Liste fürs Leben 

 18/01/2019

Zum Geburtstag von Prinzessin.

Ist jemandem aufgefallen, dass sich rechts in der Spalte eine Zahl verändert hat?
Prinzessin ist vor ein paar Tagen 18 Jahre alt geworden!

Heute morgen auf dem Weg zur Schule.

 
Zu diesem Anlass möchte ich ihr eine Liste (ich liebe Listen) mit einigen hilfreichen Punkten für ihr Leben schreiben. So eine Liste ist mir sympathischer als ein Vortrag. Wenn sie gerade keine mütterlichen Lebenstipps möchte, kann sie das Blatt einfach weglegen. Wir brauchen darüber kein Wort zu verlieren. Vielleicht fällt es ihr jedoch eines Tages zum genau passenden Zeitpunkt wieder in die Hände.
Also los:

  • Vergiss nie, dass du einmalig bist auf dieser Welt. Es gibt keinen anderen Menschen, der genauso ist wie du.

 

  • Du bist ein Geschenk. Bring dieses Geschenk in die Welt. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir dieses Leben haben, um immer mehr die Person zu werden, die in uns angelegt ist, und den Beitrag zu leisten, für den wir hier sind.

 

  • Entwickle dich weiter, sei offen für neue Erfahrungen, sei neugierig, aber lass dir nie einreden, du wärest nicht richtig genau so, wie du bist.

 

  • In der Liebe achte darauf, mit jemandem zusammen zu sein, bei dem du dich nicht verbiegen musst, um zu gefallen. Entweder der Mensch mag dich und respektiert dich so, wie du bist, oder kann gleich wieder gehen.

 

  • Das Wichtigste ist, dass du mit dir selbst im Reinen bist und nicht jemanden brauchst, um dich attraktiv oder geliebt zu fühlen.

 

  • Das mit der erfüllten Partnerschaft ist eine paradoxe Sache: Es funktioniert richtig gut, wenn man voller Liebe für sich selbst ist und aus dieser Fülle heraus nichts lieber tut, als den anderen zu lieben, für ihn da zu sein und ihn zu ermächtigen, er selbst zu sein. (Für mich kann ich sagen, dass ich das theoretisch auf jeden Fall durchdrungen habe, die Praxis aber scheint eine lebenslange Aufgabe zu sein 😉

 

  • Wenn du nichts brauchst von dem anderen, dann kommst du richtig ins Geben und ins Glück.

 

 

  • Suche dir ein Studium oder eine Ausbildung und später eine Arbeit, die du wirklich magst. Damit ist nicht die irrige Vorstellung gemeint, dass alles immer Spaß machen muss. Jede Aufgabe verlangt ein gewisses Maß an Anstrengung und an Bereitschaft, einem Unternehmen oder einem Projekt zu dienen, sich einer Sache mit Haut und Haar zu verschreiben.

 

  • Folglich ist nicht nur Spaß, wonach du Ausschau halten solltest, sondern eher Leidenschaft: ein Thema, das deine Neugier erregt, eine Aufgabe, bei deren Erfüllung du die Zeit vergisst, ein Beruf, für den du gerne morgens aus dem Bett springst. Mein Coaching-Lehrer Stephan Craemer brachte mal das Beispiel von einem Markt mit Karren, beladen mit den verschiedensten Waren. Stelle dir vor, du bist eine Marktfrau. Möchtest du lieber mit Blumen zu tun haben oder mit Obst und Gemüse, mit Käse oder mit Kurzwaren? Wie auch immer du dich entscheidest, du wirst deinen Karren auch mal bei Regen einen Berg hoch ziehen müssen (es handelt sich um einen mittelalterlichen Markt ohne Zugmaschinen ;-)). Das wirst du gut aushalten, weil du den Karren ziehst, für den du dich aus vollem Herzen entschieden hast. Es ist dein Karren. Das gibt dir die Kraft.

 

  • Irgendwo habe ich in den vergangenen Tagen gelesen, dass wir uns nicht das Glück zum Ziel setzen sollten. Das macht uns eher unglücklich.  Vielmehr folgt das Glück im Schlepptau, wenn wir uns Ziele setzen, die uns wirklich inspirieren. Habe Geduld! Lass dir Zeit! Es kann Jahre, sogar Jahrzehnte dauern, bis du deine Aufgabe und deine Erfüllung gefunden hast. Aber arbeite kontinuierlich daran, dem immer näher zu kommen.

