Wie ein Springbrunnen in unseren Garten geriet
Die Idee kam mir beim Zahnarzt. Unser Zahnarzt hat seine Praxis nur ein paar Häuser weiter in einem Privathaus. Im Sommer steht im Wartezimmer die Tür zum Garten offen und da plätscherte es jüngst. „Was plätschert denn da?“, dachte ich, richtete die Ohren auf in der trügerischen Annahme, ich sei ein Spaniel. Das kommt daher, wenn man sein Leben rund um die Uhr mit einem Hund verbringt. Ich nahm auch Witterung auf, aber das brachte keine Ergebnisse. Also legte ich die Zeitschrift zur Seite, stand auf und guckte, was da auf der Terrasse plätscherte. Es war eine Scheibe mit Solarzellen, die in einer Schale schwamm und aus ihrer Mitte heraus Wasser in die Höhe spuckte.
Ich wurde aufgerufen zur Zahnreinigung. Dieser Zahnstein-Beseitigungs-Bohrer machte wieder sein kreischendes Geräusch und ich versuchte, gedanklich das Plätschern darüber zu legen. Vergeblich. Bohrer schlägt Brunnen. Das anschließende Herumkratzen an den Zähnen ging aber schnell vorüber, weil ich auf Hochtouren Pläne schmiedete, wie ich Wasser in unseren Garten bringen könnte. Dass sich dann links von mir der Becher füllte, passte zum Thema. Ich spülte und spie aus wie eine Brunnenfigur, bedankte mich und eilte nach Hause, um ein Solar-Wasserspiel zu bestellen.
Erstes Blubbern
Freitag ist es angekommen. Ich ließ alles liegen und stehen, riss die Packung auf, steckte eine Düse meiner Wahl auf die Scheibe und trug sie feierlich nach draußen. Die Plastik-Ente musste raus aus dem Trog und die Scheibe wurde zu Wasser gelassen. Erstes Blubbern, dann ein deutliches Hüpfen, schließlich ein respektabler Strahl. Ich fühlte mich wie im Stadtgarten meiner Kindheit, wo es stattliche Springbrunnen gibt.
Das ist unser kleines Wasserspiel:

Ich mag es, dass unser Springbrunnen auf Sonne reagiert. Hier im Norden haben wir gerade kühlere Tage und sind froh, wenn sich mal eine Lücke in dem dicht wattierten Himmel auftut. Die kleine Fontäne auf der Terrasse aber ist mehr als froh. Sie vollführt wahre Freudensprünge, sobald sie ein paar Sonnenstrahlen treffen. Dann wieder Wolke und nur ein kleines Blubbern. Wolke vorbei und sie kann kaum an sich halten.
In einem Newsletter las ich neulich den Satz „Ich will kein Leben führen, in dem ein Hund keinen Platz hat“. Den Hund haben wir ja schon. Deshalb dachte ich sofort „Ich will kein Leben führen, in dem ein Springbrunnen keinen Platz hat“. Und „Ich will keinen Garten haben, in dem es kein Wasser gibt, in dem es nicht irgendwo plätschert oder sich auf einer ruhigen Oberfläche die Bäume und der Himmel spiegeln“.
Halbstarke
„Ich will kein Leben führen, in dem ich keinen Platz habe für … “ ist sehr kraftvoll. Solche Sätze gebärden sich im Sprachzentrum wie Halbstarke. Kommen sie einem in den Sinn, machen sie etwas mit einem. Zuweilen auch etwas Unvernünftiges. Fast hätte ich einen Gärtner beauftragt, den gepflasterten Weg von der Terrasse zum Gartenhaus aufzureißen, um Wasserleitungen nach hinten auf das neue Grundstück zu legen. So gerne wollte ich einen Springbrunnen. Das hätte uns jede Menge Geld und vielleicht auch unsere Ehe gekostet. Nun verdanke ich just unserem Zahnarzt, der sonst nicht im Verdacht steht, uns Geld zu sparen, eine kostengünstige Springbrunnenlösung.
Als ich selig dem Plätschern lauschte, überlegte ich, dass auch Vögel und Insekten eine Wasserstelle bekommen sollten. Meine Eltern haben ein Vogel-Freibad direkt an ihrer Terrasse. Es handelt sich um eine Metallschale, die an feinen Drähten an einer Halterung an der Mauer aufgehängt ist und von einer Scheinbuche beschattet wird. Mein Vater hat sie vor Jahren an seiner Werkbank gefertigt. Dank der sanften Wölbung wird das Becken zur Mitte hin nur etwas tiefer. Gefiederte Nicht-Schwimmer können hier gefahrlos baden. Mich wundert, dass rund um das schöne Becken nicht ganze Amsel-Clans mit kleinen Kühl-Taschen in der Scheinbuche kampieren. Aber dafür sieht man Meisen heftig darin planschen und hin und wieder ein Rotkehlchen an seinem Rand als Bademeister.
Instagram und Pinterest sind voll mit Ideen für eine Vogeltränke. Also machte ich mich ans Werk:

