Eine Demo im Garten 

 03/09/2026

Über das Schweigen der Kettensäge und Papp-Kameraden im Beet

Wenn man sich einen Garten-Blog ans Bein bindet, muss man erst im Garten etwas schaffen, ehe man etwas schreiben kann. Dieses „etwas“ sollte interessanter sein als „Ich habe vier Kübel Sequoia-Nadeln zusammen geharkt“ oder „Die grüne Tonne müsste mal ausgespritzt werden“. 

Als ich noch über das Erziehen der Kinder bloggte, wurde der Stoff zum Schreiben frei Haus geliefert. Schließlich konnten wir die beiden nicht einfach draußen der Witterung überlassen. Auch ging es nicht als Erziehung durch, sie an einen Stock im Beet zu binden und auf das Beste zu hoffen. 

Elternabende

Dann ist da außerdem die Schule, die jede Menge Stoff zum Schreiben bietet, wenn man Kinder groß zieht. Man denke nur an Lehrer, über die man sich aufregen kann, oder den Unterhaltungswert von Elternabenden. Bei pflanzlichen Zöglingen fällt dieser Aspekt komplett weg. Uns hat noch keine Baumschule zum Elternabend eingeladen.

Nachdem die Rosen-Expertin aus dem Botanischen Garten mich gewarnt hat, meine Rosen auf keinen Fall vor November zu versetzen, haben wir wenig zu tun. Weitere Bäume dürfen erst im Herbst ausgelichtet oder gefällt werden. Die Kettensäge schweigt, die Wicken haben Mehltau und die Äpfel und Mirabellen plumpsen von selbst auf den Rasen. 

Auf der Hunderunde entdeckte ich Pappstücke, fein säuberlich an eine Altpapier-Tonne gelehnt. Von der Größe her war jedes von ihnen dafür prädestiniert, ein Schild zu werden. Da ich nicht wusste, mit welcher Botschaft ich mir eines von ihnen umhängen sollte („Blog-Thema dringend gesucht“?), beschloss ich, sie für die Gartenplanung mit nach Hause zu nehmen. „Königin von Dänemark“ schrieb ich mit einem Edding auf das erste Schild. „James Galway“ heißt eine zweite Rose, die auch einen neuen Platz braucht. Duftnessel, Lampenputzergras und eine weitere Arkansas Scheinaster sind Pflanzen, die dem Beet „Think Pink“ an der Sichtschutzwand einen Rahmen geben sollen. 

Ich befestigte jedes Schild an einen Stock, band eine Schleife in der jeweiligen Blütenfarbe daran und probierte mit meinen neuen Pappkameraden aus, wo sich welche Pflanze am besten machen würde. 

In unserem Garten sieht das Beet „Think Pink“ von Ferne aus, als würde dort eine Demo stattfinden. Als würden nicht Pflanznamen auf den Schildern stehen, sondern wütende Botschaften wie „Mehr Dünger für alle“, „Keine Exoten in deutschem Boden!“ oder „Blüten-Pressefreiheit endlich!“. Wenn es zu Ausschreitungen kommt, werde ich meine Wasserwerfer einsetzen. Gießkannen habe ich genug. Aber bisher blieb alles friedlich und die Schilder helfen mir, das Beet weiter zu planen. 

Ich habe die Demo aufgelöst, ein Lampenputzergras und eine zweite Scheinaster gekauft und heute Mittag eingepflanzt. Die erste Scheinaster hatte ich als kleinen Sprössling im Frühjahr gesetzt. Sie ist inzwischen etwa 1,40 Meter hoch und mein ganzer Stolz. Ich dachte, sie würde sich gut in Einzelstellung machen. Aber je länger ich das Beet anschaute, desto dringender wünschte ich mir eine Zweite dazu. Hier ist sie: 

Und sonst?

Die Wicken, die ich im Beet "Think Pink" ausgesät hatte, blühen rot. Dabei hatten wir uns in diesem Beet doch auf Pink, Rosa, Violett und Weiß geeinigt.

Und der frisch eingesäte Rasen, der sich erst so prächtig entwickelt hatte, wird dort schütter und gelb, wo der große Mammutbaum ihn beschattet und ihm Wasser entzieht. "Das war zu erwarten", werden die Kenner unter euch sagen. Aber wir wollten es zumindest auf einen Versuch ankommen lassen. 

Dort, wo jetzt die Findlinge liegen, werden wir die Metallkante vom Beet oben fortsetzen, sie einen größeren Radius um den Mammut schwingen lassen, als es jetzt die Steine tun, und diesen Kreis einfach mit den Nadeln mulchen, die der Baum großzügig im ganzen Garten verteilt. 

Immer fröhlich bleiben, Garten-Demos veranstalten und den Rasen den Gegebenheiten anpassen,

Eure Uta 

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

Uta


Ich arbeite als Buchautorin, Journalistin, Bloggerin und Coach. Die Themen, über die ich am liebsten schreibe, sind das Gärtnern, das Familien-Glück und die persönliche Weiterentwicklung.

„Wie gelingt das Leben?“ Das erforsche ich fröhlich im Selbstversuch und ganz praktisch in unserem neuen Projekt ‚Von der Wildnis zum Traum-Garten‘, von dem ich regelmäßig hier berichte.

Deine, Uta

>