Wie mir mein Tagebuch hilft, die Mama zu sein, die ich sein möchte.

Kurz nach Neujahr hatte ich darüber geschrieben, dass ich meine alten Tagebücher wegwerfen wollte, und wie schwer es mir fiel, weil ich zwischen all den Seelenergüssen lustige Aussprüche unserer Kinder fand.
Ich war fest entschlossen, nicht mehr Tagebuch zu schreiben, weil sich zu schnell geistiger Problem-Müll ansammelt, den ich meinen Lieben nicht hinterlassen möchte.
Schreiben aber kommt für mich direkt hinter Atmen. Ich schreibe Blog-Ideen in ein Heft, Kofferlisten auf einen Block, Themen-Vorschläge für Zeitschriften in eine Kladde, Eindrücke vom Coaching in ein Ringbuch, Erkenntnisse fürs Leben in ein Heft mit Blumeneinband … Dazu kommen die digitalen Einträge im Notizbuch auf dem Smartphone und jede Menge Zettel auf zwei Pinnwänden im Haus.
Manches, was ich notiere, lässt sich den vielen Orten nicht zuordnen und erst recht nicht wiederfinden. Deshalb war ich schon lange unzufrieden mit meiner Heft- und Zettelwirtschaft.
Das änderte sich schlagartig, als ich auf die Bullet-Journal-Methode von Ryder Carroll stieß. Carroll litt als Kind und Jugendlicher unter ADS (Aufmerksamkeit-Defizit-Syndrom). Aus der Not, sich kaum auf eine Sache konzentrieren zu können, fing er an, ein Notizbuch anzulegen und die Methode, seine Einträge zu systematisieren, über die Jahre immer mehr zu verfeinern. „Die Bullet-Journal-Methode“, schreibt er, „erleichtert Ihnen die Reise der Selbsterkenntnis, lässt Sie die Handlungsmacht erkennen, die Sie besitzen. … Es geht darum, sich die Verantwortung für Ihre gelebte Erfahrung zurückzuholen, indem Sie den Mut aufbringen, nach innen zu schauen. Dort werden Sie inmitten des ganzen Chaos zwischen den unzähligen Sternen den einen finden, der am hellsten leuchtet.“ (Ryder Carroll: Die Bullet-Journal-Methode. Verstehe deine Vergangenheit, ordne deine Gegenwart, gestalte deine Zukunft. Reinbek bei Hamburg, 2018, Seite 326)
Ist das nicht schön?
Anfang Januar habe ich sein Buch gelesen, in dem er die Methode beschreibt, mir dann ein Notizbuch und einen Druckbleistift gekauft und losgelegt. Es war ein Herantasten. Einige seiner Vorschläge sind mir zu kompliziert. Zudem nutze ich mein Journal nicht wie er als Kalender, weil wir einen Familienkalender im Flur liegen haben, in den ich alles eintrage. Zusätzlich hängt eine Jahresübersicht mit allen Hamburger Ferien und unseren Reiseterminen in der Innenseite eines Küchenschrankes. Diese Kalender sind für alle Mitglieder der Katzenklo-Familie zugänglich. Mein Journal aber ist nur für mich. Deshalb habe ich die Termin-Sachen ausgelagert.
Ryder Carroll begrüßt es, dass Menschen für sich neue Varianten finden, seine Methoden anzuwenden. Im Internet gibt es ganze Foren, in denen sich Bullet-Journal-Begeisterte austauschen. „Bullet“ heißt übrigens Punkt. Ein Punkt im Notizheft steht für eine zu erledigende Aufgabe. Und da ein Punkt sich so wunderbar in alle möglichen Symbole verwandeln lässt und er der Ausgangspunkt für verschiedenste Markierungen ist, heißt das ganze Heft danach.

Vorne auf das Notizbuch habe ich den Fisch geklebt, den meine Verlegerin mir gemalt hat.

