Rätselhafte Sukkulenten 

 29/06/2026

In einem Dänemark-Urlaub habe ich in einem Blumenladen in Ribe ein kleines Schälchen mit Sukkulenten gekauft. Es hat mich gerührt, wie diese absonderlichen Pflanzen einen Teppich aus Rosetten bilden und sich mit dem kleinsten Topf zufrieden geben. Sie sind sehr kleidsam für alte Steinpfeiler. Gerne hätte ich im Garten ein Portal aus verwitterten Ziegeln, aus deren Fugen diese verwunschenen Rosetten wachsen. Ich würde durch das Portal in einen - noch anzulegenden - Wald aus Farnen schreiten und auf einer bemoosten Steinbank in den „Chroniken von Narnia“ von C.S. Lewis lesen. 

Es ist die Geschichte von vier Kindern, Peter, Susan, Edmund und Lucy, die während des Zweiten Weltkrieges in London bei einem alten Professor untergebracht sind. Beim Versteckspielen geraten sie in einen Schrank und durch dessen Rückwand in die Fabel-Welt von Narnia. Hier kämpft der Löwe Aslan um das Gute, unterstützt von allerlei Zauberwesen, von Faunen (halb Ziege, halb Mensch) und einer ganzen Armee aus Kentauren (halb Pferd, halb Mensch). Ich bin überhaupt kein Fan von Fantasy-Literatur, aber wir haben das Buch mit unseren Kindern auf langen Autofahrten gehört und seither gibt es Narnia als Welt in meinem Kopf. Ich könnte Zeichnungen davon anfertigen. Wenn ich könnte. 

Mitbringsel

Meine Sukkulenten sehen aus, als hätten die vier Kinder aus dem Buch sie von ihren Abenteuern in Narnia mitgebracht. Als hätte Lucy „Nimm du sie mal“, zu Edmund gesagt, als sie aus dem Schrank kletterte und sich die Erde aus dem Kleid schüttelte, „sie passen gut beim dem alten Professor auf die Terrasse.“ Nun sind sie bei uns auf der Terrasse gelandet und machen einen merkwürdigen Eindruck. 

Seit drei Jahren experimentiere ich mit ihnen herum. Die Schale hat im Boden keine Löcher, deshalb würde sich Regenwasser sofort stauen. Und schon beim Wort "Staunässe" würde bei ihnen sofort die Fäulnis einsetzen. Davon bin ich überzeugt.

Hitze, Trockenheit, ideales Wüstenklima - alles wurde auf der Fensterbank geboten und ich machte mich auf eine überbordende Vitalität gefasst, auf noch mehr Rosetten und Blüten in den tollsten Farben. Weit gefehlt. Der Rosetten-Teppich wurde bleich und schrumpelig. "Gut", dachte ich, "du hast es nicht anders gewollt" und setzte die Schale zu den andere Töpfen in das Hamburger Schietwetter. Und siehe da, sie erwachte zu neuem Leben.

ChatGPT hat versagt

Trotzdem bleibt mir diese Pflanze ein Rätsel. Braucht sie mehr Platz? Will sie auch eine Blähton-Drainage? Soll ich sie in diesen heißen Tagen mit Wasser benebeln? Was sind das für merkwürdige Stängel, die sie gebildet hat? Sind das Blüten oder ein Hilfeschrei? Will sie zurück nach Narnia? 

Natürlich könnte ich ChatGPT fragen, aber davon habe ich die Nase voll. Gestern habe ich fast den ganzen Nachmittag lang damit versucht, unseren Drucker wieder zum Laufen zu bekommen, habe auf Geheiß der künstlichen Intelligenz den Druckertreiber neu installiert, an der Fritz!Box rumgedrückt und Codes eingetippt. Vergebens. Nicht das geringste Zucken in diesem Räderwerk, das die Farbbänder transportiert. Und die ermunternden Antworten des KI-Kollegen, ich würde das ganz toll machen, meine Screenshots seien sehr hilfreich und wir wären kurz vor dem Ziel, hielten mich fast drei Stunden lang am Rechner. Dabei ist noch kein Stein für die neue Rasenkante gesetzt. Ich habe lediglich mit den Stäbchen von dem asiatischen Lieferservice den Kreis abgesteckt. 

