Selbstbetrachtungen 

 28/01/2020

Wenn dein Kind

... ohne Respekt mit dir spricht,

dann höre dir mal selbst zu, wie du mit ihm sprichst, wie du mit deinem Partner sprichst,

... kein Selbstvertrauen hat,

dann guck mal, wie es um dein eigenes Selbstvertrauen bestellt ist. Gehst du mutig voran? Wagst du es, dich zu verschenken mit all deinen Schwächen und Stärken?

Wenn dein Kind

... ständig meckert und nie zufrieden ist mit dem, was gerade ist,

dann guck mal, ob du annehmen kannst, was gerade ist,
dann guck mal, ob dir dein Kind bestätigt, wovon du in deinem Inneren überzeugt bist: dass das Leben, dein Partner, dein Chef ... dir einfach nicht gibt, worauf du meinst, einen Anspruch zu haben,

... Angst davor hat, in der Schule oder beim Sport zu versagen,

dann guck mal, wie du reagierst auf seine "Fehler". Darf es ein Kind, darf es ein Mensch sein? Darf es mal seinen Turnbeutel vergessen, mal eine Arbeit verhauen, mal etwas Zerbrechliches fallen lassen?

dann guck mal, wie du reagierst auf deine "Fehler". Bist du dein eigener Scharfrichter? Darfst du auch mal unpünktlich sein, ein Geschenk vergessen, aus der Haut fahren, ungerecht sein, keine Lust darauf haben, einen Kuchen für die Schule zu backen?

… krankhaft ehrgeizig ist,

dann guck mal, ob du durchtränkt bist von dem Streben, eine "gute" Mutter oder ein "guter" Vater zu sein, oder ob du einfach du sein kannst und das Leben als ein Spielfeld betrachtest, auf dem du dich ausprobieren darfst,

Wenn dein großes Kind
... antriebsarm und faul ist,

dann guck mal, ob du es vielleicht ständig antreibst und damit deinem Misstrauen Ausdruck gibst, dass dein Kind etwas aus eigener Kraft erreichen könnte.


dann guck mal, was du vorlebst. Arbeitest du mit Freude oder arbeitest du dich ab? Wird alles nur erledigt oder bist du mit Hingabe bei dem, was du gerade machst? Kannst du beides: dich begeistert auspowern und auch mal genüsslich auf dem Sofa liegen?

Immer fröhlich das Kind als Spiegel meiner selbst und meines Verhaltens betrachten. Das kann so manche Erkenntnis enthalten,

eure Uta 

Photo by Daria Shevtsova from Pexels

  • Liebe Uta,
    auch von mir ein großes Danke! Wieder einmal sehr weise Worte, die zwar besonders, aber nicht nur auf unsere Beziehung zu unserem Kind passen.
    Inra

  • Liebe Uta,
    ein „Anstupser“ genau zur richtigen Zeit … vielen Dank! Auch für das Erinnern daran, dass man nachsichtig mit sich selbst sein darf.
    Susanne

  • Liebe Uta,
    so wahr. Eigentlich simpel, aber alles andere als selbstverständlich. Kinder lernen durch Vorbild. Bei manchen Sachen ist mir das bewusst, z.B. Sport und gesunde Ernährung vorleben und nicht nur mit der Pizza im Mund vom Sofa aus predigen. Bei ihren Wörtern, Phrasen höre ich ganz oft uns Eltern raus und finde das immer erschreckend. Ich werde da verstärkt drauf achten. Liebe Grüße

  • Da ist sicher etwas Wahres dran. Gleichzeitig baut es ganz schoen viel Druck auf. Eltern sind ja auch nur Menschen und koennen charakterlich schuechtern, perfektionistisch oder von vielen Anforderungen gestresst sein. Schwierig, wenn man damit trotz liebevoller Elternschaft noch automatisch „schuld“ ist an Problemen des Kindes – oder ueberinterpretiere ich hier?

    • Bei näherem Nachdenken: ich stimme Dir natürlich zu, dass in der Familie ganz viel zusammen hängt und es bei Schwierigkeiten gut ist, nicht isoliert das Kind, sondern das Ganze in den Blick zu nehmen. Ich finde dabei aber auch eine entlastende Botschaft wichtig: Du musst nicht erst perfekt sein, um gut für Dein Kind zu sein. Ich habe das Gefühl, dass Eltern oft viel zu sehr die Ursache für Schwierigkeiten bei sich suchen („Mein Kind schläft schlecht? Wahrscheinlich, weil ich zu angespannt bin“). Kinder bringen aber zum Einen ganz viel mit. Zum anderen ist ihr Umfeld ja viel größer, Familie, Kita etc. geben ihnen auch Beispiele mit, an denen sie auch in den Bereichen wachsen und lernen können, wo ein Elternteil ihnen das weniger bieten kann. Wir siehst Du das?

