Kind-Bett in der DDR 

 21/08/2018

Wie noch Anfang der 80er Jahre in der DDR radikal die Bedürfnisse von Mamas und Babys missachtet wurden – ein Erfahrungsbericht.

Von meiner Leserin Anke habe ich eine Mail bekommen, in der sie berichtet, wie noch Anfang der 80er Jahre in der DDR mit Müttern und ihren neu geborenen Babys umgegangen wurde. Was Anke von ihrem Mann und ihrer Schwiegermutter erzählt, hat mich so erGeburt schüttert, dass ich es mit euch teilen möchte. Waren das Einzelfälle? Gibt es noch mehr Leserinnen und Leser, deren Eltern Ähnliches erlebt haben?
Anke schreibt:
… uns, also der Gesellschaft, ist einfach die Intuition verloren gegangen. Dieses innere Bauchgefühl dafür, was richtig und falsch ist. Das fängt mit unserem Schlaf-Wach-Rhythmus, unserem oft fehlenden Sättigungsgefühl an und schlägt sich deutlich auch bei dem Umgang mit unseren Kindern und Partnern nieder.
Das ist kein Phänomen, das jetzt erst in den 2000ern auftritt. Es ist ein Phänomen, das auftritt, wenn der Druck von außen stärker ist als unsere innere Stimme. Meine Eltern und Schwiegereltern sind zum Beispiel in der DDR aufgewachsen. Dort gab es von außen unheimlichen Druck. Alles wurde geregelt, bis hin zu den Kindern. Mein Mann ist 1981 geboren. Es war eine natürliche Geburt. Als das Kind geboren war, wurde es eingepackt und weggebracht. Die Mutter durfte das Kind nicht sehen, erst zum nächsten Mal, wenn es gestillt werden sollte. Auch dann hat sie das Kind nicht nackt gesehen. Gewickelt und gebadet wurde es von den Schwestern. Das Stillen klappte nicht, die Brust war aufgebissen, die Schwestern haben gesagt, die Schwiegermutter solle sich nicht so anstellen, das sei halt so. Schon als sie aus dem Krankenhaus kam, ging es gar nicht mehr mit dem Stillen, dann gab es die Flasche. Aber nur alle vier Stunden. Und dann wurde das Kind vor der Flasche und nach der Flasche gewogen. Es war alles genau vorgeschrieben. Sie erinnert sich, dass Sebastian stundenlang gebrüllt habe. Aber da er ja trocken war und vor zwei Stunden die Flasche bekommen hatte, konnte es also nicht die nasse Windel oder Hunger sein. Also hat sie ihn im Kinderwagen auf den Hausflur gestellt und brüllen lassen. Sie hat diese „Doktrin von oben“ nicht in Frage gestellt und auf ihr Bauchgefühl gehört. Sie ist gar nicht auf die Idee gekommen, dagegen etwas zu sagen. Ist das nicht furchtbar traurig?
Die Nachbarin meiner Eltern hat im gleichen Jahr entbunden wie meine Schwiegermutter. Sie ist – sobald sie nach der Entbindung wieder laufen konnte – in das Babyzimmer marschiert, hat ihr Kind ausgewickelt und sich selbst überzeugt, dass es ein Junge ist. Sie hat mit ihm gekuschelt und dann später noch lange nach Bedarf gestillt. Dadurch hat sie jedoch gegen den Willen der Krankenschwestern, des Kinderarztes und des Staates gehandelt. Das bedurfte Stärke, Selbstbewusstsein und Kraft, die Sprüche von anderen immer wieder an sich abprallen zu lassen.
Heute ist es so, dass Eltern ganz erschlagen sind von der Fülle an Informationen und Erziehungsmodellen. Und dann gibt es „Gurus“, die ihre „Religion“ predigen. Da ist es für die meisten Eltern und Kinder schwer, eine Orientierung zu finden. Wer nicht in sich selber ruht und selbstsicher ist, lässt sich da super leicht beeinflussen und verwirren.
Deswegen bin ich der Ansicht, dass es gar nicht so wichtig ist, Eltern eine genaue Anleitung zu geben, wie sie mit ihren Kindern umgehen sollen, sondern sie selbst zu stärken, in sich zu gehen und auf ihr Bauchgefühl zu hören. Diejenigen, die dieses Bauchgefühl nicht haben (leider oft durch das Elternhaus versaut) bekommen dann von „Coaches“ wie dir Tipps, wie es geht. Nur ist es dann oft so, dass im Kopf eine Anleitung abgespielt wird und man gar nicht so sehr auf die Bedürfnisse des Kindes eingeht, sondern überlegt, wie hat das jetzt die Uta (oder jemand anderes) gesagt und wie soll man sich da noch mal verhalten. …
Ich selbst fühle mich als gesegnet mit meiner Kindheit, dass ich Eltern hatte, die nie den geringsten Zweifel an mir hatten (ohne mich je in den Himmel zu heben, sondern das war einfach selbstverständlich). Ich denke, das ist ein wichtiger Grund dafür, dass ich keine Selbstzweifel habe. Das heißt nicht, dass ich mich nicht hinterfrage. Außerdem bin ich wahnsinnig neugierig und auch offen für Neues. …
Diese innere Stärke und die Intuition für das Richtige ist das, was wir unseren Kindern mitgegeben müssen. Empathie und Achtsamkeit sich selbst und anderen gegenüber.
Herzliche Grüße,
Anke
Liebe Anke, vielen Dank, dass du mir geschrieben hast! 

