Mit Petticoat in den Garten 

 10/05/2026

Über Farben, Malen mit Zahlen und kleine Alltagsfreuden

Vor dem neuen Zaun auf der rechten Seite unserer Wildnis soll das Beet „Think pink“ entstehen. Das Stückchen Land war schon gerodet. Aber jetzt kommen wieder Brombeeren und Giersch hoch und ein fleischfressend aussehendes Gewächs, das meine Pflanzenerkennungs-App als „Zweihäusige Zaunrübe“, in allen Teilen giftig, ausgewiesen hat. 

An alle Zaunrüben! Nur weil wir einen neuen Zaun haben, müsst ihr euch nicht bei uns ansiedeln. Zumal eure Früchte scharlachrot sein sollen. Und Scharlach-Rot kommt mir nicht in den Garten. Die erste von euch, die hier Wurzeln geschlagen hat, hat unterirdische Pflanzenteile, die aussehen wie große Petersilienwurzeln. Ich grabe immer noch daran herum. Weil ich gestern damit nicht fertig wurde, musste ich das Loch abdecken, sonst hätte der Kettensägenmann bei der abendlichen Gartenbegehung dort hineinfallen können. Heute wird weiter gebuddelt. Ich hoffe, ich erreiche das Ende der Knolle. Vielleicht auch eine Erdölquelle und wir brauchen die Straße von Hormus nicht mehr. 

Claude Monet

So ein großes leeres Beet ist - abgesehen von den Emporkömmlingen aus der Unterwelt - wie ein großes leeres Blatt beim Schreiben. Wie und womit soll ich bloß anfangen? Klar, die kleinen Pflanzen kommen nach vorne und dann soll es gestaffelt nach hinten immer größer werden. Die nächste Anforderung lautet, dass in jeder Jahreszeit etwas blühen sollte. Gertrude Jekyll, die berühmte englische Gärtnerin, hat Blumen gesetzt, als würde sie damit ein impressionistisches Gemälde erschaffen. Ich bewege mich eher auf dem Niveau von Malen nach Zahlen, weshalb mir der Vergleich mit Gertrude Jekyll oder Claude Monet nicht weiterhilft. 

So sieht es gerade auf meinem Schreibtisch aus: Blumen-Steckbriefe, Pflanzpläne und Samentütchen

Die Farben zu bestimmen, fällt mir leicht. „Think pink“ eben. Viel Rosa (Storchschnabel), dazwischen kräftiges Pink (Scheinsonnenhüte), Lila (Katzenminze), Weiß (Rosen), Dunkelviolett (Scheinaster) und jede Menge Grün natürlich. Mit knalligen Farben wie Gelb, Orange oder Rot habe ich es nicht so. Weder als Bluse am Leib noch als Blume im Beet. Leider kommt der Kettensägenmann damit nicht zu seinem Recht. Denn er mag Gelb sehr gerne. Zu meiner Erleichterung trägt er keinen Pullunder in der Farbe, aber in der Natur liebt er Gelb und Orange. Vielleicht kann ich ihm ein Staudengärtchen „Think yellow“ hinten links anlegen. Allerdings müsste ich mit Spiegeln die Sonne in diese schattige Ecke leiten. Aber wir werden eine Lösung finden. Gelbe Gartenzwerge? Tisch mit Sonnenblumenwachstuchdecke? Ein Becken mit Kois? 

Fische in einem Becken in Kyoto. Ich nehme an, es sind Kois

Für jeden in unserer Familie sollte sich im Garten etwas finden, was Freude entfacht. Polly hat in der Wildnis einen alten Ball entdeckt. Die ist fertig mit der Freude. Aber unsere Kinder können noch Wünsche äußern und den Mann könnte ich ermutigen, mehr zu sagen als „dass du glücklich bist, mein Schatz!“ 

Ich bin ein großer Fan der japanischen Aufräum-Expertin Marie Kondo. Wenn sie zum Beispiel Ordnung in ihre Kleider bringen will, holt sie alles aus dem Schrank und breitet Hosen, Röcke und T-Shirts um sich im Zimmer aus. Dann nimmt sie jedes Teil einzeln in die Hand und fragt sich: „Entfacht es Freude oder kann es weg?“ 

Entfacht es Freude?

Eine Bluse mit Stickerei im Ibiza-Stil, eine alte englische Rose oder eine verwitterte Gießkanne aus Zink - man könnte sagen, das sind bloß Dinge, und daran sollte man sein Herz nicht hängen. Lange habe ich so gedacht. Ich hielt es für verachtenswert, auf Materielles fixiert zu sein. Außerdem kommt eher ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in den Himmel. Und das letzte Hemd hat keine Taschen. Alles gute Sprüche. Aber eine großartige Wahrheit ist auch, dass es im Alltag Dinge gibt, die jeden Tag für ein bisschen Freude sorgen. 

