblick über die Ausstattungen an deutschen Schulen und gebe hier den Eindruck wieder, den Gastschüler mir vermitteln.
An was für Schulen vermitteln Sie überwiegend die Jugendlichen aus Deutschland? Sind es mehr Staatliche oder mehr Private?
Unsere Schüler gehen überwiegend an öffentliche Schulen.
Ist es schwierig, Gastfamilien zu finden?
Das kommt ganz auf den Schulbezirk an, und teils auch auf die Schule, in deren Nähe Gastschüler ja möglichst wohnen wollten. Hier ist es wichtig, genau zu wissen, wie die Situation um die einzelnen Schulen herum aussieht.
Bekommen die Gasteltern Geld für die Aufnahme eines Schülers?
Da Lebensmittel in British Columbia (BC) sehr teuer sind, bekommen Gasteltern hier eine Aufwandsentschädigung von etwa 600 Euro im Monat.
Welche Kriterien muss eine Gastfamilie erfüllen? Wie prüfen Sie, ob eine Familie geeignet ist?
Gastfamilien sind bei den Schulbezirken registriert und wir arbeiten mit den Schulbezirken zusammen. Ich kenne die Kollegen der Bezirke inzwischen sehr gut und die Zusammenarbeit ist erfreulich. Wir haben viele Familien, die schon mehrfach von uns Schüler bekommen haben. Dabei ist es wichtig, sich klarzumachen, dass die Fluktuation bei Gastfamilien enorm hoch ist. Es fallen viele weg, weil die eigenen Kinder aus der Schule sind oder weil sie eine Pause möchten etc.. Es kommen jedes Jahr viele neue dazu… Gastfamilien müssen ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Die Häuser werden von den Kollegen bei den Schulbehörden überprüft. Ich rufe Familien an, um mir ein Bild zu machen, und lerne insbesondere die Familien besser kennen, wo Schwierigkeiten auftreten (von Eltern- oder auch Schülerseite). Die Erfahrung hat gezeigt, dass man erst wirklich weiß, wie Familien sind, wenn Schüler den Alltag dort erleben. Es ist immer ein Risiko. Unsere Stärke im Hinblick auf Gastfamilien liegt insbesondere darin, dicht bei den Schülern zu sein und bei Problemen sofort zu handeln (Missverständisse auszuräumen oder Gastfamilienwechsel). Grundsätzlich wechseln bei uns sehr wenige Schüler. Die meisten fühlen sich von Anfang an sehr gut aufgehoben.
Kann man an einer kanadischen High School einen Abschluss machen, der das deutsche Abitur ersetzt und nach der Rückkehr nach Deutschland als Zulassung für eine deutsche Hochschule anerkannt wird?
Nein. Hier gibt es neuerdings die Auflage, nach dem Abschluss hier noch ein Jahr am College zu machen.
Inzwischen sind so viele deutsche Schüler im Ausland, dass sie an manchen Schulen richtige Cliquen bilden. Das ist natürlich nicht Sinn der Sache, da sie dann nicht wirklich Englisch lernen. Haben Sie das Phänomen ‚deutscher Cliquen’ auch beobachtet? Und wie kann man das vermeiden?
Ja, es gibt Schulen, an denen sehr viele deutsche Gastschüler sind, und ich empfehle deshalb auch einige Schulen nicht, obwohl sie aus kanadischer Sicht sehr gut sind. Es liegt auch immer an den Schülern selbst, wie gut sie sich integrieren. Wenn sie bei einem Sport-Team mitmachen, beim Chor oder im Schulorchester, ergeben sich die Kontakte zu den kanadischen Schülern schneller.
(Uta: Das kann ich bestätigen. Obwohl zur Zeit auch etwa zehn Deutsche an Prinzessins Schule sind, hat sie überwiegend Freundinnen aus Kanada oder anderen Ländern dort gefunden. Ihr Englisch war schon Weihnachten so gut, dass sie es auch im Halbschlaf spricht. So war es zumindest, als ich sie an einem Morgen wecken wollte. :-))))
Können Sie überschlagen, was ein Schuljahr in Kanada mindestens kostet, wenn der Jugendliche in einer Gastfamilie lebt und eine staatliche High School besucht?
Rund 10 000 Euro für ein Halbjahr und etwa 17 000 bis 20 000 Euro für ein ganzes Schuljahr. Da BC besonders teuer ist, spreche ich hier nicht für ganz Kanada. Internate kosten über 40 000 Euro im Jahr und hier ist es nicht einfach, einen Aufenthalt unter einem Schuljahr zu organisieren.
Haben Sie auch Schüler dort, die ihren Aufenthalt in Kanada mit einem Stipendium finanzieren?
Ja, in diesen Fällen treten Eltern an mich mit den Stipendien heran und ich kümmere mich hier um das Ausfüllen der Formulare, die sie brauchen.
Wissen Sie, was für Stipendien das sind und wo man sie beantragen kann?
Hier kenne ich mich nicht aus. Mein Rat an Schüler und Eltern ist, sich an die Fremdsprachenkoordinatoren an den Schulen zu richten.
Was spricht dafür, ein Auslands-Schuljahr zu machen?
Schüler lernen hier, selbstständig zu werden, eigene Entscheidungen zu treffen, Heimweh zu überwinden, sich selbst nicht so ernst zu nehmen, dass es auch anders geht, dass in Deutschland weder alles besser noch alles schlechter ist. Sie lernen, dass ‚anders‘ auch möglich ist und man sich im Leben auf ‚anders‘ einstellen kann, ohne Vorurteile und Beurteilungen. Ich denke, das ist ein unglaublich wichtiger Lernprozess für die Zukunft einer immer internationaleren Welt.
Was versäumen sie vielleicht auch?
Nichts. Außer vielleicht den 80sten Geburtstag der Oma oder die Konfirmation des jüngeren Bruders. Aber im Großen und Ganzen verpassen sie in ein paar Monaten und bis zu einem Schuljahr in Deutschland nichts für ihr Leben. Sie gehen ja zurück und haben dann dort all das wieder, was sie vorher schon hatten. Mit sehr viel mehr Weltsicht.
Haben alle mit Heimweh zu kämpfen?
Ja, sie haben alle damit zu kämpfen, manche kaum, andere sehr viel mehr. Ablenkung ist die beste Art, damit umzugehen. Es ist nicht gut, täglich mit den Eltern zu sprechen und damit das Heimweh zu verstärken. Sicher ist es wichtig, regelmäßig Kontakt zu haben und die meisten haben ein virtuelles Treffen pro Woche, meist Sonntagmorgen (bzw. in Deutschland Sonntagabend).