Immer fröhlich uns allen davon schreiben,
eure Uta

Haben eure Mütter Ähnliches oder hoffentlich Anderes erlebt? Ich würde mich freuen, wenn ihr hier davon berichten würdet.

Immer (fröhlich) uns allen davon schreiben,

eure Uta

Titelbild von Rene Asmussen von Pexels. 

  • Bei meiner Geburt in Jena 1982 war es genauso. Meine Mutter hat mit mehreren Frauen in einem Raum, nur durch Vorhänge getrennt, entbunden: „Jetzt haben Sie sich mal nicht so.“ Essen und trinken war unter der Geburt verboten. Das war so schlimm für sie, dass sie beim 2. Kind vorgesorgt hatte und meinen Vater beauftragt hatte, ein Grillhähnchen mitzubringen. Das wird jetzt noch erzählt. Nach der Geburt wurde ich mit vielen Babies in einem Raum aufbewahrt. Mein Vater und meine Großeltern durften mich dann durch ein Fenster betrachten. Meine Mutter hat nach wenigen Wochen aufgehört zu stillen, weil sie „zu wenig Milch“ hatte. Es gab niemanden, der sie beim Stillen unterstützt hat.
    Ich könnte so weiter berichten. Es ist erschütternd.

    • Liebe Anne, das ist wirklich erschütternd. Nur die Vorstellung von dem Grillhähnchen im Kreißsaal lässt mich schmunzeln.
      Ich glaube, Anke hat mit ihrer Mail ein Thema ins Licht gerückt, das mir zumindest in keiner Weise bewusst war. Jetzt habe ich so viele Fragen:
      Gab es in der DDR keine freiberuflichen Hebammen?
      Hätten sich Frauen auch für eine Hausgeburt entscheiden können?
      Gab es noch vor dem Fall der Mauer einen Wandel oder gab es diese Praxis, den Müttern ihre Babys wegzunehmen und in einen Babyraum zu bringen, womöglich bis zur Wende?
      Danke, Anne, dass du geschrieben hast! LG! Uta

  • Ja, das war in der DDR so üblich.
    Ich bin 1978 geboren, natürlich, aber mit Saugglocke. Meine Mutter erzählte, sie lag stundenlang alleine im Kreissaal, die Presswehen kamen und gingen. Irgendwann kam die Hebamme. „Was denn, Kind noch nicht da?“ Ein Anruf, innerhalb kürzester Zeit standen x Leute um sie rum, erklärt hat keiner irgendwas. Ihre Beine wurden auseinander gezerrt, fest geschnall, Saugglocke rann und raus mit mir.
    Ich wurde kurz gezeigt, dann kam ich ins Babyzimmer.
    Aller 4 Stunden wurden die Babys gebracht, aber nur denen, die stillten. Ich habe glücklicherweise von Anfang an gut getrunken an der Brust. So durfte sie mich aller 4 Stunden sehen. (Natürlich mit wiegen vor und nach dem Stillen, wars nicht genug, gabs die Flasche). Außer nachts, da wurde uns Babys gleich im KH das durchschlafen beigebracht.
    Meine Mutter sagte, eine Frau in ihrem Zimmer hat nicht gestillt, die sah ihr Baby erst bei der Entlassung wieder.
    Mein Vater sah mich im KH nur durch die Fensterscheibe.
    Am Entlassungstag wurde meine Mutter ins Babyzimmer geholt, bekam gezeigt, wie sie mich zu baden und zu wickeln hatte, dann gings ab nach Hause.
    In den Monaten danach gab es einen „Kalender“, nach dem Still- und Flaschenmahlzeiten und Brei genau geregelt war. Aller 4 Wochen Mütterberatung mit Impfen.
    Das wars. Nach einem Jahr kam ich in die Krippe, da begann die Gehirnwäsche… Aber das ist ein anderes Thema.
    Mein Mann, 1977 geboren, war gesund, kam aber direkt nach der Geburt ins Kinder-KH am anderen Ende der Stadt, da er zu leicht war. Meine SchwieMu sah ihn erst nach ihrer eigenen Entlassung. Sie hat Milch abgepumpt und der SchwieVa hat die ins andere KH gebracht.
    Ich bin sehr froh, dass es heute anders ist, ich meine Kinder bei mir haben konnte, wenn ich wollte.
    LG von TAC

    • Hallo TAC! Vielen, vielen Dank für diesen ausführlichen Bericht! Wie schlimm muss das für die Mütter gewesen sein, die nicht stillen konnten. Wie grausam!
      Das Füttern und Baden und Wiegen nach Kalender das gab es – so wie meine Mutter erzählt – auf jeden Fall in den 60er Jahren auch im Westen noch.
      Aber dass dein Mann wegen Untergewicht von seiner Mama getrennt und in eine Klinik gebracht wurde, ist ja unglaublich.
      Und wieder habe ich noch viele Fragen:
      Was wäre passiert, wenn eine Kinderkrankenschwester gesagt hätte „Ich bringe Ihnen ihr Kind jetzt mal für eine Runde zum Kuscheln.“ , hätte das gleich schlimme Konsequenzen gehabt für das Klinik-Personal?
      War das einfach dumpfe Gewohnheit oder tatsächlich mit Strafen sanktioniert?
      War das gängige Praxis in der ganzen DDR oder waren vielleicht auf dem Land auch Hausgeburten und sehr individuelle Entbindungen möglich?
      Weißt das jemand?
      Liebe TAC, ganz herzlichen Dank für deinen Beitrag! LG Uta

