Wie es leichter geht, wenn wir dem Kind Zeit und Raum geben - und eine Verlosung

Der nächste Schatz, den ich aus meinem Interview mit Bindungsforscherin Fabienne Becker-Stoll mitgebracht habe, ist ein Beispiel aus einer Kinderkrippe. Die Professorin hat die Gründung einer „bindungs-orientierten Krippe“ in München mit ihrem wissenschaftlichen Rat begleitet.
Mir gefällt der Begriff „bindungs-orientiert“ oder „beziehungs-orientiert“ übrigens viel besser als „bedürfnis-orientiert“, weil Letzterer viele Eltern auf den Holzweg bringt, auf dem sie vergessen, wie wichtig auch die Befriedigung ihrer Bedürfnisse ist. Mein Mantra ist sowieso, dass wir unseren Focus nicht so sehr auf Bedürfnisse richten sollten, sondern auf Möglichkeiten, die in unserem Kind und in uns schlummern. Wenn wir an seine und unsere Größe glauben, wachsen wir da hinein und müssen nicht jede Sekunde denken: was braucht mein Kind jetzt und was brauche ich und wie - um Gottes willen - kriegen wir das alles unter einen Hut?! Wer das nicht ausbalanciert bekommt, erlebt Stress pur.

Prof.  Fabienne Becker-Stoll


„Stress ist der größte Feind der Feinfühligkeit.“


Die Worte „bindungs-„ und „beziehungs-orientiert“ zielen auf das Miteinander. Und da der Mensch von Anfang an ein Beziehungswesen ist, das in seiner Einzigartigkeit gesehen werden, sich aber gleichermaßen einfügen möchte in eine Gemeinschaft, finde ich diese Wortwahl viel passender - zumindest für das, was ich vermitteln möchte. 

Süß, oder? In der Katzenklo-Familie werden aktuell keine Windeln gebraucht, deshalb suche ich in letzter zeit gerne Fotos bei Bilderdiensten.

Süß, oder? In der Katzenklo-Familie werden aktuell keine Windeln gebraucht, deshalb suche ich in letzter Zeit gerne Fotos bei Bilderdiensten. Danke Pexels!

Aber dies nur am Rande. Jetzt zu dem Beispiel aus der neu gegründeten Krippe:

Fabienne Becker-Stoll hat erzählt, dass in dieser „bindungs-basiert entwickelten“ Einrichtung in München jede Erzieherin für eine bestimmte Zahl an „Bezugskindern“ zwischen 12 und 36 Monaten zuständig ist. Wenn diese merkt, dass eines „ihrer“ Kinder eine neue Windel braucht, macht sie Folgendes: Sie nimmt eine frische Windel aus dem Regal, hält diese sichtbar in der Hand und hockt sich damit in den Gesichtskreis des Kindes. Sie wartet, bis das Kind sie anschaut, und sagt dann freundlich: „Ich glaube, du brauchst eine neue Windel.“
Mehr tut sie nicht. Sie wartet einfach, was passiert. Anfangs hätten die Mitarbeiterinnen bis zu zehn Minuten auf dem Boden gehockt, bis das Kind kam, um sich wickeln zu lassen. Nach ein paar Wochen aber haben die Kinder die Windel selbst aus dem Regal geholt, wenn sie ins „Trocken-Dock“ wollten.

"Diese Kinder brauchen wahrscheinlich auch viel schneller keine Windel mehr“, warf ich ein. Aber die Professorin widersprach. „Der Zeitpunkt des Trockenwerdens ist und darf bei jedem Kind unterschiedlich früh oder spät sein. Das hat ja physiologische Gründe. Aber dadurch dass die Bezugs-Erzieherinnen den Kindern Raum und Zeit gegeben haben, selbst den Impuls für das Wickeln zu geben, lief die Sauberkeitserziehung völlig problemlos. Es gibt keine Machtkämpfe mehr. Die Veränderung ist phänomenal.“

