Wie ein Teebesuch meine Pflanzpläne durcheinander wirbelte
Es naht ein großer Tag. Morgen kommt eine Gärtnerin mit ihrem Team sowie einem kleinen Bagger und einer Fräsmaschine. Der Kettensägenmann, der Fleißige, hat zwar schon an die Dutzend Bäume gefällt, klein gesägt und geschreddert. Aber ein paar dicke Stümpfe und die einbetonierten Pfosten vom alten Zaun trotzen all unseren Werkzeugen und all unserer Kraft.
Eine Herausforderung ist es auch, den Boden zu lockern, der mehr als 15 Jahre lang eine Brache war. Wir ziehen an einer Efeuschlinge, eine lange Peitsche löst sich mehr und mehr vom Boden, Sand spritzt hoch, hüpft in unsere Gummistiefel oder noch höher. Es sei hier vermerkt, dass ich in diesen Tagen schon Erde im Bauchnabel hatte. Mit so einem verdichteten Boden ist es, als würde man einen alten Pullover aufribbeln. Man zerrt unten links am Grundstück und landet oben rechts beim störrischen Ursprung der Schlinge.
Wurzel-Pürierstab
Tiefer im Boden ist der Pullover, den ich hier als Bild bemühe, sehr verfilzt. Und da kommt die Fräsmaschine zum Einsatz, ein Gerät, auf das ich sehr gespannt bin. Wird sie sich mit messerscharfen Bohrern in die Tiefe schrauben oder sich eher wie ein Wurzel-Pürierstab an ihr grausames Werk machen?
Ich sehe uns schon morgen Abend. Die Maschinen sind verstummt, die Gärtner wieder abgerückt und wir hocken in der Abendsonne auf unserem neuen Stück Land und lassen selig fein krümeligen Boden durch unsere Finger rieseln.
Der Einsatz der Fräsmaschine wird unser Gartenprojekt in eine Zeit vor und nach ihrem Einsatz teilen. Denn danach können wir erst wirklich pflanzen. Zwar habe ich dem Stück Erde ja schon ein Beet für die versetzte Annabelle-Hortensie abgerungen, aber am Tag Eins nach der Fräsmaschine kann es erst so richtig losgehen.

Der Abzug der Fräsmaschine wird der Start für das Gärtnerei-Shopping sein
Meine Freundin A. kam zum Tee vorbei und brachte für eine Wildnis-Besichtigung derbe Schuhe mit. Ihre Reputation in Fragen der Beetgestaltung ist unbestritten. Denn sie hat bei sich zu Hause einen wunderschönen Garten erschaffen. Mit einem zart-lila Thymianteppich am Rande der Terrasse, Buchskugeln so rund wie aus der Globus-Fabrik und einer Ramblerrose in einem alten Baum, deren Blütenpracht einem schier den Atem verschlug, wenn man um die Ecke bog. Ich schreibe „verschlug“ und „bog“, denn leider fiel der alte Baum samt Rose einem Sturm zum Opfer. Aber das ist eine andere Geschichte.
Zweige wie Lianen
Ohne meine Freundin A. hätte ich wohl nie erfahren, dass es Rambler-Rosen gibt. Ohne sie hätte ich im Pflanzenbuch einfach weitergeblättert, weil der Name Rambler irgendwie unanständig klingt. Dabei kommt er von dem englischen Verb „to ramble“, was umherschweifen und wandern heißt. Denn anders als die Kletterrosen mit ihren eher starren Trieben hat die Rambler-Rose weiche, lianenartige Zweige, die hässliche Hauswände, nackte Klettergerüste und tote Bäume sanft in ein Kleid aus duftenden Rosen hüllt.
Gleich kommt ein Foto von dem etwas ramponierten Baum, der mit einer Ramblerrose neu eingekleidet werden soll. Es handelt sich um eine Scheinzypresse, die als Letzte in einer Reihe mit halb abgestorbenen Artgenossen bleiben durfte. Ich habe sie von alten Ranken und toten Zweigen befreit.