      • Ich glaube, es kam gar niemand auf die Idee, etwas anders zu machen. Abgesehen davon wusste man eh, dass man beobachtet und verpetzt wird, wenn man aus der Reihe tanzt. Ich vermute, eine Krankenschwester, die zwischendurch die Babys gebracht hätte, wäre sofort versetzt worden.
        Meine Mutter hat bei uns gesehen, dass es auch anders geht. Ich kann aber schlecht einschätzen, ob sie sich deshalb Vorwürfe macht oder wie es ihr damit geht. „Es war halt so.“, sagt sie immer. Sie ist eben in dieser Zeit aufgewachsen, hat sich eingefügt.
        Von freien Hebammen hab ich nie etwas gehört. Erst Ende der 90er hab ich mitbekommen, dass man auch außerhalb des KH entbinden kann. Nachsorge gabs in der DDR wohl nur in Form der Mütterberatung. Nach Hause kam nur einmal die Fürsorge, die kontrollierte, ob das Baby ein eigenes Bettchen hat.
        Man spekuliert ja immer gerne, woher die Scheidungsraten kommen und warum so viele Beziehungen in die Brüche gehen. Ich vermute, dass durch die fehlende frühe Mutter-Kind-Bindung manche Menschen nie gelernt haben, echte Beziehungen einzugehen. Ist aber nur eine Vermutung von mir, keine Ahnung, ob es da Studien gibt.
        LG von TAC

  • Ich denke das das nicht unbedingt ein DDR-Problem ist. Meine Schwiegermutter, 1966 in West-Berlin entbunden berichtete ähnliches (Babyzimmer, stillen, wenn das Kind nicht 4 Stunden durchhalten kann “reicht die Milch nicht“)
    Ich glaube dieses Wissen stammt aus einem zur (Vor-) Kriegszeit populärem Ratgeber zur Kinderpflege.
    Und auch heute werden junge Mütter nicht immer ermutigt auf ihr Bauchgefühl zu Hören.

    • Liebe Nachthaar, ich habe mal eben nachgeschaut: „Rooming-in“ auf Entbindungsstationen, also die gemeinsame Unterbringung von Mutter und Kind in einem Zimmer gab es im Deutschen Reich wohl schon in den 1920er Jahren, wurde aber von der nationalsozialistischen Familienpolitik wieder rückgängig gemacht. (Quelle: Sabine Bode: Die vergessene Generation. Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen, München: Piper, 4. erw. Aufl. 2011, S. 151, nach Wikipedia-Artikel über „Rooming-in“) In Mainz und Würzburg muss es schon in den 1950er Jahren vereinzelt die Möglichkeit gegeben haben, das Neugeborene bei sich im Zimmer zu behalten. Erst später hat es sich in Westdeutschland mehr und mehr durchgesetzt. So soll 1984 in 80 Prozent aller westdeutschen Krankenhäuser „Rooming-in“ angeboten worden sein. (lt. Wikipedia-Artikel über „Rooming-in“)
      Interessant, oder? Danke für das West-Berlin-Beispiel. LG Uta

  • Ich bin 1978 in West-Berlin geboren und ich glaube, auch dort gab es das Säuglingszimmer und Besuch (auch mein Vater) durfte mich nur durch die Glasscheibe begutachten.
    Zwei Jahre später hat meine Mutter (selbst wieder mit einem Neugeborenen, das sie wohlweislich zu Hause entbunden hatte), ihrer Schwester beim Stillen geholfen, weil die im Krankenhaus keine Hilfe bekam.
    Meine Tochter musste 2007, da war sie wenige Monate alt und wurde noch voll gestillt, in eine Kinderklinik. Ich konnte auf dem Klinikgelände schlafen, wurde nachts „bei Bedarf“ von den Schwestern angerufen. Zu Hause hatte ich nachts mindestens alle 2h gestillt, dort wurde ich (auch nach mehrmaliger Aufforderung, sich oft und schnell zu melden) nur einmal pro Nacht gerufen. Kein Wunder – ein wenige Wochen altes Baby auf dem gleichen Zimmer weinte auch tagsüber stundenlang. Eine Schwester kann vorbei, sagte „Nanana, was machst du denn für ein Theater! Eine halbe Stunde musst du dich noch gedulden, die letzte Flasche ist doch erst 3 1/2 Stunden her!“ und ging wieder raus.

    • Mein Sohn wurde 2010 geboren und auch hier kam von der (jungen!) Hebamme die Ansage, nur alle 4 Stunden zu füttern. Ich ärgere mich heute noch, darauf gehört zu haben! Bei meinen Zwillingsmädels habe ich es dann zum Glück anders gehandhabt…

  • Ich wurde 1981 in Gießen (Hessen) geboren. Bei uns war es auch so. Ich wurde nur zum Stillen zu meiner Mutter gebracht. Unterstützung für zuhause gab es auch nicht. Sie hatte eine Brustentzündung und niemand hat ihr geholfen.
    Und die Mutter meines Mannes erzählt, sie sei noch jahrzehntelang alle vier Stunden aufgewacht, weil der erzwungene Stillrhythmus halt so war.
    Es spricht viel dafür, dass dies eine Situation war, die überall so gehandhabt wurde. So sieht man in der Serie „Ich heirate eine Familie“ genau dieses Verhalten. Aber sonst eine gute Serie!
    Danke für Deinen Blog!