 
Es gibt zwei wesentliche Unterschiede zwischen den Tagebüchern, die ich bisher geführt habe, und meinem neuen Journal:
Das Journal hat

  • ein Inhaltsverzeichnis
  • und sogenannte  „Collections“, das sind Seiten, die fortwährend angelegt werden für Projekte, an denen man arbeitet

Ein Journal nach meiner Vereinfachung sieht dann zum Beispiel so aus:
Seite
1 – 4 Inhaltsverzeichnis
5  Gedanken zum Tag, wichtige Aufgaben
6  Notizen vom Elternabend
7 -9 Ideen für den nächsten Kindergeburtstag, Gäste, Spiele, Essen
10  Gedanken zum Tag, wichtige Aufgaben
11  Prospekt-Ausriss von einem Outfit, das mir gefallen hat, einfach eingeklebt
12 Geschenk-Ideen für Helmuts 60. Geburtstag
13 Gedanken und Aufgaben des Tages
12 – 14 Gedanken und Aufgaben des Tages
15 – 17 meine Selbst-Anerkennungs-Liste: was habe ich heute alles getan für die Familie!
18 Kofferliste für Amrum
19 Stichworte aus dem Podcast, den ich heute im Auto gehört habe
20 Gedanken und Aufgaben des Tages
21 Kindersprüche
22 – 24 Ideen für den nächsten Vortrag, I
25 Liste winterharter Frühjahrsblüher
26 Entspannungs-Mandala
27 – 29  Ideen für den nächsten Vortrag, II
 
Alle „Collections“, also alle Sonderseiten für irgendwelche Projekte, sei es die Liste für den Kindergeburtstag oder die Ideen für das nächste berufliche Projekt, werden mit Seitenzahl in das Inhaltsverzeichnis eingetragen. So kann man es schnell finden und sofort notieren, wenn einem wieder eine Idee zu dem Thema kommt. Sollte der Platz an der Stelle nicht mehr ausreichen, legt man an der Stelle im Notizbuch, wo man gerade ist, einfach eine neue Seite zu dem Thema an und trägt sie im Index ein. Wie im Beispiel oben mit den Vortrags-Ideen. Dann gibt es eben auf den Seiten 22 bis 24 Ideen zum Vortrag und auf Seite 27 bis 29 weitere Vortrags-Ideen. So hat man alle seine Projekte immer bei sich und kann Ideen dazu eintragen, wann immer sie angeflogen kommen.
Die eigentlichen Tagebucheinträge oder To-do-Listen werden einfach fortlaufend mit Datum notiert, ohne aber im Inhaltsverzeichnis eingetragen zu werden.
Das mit den „Collections“ finde ich klasse. So habe ich jetzt alle Hefte und Kladden in einem Notizbuch vereint. Ergebnisse journalistischer Recherchen sammele ich da genauso wie Geschenk-Ideen, Blog-Themen genauso wie die Lieblingsspeisen des polnischen Austausch-Schülers, der diese Woche bei uns sein wird. So habe ich alles dabei, wenn ich bei einem Elternabend bin oder nach München fahre.
Hatte ich im Januar noch empfohlen, ein eigenes Heft für Kindersprüche anzulegen, möchte ich jetzt ergänzen, dass das genauso gut in einem „Bullet-Journal“ geht. Durch den Index sind die Seiten schnell aufzufinden und können Jahre später leicht gefunden und herausgetrennt werden, wenn man den Rest vielleicht wegschmeißen möchte.
Für das „Journeln“ braucht man:

  • eine Din-A5-Kladde mit Seitenzahlen (ganz wichtig!) und Vorlage für ein Inhaltsverzeichnis (zum Beispiel diese hier)
  • einen Stift (ich nutze am liebsten einen Druckbleistift mit integriertem Radiergummi)
  • praktisch finde ich noch, eine Postkarte als Lesezeichen und Lineal einzulegen

Hier seht ihr die erste Seite meines Inhaltsverzeichnisses. Der „Future Log“, das ist die Jahresübersicht, hat sich für mich nicht bewährt. Auch die Monatsübersichten werde ich nicht fortführen. Blau unterstrichen sind die Einträge zu den Büchern, die ich gerade lese.