 

  • Manchmal muss man so viele Kleinigkeiten erledigen: bei der Bank anrufen, einen Friseurtermin buchen, ein Formular ausfüllen, Rechnungen begleichen, einen Arzttermin ausmachen … Manchmal hat man das Gefühl, die Erledigungslisten enden nie. Zudem ist diese Art Arbeit wenig erfüllend. Wenn du dich nicht aufraffen kannst, sie anzugehen, sammele all diese lästigen Kleinigkeiten und packe sie in eine „Timebox“. Du legst eine Stunde am Tag dafür fest und arbeitest alle Punkte auf einmal ab. Da du weißt, dass es nach einer Stunde geschafft ist, verschwindet das Gefühl der zähen Endlosigkeit dieser Tätigkeit. Zudem verleiht der Zeitrahmen der Aktion einen sportlichen Charakter und plötzlich macht es sogar Spaß, eine Sache nach der anderen abzuhaken. (nach Ryder Carroll: Die Bullet-Journal-Methode, Reinbek bei Hamburg 2018, Seite 203 – 205)

 

  • Wenn dir ein großes Projekt bevorsteht, eine wichtige Prüfung, eine Studienarbeit oder Ähnliches und du die Arbeit immer weiter vor dir herschiebst, zerteile das Projekt in viele kleine Projekte: schon mal einen Artikel besorgen, der wichtige Informationen dafür enthält, eine Internet-Recherche machen, eine Gliederung schreiben, schon mal Stichworte zu einem Themenkomplex notieren … In so viele kleine Projekte unterteilt ist die Hürde des Anfangens nicht so hoch und man hat nach jeder Etappe ein kleines motivierendes Erfolgserlebnis.

 

  • Gehe liebevoll mit deinem Körper um! Er leistet Unglaubliches, ist eine geniale Schöpfung, strotzt vor Selbstheilungskräften und gibt zuverlässig die besten Hinweise, was uns nicht gut tut, wo wir im Leben von der Spur abgekommen sind und nicht in Übereinstimmung damit leben, wer und was wir sind.

 

  • Sei zurückhaltend mit Medikamenten, Spritzen und Operationen und schaue immer, ob es nicht sanftere Methoden gibt, dich und deinen Körper wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Keine Frage – es gibt großartige Errungenschaften der medizinischen Forschung, die niemand mehr missen möchte. Aber häufig unterdrückt eine Tablette die Weisheit deines Körpers. Was als Warnung gedacht war, wird pharmazeutisch mundtot gemacht. Nimm dir Zeit, suche dir einen ruhigen Platz, mache dir einen Tee und eine Wärmflasche und horche in dich hinein! Was war los in deinem Leben in letzter Zeit? Wie ging es dir damit? Welche Botschaft könnte in deinen Symptomen stecken?

 

  • Sei dankbar für deinen Körper und schenke ihm viel Liebe und Pflege! Auch wenn er mal schmerzt oder nicht so funktioniert, wie du es dir wünscht. Er ist nicht dein Feind, sondern dein Freund.

 

  • Kaufe wenig, aber gute Kosmetik! Wie wunderbar, dass du in einer Zeit lebst, in der die Natur-Kosmetik sich immer mehr durchsetzt. Inzwischen gibt es zertifizierte Produkte, die nicht unbedingt teuer sind. Und an dieser Stelle: Danke, dass du mich für das Thema „Palm-Öl und die Folgen für den Regenwald“ sensibilisiert hast!

 

  • „Was in Bewegung ist, kann nicht krank werden!“, sagt Oma Pauline immer. Achte darauf, dass Sport, der dir Spaß macht, ein fester Bestandteil deines Alltags ist und bleibt. Opa Hermann ist zeit seines Lebens mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Kein Wunder, dass er nun recht vital auf die 90 zusteuert.

 

  • Bewegung tut nicht nur dem Körper, sondern auch der Seele gut. Forschungen haben belegt, dass regelmäßiges Training gute Laune macht und sogar Depressionen im Anfangsstadium besiegen kann. Außerdem stärkt Sport das Immunsystem, bringt den Stoffwechsel in Schwung … ach, das wäre eine eigene Liste, was Sport alles kann. Wie sagte der amerikanische Psychologe und Bestsellerautor Wayne Dyer einmal sinngemäß: Du hast keine Zeit für Sport? Ich habe keine Zeit für Ärzte. Ich investiere lieber Zeit in meine Laufeinheiten als dafür, in Wartezimmern herum zu sitzen.