  • Ich bin auch 1980 in der DDR geboren und kann das genauso bestätigen: Väter durften bei der Geburt nicht dabei sein, keine selbstbestimmte Geburt (ungefragte manuelle Muttermundsöffnung zur Beschleunigung), nach der Geburt Kind sofort weg zum Baden und dann nur alle 4 Stunden zum Stillen (wenn’s Baby geschlafen hat, wurde es durch rütteln geweckt), Besuch nur 1 Stunde am Tag. Habe noch nie von einer Hausgeburt gehört oder von einer Betreuung durch die Hebamme zu Hause. Mütterberatung war Pflicht, so wie die U’s heute. Schreien lassen, Beikost (z.T. Leberwurst) mit 8 Wochen, Stillrhythmus, Töpfchentraining mit unter einem Jahr, Krippenstart ohne Eingewöhnung-alles so gewesen. Die Frauen, die ich kenne, sprechen nicht von einem Geburtstrauma oder dass sie sich irgendwas anders gewünscht hätten. Ich kenne auch keinen, der das wirklich hinterfragt. Im Gegenteil, ich bekomme die Tipps immer noch mit dem üblichen Spruch “hat ja nicht geschadet und aus Euch ist was geworden“. Stillen nach Bedarf, Tragen, Familienbett, AP wird mehr als kritisch/neumodisch gesehen. Als Kind dieser Zeit kann ich meiner Intuition kaum trauen. Ich wußte nur, ich will es anders und das muß ich mir durch Lesen aneignen. Manchmal ist es schwer, v.a. ohne Unterstützung. LG

  • Genau wie bei TAC war es auch bei mir. 1978 in der DDR geboren, meine Mutter wurde stundenlang alleingelassen mit der Ansage, das Kind käme noch lange nicht. Danach nur Stillen nach Uhrzeit bzw. als das ziemlich schnell nicht mehr ging (komisch, dass es vor allem bei DDR-Frauen so war…) gabs Flasche nach Plan. Natürlich wurde man nicht beim kleinsten Piepser hochgenommen, „die Lungen mussten sich kräftigen“. Meine Mutter wäre nie auf den Gedanken gekommen, sich dagegen zu wehren, es war einfach so und wurde von Anfang an als das einzig Richtige dargestellt. Und dass eine Schwester auf den Gedanken gekommen wäre, ein Baby zum Kuscheln zu bringen, wäre wahrscheinlich die absolute Ausnahme gewesen aus dem gleichen Grund: es war gar keine Frage, dass es eventuell anders gehen könnte. Ich finde es so schlimm, was mit unseren Müttern und den Babys damals passiert ist. Von freiberuflichen Hebammen habe ich in dem Zusammenhang noch nicht gehört. Es war die Regel, dass man zur Entbindung ins Krankenhaus ging, dort eine (?) Woche blieb und ab dann bei der regelmäßigen Untersuchung aufgeschrieben bekam, wieviele Mahlzeiten zu je wieviel Gramm das Kind bekommen sollte. Sobald man alt genug war, kam man in die Krippe. Wobei meine Mutter bei meiner jüngeren Schwester dann die Reißleine ziehen konnte und sie von der Krippe wieder weggeholt hatte, als sie merkte, wie die Kleine litt.
    Grauenhaft das alles. Wer weiß, was das heutzutage noch in unserem Leben bewirkt, was dann unsere Kinder wiederum abbekommen usw. Ein ewiger Kreislauf.
    Merkt man, dass ich das noch nicht verwunden habe, obwohl ich davon ja eigentlich fast nichts mitbekommen habe…
    Liebe Grüße
    Dana

  • Liebe Uta,
    meine Mama war Kinderkrankenschwester zu DDR-Zeiten. Sie hat erzählt, dass Kinder, selbst mit schweren Erkrankungen ihre Eltern nur am Wochenende und dann nur kurz sehen durften, damit das „Heimweh nicht so schlimm“ wird. Bei weniger schweren Erkrankungen haben die Eltern das Kind zum Aufnahmetag abgegeben und erst bei Entlassung wieder gesehen – alles unter der Prämisse: „Wenn die Kinder die Eltern sehen, ist alles noch schlimmer.“.
    Sie meinte, dass die meisten Krankenschwestern versucht haben das Leid ein bisschen zu kompensieren, dass das aber nicht gegangen sei. Und ein Auflehnen gegen die Ärzte und z.B. vorzuschlagen, dass die Eltern doch häufiger zu Besuch kommen könnten, sei undenkbar gewesen.
    Das erzählen manchmal auch andere, die ich kenne: dass „untergewichtige“ Kinder zu wochenlangen Kuren ohne Kontakt zu den Eltern geschickt wurden, auch junge Kinder, 6, 7 Jahren alt … wie grausam das für alle Beteiligten gewesen sein muss …
    LG
    Bianca

    • Das kann ich bestätigen. Mein Mann hatte mit etwa 2 Monaten Leistenbruch. Die SchwieMu durfte ihn nur abgeben, Nuckel bekam sie direkt wieder mit nach Hause. Er hat 3 Tage durch gebrüllt, Schreiknötchen auf den Stimmbändern und durfte in der Schule nicht mitsingen.
      Ich hab mir als fast 3jährige ein Bein gebrochen, ich erinnere mich, wie ich mich schreiend an meine Mutter klammerte und plötzlich auf dem Arm einer Fremden war. Meine Mutter sagte später, sie hat mich noch an der Bushaltestelle schreien hören und selbst geweint. Tägliche Besuchszeit war eine Stunde. Als der Gips nach 3 Tagen trocken war, hat mich meine Mutter heim geholt. Nach den Schwestern hätte ich bleiben sollen, dass meine Mutter arbeiten gehen kann. Aber ich war ihr in dem Moment wichtiger. Ich hab im KH essen verweigert und nur ein paar Kekse während der Besuchszeit gegessen. Der Gips war 8 Wochen dran, so lange hätte ich wohl bleiben sollen.
      Manche Eltern haben sich sicher an solche Empfehlungen gehalten, was das mit den Kindern gemacht haben mag, darüber möchte ich nicht nachdenken.
      LG von TAC

