Von Botschaften an Zimmertüren und warum Teenager auch Bereiche brauchen, in denen sie nicht die Bedingungen der Erwachsenen erfüllen.

Wie ihr wisst, arbeite ich gerne mit Schildern, damit ich im Familienleben nicht so viel herummeckern muss. Außerdem macht es mir Freude, Schriften und kleine Rahmen auszuprobieren.
Hier seht ihr das Schild, das aktuell in der Küche an unserer Spüle steht. Ihr seht auch, dass es nicht so wahnsinnig wirksam ist, denn ich konnte es zwischen dem Geschirr hindurch, das in die Spülmaschine hätte geräumt werden müssen, kaum fotografieren. (Siehe Titelbild!)

Erfolgreicher ist mein neuer Aufräumzettel für die Türen der Jugendzimmer. Wahrscheinlich liegt es an dem fröhlichen Wort „Chance“, an den Möglichkeiten, die es verheißt. Eine Chance ist etwas, das man nicht verpassen möchte. Also wird aufgeräumt, damit am Donnerstag, dem Putztag, unsere Hilfe in dem Zimmer wirken kann, ohne dass sie das Gefühl hat, zunächst Verschüttete retten zu müssen.

Die Klemmbrettklammern an den Türen haben sich übrigens sehr bewährt. Ich empfehle sie, sobald der Bewohner/die Bewohnerin des Zimmers zwölf Jahre alt ist und es nicht mehr schätzt, wenn Erwachsene ohne Erlaubnis ihr Reich betreten. Dann kann man Nachrichten, unterschriebene Zettel für die Schule, den Zahnarzttermin, Liebesbotschaften, wieder entdeckte Haargummis und Ähnliches gut sichtbar an die Tür klemmen, ohne zu stören. Beispiele dafür findet ihr in dem Beitrag Botschaften in der Klemme.
Die Powerstrips zum Befestigen der Klemmen an der Tür habe ich inzwischen durch Schrauben ersetzt. Man muss ja doch immer kräftig mit dem Handballen drücken, weil die Klemmen so stramm und die Botschaften, die Teenager erreichen sollen, so viele sind. Die Powerstrips haben trotzdem ihre Schuldigkeit getan. Beim Ablösen von der Tür haben sie ein kleines Stückchen vom Furnier mit abgerissen, aber nur so viel, dass eine Schraube es gut verdecken konnte. Jetzt verstand auch mein Mann, dass mir nichts anderes blieb, als in die Tür zu bohren.
Damit die Schilder ins Auge springen, gestalte ich von Zeit zu Zeit Neue. Wir kennen das ja alle. Das Bild, das seit Jahren an der Wand hängt, nehmen wir längst nicht mehr wahr. Deshalb drucke ich gelegentlich Varianten aus in Größe und Stil. Wenn ich sagen muss: „Hast du schon das Schild an deiner Tür gesehen?“, wird es Zeit, nach neuen Sprüchen in neuen Schriften Ausschau zu halten ( wenn man nichts Besseres zu tun hat und so einen Spleen hat wie ich. Die Übrigen brüllen einmal die Treppe hoch.)
Der Wirkungsgrad der Schildermethode – machen wir uns nichts vor – liegt bei etwa 40 Prozent. Das Geschirrspüler-Einräum-Schild liegt im Bereich des nicht mehr Messbaren. Dennoch werden mein Drucker und ich nicht nachlassen, weitere Botschaften auszuspucken. Auch wenn selten direkt Taten folgen, werden sie im Unterbewusstsein ihre Wirkung zeigen. Denkt nur an Luther und was sein Zettel an der Kirchentür ausgelöst hat.
Außerdem kann ich inzwischen ganz gut damit leben, dass es in den Zimmern von Kronprinz (18) und Prinzessin (15) aussieht, wie es aussieht.

Ist es nicht so, dass sie in so vielen Bereichen funktionieren müssen? Haben nicht viele Kinder mit Schule und Hausaufgaben locker mehr als eine 40-Stunden-Woche? Den „Zerbrochenen Krug“ muss man lesen, obwohl es einen Null interessiert, zum Kieferorthopäden muss man, obwohl man sich nach dem Streit mit Lina, Paula oder Finn am liebsten in seinem Zimmer vergraben würde …
Für Jugendliche, die sich heute so viel stärker anpassen als Jugendliche vor dreißig oder vierzig Jahren, muss es auch Bereiche geben, in denen sie nicht die Bedingungen der Erwachsenen erfüllen. Anarchie im eigenen Zimmer? So what!
Immer fröhlich Schilder malen und sich nicht grämen, wenn sie ohne Wirkung bleiben.
Eure Uta

  • Hallo Uta !
    Wenn eure Kinder „aus dem Haus“ sind, ziert dann eine nackte
    Schraube die Türen der Königskinder?
    Wie gefällt dir ein Schild mit dem Text:
    “ Junge, ( Mädel), komm bald wieder, komm bald wieder nach
    Haus…….“ ? Diese Idee ist von M.

  • Für das Spülmaschinenschild empfehle ich ein laminiertes A4-Blatt, das direkt auf die Arbeitsplatte über der Maschine geklebt wird, etwa so:
    ************************************
    „Geschirr? Hier?
    Nicht mit mir!“
    die Mutter
    ************************************
    grinsende Grüße,
    Kristin

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    Uta


    Ich arbeite als Eltern-Coach, Buchautorin und Journalistin, bin Ehefrau und Mama (ein Sohn, eine Tochter) und kann es nicht lassen, dem Familien-Glück auf die Spur zu kommen. Ich forsche in Büchern, spreche mit Experten und teste alle Erkenntnisse in der Praxis. Nur was mich überzeugt, weil es das Leben mit Kindern wirklich erfüllender macht, schafft es auf diese Seite.

    Deine, Uta

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