Meine Schwester Nummer Drei hat sich, obwohl sie bis zum Hals in Arbeit steckt, die Zeit genommen und sich einen neuen Balkonstuhl besorgt. Der Alte hatte eine so hohe Lehne, dass er ihr jeden Morgen beim ersten Kaffee den Blick auf die Blumen an der Brüstung versperrte. Jetzt hat sie einen kleineren Stuhl und eine freie Sicht auf die bunte Pracht in ihren Kästen. Gut gemacht, Schwesterherz!

Ich traf einmal auf einem Spielplatz eine Frau in Kostüm und feinen Wildleder-Loafern mit ihren Kindern an der Rutsche. Auf ihre gnadenlos unpraktische Kleidung angesprochen, verneinte sie meine Frage, ob sie danach zu einem Bewerbungsgespräch wolle: „Ich brauche es einfach von Zeit zu Zeit, mich richtig schick zu machen.“ Das hat mich tief beeindruckt. 

Nach dem Ausschau halten, was im Leben Freude entfacht, ist

mein nächster Happiness-Impuls für euch: 

🧚🏼‍♀️Bei jedem Menschen ist es etwas anderes, was das Herz einen kleinen Hüpfer machen lässt. Finde heraus, was es bei dir ist, und baue es in deinen Alltag ein. 

🧚🏼‍♀️ Das kann eine Postkarte sein, die schon lange in einer Schublade liegt und die du endlich in einem Rahmen auf deinen Nachttisch stellst. Es kann eine Lieblingsblume sein. Und in diesem Sommer wirst du jeden Topf und jeden Kasten damit bepflanzen, der dir vor die Füße kommt. 

🧚🏼‍♀️Es kann auch eine Aktion sein, zu der du dich sonst nicht aufraffen kannst. Zum Beispiel vor dem Schlafengehen noch in die Stadt zu fahren und die Lichtspiele mit Musik am Springbrunnen anzuschauen (im Park „Planten und Blomen“, Hamburg, ab jetzt den ganzen Sommer jeden Abend um 22 Uhr).

Vor wenigen Tagen habe ich auf einer Gartenseite ein Foto von der Akelei „Petticoat Pink“ entdeckt. Sofort war es um mich geschehen und ich musste ein Tütchen mit Samen bestellen. 

Ist "Petticoat Pink" nicht zauberhaft?

Ich will sie in dem neuen Beet „Think pink“ aussäen. Erst aber müssen alle Unkrautreste weg. Nicht auszudenken, das feine Fräulein "Petticoat" fände sich eines schönes Sommertages neben einer Zaunrübe wieder.

Was lässt euer Herz höher hüpfen? Welche kleine Freude baut ihr in euren Alltag ein? 

Ich freue mich über jede Menge verwegener Vorschläge. 

Immer fröhlich bleiben,

Eure Uta 

PS: Das Titelbild zeigt unser Gartenhaus. Mein Vater hat es einst gebaut. Deshalb hänge ich sehr daran. Rechts unten im Topf seht ihr ein paar der pikierten Wicken und links im Bild einen Blumenkorb. Die Stauden darin sind vom Vorjahr, nur die pinkfarbene Geranie ist neu. Der Farbtupfer musste sein und ist inzwischen auch so eine tägliche, kleine Freude. 

  • Liebe Uta! Weil du danach gefragt hast… hier ein kleiner Funhack aus meinem Leben. Aus dem Urlaub bringe ich mir gern einen geschmackvollen Souvenir-Kaffeebecher mit. Jeden Morgen überlege ich beim Griff in den Küchenschrank, an welche Urlaubserlebnisse ich mich heute gern erinnern möchte. Gerade jetzt sitze ich beim Lesen deines Blogs in der Sonne mit Kaffee aus dem Becher, der letztes Jahr aus der Bretagne mitgebracht wurde. Liebe Grüße☕️

    • Liebe Karina, das ist eine großartige Idee, sich Urlaubsfreuden wieder in Erinnerung zu rufen. Danke für den Funhack! Genieß die Sonne! In welchem Land bist du gerade gedanklich? Liebe Grüße 🧚🏼‍♀️

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    Uta


    Ich arbeite als Buchautorin, Journalistin, Bloggerin und Coach. Die Themen, über die ich am liebsten schreibe, sind das Gärtnern, das Familien-Glück und die persönliche Weiterentwicklung.

    „Wie gelingt das Leben?“ Das erforsche ich fröhlich im Selbstversuch und ganz praktisch in unserem neuen Projekt ‚Von der Wildnis zum Traum-Garten‘, von dem ich regelmäßig hier berichte.

    Deine, Uta

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