    • Liebe Uta,
      ich bin mit 5 Jahren – also 1984 – in MV von einem Klettergerüst gefallen und hatte eine Schädelfraktur. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich ganz schrecklich einsam war im Krankenhaus und ein Mädchen in meinem Zimmer Besuch von seiner Mutter bekam. Meine Eltern durften mich nicht besuchen – ich durfte sie nur einmal weit weg durch eine Glastür winken sehen. Ich habe die Krankenschwester gefragt warum das Mädchen Besuch haben durfte und ich nicht. Die Antwort war: „Weil das Mädchen wahrscheinlich stirbt.“ Daran, dass ich mich noch erinnern kann, sieht man, wie sehr mich das damals mitgenommen hat. Nach zwei Wochen durfte ich nach Hause – aber ich habe sehr gefremdelt.
      Liebe Grüße
      Susi

    • Hallo Bianca,
      auch wenn Eure Unterhaltungen schon eine Weile zurückliegen, ist es mir ein Bedürfnis kurz etwas beizutragen. Zufällig bin ich auf diesen Blog gestoßen, auf der Suche nach Informationen zu Kinderkuren in der DDR. Denn ja, „untergewichtige“ Kinder wurden damals zu Kuren geschickt, bei denen sie zunehmen sollten.
      Zufällig viel mir heute beim Aufräumen eine Erinnerungsmappe aus einem Kurheim in die Hände, in das ich 1986 ( im Alter von 6 Jahren) für mehrere Wochen wegen „Unterernährung“ geschickt wurde.
      Ich kann mich an fast nichts erinnern, auf dem beiliegenden Foto sehe ich mich, aber es fühlt sich fremd an. Was da ist, ist die beklemmende Erinnerung an Heimweh, viele Kinder, viele Brote, die gegessen werden mussten, Strenge… Meine Mutter hat leider auch nicht mehr viel Erinnerung daran. Sie sagt, es wurde „von oben“ festgelegt. Heute würde sie es nicht mehr so machen.
      Unglaublich, wahrscheinlich könnte man endlos darüber schreiben, da es vermutlich, ähnlich wie bei den geschilderten Geburtssberichten, auch zu diesem Thema viele andere Menschen gibt, die genauso verschickt wurden.
      Ich habe eine Tochter, in dem Alter, in dem ich damals war und genauso dünn ist wie ich damals. Unvorstellbar sie aufgrund dessen wochenlang wegzuschicken.
      Lg,
      Manuela

  • Ich glaube auch nicht an ein ost-phänomen . Meine mam hat mal erzählt, dass sie sich nach der Geburt meines Geschwister 83 bis 86 mit ihrer zimmernachbarin den Schlüssel fürs baby Zimmer gemopst hat um ihr Kind zu sehen.
    Bawü

  • Das kommt mir alles ganz bekannt vor und Vieles habe ich leider auch so erlebt. Allerdings durfte meine Tochter 1987 tagsüber in meinem Zimmer sein und kam nur Nachts ins Babyzimmer.
    Als ich nach unserem Umzug von der Fürsorge durch freiberufliche Hebammen erfahren habe, ist mir erst so richtig klargeworden, wie grausam man damals mit uns umgegangen ist. Ich bin heilfroh,dass sich die Zeiten geändert haben und wünsche allen Frauen eine Geburt unter guten und wertschätzenden Bedingungen.
    Liebe Grüße, Silke

  • Hallo,
    ich möchte noch einige anderen Gesichtspunkt anbringen.
    In Ost und West hat man wissenschaftlich abgesichert geglaubt, dass es so wirklich das Beste und Sicherste für die Kinder und die Mütter sei. Die Säuglingssterblichkeit war in der Generation meiner Mutter und Schwiegermutter (Ende 50er/ Anfang 60er Jahre) noch sehr viel höher – auch meine Großeltern hat es getroffen. Irgendwie nachvollziehbar, dass diese Generation der Mütter, ihren Töchtern zur größtmöglichen Sicherheit geraten hat. Für meine Großmutter selbst gab es den „Luxus“ Krankenhaus nur beim 1. nachgeborenen Kind. Das Krankehaus war 25/30 km weit weg und kaum jemand hatte ein Auto. Da bei meiner Mutter dann alles gut ging, wurden die anderen Geschwister in den 60er Jahren, in der DDR – natürlich – mit Hebamme zu Hause geboren – ohne Männer. Später (70er und 80er) gab es ja auch Geburtstationen in vielen kleineren Kreisstädten der DDR, sozusagen die Gegenbewegung zur Entwicklung von heute, wo am nach 30 und mehr Kilometern mit Wehen, gesagt bekommt, fahren Sie bitte noch nach X. Wir sind voll. (erlebt 2017!)
    Ich glaube, es hat hier zum Glück ein Mentalitätswandel stattgefunden, der aber auch dem medizinischen Fortschritt mitzuverdanken ist – im Westen sicher eher als im Osten, aber Ende der 80er Jahre in Leipzig konnte meine Mutter meine Schwester bei sich haben, wie sie wollte. Es gab wohl auch Stillgeld, solange sie gestillt hat, aber leider keine wirkliche Anleitung, denn ihre Mutter hat das Stillen bewusst abgelehnt und wohl die wenigsten Arbeitstellen haben das unterstützt. Auch hier hat sich zwischen den Generationen viel getan – oder muss sich noch viel tun. Da sind bei unseren Großmüttern und Müttern, glaube ich, viele Verletzungen, die sie heute bearbeiten könnten, wenn wir mit ihnen wirklich ins Gespräch kommen (so wie du, liebe Uta, es immer so schön beschreibst).
    Liebe Grüße
    EG