      • Liebe Friederike, sicher ist es so, dass Kinder auch in ihrem weiteren Umfeld Einflüssen ausgesetzt sind. Den größten Einfluss haben aber die Hauptbindungspersonen, selbst wenn das Kind den ganzen Tag betreut wird.
        Man kann das nun als großen Druck betrachten, ein so wichtiges Vorbild zu sein. Aber wenn man auch Vorbild darin ist, mit sich selbst nicht so hart ins Gericht zu gehen (Stichwort „Scharfrichter“) ist es auch wieder sehr entlastend. Ist es nicht toll, dass Kinder einem die Gelegenheit geben, sich selbst ständig weiter zu entwickeln. Danke für deine Auseinandersetzung mit dem Thema! Herzliche Grüße, Uta

  • Liebe Uta,
    ja! Sobald die eine Tochter „austickt“, Schimpfwörter benutzt, sprich unausstehlich ist … haben wir (Eltern) uns vorher doof verhalten … miteinander oder ggü. den Kindern. Aber wir … und doof …
    Und ich finde das eher entlastend, weil es heißt, dass ich nicht am Kind zerren muss, was dann noch „verrückter“ wird, sondern ich bei uns schauen und uns verändern darf (ohne Druck, einfach weil wir es wollen).
    LG

  • Ich sehe das genauso und zugleich ganz anders. 😀 Beispielsweise ist es so, dass unser Kind von Anfang an sehr vorsichtig war – er macht ungern Fehler, mag ungern „geschimpft“ werden, übt alles gern gründlich ein, ehe er es zeigt – in der Familie ist das mittlerweile nicht mehr so, aber beispielsweise im schulischen Kontext ist er recht still, es sei denn, er ist sich seiner Sache echt sicher. Das war bei meinem Mann früher auch so, und ich halte das für eine ziemlich anlagebedingte Sache. Kinder sind von Geburt an (und vermutlich schon vorher) sehr unterschiedlich, schon ganz eigene Persönlichkeiten. Und ich finde es superspannend, das mehr zu entdecken, als es formen zu wollen, eher zu begleiten, als es zu bewerten. Und mit Geduld und Freude und ohne Angst mitzugeben, was man eben mitgeben kann (was manchmal auch einfach heißt: nicht zu stören), damit das Kind seine Anlagen so entwickeln kann, dass es gut zurechtkommt. Und zu akzeptieren, dass jeder Mensch seine Lebensthemen hat, auch das eigene Kind, und dass das in Ordnung ist und kein elterliches oder kindliches Versagen.
    Der Blick auf sich selbst ist bei Ärger übers Kind aber auf jeden Fall immer spannend und oft aufschlussreich. Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, das unserem Kind gegenüber auch so zu kommunizieren. Früher, als er klein war, einfach so, dass wir manchmal gesagt haben: „Da war ich gerade richtig doof, das tut mir sehr leid.“ Später genauer: „Ich war doof, weil ich müde und angestrengt bin und eigentlich nur ins Bett möchte. Du kannst nichts dafür, und es tut mir leid, dass ich ungerecht zu dir war.“ Und inzwischen kommt es nur noch ganz selten mal vor, weil sich alles gut eingependelt hat, aber als ich neulich doch mal doof war, sagte unser Neunjähriger zu mir: „Mama, bist du sicher, dass du gerade wütend sein willst? Oder bist du nur müde und im Stress, weil du gerade so viel Arbeit hast?“ Bumm, sofortige komplette Entwaffnung.
    Insofern: Ja, Kinder spiegeln ganz viel. Aber sie sind viel mehr als nur Spiegel. Es sind einfach kleine(re) Leute, die mit uns in einem sehr aufeinander bezogenen Gesamtgefüge stecken, in dem wir, die Erwachsenen, bis zur Pubertät überwiegend die Regeln bestimmen. Ich halte die Frage, aus welcher Perspektive wohl die Kinder ihre eigene Rolle in diesem Gefüge erleben und welche Möglichkeiten wir ihnen eigentlich lassen mit unseren Regeln und unserem Verhalten, unterm Strich für ergiebiger als die Frage, inwiefern sie uns spiegeln.
    Liebe Grüße
    Maike

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    Uta


    Ich arbeite als Eltern-Coach, Buchautorin und Journalistin, bin Ehefrau und Mama (ein Sohn, eine Tochter) und kann es nicht lassen, dem Familien-Glück auf die Spur zu kommen. Ich forsche in Büchern, spreche mit Experten und teste alle Erkenntnisse in der Praxis. Nur was mich überzeugt, weil es das Leben mit Kindern wirklich erfüllender macht, schafft es auf diese Seite.

    Deine, Uta

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