Dieses Beispiel lässt sich auf viele Situationen mit Kindern übertragen. Es klingt banal, ist es aber bei weitem nicht. Denn es geht darum, das Spüren zu lernen. Das gilt zum einen für das Kind: zu spüren, was brauche ich jetzt für mein körperliches Wohlbefinden, welches Signal gibt mir die vertraute Bezugsperson und wie kann ich mir Unterstützung holen? Zum anderen gilt es für die Erzieherin: Was braucht das Kind im Moment? Wie reagiert es auf meine Signale? Auf diese Weise entwickelt sich mehr und mehr Feinfühligkeit und die Bindung wird gestärkt. Das Kind hat immer weniger Anlass zu schreien oder zu wüten, weil das Wechselspiel immer besser funktioniert.

Wie so oft, ist es unglaublich hilfr eich, zwischen dem Reiz (oh, es müffelt) und der Reaktion (das Kind wickeln) einen Raum (Sich hinsetzen und freundlich warten) zu lassen. Und ja, ich weiß, im Alltag haben wir oft nicht diese 10 Minuten, um das Kind den eigenen Impuls spüren zu lassen. Aber da ich sicher sein kann, dass es funktionieren wird, dass es nach einer gewissen Zeit viel leichter gehen wird, dass unser Level an gegenseitiger Achtsamkeit steigt und es das Selbstgefühl des Kindes stärkt, würde ich es probieren. 

Kurz & knackig

  • Sich dem Kind nähern, auf Blickkontakt warten und ihm in einem Satz sagen, was man ihm anbietet. 
  • Sich entspannt in Sichtweite hinsetzen und mit der frischen Windel in der Hand einfach präsent sein.
  • Eine innere Haltung der Klarheit, des Selbstvertrauens und des Vertrauens in das Kind üben. 
  • Egal in welcher Form wir die Kooperation unseres Kindes brauchen: es hilft immer, den Stress herauszunehmen und mit mehr Zeit eine Situation anzugehen, die immer wieder Schwierigkeiten bereitet.

Liebe Fabienne Becker-Stoll, vielen Dank, dass ich dieses Beispiel hier teilen darf.

Ich würde mich riesig freuen, wenn mir jemand berichtet, wie sie oder er es ausprobiert, dem eigenen Kind mehr Raum und Zeit zu geben. Nehmt am besten eine Situation, in der ihr immer wieder in Machtkämpfe geratet: sei es beim Wickeln, Anziehen morgens oder Zähneputzen abends. Weil ihr dafür Geduld und Zeit braucht, ist der Einsendeschluss erst heute in fünf Wochen (Dienstag, 25. Februar 2020, 24 Uhr). Vielleicht könnt ihr ein kleines Tagebuch führen, wie sich die Situation langsam verändert, wie es Rückschläge gibt und Fortschritte und wie ihr und das Kind das Spüren lernt.
Unter denen, die mir ihren kleinen Bericht über ihr Achtsamkeits-Experiment zu schicken, verlose ich dieses Bilderbuch:

Die "Vier-Fragen-Methode" von Byron Katie, mit der ich belastende Gedanken wirksam verscheuchen kann, in diesem Bilderbuch zauberhaft erklärt für Kinder. Für das Alter 5 bis 10 Jahre. Danke, Franziska, für den Buch-Tipp!

Immer fröhlich dem Kind Zeit und Raum geben, um es in seinen Angelegenheiten initiativ werden zu lassen.

Eure Uta 

Zum Weiterlesen:

Hier kommt wieder ein Beitrag für Eltern mit älteren Kindern: Die Episode, wie es mir bei meinem Teenager-Sohn geholfen hat, einen Raum zu lassen zwischen Reiz und Reaktion.