    • Liebe EG, danke für deine „anderen Gesichtspunkte“! Die waren gestern Abend ein richtiger Augenöffner für mich, besonders was die Generation der Mütter angeht, die in den 50er und 60er Jahren, egal ob in Ost oder West ihre Kinder bekommen haben. Ja, klar, sie waren Kriegskinder! Dass alles geordnet, sauber und – in ihren Augen – sicher im Krankenhaus stattfinden konnte, war das Beste, was sie sich für ihre Kinder vorstellen konnten. Ein riesiger Fortschritt.
      Vor allem verglichen mit dem, was ihre Mütter rund um Entbindungen erlebt haben: Geburten im Krieg, Fehlgeburten, Geburten nach Vergewaltigungen, Hunger leiden in der Schwangerschaft, die Angst, Kinder in einen Krieg hinein zu gebären, Wehen im Bunker, total unhygienische Verhältnisse, große Infektionsrisiken, … Und nach den Erfahrungen in der Kriegszeit wegen eigener Unterernährung oder Traumatisierung vielleicht keine Milch zu haben, muss es ihnen sehr modern und auch sehr wertvoll erschienen sein, möglichst bald angerührte, sehr nahrhafte Milch in abgekochten Flaschen reichen zu können.
      Ich denke gerade an meine Großmütter und das, was sie wohl durchgemacht haben, um ihre Kinder auf die Welt zu bringen und sie groß zu kriegen.
      Und ich denke an meine Mutter, die all das im „Gepäck“ hatte, als ihre Kinder kamen.
      Liebe EG, danke für die aufschlussreichen Informationen und auch den Hinweis, wie wichtig es ist, Vergangenes nicht aus unserer heutigen Sicht zu bewerten.
      Liebe Grüße, Uta

  • Liebe Uta,
    diese Geschichten kenne ich aus dem Westen auch – 1967 mit mehreren Frauen gleichzeitig im Kreißsaal nur durch einen Vorhang getrennt;
    der Doktor bekam das Kind;
    Manipulationen am Muttermund ohne Absprache mit der Gebärenden;
    auf dem Rücken liegend gebären müssen;
    Kind wurde nach der Geburt sofort mitgenommen, gewaschen, angezogen und in eine Decke gewickelt;
    Kind schlief in einem Babyzimmer (damit die Mutter genug Schlaf bekomme); wurde nur auf Drängen zur Mutter gebracht;
    Aufforderung, dass Kind nur alle 4 Stunden zu füttern – alles bei meiner Schwester gewesen.
    Bei mir, sechs Jahre später, hat meine Mama sich über einiges hinweggesetzt, aber bekam dann auch zu hören, dass sie sich nicht zu wundern brauche, wenn ich deswegen auf ihrer Nase herumtanzen würde – ganz im Sinne der Naziautorin Johanna Haarer „Die deutsche Mutter und ihr Kind“. Diese Pamphlet wurde leider bis in die 90er des letzten Jahrhunderts immer wieder aufgelegt und unhinterfragt angewendet.
    Liebe Grüße
    Emma

  • Ihr Lieben, in dem, was Anke in dem Beitrag beschreibt, geht es um eine Frau, die sich nicht gewehrt hat gegen die Regeln in der Klinik und eine andere, die sich davon nicht hat einschüchtern lassen.
    In der Unterschrift unter dem Bild von mir, hochschwanger in Frankreich, steht, dass ich nicht zugelassen habe, dass die Schwestern Prinzessin gleich nach der Entbindung zum Baden wegbringen. Das ist richtig. Richtig ist aber auch, dass ein Arzt uns an ihr irgendwelche Reflexe demonstriert hat. Er zog das schreiende Baby an beiden Händchen in die Höhe und erklärte dieses und jenes. Und ich ließ es geschehen, obwohl offensichtlich war, welche Panik mein Kind erlebte.
    Manchmal sind wir mutig, manchmal nicht.

  • Hallo Uta, hab gerade gesehen, so viele Kommentare, so viele Geschichten…. Es ist auf jeden Fall ein aufwühlendes Thema. Dein letzter Kommentar – schön, danke für Deine Offenheit. Er rührt mich sehr. Manchmal sind wir mutig und manchmal nicht. Hinterher zu urteilen ist immer leicht. Danke ☺

  • Liebe Uta,
    danke für Denkanstöße, es tut immer richtig gut. Ich kann noch einen anderen Punkt beitragen: meine Mutter war nach meiner Geburt 1976 froh, dass ich weg war und sie erstmal ihre Ruhe hatte. Sie fand das mit dem Stillen nach Bedarf etc sehr gut, weil das ja sonst noch anstrengender gewesen wäre. Ich habe dagegen meinen Kleinen die ganze Zeit bei mir gehabt und haben dürfen.
    LG
    Vanessa