 

  • Und tanze! Ich glaube, wir beide finden nichts schöner, als Musik in den ganzen Körper fahren zu lassen. Drehe dich, wirbele herum, stampfe auf, bringe dich zum Ausdruck durch Tanzen. Solo, zu zweit oder in einer Gruppe. In einem schönen Tanzstudio mit netten Leuten, in Sommernächten draußen oder später vielleicht mit deinen Kindern in der Küche. Ich kenne keinen größeren Lebensfreude-Turbo als Tanzen. Wenn du vielleicht mal eine nicht so gute Phase in deinem Leben haben solltest, buche einen Flamenco-Kurs oder ein Zumba-Training, erinnere dich an deine Hip-Hop-Zeiten und lege los. Du bist so begabt! Und danach wird sich die Welt wieder anders anfühlen.

 

  • „Und singe!“ Das ist ein Punkt, der von Oma Marianne kommt. Sie hatte jahrelang große Freude daran, in einem Chor zu singen. Erinnerst du dich an den Film „Wie im Himmel“? Haben wir ihn zusammen gesehen? Er erzählt die Geschichte eines berühmten Dirigenten, der nach einer Weltkarriere in sein Heimatdorf in Schweden zurückkehrt, aus Dorfbewohnern einen Chor bildet und jedem von ihnen hilft, seinen ganz eigenen Ton zu finden. Singen, genauso wie Tanzen, bringt Körper und Seele in Einklang. Und wenn du in keinen Chor eintreten magst, kannst du deine Lieblingssongs auch unter der Dusche schmettern.

 

  • Schließlich gibt es noch eine Lebensweisheit von deinem Opa von der anderen Seite der Familie. Wenn man mit vielen um einen Tisch sitzt und das Thema aufkommt, was andere Menschen alles falsch machen, dann kann Opa Frieder aufstehen, sein leeres Most-Glas nehmen und sagen: „Gut, dass wir nur alle so recht sind!“ Er meint damit: Was meckern wir über die anderen? Lasst es uns doch selbst erst einmal besser machen. Schön, oder?

Dies war nun eine wilde Mischung von Erkenntnissen, die mir sehr helfen. Vielleicht kommst du zu anderen Schlüssen. Ich bin gespannt.
Immer fröhlich bleiben,
deine Mama
Unbezahlte Werbung wegen Buch- und DVD-Nennung.
 

  • Super Idee!
    Habe für meine Tochter, die in genau vier Wochen 18 wird ein Foto Buch der letzten 18 Jahre gemacht mit einem langen Vorwort, aber eine solche Weisheiten-liste ist auch ganz toll!
    Mal schaun, wie ich mich davon noch inspirieren lasse.
    Danke dafür!

  • Herzlichen Glückwunsch und alles Liebe für deine Tochter! Es ist eine tolle Liste! Sie wird sie sicher in Ehren halten und sich gern daran erinnern.

  • Wie wundervoll!!
    An dieser Stelle möchte ich einmal loswerden, wie schön ich es finde, dass du mit dem Blog weitergemacht hast, obwohl deine Kinder schon aus dem Gröbsten raus sind.
    Vielen Dank dafür!!

  • Wie schön! Ich bin eine Oma und möchte einige Passagen ihrer Weisheiten Listen meiner Enkelin mitgeben.Ich hoffe Sie erlauben mir das.

  • Liebe Uta,
    ich habe mir deine Liste gerade ausgedruckt. Ein wertvolleres Geschenk als dieses konntest du deiner Tochter zum 18. Geburtstag nicht geben.
    Vor allem das, was du über Partnerschaft und Berufswahl schreibst, finde ich absolut stimmig.
    Danke, dass du das mit uns geteilt hast.
    Liebe Grüße,
    Christina von getrenntmitkind.de

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    Uta


    Ich arbeite als Eltern-Coach, Buchautorin und Journalistin, bin Ehefrau und Mama (ein Sohn, eine Tochter) und kann es nicht lassen, dem Familien-Glück auf die Spur zu kommen. Ich forsche in Büchern, spreche mit Experten und teste alle Erkenntnisse in der Praxis. Nur was mich überzeugt, weil es das Leben mit Kindern wirklich erfüllender macht, schafft es auf diese Seite.

    Deine, Uta

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