 
Mit meinem neuen Notizbuch ist es, als hätte ich das Drehbuch für mein Leben immer dabei. So bin ich klarer ausgerichtet. Es hilft mir, die Mama zu sein, die ich sein möchte, es hilft mir, immer mehr die beste Version von mir selbst zu werden. Und die aktuelle Uta-Version bekommt mehr Wertschätzung für das, was sie schon erreicht hat. Das ist das neue Wellness-Schreiben.
Wäre das etwas für euch? Oder macht ihr das längst? Habt ihr einen Familienkalender? Wie haltet ihr Ideen fest? Führt ihr ein Tagebuch?
Mir immer fröhlich schreiben, was ihr macht, um den Kopf sortiert zu bekommen,
eure Uta
PS: Dieser Beitrag ist wieder Werbung wegen der Verlinkungen. Leider unbezahlt ;-)))

  • Willkommen bei bullet Journal schreiben;) ich bin nun im zweiten Jahr und habe für ich die ideale Lösung gefunden. Ich denke es ist wirklich wichtig das es jeder zu seinem macht…..wir haben einen familienkalender im Flur hängen und die Termine werden natürlich auch im Handy eingetragen….. aber sonntags gestallte ich meine Woche, jeder Tag mit Terminen und to do im bullet Journal….. ich hab einfach zwei Notizbücher zusammen gemacht, im ersten ist die Kalendereinträge und to do Liste im zweiten alles andere das wichtig ist, therapiegespräche, Elternabenden ect…. so kann der Kalender weggeworfen werden und das wichtige behalten….seither musste ich das immer auseinander dröseln……
    Liebe Grüße und viel Spaß beim gestalten…. Silke

    • Die Idee finde ich echt klasse!
      Ich habe bisher schon ein Bullet Journal als Kalender genutzt, aber deine Variante werde ich in Zukunft auch mal ausprobieren. Ich neige nämlich dazu, viel zu viele verschiedene Notizbücher gleichzeitig zu führen.
      Liebe Grüße, Biene

  • Ich bullete mittlerweile seit gut 3 Jahren und es hat mir mein Leben deutlich vereinfacht.
    Es hat mir auch gezeigt, wieviel ich eigentlich erledigt bekomme. An einem Tag, aber auch in einem Monat oder eben an einem Projekt.
    Ich mag das sehr

  • eh, nöö. Ich krieg das so nicht hin, nein, falsch, ich will das nicht so. Ich hab nen Kalender, in dem ich ne Menge freien Platz habe für Notizen, die sich auf (berufliche + private) Termine beziehen. Ich habe mein ganz privates Tagebuch, in das mein privater Gedankenkram fliesst, der allerdings auch in den art journals landen kann. Notizen zu Büchern, Texten, Kunst, einer Ausstellung, einer Aufführung, ner Sendung blablubb, Notizen zu FreundInnen, landen meist im Tagebuch, aber auch im art journal, wenn ich beim zeichnen/bücherbinden etc. radio oder podcast höre. Die Trennung bewährt sich für mich, wahrscheinlich weil ich anders als Du mein berufliches Ding als Angestellte anders abtrennen kann. Das was freiberuflich ist, landet ohnehin in art journal, das zB bei Kursen ohnehin dabei ist, weil es oft als „Bauanleitung“ fungiert (verdammt, wie geht der coptic stitch? – ah, Seite 23). art journal wie Tagebuch sind durchnumeriert und haben Inhaltsverzeichnisse, die ich nach Lust und Laune fülle. Neue Texte finden sich als Entwurf witzigerweise fast immer im Tagebuch, ehe sie überarbeitet im Rechner landen oder bei meinem Bassissten. Unabhängig von allem gibts den großen Familienkalender, der im Flur für Alle hängt. Ich finde die Bulletjournals interessant, aber ich kann den Gedanken , nein, ich will ihn so nicht umsetzen. Danke für Deinen Artikel, er ist ziemlich informativ dazu! Viele Grüße, Eva

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    Uta


    Ich arbeite als Eltern-Coach, Buchautorin und Journalistin, bin Ehefrau und Mama (ein Sohn, eine Tochter) und kann es nicht lassen, dem Familien-Glück auf die Spur zu kommen. Ich forsche in Büchern, spreche mit Experten und teste alle Erkenntnisse in der Praxis. Nur was mich überzeugt, weil es das Leben mit Kindern wirklich erfüllender macht, schafft es auf diese Seite.

    Deine, Uta

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