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  • Liebe Uta, zu erst muss ich sagen, ich finde die Fokussierung auf das Miteinander toll! Der Ansatz, dem Kind etwas anzubieten und dann abzuwarten, gefällt mir auch. Ich bin gespannt, was berichtet wird, da ich mir dieses Vorgehen zum Beispiel bei Mehrkindeltern schon schwierig vorstelle. Mich würde außerdem interessieren, wie alt die Kinder aus der Krippe waren. Viele, liebe Grüße Stephie

    • Liebe Stephie, die Kinder in der Krippe sind zwischen 12 und 36 Monaten alt.
      Ich denke, der Schlüssel ist, Zeit für Kinder zu haben. So oft habe ich das gedacht, als unsere klein waren. Wenn ich mir für eine Aktion mehr Zeit genommen habe, lief es immer besser. Danke für deinen Kommentar! Herzliche Grüße, Uta

      • Liebe Uta,
        danke für deine Antwort! Ich stimme dir zu, Zeit zu haben ist/sich zu nehmen ist so wichtig. Leider mache ich in meiner Arbeit oft die Erfahrung, dass es nicht gewollt ist, Zeit für die Alltäglichkeiten mit Kindern einzuplanen, leider. Wieder ein Artikel von Dir, den ich meinen Mamas herzlich empfehle? liebe Grüße Stephie

  • Liebe Uta, wieder so ein super Artikel von dir! ich bin so froh, habe ich deinen Blog entdeckt. Das Wickel-Beispiel probier ich mit unserem 3. aus, ist zur Zeit nämlich ziemlich mühsam. Danke für den Input! Beste Grüsse, Lena

  • Bisher war ich sehr interessierte stille Leserin, die sich viele Anregungen aus deinen Beiträgen herausziehen konnte (und ich hab sie gefühlt alle gelesen ;-)).
    So, nun zum eigentlichen Thema: bei uns ist das abendliche, teilweise auch das morgendliche Zähneputzen ein riesen Drama. Inzwischen haben wir alles versucht: Zwang (fühlt sich für uns alle furchtbar an), totale Nachsicht wenn halt nur 1/3 der Zähne geputzt sind (ist auf Dauer auch keine glorreiche Lösung) und ewiges Warten, ohne jeden Zwang, bis die Kinder eben selber kommen (beide 17 Monate alt). Dann kommen sie nach 15 Minuten rumalbern und spielen zwar erstmal von selbst, nach 1/3 Zähneputzen ist es dann aber auch wieder vorbei. Somit haben wir mit Warten auf Eigeninitiative bisher nichts erreicht und das versuchen wir schon ein paar Wochen – ohne erkennbaren Erfolg. Die Kinder lassen meinen Mann und mich jeden Abend ziemlich ratlos zurück, die Ideen gehen uns nämlich langsam aus.
    LG

    • Liebe Karin, da war ich so froh, dass es in Frau Becker-Stolls bindungs-orientierter Krippe super läuft, da kommst du mit dieser schwierigen Frage direkt aus dem Alltag ;-))))).
      Aus deiner Beschreibung höre ich heraus, dass eure beiden keinen Zwang, aber doch mehr Führung brauchen. Mal haben die Eltern dies ausprobiert, dann jenes, schließlich gab es noch eine weitere Variante … Nun weiß eigentlich niemand mehr, wie es beim Zähneputzen laufen soll. Das verunsichert die Kinder und alle eiern herum. Schließlich wird die Renitenz oder die Albernheit größer, weil sie endlich wissen wollen, welchen Kurs die Erwachsenen einzuschlagen gedenken.
      Das Beispiel aus München auszuweiten auf das Zähneputzen war vielleicht nicht hilfreich, weil „trocken zu sein“, eher ein körperliches Bedürfnis ist, das ein Kind spüren kann, als Zahnbelag. Kein Kind scheint das Bedürfnis zu haben, sich die Zähne zu putzen. Schade auch.
      Ich würde an deiner Stelle mit meinem Mann darüber in Ruhe sprechen: Wie wünschen wir uns das Zähneputzen? Was wäre der ideale Ablauf? Wie soll das Morgenritual aussehen, wie das Abendritual? Wer übernimmt was?
      Wenn ihr euch darüber einig und sicher seid, ist das „die halbe Miete“. Eure Sicherheit ist viel wichtiger als das, was inhaltlich abläuft: ob ihr elektrisch oder von Hand putzt, ob ihr alle Zähne erwischt oder nicht, ob ihr auf Bereitschaft wartet oder eine Zeit setzt … Ihr braucht einen Plan, über den ihr euch einig seid und den niemand anzweifelt. Details spielen keine Rolle … siehe oben.
      Ich würde ein Ritual festlegen und dieses den Kindern in einer ruhigen Zeit vorher mitteilen. Zum Beispiel: „Wir essen Abendbrot, danach geht ihr um 20 Uhr im Bad in die „Waschstraße“ für Körper und Zähne. Wer fertig ist, darf sich aus einem Buch eine Geschichte aussuchen, die dann vorgelesen wird.“ Einer der Erwachsenen könnte der „Chef der Waschstraße“ sein (wenn man anstehen muss, um dran zu kommen, könnte es ein Anreiz sein, es schneller durchzuziehen), der andere Erwachsene ist der Vorleser, der natürlich nicht ewig wartet, bis es mit den Geschichten losgehen kann… So etwas in der Art könnte ich mir als hilfreich vorstellen. Aber was auch immer ihr euch überlegt, haltet zumindest im Groben fest an eurem Grundgerüst, bleibt dabei, auch wenn es mal zwischendurch nicht gut läuft. Kinder lieben Rituale. Je älter sie werden, umso mehr.
      Ich hoffe, das war hilfreich. Danke für das Beispiel und herzliche Grüße, Uta
      PS: Über einen Bericht, wie es bei euch weiter ging, würde ich mich natürlich auch freuen.