Die KI kommt also als Ratgeber heute nicht in Frage. Habt ihr Tipps wie ich dieses merkwürdige Geschöpf auf der Terrasse pflegen soll?

Saaten

Und sonst? Bei den Blumensamen, die ich ausgebracht habe, scheint es sich um Schläfer zu handeln. Da tut sich nichts. Die „Petticoat Pink“ - ihr erinnert euch - schlummert im Boden. Deshalb muss ich auf ein Bild aus dem Archiv zurückgreifen.


Mehr Erfolg habe ich mit den Wicken. Sie hatten den Auftrag, das Fallrohr auf der Terrasse und das orthopädisch aussehende Schlauchstück zur Regentonne zu umgarnen. Das machen sie ganz zauberhaft. Es gibt noch Luft in die Breite und nach oben, aber diese Luft füllen sie mit ihrem wunderbaren Duft. Jedes Mal wenn wir an ihnen vorbei gehen, müssen wir an ihren schnuppern. 

Als Rankhilfe habe ich ein Gurkengitter aus dem Baumarkt an das Fallrohr gestellt

Am Wochenende waren wir in Berlin. Die Vorbereitungen für die kleine Reise begannen, mich am Freitag ein wenig zu stressen. Einkauf für meine Schwester, die sich bereit erklärt hatte, bei uns im Haus den Hund zu hüten, Rasen mähen, Terrassen-Töpfe tauchen, bis keine Luftbläschen mehr aufsteigen, bei der Wartezeit sehen, dass die Fingernägel der rechten Hand schlecht lackiert sind, sie nochmals lackieren, die Hand zum Lacktrocknen durch die Luft schwenken und mit der anderen die Vorräte inspizieren, merken, dass für die Mozzarella-Tomaten, die Schwesterherz gerne isst, die Tomaten fehlen, nochmals einkaufen fahren ... Häufig denke ich, dass der Erholungswert einer Reise in keinem Verhältnis zu dem Stress steht, den ihre Vorbereitungen auslösen. In Berlin war es sehr schön, aber so ist das bei Reisemuffeln meines Typs: Am Ziel blühen sie auf, nur das Aufbrechen fällt ihnen schwer. Sie verlassen ungern ihr Habitat.

Auch mit dem Stress ist das so eine Sache. Häufig macht man sich im Jetzt eine schlechte Zeit, weil man auf einen guten Moment in der Zukunft hinarbeitet. Sobald ich in dieses Muster falle, halte ich inne und überlege, wie ich schon die Vorbereitungen genießen könnte. (Ihr habt es geahnt, dies ist der Happiness-Impuls des Tages 🧚🏼‍♀️.) Mir fiel die Hängematte ein, die zusammengerollt in einer Kiste im Keller lag. Schnell war sie ausgepackt und zwischen zwei Obstbäume in unseren neuen Garten gehängt. Daneben stellte ich ein Tischchen, holte mir einen Eiskaffee aus dem Kühlschrank, füllte Walnusseis in ein Schälchen und brachte alles in die frühere Wildnis. 

Schale mit Eis, Buch "Kirschblüten im Herzen"* von Marie Kondo, Kalthaltekanne und unter der Hängematte das Beet, das auf die Rasenkante wartet und in dem die Stäbchen vom Asia-Laden stecken

Es war herrlich, sanft zwischen den Bäumen zu schaukeln und zu lesen. Mein Moment des Tages! Danach gingen die Reisevorbereitungen wie von selbst. 

Immer Pausen einlegen, Momente des Tages schaffen und fröhlich bleiben,

Eure Uta

PS: Und wenn ihr euch mit Sukkulenten auskennt, würde ich mich über Pflegetipps in den Kommentaren freuen. 

* Marie Kondo mit Marie Iida: Kirschblüten im Herzen. Sechs japanische Prinzipien, die mein Leben begleiten. Deutsche Erstausgabe, Hamburg 2026

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Uta


Ich arbeite als Buchautorin, Journalistin, Bloggerin und Coach. Die Themen, über die ich am liebsten schreibe, sind das Gärtnern, das Familien-Glück und die persönliche Weiterentwicklung.

„Wie gelingt das Leben?“ Das erforsche ich fröhlich im Selbstversuch und ganz praktisch in unserem neuen Projekt ‚Von der Wildnis zum Traum-Garten‘, von dem ich regelmäßig hier berichte.

Deine, Uta

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