Es sieht noch wild aus rund um die übrig gebliebene Scheinzypresse, aber wenn die alten Baumstümpfe zu ihren Füßen wegtransportiert sind, kann ich dort eine Ramblerrose pflanzen

Ich dachte für die Stelle an die Ramblerrose "Perennial Blue". Warum sie "Blue" heißt, obwohl sie lila-pink-farbene Blüten hat, weiß ich nicht
Wir Freundinnen stiefelten also durch die Wildnis. A. ließ alles auf sich wirken und meinte schließlich, das Ganze bräuchte einen grünen Rahmen, zum Beispiel eine umlaufende Hainbuchenhecke. Mit dem Rahmen sollten wir anfangen, ehe wir über einzelne Blumen nachdachten. Diese Erkenntnis brauchte ein wenig Zeit zum Einsickern. Zum einen weil eine Rahmenpflanzung mein Beet „Think pink“, über dessen Planung ich schon Stunden und Tage zugebracht hatte, erst einmal in weitere Zukunft rücken ließ. Zum anderen weil unser Hund Polly während unserer Fachgespräche eine Lücke im Zaun gefunden und sich in Richtung Straße aus dem Staub gemacht hatte.
Ich rannte durch das Haus, dann die Einfahrt runter an die Straße, weil ich - anders als der Spaniel - nicht den direkten Weg durch eine Drahtlücke nehmen konnte. Im Garten der Nachbarn, denen wir die Wildnis abgekauft hatten, war es meiner Freundin gelungen, Polly zurück an den Zaun zu rufen. So hing A. tapfer über dem Maschendraht und hielt den Hund an der kurzen Schleppleine fest, die - wie man jetzt sieht - Polly aus gutem Grund fast immer trägt.

Polly ganz harmlos beim Schiffe-Gucken an der Elbe. Vielleicht müssen wir doch über eine Mauer als Gartengrenze nachdenken
Nach dem plötzlichen Ausbruch durfte sich das Spanielmädchen nicht weiter an der Gartenplanung beteiligen und bekam Hausarrest, während ich meine Nerven beruhigte, denen ich zuweilen auch einen grünen Rahmen wünsche. Aber zurück in den Garten. Hier ließe sich der grüne Rahmen durch eine Hainbuchenhecke oder durch Sträucher schaffen. Ja, Sträucher! Das würde mir noch besser gefallen als eine Hecke. Wusstet ihr, dass Mister Knightley seiner angebeteten Emma im gleichnamigen Werk von Jane Austen im „Strauchgarten“ seine Liebe gesteht? Da seht ihr mal, wofür ein Strauchgarten alles gut sein kann.
Blumen später
Ich habe am anderen Morgen die „Think-Pink-Beet“-Planung in der Zeitachse weiter nach hinten geschoben. Meine Mutter rief an. Das tut sie sonst nie am Morgen, also musste es dringend sein. „Dein Vater meinte ja“, begann sie, „ich sollte mich nicht einmischen.“ - „Was für ein weiser Mann“, dachte ich. „Aber ich finde“, so meine Mutter weiter, „ihr solltet mit Büschen und Sträuchern anfangen. Die Blumen kannst du später immer noch setzen.“
Meine Freundin A., Jane Austen, meine Mutter … alle plädieren für einen grünen Rahmen. Die Zeichen häufen sich, dass ich morgen nach dem großen Baggern und Fräsen eine Hecken- und Strauchgärtnerei aufsuchen werde.
Genug vom grünem Rahmen, von Hecken oder Sträuchern. In meinem heutigen Happiness-Impuls geht es um das Schreiben.

Happiness-Impuls
🧚🏼♀️Bloggen, Tagebuch-Schreiben, Journaling … eigene Gedanken und Erlebtes aufzuschreiben, macht das Leben intensiver. Es rauscht nicht so spurlos an einem vorbei. Die Tage werden bewusster und tiefer.
🧚🏼♀️Natürlich hat nicht jeder Freude am Schreiben. Für viele Menschen ist es vielleicht nicht das richtige Medium. Aber wenn ihr auch nur eine zarte Ader dafür habt, setzt euch hin und schreibt.
🧚🏼♀️Legt einfach los! Es spielt keine Rolle, wie ausgefeilt eure Sprache ist. Niemand wird einen Literaturkritiker auf euch ansetzen. Bringt zu Papier oder in den Rechner, was aus euch herausfließt. Ihr werdet überrascht sein, was da alles kommt.
🧚🏼♀️Jeder, der schreibt, schreibt für sich selbst. Zur Verarbeitung des äußeren und inneren Erlebens. Das gilt auch für große Autoren.
🧚🏼♀️Und wer das unverschämte Glück hat, dass andere auch Freude an den eigenen Ergüssen haben, dann ist das für eure Freude wie ein Zuckerguss für einen Kuchen.
Immer fröhlich grüne Rahmen setzen und schreiben,
Eure Uta
PS: Das Titelbild zeigt den Blick im bisherigen Garten zu den bisherigen Nachbarn.