    • Zähneputzen ist ein super Beispiel. Ich kann mich auch noch an die Zeit erinnern, als es bei uns schwierig war.
      Utas Rat finde ich super. Ich steig dann mal in die Details ein, vielleicht ist ja was für Euch dabei.
      1. Klare Haltung: auf jeden Fall! Die Zähne werden geputzt. Und ein fester Ablauf in der immer gleichen Reihenfolge am Abend, das war bei uns auch wichtig!
      2. Druck raus! Zähne putzen soll Spaß machen. Also kein riesenbrimborium, aber doch so, dass es für alle Beteiligten eine angenehme Pflicht ist.
      2. Bei uns war es vor allem problematisch, wenn die Kinder einfach schon langsam müde wurden (und quengelig), also haben wir Abendessen und fürs Bett fertig machen zeitlich vorverschoben, sodass sie noch bereit sind, bei dieser lästigen Pflicht mitzumachen. Eine Runde spielen vor dem Schlafengehen geht noch besser/entspannter mit geputzten Zähnen im Schlafanzug.
      Und schwierig war es auch, wenn Zähnchen von unten gedrückt haben. Das haben wir oft nicht gesehen und dann eben gefragt, ob es weh tut/wo es weh tut und dann auch ganz vorsichtig geputzt. Damit ich vorsichtig sein kann, muss mein Kind natürlich mithelfen, das haben wir so besprochen und hat gut geklappt.
      3. Stellungswechsel haben unsere Kinder gerne gemocht. Also manchmal einfach auf dem Schoß liegend Zähne geputzt zu kriegen. Das ist auch für mich angenehm, weil ich gut rankomme.
      Oder mit dem Kleinkind auf der Hüfte tanzend und wenn man das Kind wie beim Tango nach hinten hält, kommt man schön an die Zähne ran. Nur kurz, aber gut 🙂
      4. Ein Spiel draus machen, wie Uta es auch gesagt hat. Lieder singen oder selber dichten, kleine Kariesmonster jagen, oder mit allerlei Fahrzeugen durch den Mund fahren, die dunkle Höhle geheimnisvoll erkunden und „ich seh ja gar nichts“, „Licht an!“ (Kind sperrt den Mund auf) „Oh, ich sehe lauter hübsche weiße Zähnchen, die immer toll geputzt werden!“… Im Spiegel bewundern.
      4. Das Buch von Karius und Baktus hat mir gar nicht gefallen, mein Großer fand es toll und wollte es immer und immer wieder lesen.
      5. Wenn das Kind partout nicht will, vielleicht erstmal dem Kuscheltier die Zähne putzen. Wir hatten einen Waschlappen-Hasen, der eine lustige Stimme hatte und sich anschließend wie wild gefreut und das Kind im ganzen Gesicht abgeküsst hat und dann hat der Hase die Zähne geputzt.
      Gegenseitig Zähne putzen fand ich sehr unangenehm und hat manchmal geholfen, sich aber nicht durchgesetzt.
      6. Meine Freundin hat mit ihren Kindern währenddessen kleine Zahnputzvideos angeschaut, das hat ihr geholfen.
      7. Als die Kinder noch klein waren und wir bis abends unterwegs waren, haben wir oft die Zahnbürste und den Schlafi mitgenommen, um vor der Verabschiedung noch Zähne zu putzen. Dann konnten wir sie daheim ohne Kampf ins Bett legen.
      8. Als die Kinder im Kindergartenalter waren, wollten sie manchmal zuhause im morgendlichen Stress nicht Zähne putzen. Da sie im Kiga auch ein Zahnputz-Set hatten, habe ich dann manchmal das putzen morgens auf den Kiga verlegt. Da gab es ja alles und mein Kind war dann wach und zugänglich. War aber die Ausnahme.
      Aber die größten Schwierigkeiten waren bei uns Schmerzen und Müdigkeit. Und die Schmerzen waren beim Großen teilweise recht lange da.
      Na sowas… da ist ganz schön was zusammen gekommen. Ich hoffe es hört sich nicht so anstrengend an, das war es nicht. Ich bin froh gewesen, dass es bei uns nicht den Kampf gab ums Zähneputzen.
      Und Ausnahmen gab es, aber es blieben Ausnahmen. Und nach und nach ging es auch ohne Spielchen.
      Liebe Grüße,
      Marie