  • Leider kenne ich (als im Westen geborene, die nun in Ostdeutschland lebt) solche Geschichten von Freunden zu Hauf.
    Leider setzt sich diese Einmischung ins Private, die Trennung von Eltern und Kindern ja fort: baldiger Krippeneintritt, Kinderkuren im zarten Alter.
    Es gab im Prinzip für alles einen staatlich fesgelegten Plan, an dem es sich zu orientieren galt. Und die Trennung nach der Geburt, das Takten der Babys bzgl. schlafen, trinken, sauberwerden sind nur der Anfang.
    Ich habe mir antiquarisch einmal das Buch „Pädagogische Aufgaben und Arbeitsweise der Krippen“ von Eva- Schmidt-Kolmer besorgt, weil ich einfach mal eine der Primärquellen für die staatliche Indoktrinierung der Kinder in Augenschein nehmen.
    Selbst jedes Spiel in der Krippe war „genormt“, jeder Ausdruck von Individualität (zum Beispiel durch das Mitbringen eines Kuscheltiers als Übergangsobjekt in der Anfangszeit) wurde missbilligt.
    Wenn ich das alles lese, wird mir entweder schlecht oder mir kommen die Tränen…
    Berührend fand ich den Fachartikel einer Autorin, die all das selbst erlebt hat:
    https://www.kita-fachtexte.de/uploads/media/KiTaFT_Israel_DDR_2015.pdf

  • Mich (be-)trifft jenes DDR-Schicksal ebenfalls persönlich. Seit ich selbst Mutter bin, habe ich mich mit diesem Teil meiner Biografie stark beschäftigt und die Vorgehensweisen von damals versucht aufzuarbeiten. Wenn ich mir vorstelle, wie ich als Neugeborenes meiner Mutter förmlich entrissen, in einem sterilen Raum von fremden Frauen versorgt wurde und nur aller vier Stunden für einen kurzen Zeitraum Geborgenheit erfahren habe, empfinde ich tiefe Trauer. Ich denke heute, dass sich diese frühe Trennungserfahrung tatsächlich negativ auf mein Verhältnis zu meiner Mutter ausgewirkt hat.
    Sie war wie viele Frauen sehr jung, als sie mich geboren hat. Vor und während des Krankenhausaufenthaltes hat sie keine Fragen gestellt und alles so hingenommen, wie die Ärzte es ihr gesagt haben. Auch bei ihr fällt oft der Satz: „Das war eben damals so.“ Hinzu kommt, dass auch ich nur 3 Wochen gestillt wurde, danach habe die Milch nicht mehr ausgereicht (wie offensichtlich bei einem Großteil der Frauen von damals) und mit einem Jahr wurde ich in die Krippe gegeben.
    Dabei hat es mich vergleichsweise noch gut getroffen. Denn es gab auch Säuglinge in meiner Familie, die mit wenigen Wochen schon in eine sogenannte Wochenkrippe kamen. Das bedeutet, sie wurden dort durchgängig von Montag bis Freitag (also auch über Nacht) von Fachpersonal betreut und gefüttert und durften nur über das Wochenende zu ihren Familien nach Hause. Auf die Frage nach dem „Warum“ erhält man die Antwort, dass die jungen Eltern ja arbeiten mussten, um Geld zu verdienen. Als ich das erfahren habe, war das wirklich ein Schock für mich.
    Ich bin sehr dankbar, dass du, liebe Uta, uns Betroffenen hier eine Plattform gibst. Das Thema darf nicht in Vergessenheit geraten. Wir Mütter von heute haben die Möglichkeit, Fragen stellen und uns unsere eigene Meinung zu bilden. Und wir haben die Aufgabe, selbstbestimmt Entscheidungen zu treffen und dabei immer das Wohl unserer Kinder im Blick zu haben.

  • Liebe Uta,
    vieles Richtige wurde bereits geschrieben, nur folgende Ergänzungen:
    1) 1986 in der DDR geboren, durfte ich im Zimmer meiner Mutter schlafen! Auch mein Vater konnte bei der Geburt dabei sein.
    1988 jedoch, als mein Bruder in einem anderen Krankenhaus per Kaiserschnitt zur Welt kam, musste mein Vater vor der Tür warten und meine Mutter kam nach der Entbindung, „obwohl nichts war“, routinemäßig allein auf die Intensivstation ohne ihr Baby gesehen zu haben. Erst als sie nach zwei Tagen halbwegs laufen konnte, ging sie zur Säuglingsstation und fragte nach ihrem Kind: „Dort sagte mir die Schwester noch ‚Jetzt mal immer mit der Ruhe!‘ und erst als ich dann ordentlich Gezeter gemacht hab, haben sie ihn mir endlich gebracht.“ Eigentlich kaum zu glauben!
    2) Eine Freundin berichtete mir neulich, dass es bei ihrer Schwägerin in Mainz immer noch Babyzimmer gibt, damit die Mütter sich nachts ausruhen dürfen… Das scheint da auch normal zu sein und von den Müttern so hingenommen zu werden.
    3 ) Snowqueen von „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten“ ist den historischen Hintergründen zu diesem Thema und den Einflüssen aus der Nazizeit in einer Artikelreihe auf den Grund gegangen. Bestätigend auf der Einen aber auch in gewissen Dingen überraschend auf der anderen Seite:
    https://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2013/06/die-erziehung-unserer-groeltern-und.html?m=1
    https://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2013/08/erziehung-der-grosseltern-zwei.html?m=1
    https://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2013/10/die-erziehung-unserer-grosseltern-und-eltern-beikost-und-ordentlich-essen.html?m=1
    Immer fröhlich weiter solch interessanten Themen anstoßen!
    Liebe Grüße
    Charlotte

