Von der Wildnis zum Golfhotel-Feeling 

 23/05/2026

Nach dem Fräsen wird neben dem Rasensprenger meditiert

Es ist jetzt also gefräst. Und nicht nur das. Das Gärtnerteam hat eingeebnet, planiert, gewalzt und Rasen eingesät. Nie wieder kann ich von Wildnis schreiben. Denn unser neues Stück Land sieht seit dieser Woche aus wie der frisch angelegte Garten eines Golfhotels. 

Zwei Dinge bereiten mir Kopfzerbrechen. Erstens dass ihr mir vorwerfen könntet, Scheckbuch-Gärtnern zu betreiben. So nennt man es, wenn Leute sich einen neuen Garten einfach kaufen, eine Armada von Landschaftsbauern anrückt, die Baumschul-Absolventen von drei oder vier Metern Größe vom Lastwagen in tief-schwarze Erde verpflanzen. Dazu Stauden jeder Sorte in Dutzender-Gruppen in Beeten platzieren. Am Nachmittag ist das Team fertig und der Garten sieht wie Möchte-gern-Natur aus, obwohl das Grün darin unbestreitbar aus Pflanzen besteht.

Auf die Knie

Auch wenn „Scheckbuch-Gärtnern“ sehr abfällig klingt, spricht ja nichts dagegen, dass Leute so etwas tun. Und es wird alles einwachsen und irgendwann natürlich aussehen. Die einen tauschen die Hoffnung auf ein kleines Paradies gegen Geld, das sie erarbeitet haben. Andere gehen selbst auf die Knie und tauschen Arbeit direkt gegen Blütenfülle … irgendwann. Andere vermischen beide Strategien. Jede Methode ist völlig in Ordnung. Nur dass ich über das „Auf-die-Knie-gehen“ schreiben möchte und damit kommen wir zum zweiten Grund meines Kopfzerbrechens: Werde ich nach dem professionellen Schub, den unser Gartenprojekt in dieser Woche bekommen hat, noch genug zu arbeiten und zu schreiben haben? 

Blick vom alten in den neuen Garten. Das sieht jetzt aus wie geleckt und ist noch sehr ungewohnt. In die braune Fläche vor, neben und hinter der Hecke wurde Rasen gesät. Das geschwungene Metallband dient als Grenze für das geplante Beet "Think pink"

Im neuen Garten jetzt ...

... und der gleiche Blick vor knapp fünf Monaten mit "meinen Männern". In diesem Fall mit unserem Sohn als Kettensägenmann

Als ich die alten Bilder entdeckte, war ich beeindruckt. So schnell vergisst man, wie es vor kurzem hier noch ausgesehen hat. Nach all der Arbeit, die wir geleistet haben, und den ungezählten Säcken Grünmüll, die wir zum Recyclinghof gefahren haben, finde ich jetzt, dass wir uns eine Runde Scheckbuch-Gärtnern redlich verdient haben.

Hier kommt noch ein Vorher-Nacher-Bild:

Der alte Zaun nach dem Roden der Scheinzypressen

Und das Ganze in Neu mit der frisch gepflanzten Kolkwitzie und den gerade erworbenen drei Sonnenhüten ... natürlich in Pink. Das Haus, das auf dem Bild davor zu sehen war, ist hinter den Büschen des Nachbarn verschwunden

Auch die Sorge, mir könnte die Arbeit ausgehen, war unbegründet. Zwar bin ich gerade nicht so viel auf den Knien, aber früh morgens auf den Beinen, um die frisch eingesäten Rasenflächen zu wässern. Der Rasen muss jetzt schnell wachsen, sonst kommt der Giersch und die wilden Brombeeren wieder hoch. Wobei - das fällt mir gerade ein - diese Wüstlinge ja auch von meiner Beregnung profitieren. Das Leben ist doch ein einziger Wettlauf. 

Tiefer Frieden

Der Wettkampf-Gedanke bringt mich aber nicht aus der Ruhe. Das habe ich dem Rasensprenger zu verdanken. Schließlich ist es eine höchst meditative Angelegenheit, ihm bei seiner Arbeit zuzuschauen. So hüpfe ich morgens um 6 Uhr, möglichst wenig Fußabdrücke hinterlassend, über die planierte Fläche und platziere den Sprenger an strategisch günstigen Stellen. Dazwischen setze ich mich für zehn Minuten auf einen Stuhl und tue nichts anderes, als diesem breiten Fächer aus Wasserstrahlen beim Wedeln zuzuschauen. Mir geht es ein wenig wie Aaron, dem Helden in Anne Tylers Roman „Abschied für Anfänger“. Nach dem Tod seiner Frau kehrt er erst Wochen später in das gemeinsame Haus zurück. Weil im Garten alles verdorrt ist, stellt er den Rasensprenger an, setzt sich auf einen Stuhl und bleibt einfach sitzen. „Ich schwöre, dass ich förmlich fühlte, wie dankbar das Gras war. Auch die Vögel schienen dankbar. Eine kleine Schar tauchte aus dem Nichts auf, als hätte es sich herumgesprochen, und alles zwitscherte, tschilpte und flatterte im Tröpfchenregen. Mein Stuhl war zu kantig, was mich zwang, unnatürlich aufrecht zu sitzen … dennoch empfand ich tiefen Frieden.“* 