  • Bei uns ist ebenfalls das Zähne putzen nicht gerade einfach, aber neuerdings lassen wir uns vom dritten Kind selbst erzählen, was wir alles wegputzen sollen und erstaunlicherweise ist da fast immer eine ganze „Eierkuchenfrau“ dabei. Wer hätte das gedacht 🙂 (In der Weihnachtszeit hat er (2 Jahre) das Lied „Eine Muh, ein Mäh … eine Pfefferkuchenfrau.“ umgedichtet …

  • Die Wickelsituation hatte ich fast genau so mit meinem Kleinen, als er noch klein war. Es gab eine Zeit, da war Wickeln immer eher ein Kampf. Und dann las ich in einem Blog vom „achtsamen Wickeln“. Und mein erster Impuls war: Oh man, das soll ich jetzt also auch noch machen. Aber dann habe ich mir den Text zu Herzen genommen und beim nächsten Mal, als ich eine volle Windel vermutete genau das getan: eine Windel genommen, ein Kissen bereit gelegt (wir wickelten meist auf dem Boden), die frische Windel angekündigt und gewartet. Und tatsächlich kam mein Sohn irgendwann zu mir und mit der Zeit begann er dann selbst schon das Kissen bereit zu legen, wenn es an der Zeit für eine firsche Windel war. Ich kann die Erfahrungen von oben also quasi genau so bestätigen. Ich fand das damals eine ziemlich großartige Erfahrung und staunte über die Kompetenz meines Kindes. Eigentlich weiß er schon immer ziemlich genau, was er braucht und hat ein ziemlich gutes Gespür für sich selbst – und das bis heute (jetzt ist er 4,5 J.).

  • … wir hatten wenige Phasen, in denen Zähneputzen schwierig war. Es wird irgendwann besser (dafür taucht irgendwas anderes auf, das nicht mehr so läuft, wie es sollte…).
    Bei uns halfen diese Sachen:
    – Kind wählen lassen zwischen Handzahnbürste und elektrischer
    – Kind wählen lassen, ob es die Zähne vorputzen will oder nicht
    – Beim Zähneputzen lustige Geschichten erzählen, was man gerade wegputzt (Schau an, da haben Karies und Baktus ja einen Balkon an den einen Zahn gebaut. Wollen die es sich bei dir etwa gemütlich machen? Schnell weg damit. Und die ganzen Tapeten da, die müssen auch wieder runtergerissen werden..)
    – Fotos von kaputten Kinderzähnen gezeigt (ja, schwarze Pädagogik, aber heilsam…)
    Zähneputzen ist und war i.d.R. nicht verhandelbar.
    Viele Grüße
    SteffiFee

