Von fallenden Blättern, einer Absage und einem Jahr Gartenprojekt
Unser Urlaub bestand in diesem Jahr aus zwei Kurz-Reisen, einem Trip nach Beelitz und Dessau und nun einer Woche in Dänemark. Früher hätten wir - kaum ist das Auto geparkt - das Haus betreten und nach der Post geschaut. Jetzt laufen wir zuerst in den Garten. Polly vorneweg mit flatternden Ohren, wir hinterher mit flatternden Herzen. Ist das Bambusgras angewachsen? Blüht der pinkfarbene Sonnenhut endlich? Sind die Nashi-Birnen reif?
Alle drei Fragen sind mit einem jubelnden Ja zu beantworten. Aber während unseres Urlaubs muss ein Sturm über Hamburg hinweg gefegt sein. Der Rasen ist über und über mit Blättern und vor allem mit Nadeln von den Mammutbäumen bedeckt. Abgebrochene Äste stecken wie Trümmerteile in Beeten und Blumentöpfen. Die Vogeltränke ist ausgetrocknet. Ein Dutzend Äpfel fault im Gras vor sich hin. Der Garten sieht aus, als wären die Besitzer nicht eine Woche, sondern ein halbes Jahr verreist gewesen.

Als ich wenig später ins Haus trete, hat der Kettensägenmann schon das Auto entladen und kommt mir zwischen den Koffern im Flur in seiner Schnittschutzhose entgegen. Er will die letzte Zypresse fällen, die noch an der alten Grundstücksgrenze steht. „Jetzt schon? Wir sind doch gerade erst angekommen.“ Das habe ich gedacht, aber nicht ausgesprochen. Ich lasse meine Handtasche auf den Küchenstuhl fallen und höre die Säge aufheulen.
Fremdes Gefühl
Könnt ihr die ersten Stunden nach der Rückkehr von einer Reise auch nicht leiden? Im Haus riecht es abgestanden, als wäre es das Heim von Fremden. „So wohnen diese Leute also!“, geht mir durch den Kopf und merke zeitversetzt, dass wir diese Leute sind. „Sie haben also einen Hund“, denke ich mit Blick auf den Wassernapf mit dem Kalkrand, „und ihre Zimmerpflanzen könnten sie auch mal gießen.“ Ich werde dieses fremde Gefühl nicht los. Deshalb lasse ich das Gepäck stehen, schlüpfe auch in meine Arbeitshose und helfe dem Mann beim Baumfällen und Laubfegen. Jeder Strich mit dem Rechen über den Rasen tut gut, jeder Haufen Nadeln, der in der grünen Tonne landet, macht mir Haus und Hof wieder mehr zu eigen. Fege-Meditation kann ich sehr empfehlen.

Vor unserem Urlaub haben wir die Norddeutschen Apfeltage im Loki-Schmidt-Garten besucht und haben von einem Obst-Experten, einem Pomologen, die Sorte bestimmen lassen, die in der Mitte des neuen Gartens wächst. „Das muss ein alter Baum sein“, sagte der Experte und beriet sich mit seinem jüngeren Kollegen. Sie kamen zu dem Schluss, dass es sich um einen Roten Herbstkalvill handelt.
Der „Calville Rouge d’Automne“ sei eine sehr alte französische Liebhabersorte, die erstmals 1617 erwähnt wurde, ist auf der Seite der Baumschule Aurea zu lesen. Und bei Wikipedia heißt es: „Ideal als extravaganter Tafelapfel mit einem intensiven Himbeer- und Erdbeeraroma“. Von diesen Aromen schmecke ich allerdings wenig. Ich hatte den Herbstkalvill gerade in meinem Müsli. Aber vielleicht hat er es auch als Affront empfunden, geraspelt zu werden und mit Haferflocken, Joghurt und gemeinen Blaubeeren in einer bürgerlichen Schüssel zu landen. Das mit dem Adel im Garten ist so eine Sache, kann ich euch sagen. Erst die Rose Königin von Dänemark und nun dieser noble Tafelapfel. Aber sein Rot ist wunderschön, oder? Hier ein Bild von vor vier Wochen, der Kalvill inmitten von Mirabellen:

Ist es nicht wunderbar, welche Überraschungen man erlebt, wenn man ein Stück Wildnis kauft? Als erstes war ich von der Kornelkirsche entzückt, die wir ganz am Anfang unter Efeu und wilden Brombeeren entdeckt hatten. In meiner Ahnungslosigkeit hielt ich sie für eine Exotin, bis ich an Straßenrändern, neben Parkplätzen und in Parks auf lauter Kornelkirschen stieß. Auf jeder Hunderunde entdeckte ich neue Exemplare. Hamburg scheint übersät von diesen Bäumen, was mich freut für die Bienen. Denn mit ihrer frühen gelben Blüte im März dient sie Bienen und vielen Insekten nach dem Winter als erste wichtige Nahrungsquelle.
Birnen-Schlag-Gefahr
Die nächste Entdeckung war die Nashi-Birne. Neben dem überwucherten Jasmin hinter dem Zaun war sie früher von unserem alten Garten kaum auszumachen. Bei der ersten Begehung der Wildnis wunderten wir uns über die Früchte, die groß wie Boule-Kugeln im Dickicht lagen. Längst ist die chinesische Birne, wie sie auch genannt wird, frei geschnitten und hängt voller Früchte. Ein Teil ist schon ins Gras geplumpst und bereitet dem Hund eine große Freude. Aber die Krone hängt noch so voll, dass ich beim Fegen darunter hektisch werde und erwäge, einen Helm zu tragen.

Nach dem Urlaub waren nicht nur Nadeln und Blätter in unserem Garten gelandet, sondern in meinem Email-Postfach auch die nächste Absage eines Buch-Verlages. Ich hatte das Konzept für mein neues Werk mit dem Titel „Kinder wollen Eltern, keine Therapeuten. 25 entlastende Geschichten für Familien“ einem weiteren Verlag angeboten. Wegen der Empfehlung einer Autorin des Verlages (danke nochmals, liebe Nicolle) hatte ich mir dieses Mal mehr Hoffnung gemacht. Aber leider flatterte eine Absage ins Haus. Für mein „Best off“ aus mehr als zehn Jahren als Eltern-Coach und Familien-Bloggerin konnte ich bisher keinen Vertrag abschließen. Inzwischen haben 16 Verlage abgesagt oder gar nichts von sich hören lassen. Aber, bitte, bedauert mich nicht. Das gehört zum Schreiben dazu. Außerdem befinde ich mich in bester Gesellschaft. Autoren wie Michael Ende („Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“), Joanne K. Rowling („Harry Potter“) und Paulo Coelho („Der Alchimist“) - um nur die Bekanntesten zu nennen - erhielten vor ihrem Durchbruch so viele Absagen, dass sie ihre Schreibstuben damit hätten tapezieren können.
Kaufvertrag unterschrieben
Die Verlags-Mail kommt auf den geistigen Kompost. Denn schließlich ist da dieser Garten, der uns beglückt! Vor ziemlich genau einem Jahr haben wir den Kaufvertrag für die Wildnis unterschrieben. Da sah es noch so aus:

Inzwischen haben wir einen Teil der erhaltenswerten Bäume freigeschnitten, andere gefällt, viele Blumen gesät und Stauden gepflanzt. Zum Beispiel folgende:

Im Uhrzeigersinn von links oben: Primeln, die Akelei Pink Petticoat, Herbst-Anemonen und die Arkansas Scheinaster.
Mit meinem Buch für Eltern werde ich mich weiter bei Verlagen bewerben. Aufgeben kommt nicht in Frage. Vielleicht gelingt der Neueinstieg in ein Medienhaus auch über mein Gardening-Projekt. Wer weiß? Wenn eine Tür zufällt, geht eine andere Tür auf. Vielleicht ist es eine Gartentür.
Immer fröhlich bleiben,
Eure Uta
PS: Das Titel-Bild von der dekorierten Haustür ist in der dänischen Stadt Ribe entstanden.



Ja, liebe Uta, so ist’s recht: Keinesfalls aufgeben, weiterschreiben und uns Lesende damit beglücken! Von Dir als erzählendem Ich möchte ich am liebsten ganze Romane lesen!!!