Ich hätte nie gedacht, dass ein Kind mit einem so großen Bedarf an Kuscheltieren eines Tages ohne mit der Wimper zu zucken nach Kanada geht.

Haben Sie schon erlebt, dass ein Mädchen oder Junge aus diesem Grund den Auslandsaufenthalt abgebrochen hat?
Ja, aber das sind sehr vereinzelte Fälle.
Für welche Jugendlichen sind solche Auslandsaufenthalte geeignet? Was sollte man beachten?
Schüler müssen selbst die Entscheidung treffen, ins Ausland zu wollen. Sie müssen sich darauf freuen und es nicht als eine von den Eltern erwartete Pflichtübung betrachten. Heimweh sollte vorher thematisiert werden. Wenn ein Schüler schon oft Heimweh hatte, ist er wahrscheinlich kein guter Kandidat für einen Auslandsaufenthalt. Psychologische Probleme wie Depressionen, Ess- oder Angststörungen, auch wenn sie scheinbar überwunden sind, kommen im Ausland sehr oft wieder zum Vorschein. Die Vorstellung, dass Pobleme durch den Auslandsaufenthalt ausgebügelt werden, ist meist eine Illusion. Das Einleben in einer komplett neuen Umgebung (Schule und Familie, anfangs ohne Freunde) ist eine Belastung, die Schüler in der Regel sehr gut meistern, die aber trotzdem nicht unterschätzt werden darf.
Für welches Alter würden Sie es empfehlen?
Grundsätzlich sind unsere Erfahrungen mit Schülern der 10ten und 11ten Klasse, oder auch der 12ten, sehr gut. Jüngere Schüler haben es schwerer. Wir nehmen aber auch Schüler der 9ten Klasse, die uns geeignet erscheinen.
Welchen zeitlichen Vorlauf braucht es, um ein Schuljahr in Kanada vorzubereiten?
Je nach Schulbezirk ist das anders zu beurteilen. Es ist in der Regel gut, sich ein Jahr vorher zu erkundigen und etwa ein Dreivierteljahr vor dem Aufenthalt eine Anmeldung einzureichen. Bei Internaten ist es ratsam, die Anmeldung noch früher zu machen und entsprechend auch schon vorher Informationen zu sammeln.

Liebe Frau Volkmann, herzlichen Dank für dieses Interview und viel Freude und Erfolg weiterhin bei Ihrer Arbeit!
Immer fröhlich bleiben und das Kind nach Kräften unterstützen, wenn es ins Ausland will.
Eure Uta

Titelbild von Polina Tankilevitch von Pixels. Vielen Dank!

  • Danke für das interessante Interview. Ich kann nur zustimmen, es ist ein wichtige Investition in die Zukunft der Kinder. Wünschenswert wäre es, wenn es auch Unterstützung für Eltern gäbe, die es sich nicht aus eigener Tasche leisten können.
    Unsere drei Töchter haben (je nach persönlichem Interesse) ein halbes Jahr in Südafrika, USA oder Neuseeland verbracht. Eine Zeit, die sehr wichtig war für sie und neue Perspektiven ermöglichte. Gerade Neuseeland eröffnete z.B. eine ganz neue Sicht auf Politik und Geschichte von der anderen Seite der Erde aus.
    (Manchmal wäre ich auch gern wieder 16 oder 17 Jahre alt. Damals waren nur zwei Wochen England drin, die auch unvergesslich blieben).
    Liebe Grüße
    Andrea

    • Liebe Andrea, wow, alle drei Töchter auf einem anderen Kontinent! Ich staune ja, was die sich heute alles trauen. Ich sollte mit 16 nach Frankreich zu einem Austausch und war heilfroh, als die Gasteltern ihn aus persönlichen Gründen abgesagt haben. ;-))) LG Uta

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    Uta


    Ich arbeite als Eltern-Coach, Buchautorin und Journalistin, bin Ehefrau und Mama (ein Sohn, eine Tochter) und kann es nicht lassen, dem Familien-Glück auf die Spur zu kommen. Ich forsche in Büchern, spreche mit Experten und teste alle Erkenntnisse in der Praxis. Nur was mich überzeugt, weil es das Leben mit Kindern wirklich erfüllender macht, schafft es auf diese Seite.

    Deine, Uta

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