Den Kranz hatte ich noch. Aus dünnen Zweigen aus der Wildnis habe ich ihn gebunden, als wir noch meterweise wilde Clematis und andere Schlingen aus dem Gestrüpp gezogen haben. Der glasierte Unterteller wird in den Kranz gelegt. Ein Stock und die Steine sollen Vögeln und Insekten bei der Landung helfen und ihnen ein Wildwasser-Gefühl geben.

Die Tränke hängt nun im Ahorn neben unserer Terrasse. Seit Tagen schon. Aber ich habe noch keinen Vogel dort landen sehen. Ein nagelneues Becken ohne Besucher. Und das, wo doch heute so viele Freibäder schließen müssen.
Wie erfahren Meisen von einer neuen Badestelle? Soll ich Schilder aufhängen oder ein Büfett aus Futterknödeln? Können Bienen Wasser riechen und Eichelhäher verstehen, dass sie zu schwer für den schwebenden Pool sind? Soll ich der Fetthenne, die darunter im Beet wächst, ein Schutzschild bauen, falls die Schale runter kracht bei der Kneipp-Kur der Eichhörnchen? Aber noch plantscht dort ja niemand.
Ihr seht: Jedes neue Projekt wirft neue Fragen auf. Dennoch bin ich glücklich über einen Garten, der jetzt auch zwei Wasserstellen hat. Und ich verspreche, weitere werden hinzukommen. Im Internet sah ich auf einer Wiese eine schlichte Schale aus Stahl, kreisrund, flach wie ein Tablett und nur wenige Zentimeter hoch mit Wasser gefüllt. Wie sich Bäume und Wolken darin spiegelten, bekomme ich nicht mehr aus meinem Kopf.
Wie würdet ihr den Satz ergänzen "Ich möchte kein Leben führen, in dem kein Platz ist für ... "?
Über Leserinnen und Leser, die diesen Satz für sich ergänzen und mir als Kommentar schicken, freue ich mich sehr. Über andere Beiträge natürlich auch.
Immer fröhlich bleiben,
Eure Uta



Oh, man (ich) kann jetzt (wieder?) kommentieren.
Ich liebe auch unsere Wasserschalen für die Tierwelt im Garten. Aber jeden Standort wollen sie bei uns auch nicht. Da musste ich am Anfang ganz schön rumprobieren bis ich die für alle passenden Stellen gefunden habe.
Und zu diesem wundervollen Satz: Ich möchte kein Leben führen, in dem kein Platz ist für … möchte ich ergänzen… Ich möchte (heute) kein Leben führen, in dem kein Platz ist für Lachen.
Danke für den guten Hinweis, dass man es mit verschiedenen Stellen für Tränken ausprobieren sollte. Und dein Satz „Ich möchte (heute) kein Leben führen, in dem kein Platz ist für Lachen“ wird gleich in meine Sammlung aufgenommen. Danke für deinen Beitrag!