Glückliche Familie Nr. 80: Federmäppchen-Splitterbombe 

 16/09/2012

Ich habe eine Leserzuschrift bekommen. Bettina schreibt:
Unser Sohn wird nächsten Monat 10 und geht in die 4. Klasse. Bei meiner Frage geht es um die Hausaufgaben. Wie kann man es schaffen, dass ein kleiner Träumer konzentriert seine Hausaufgaben macht. Unser Prinz lässt sich so schnell ablenken – ich denke von seinen Gedanken, er hat immer irgendwie etwas anderes zu tun und es fehlt ihm einfach die Motivation und Konzentration seine Hausaufgaben zügiger zu machen. Er kann natürlich gerne zwischen den Fächern Pausen machen, aber die Hausaufgaben halten sich doch hier in Grenzen und es sind selten richtig viel. Es tut mir immer so leid, wenn er vor ein paar Matheaufgaben so lange sitzt und die Zeit eigentlich vertrödelt. Er hat keine Schwierigkeiten mit Mathe an sich – da hat er eine gute 2 – …..weißt Du ein bisschen was ich meine? 


Ein bisschen?
Als Kronprinz in die Grundschule ging, blieb er nur unter der Bedingung vor seinen Hausaufgaben sitzen, wenn ich ihn zwischen den Schulterblättern kratzte. Dann döste er selig über dem Heft, und wenn ich Glück hatte, rechnete er mal ein Päckchen Aufgaben.
Warum sollte er sich abgeben mit 82 : 9 = 9 R 1, wenn die Grundlagenforschung über die Hüpfhöhe von Radiergummis noch in den Kinderschuhen steckt?
Was ist mit den Flugeigenschaften von Löschpapier? Mit Tesafilm am Cockpit verstärkt, schafft es der A-380 von „Kronprinz-Air“ solide bis zum Terminal 2 auf dem Sideboard.
„Du kannst doch Mathe schnell fertig machen und dann hast du alle Zeit der Welt, Flieger zu basteln“, sagte ich mit mütterlicher Restgeduld. „Ich stelle dir die Digitaluhr auf den Tisch und wette, dass du keine fünf Minuten brauchst, um die Seite fertig zu rechnen.“
Oh, meine Güte, die Digitaluhr. Unsereiner benützt sie beim Backen. Aber für einen Neunjährigen ist sie der Zeitzünder der Federmäppchen-Splitterbombe.
„Krass, Mama, danke! Was meinst du, sollte das Mäppchen nach 60 Sekunden explodieren oder schon nach 20 Sekunden?“

Hausaufgaben? Da habe ich noch ein paar andere Ideen – Kronprinz mit 9 Jahren

Bettina, was soll ich dir raten?
Ich kann dir eine Faustregel nennen:

Kinder können sich nur so lange konzentrieren wie das Zweifache ihre Alters, 9jährige also nur ungefähr 18 Minuten am Stück. Danach brauchen sie eine kleine Entspannung oder Abwechslung. 

(nach Adolf Timm in „Gesetze des Schulerfolgs“)

Lass deinen Junior nach der Schule 20 Minuten Hausaufgaben machen und schicke ihn nach draußen zu seinen Freunden. Wenn die 20 Minuten nicht gereicht haben, darf er den Rest am Vorabend vor seiner KiKa-Lieblingssendung erledigen.
Mit einer 2 in Mathe ist er ein guter Schüler. Also kein Grund zur Sorge.
Freue dich an deinem Träumer und macht euch keinen Stress.
Den wichtigsten Rat habe ich damals von der Grundschullehrerin meines Sohnes bekommen, eine warmherzige Frau in ihrem letzten Jahr vor der Pensionierung:

„Lassen Sie sich von den Hausaufgaben nicht die Beziehung zu Ihrem Kind kaputt machen.“

Im Elterngespräch hatten wir vereinbart, dass ich ihr eine kleine Notiz ins Heft lege, wenn Hausaufgaben nicht fertig wurden wegen der Freunde, den Papier-Airbus-Aufträgen oder den Splitterbomben.
Und in der Schule hatte sie ihm ein kleines Heftchen auf den Tisch gelegt, damit er sich die Ideen für den Nachmittag hineinschreiben und dann wieder besser auf den Unterricht konzentrieren konnte.

Liebe Frau Groß, an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön von Ihrer
heute immer fröhlich bleibenden
Uta
PS: Aus Kronprinz (heute fast 15) ist ein Gymnasiast geworden mit einem guten Zwei-Schnitt.

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    Uta


    Ich arbeite als Eltern-Coach, Buchautorin und Journalistin, bin Ehefrau und Mama (ein Sohn, eine Tochter) und kann es nicht lassen, dem Familien-Glück auf die Spur zu kommen. Ich forsche in Büchern, spreche mit Experten und teste alle Erkenntnisse in der Praxis. Nur was mich überzeugt, weil es das Leben mit Kindern wirklich erfüllender macht, schafft es auf diese Seite.

    Deine, Uta

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