Eines meiner Lieblingsbücher von Anne Tyler: "Abschied für Anfänger"

Für den grünen Rahmen, von dem im letzten Beitrag die Rede war, werde ich Teile der Buchshecke vor den neuen Zaun setzen. Noch steht die Hecke wie eine grüne Mauer genau auf der Grenze zwischen dem neuen und dem alten Teil des Gartens. Wir sehnen uns nach einer Maueröffnung und möchten einzelne Buchsbüsche als beruhigenden Hintergrund für das Beet „Think pink“ vor den neuen Zaun pflanzen. Die Gärtnerin riet, die Hecke erst im Oktober nach der Wachstumsphase zu versetzen. Aber das würde mich für Monate ausbremsen. Mit den Stauden müsste ich dann auch bis zum Herbst warten. Deshalb werden wir es riskieren und am Wochenende die ersten beiden Teile der Hecke verpflanzen. 

Inzwischen war ich in der Gärtnerei. Ich habe Vorsicht walten lassen und habe unser strapaziertes Scheckbuch nicht zu sehr belastet. Dies sind die ersten Errungenschaften:

Die Rambler-Rose "Perennial Blue" hätte bestellt werden müssen. So ist es die "Super Excelsa" geworden, die mich mit ihrem dunklen Pink sogar noch mehr überzeugt hat. Dazu eine Kletterhortensie und drei kleine Sonnenhüte in Pink natürlich

Happiness-Impuls

🧚🏼‍♀️ Lasst den Frühling und den Sommer nicht verstreichen, ohne euch mindestens einmal früh morgens in den Garten, auf den Balkon oder in einen Park gesetzt zu haben. Ob mit oder ohne Regenglitzer aus dem Sprenger ist das ein unvergleichlich schöner Start in den Tag.

Immer fröhlich bleiben,

Eure Uta

PS:  Das Titelbild zeigt die alten Walzen der Gartenbaufirma. Unsere Gärtnerin führt ein Unternehmen weiter, das einst ihr Großvater gegründet hat und ihre Eltern übernommen haben. Und die alten Geräte werden in Ehren gehalten und weiter benutzt. Schön, oder?

*Anne Tyler: Abschied für Anfänger. Zürich 2012, Seite 196

  • Wahnsinn. So toll, deine Vorher-Nachher-Bilder. Und keine Sorge, es wird genügend Arbeit übrig bleiben💞
    Die neuen Pflanzen sind wunderschön und machen sich bestimmt super in dem Beet. Ich freu mich auf mehr … Liebe Grüße und allerbestes Genießen!

    • Danke! Wir genießen wirklich jetzt schon. Und inzwischen bin ich mir auch sicher, dass die Arbeit nicht ausgehen wird. Viele, liebe Grüße!

  • Ja, die Vorher-Nachher-Bilder liebe ich auch, fast noch spannender als ein Umstyling in der Brigitte (ich weiß gar nicht, ob es das noch gibt). 😊
    Und die beruhigende Wirkung des Rasensprengers kann ich auch gut nachvollziehen.
    Nimmt Polly teil an Deiner morgendlichen Sitzung?

    • 🤣 Nein, Polly darf leider nicht teilnehmen. Die frisch eingesäte Fläche wurde kräftig gedüngt und duftet herb-aromatisch, für Polly ein Schlüsselreiz, sofort darin zu buddeln. Sie versteht einfach nicht, dass das Umgraben vorerst vorbei ist.

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    Uta


    Ich arbeite als Buchautorin, Journalistin, Bloggerin und Coach. Die Themen, über die ich am liebsten schreibe, sind das Gärtnern, das Familien-Glück und die persönliche Weiterentwicklung.

    „Wie gelingt das Leben?“ Das erforsche ich fröhlich im Selbstversuch und ganz praktisch in unserem neuen Projekt ‚Von der Wildnis zum Traum-Garten‘, von dem ich regelmäßig hier berichte.

    Deine, Uta

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