  • „Egal in welcher Form wir die Kooperation unseres Kindes brauchen: es hilft immer, den Stress herauszunehmen und mit mehr Zeit eine Situation anzugehen, die immer wieder Schwierigkeiten bereitet.“
    Hmmm, dem Satz kann ich nicht so ganz zustimmen. Denn es bleibt für mich die Frage zu klären, WARUM eine Situation immer Schwierigkeiten bereitet. Und nicht selten handelt es sich um eine Situation, in der das Kind eigentlich mehr klare Führung vom Erwachsenen braucht anstatt (noch mehr) Freiraum /Zeit. Oder ich als Erwachsene sende ungünstige (emotionale) Signale, die mein Kind dazu veranlassen weiter auszutesten, was hier eigentlich los ist, indem es Widerstand leistet.
    Und man muss sich dann schon bewusst dafür entscheiden, dem Kind hier an dieser Stelle die Führung zu geben, und die Konsequenzen wie langes Warten oder sogar Nichtwickelnkönnen (?) mit Geduld begleiten können.
    Für mich wäre das tatsächlich nicht das richtige. Ich beobachte mein Kind und versuche, einen Moment zu erwischen, in dem das Kind nicht mehr vertieft in sein Tun ist, aber ich treffe dann die Entscheidung, dass es jetzt Zeit zum wickeln ist. Ich schenke ihm dann dabei meine volle Aufmerksamkeit und beziehe es von Anfang an so gut wie möglich in den Vorgang ein. So stelle ich Verbindung und Selbstwirksamkeit sicher, aber ich entscheide das „Was“ und „Wann“ und mein Kind gestaltet beim „Wie“ kräftig mit 🙂

    • Liebe Jitka, bei den Sätzen „Und nicht selten handelt es sich um eine Situation, in der das Kind eigentlich mehr klare Führung vom Erwachsenen braucht anstatt (noch mehr) Freiraum /Zeit. Oder ich als Erwachsene sende ungünstige (emotionale) Signale, die mein Kind dazu veranlassen weiter auszutesten, was hier eigentlich los ist, indem es Widerstand leistet.“ bin ich ganz bei dir. Das trifft häufig zu. Für die Situation in der Krippe sehe ich das allerdings nicht. Da ist es eine schöne Gewöhnung an gegenseitige Achtsamkeit.
      Aus dem, was du schreibst, nehme ich noch mit, auf den Moment zu achten, in dem das Kind nicht mehr in sein Tun vertieft ist. Danke für deinen Beitrag und herzliche Grüße, Uta

  • Liebe Uta,
    vielen Dank für deine inspirierenden Worte.
    Wir haben häufig das Problem, dass meine Tochter (8J.) nicht loskommt, zur (heiß geliebten) Schule, zu Freunden, zum Reiten. Sie hat grundsätzlich ein „Problem“ mit Übergängen. Obwohl ich viel dafür getan habe, es schön zu gestalten (Übergangsobjekt, Vorwarnungen, in 30,10,5 Minuten geht es los, usw.) Gerade morgens ist es für mich anstrengend, da wir zwar früh genug aufstehen, ihr die Zeit aber fast nie reicht, weil sie sich von so vielen Dingen ablenken lässt und ich komme mir vor, wie eine gesprungene Platte und dann bald wie eine Meckertante, weil ich irgendwann versuche, sie mit Gefühlen nach draußen zu schleudern. Das ist für uns beide sehr unbefriedigend. Jetzt habe ich ihr einen Wecker besorgt, dann kann sie noch früher aufstehen, wenn sie das gerne hat und so viel trödeln, wie sie möchte. Ich bin gespannt, wie es läuft.
    In anderen Situationen vertraue ich auf den Nachfolgewillen und gehe einfach schon vor, selbstverständlich erst nachdem ich das freundlich kommuniziert habe. Das funktioniert gut für mich.
    Ich drück dich feste, Deine Mechelke