  • Das Ganze ist geschehen Anfang 2000 in NRW. Ich füge es hier ein, weil ich inzwischen einen nicht öffentlichen Blog führe und man da sonst nicht drauf kommt…
    Ich erinnere mich, als die Nachtschwester ins Zimmer kam, um das wenige Stunden alte, so betörend gut duftende Baby mitzunehmen. Entsetzt weigerte ich mich. Sie beharrte darauf, weil ich mich erholen müsse von den Strapazen, so sagte sie. Hormonüberschwemmt wie ich war, fing ich sofort an zu weinen und flehte sie an, mir mein Baby da zu lassen. Unter dem Vorwand es reinigen und umziehen zu wollen, machte sie anstalten es wieder mitzunehmen. Ich richtete mich mühsam auf und teilte ihr mit, dass es mir vollkommen egal war, was sie tun müsse. Das Baby war sauber und frisch angezogen. Das war nur ein Vorwand, um eine frischgebackene Mama, die sich jenseits der Vernunft befand, zur Ruhe kommen zu lassen. Ich spürte instinktiv, dass dieses Baby in diesem Augenblick bei mir zu sein hatte und nirgends sonst. Entnervt gab die Schwester irgendwann auf und ging. In dieser Nacht schlief ich nicht. Ich hatte ein wunderschönes, vollkommenes Baby an meiner Seite und konnte meinen Blick nicht eine Sekunde davon abwenden. Mit diesem Baby war auch ich als Mutter geboren worden. Wie sollte man bei so ungeuerlich großen Ereignissen allen Ernstes schlafen können?! In aller Deutlichkeit spürte ich die Bedeutsamkeit und Verantwortung, die mir von diesem Tag an zuteil wurde. Ich betrachtete dieses großartige Bündel Leben und zerfloss in Demut und Dankbarkeit. Ich nahm die winzige Hand zwischen meine Finger und betete. Ich schwor, dass ich mein Bestes geben würde…

  • Hallo,
    Ich bin 1980 per Kaiserschnitt in der DDR geboren worden. Nach den Erzählungen meiner Mutter wurde ich ihr im Kreißsaal ganz kurz an die Wange gehalten und dann erst Stunden später zum Stillen gebracht. Es passierte das gleiche wie im Text: Stillen klappte nicht, aufgebissene Brustwarzen. Wer war Schuld: das böse Baby. So wurde es meiner Mutter gesagt und so sagt sie es mir heute noch: „Du hast mich damals so schlimm gebissen.“ Das sitzt bei ihr so tief, dass sie keinerlei Verständnis hatte, dass ich beide Kinder relativ lange gestillt habe und gerade beim ersten mich durch eine sehr schwere Anfangsphase gequält habe.
    Ich wurde dann streng nach Plan der Hebammen mit der Flasche gefüttert. Weil ich für deren Geschmack zu viel Hunger hatte, bekam ich gezuckerten Fencheltee zugefüttert. In der ersten Lebenswoche! Zwischen den Mahlzeiten war ich mit allen anderen Babys auf der Babystation. Rooming-in gab es nicht. Ich gehöre nicht zu denen, die die DDR verteufeln, aber ich glaube, dass diese Behandlung das Verhältnis zu meiner Mutter von Anfang an gestört hat (plus die Tatsache, dass ich nicht der erwartete Junge war).
    Viele Grüße, N.

  • Gerade sehe ich eine wunderbare Serie „call the Midwifes „.
    Das macht was mit mir , wenn ich sehe wie würdevoll
    nett und besorgt die Hebammen die Geburt begleiten.
    Jedesmal kommen mir die Tränen. Alle sind eher
    arm und trotzdem nett. Ich habe meine Kinder in der DDR
    Bekommen 1975 und 1982.
    Beides mal war Niemand Nettes dabei. Obwohl Zeit war.
    denn ich lag jedesmal allein im Kreissaal
    Zbsp habe ich den Spruch bekommen… ja so wie es reinkommt kommt , kommt es nicht raus.
    Das schlimmste war , das bei meinem Sohn die Fruchtblase
    manuell geöffnet wurde. Danach lag ich etwa 15 Stunden
    auf einem klatschnasse Bettlaken. Bis zum Hals war ich
    durchgeweicht. Auf die Bitte ob das Laken getauscht
    Werden kann ,wurde gesagt, das jeder nur Anspruch auf
    1 Laken hat.
    Das Kind wurde nur kurz vorbeigeschwenkt. Ich konnte nur
    Sehen das es ein Junge war. Ich rief noch kurz „ bitte , das Gesicht möchte ich kurz sehen. Da war sie schon weg.
    Da mein Sohn ein paar Minuten nach 12 Uhr geboren wurde
    hätte ich in dem Zimmer wo 8 Frauen lagen als Einzige,
    am nächsten Tag auch noch nicht das Recht das Kind zu sehen. Musste dann die Freude der anderen Frauen
    Irgendwie überstehen. Ging nicht ohne Tränen.
    Ist schon über 40 Jahre her. Habe ich nicht vergessen.
    Danke für die Möglichkeit mich zu äußern.

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    Uta


    Ich arbeite als Eltern-Coach, Buchautorin und Journalistin, bin Ehefrau und Mama (ein Sohn, eine Tochter) und kann es nicht lassen, dem Familien-Glück auf die Spur zu kommen. Ich forsche in Büchern, spreche mit Experten und teste alle Erkenntnisse in der Praxis. Nur was mich überzeugt, weil es das Leben mit Kindern wirklich erfüllender macht, schafft es auf diese Seite.

    Deine, Uta

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