Glückliche Familie Nr. 56: Die blaue Sonne 

 22/06/2012

„Warum Huckleberry Finn nicht süchtig wurde“ ist der wunderschöne Titel eines Buches, das der Psychotherapeut Eckhard Schiffer vor Jahren geschrieben hat. Darin schildert Schiffer Beispiele aus seiner Klinik für Jugendliche mit Essstörungen und anderen Suchtproblemen.

Der wichtigste Schutz vor Süchten sei- so Schiffer -, dass Kinder einen gesunden Eigen-Sinn ausleben dürfen. Damit meint Schiffer, sowohl unbeaufsichtigt durch die Natur streifen zu dürfen (eben wie der alte Huck und sein Freund Tom Sawyer) als auch sich künstlerisch frei ausdrücken zu können.

„Die immer wiederkehrende Gestaltung des eigenen Ausdrucks meint etwas Eigen-Sinniges, in das kein anderer hineinzureden hat – weder Eltern und Erzieherinnen noch Lehrer und Lehrerinnen.“

Wenn Charlotte eine blaue Sonne malt, wer hätte das Recht zu sagen, dass die Sonne gelb sein soll?

Warum im Garten nicht eine Ecke mit Gebüsch stehen lassen zum Sich-Verkriechen anstatt an die Holzschaukel den kesseldruckimprägnierten Standard-Turm aus dem Baumarkt zu schrauben, in dem sich jeder Ritter langweilt?

Prinzessin (11) fragte mich heute, ob sie eine Weile auf dem Dach sitzen dürfe. Dort fühle sie sich unkontrolliert und frei und könne ungestört in den Himmel träumen.

Also war bei uns heute Huckleberry-Finn-Zeit.

Prinzessin (11) auf ihrem Himmelsthron. 

Kraniche aus Papier, Kronprinz 14, vor einigen Tagen nachts entstanden, als die Eltern schon schliefen … nach einer Vorlage aus dem Internet.

Spiel „Schiffe versenken“ aus zwei gegeneinander geklebten Pizza-Kartons. Bei „Treffer versenkt“ muss der Spieler das getroffene „Schiff“, den Plastikbecher mit Kirschsaft, austrinken, eigene Idee Kronprinz (14).

„Ein Haus für Uta“, mein Neffe Paul mit etwa 7 Jahren.

Die Tochter meiner Freundin Christiane formt aus eingeweichtem Toilettenpapier Skulpturen. Außerdem schöpft sie selber Papier. Dazu braucht sie durchfeuchtete Papierfetzen und die Bräunungscreme von Christiane (dem Papier ist sein Teint auch nicht egal).

Meine Tipps:

  • Habt eine Antenne für den Eigen-Sinn eurer Kinder.
  • Habt immer Mal- und Bastelzeug bereit stehen, so dass sie jederzeit etwas malen können und man es auch schnell wieder wegräumen kann. (Bei uns auf einem großen Tablett unterm Schrank.)
  • Wenn ihr im Garten einen Baum gefällt habt, schmeißt den Stamm nicht weg. Legt ihn quer auf die Terrasse, dazu eine Kiste mit Nägeln und Hammer. (Eine Bekannte von mir hat auf diese Weise erreicht, dass sich ihre Jungs und die Freunde aus der Nachbarschaft tagelang damit beschäftigt haben.)
  • Wenn ihr einen Garten habt, sorgt für Nischen und Verwunschenes, legt alte Decken zum Zuhängen von Büschen bereit. Kinder finden es langweilig, wenn der eigene Garten aussieht wie die Landesgartenschau.
  • Zeichenblöcke, Notizhefte und Bleistifte verschiedener Härte gibt es bei uns auch zwischendurch  geschenkt.
  • Genial ist, wenn man Platz hat für eine Werkbank.
  • Beim Discounter gibt es manchmal günstig große Schachteln mit Acrylfarbe oder Zeichenkreide. Her damit.

Immer schön fröhlich bleiben

Uta

  • Nie !!! Nie gibt es in unserem Haus Toilettenpapier oder Bräunungscreme, wenn man es braucht. Dann müssen Tempotaschentücher herhalten und ich bleibe weis, aber das Kind ist glücklich.

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    Uta


    Ich arbeite als Eltern-Coach, Buchautorin und Journalistin, bin Ehefrau und Mama (ein Sohn, eine Tochter) und kann es nicht lassen, dem Familien-Glück auf die Spur zu kommen. Ich forsche in Büchern, spreche mit Experten und teste alle Erkenntnisse in der Praxis. Nur was mich überzeugt, weil es das Leben mit Kindern wirklich erfüllender macht, schafft es auf diese Seite.

    Deine, Uta

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