    • Oh, Mechelke, das Drücken war schön! Und ich freue mich sehr, von dir zu lesen. Danke für deinen Bericht aus eurem Leben. Beeindruckend fand ich die Stelle: “ … weil ich irgendwann versuche, sie mit Gefühlen nach draußen zu schleudern.“ Es freut mich, dass der Nachfolgewillen bei euch funktioniert, und bin gespannt, ob es mit dem Wecker klappt. Eigentlich aber auch schön, dass eure Tochter immer das genießt, was sie gerade macht. Ich drücke dich auch, deine Uta

  • Hallo nochmal.
    Nach einem Monat Versuchsstadium berichte ich jetzt nochmal von unseren Erfahrungen:
    Wir haben das Handy ins Zähneputzen integriert. Die Kinder durften im Bad spielen bis das Handy klingelt. Es wurde vorher besprochen, wer beim Klingeln zuerst dran ist. Sie haben das Handy als höchste Instanz akzeptiert, fanden es toll, dass das Handy nur für sie klingelt und haben sich dann meist ohne Protest Zähne putzen lassen.
    Nach dem Zähneputzen dürfen sie noch im Waschbecken plantschen, was beide richtig gerne machen -bis das Handy klingelt, dann wird das Wasser ausgemacht und das Plantschen ist vorbei. Inzwischen streiten sie sich oft, wer zuerst auf den Schoß zum Putzen darf. Wenn das Zähneputzen mal verweigert wird und/oder ewig dauert, ist aus Zeitgründen kein Wasserplantschen mehr möglich oder wird nur sehr kurz gehalten…. Familienfrieden wieder hergestellt, alle zufrieden ? Danke für die Anregungen.

    • Liebe Karin, gerade fällt mir auf, dass du als erste von deinem Experiment berichtet und damit das Bilderbuch gewonnen hast. Herzlichen Glückwunsch! Maile mir doch bitte deine Adresse, dann geht das Buch in die Post. Liebe Grüße, Uta

  • Hallo Uta,
    Auch wenn die Frist schon abgelaufen ist, wollte ich doch kurz berichten, was dein Beitrag bei uns bewirkt hat.
    Wir hatten eine, für mich, schreckliche Wickelsituation. Das Baby (11Mon) hat sich nicht mehr hingelegt, geschrien sobald der Wickeltisch in die Nähe kam und überhaupt nicht kooperiert.
    Mittlerweile kommt sie zu mir, wenn sie stinkt und liegt still da, bis ich fertig bin :).
    Was habe ich gemacht, gute Frage. Zu erst ist mir klar geworden, das ich anders auftreten muss. Wickeln muss sein, da gibt es keine Diskussion. Aber der Zeitpunkt kann ein wenig verhandelt werden. Und so war es auch, ich sage wir müssen wickeln und die Mausi gibt mir ein Zeichen, wenn sie fertig gespielt hat. Das war meistens nach ein paar Minuten und wenn ich nicht warten konnte, ging es auch ohne. Und ich habe auch gemerkt, wie wichtig es für sie ist, zu sagen was jetzt passiert. Sie ist nicht mehr so klein, das sie alles ungefragt hinnimmt :).
    Und seitdem Wickeln wir wieder richtig gern und haben meistens echten Spaß bei der Sache. Man kann nämlich wunderbar das Baby kitzeln und den Bauch anprusten, wenn es still und nackig auf dem Wickeltisch liegt :).
    Deshalb mal wieder danke, für einen Artikel der unser miteinander einfacher und schöner gemacht hat,
    Liebe Grüße
    Anke

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    Uta


    Ich arbeite als Eltern-Coach, Buchautorin und Journalistin, bin Ehefrau und Mama (ein Sohn, eine Tochter) und kann es nicht lassen, dem Familien-Glück auf die Spur zu kommen. Ich forsche in Büchern, spreche mit Experten und teste alle Erkenntnisse in der Praxis. Nur was mich überzeugt, weil es das Leben mit Kindern wirklich erfüllender macht, schafft es auf diese Seite.

    Deine, Uta

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