Wie ich auf einer Reise neue Vorsätze fasste und 170 Blumenzwiebeln kaufte
Zwei Kurz-Reisen liegen hinter mir. Die eine nach Beelitz, süd-westlich von Berlin, und über Dessau zurück nach Hamburg. Die andere ins Ruhrgebiet zu meinen Eltern. Auf beiden Reisen wurden Verwandte besucht, außerdem zwei Museen und drei Parks. Der Hund schlief unerlaubt im Hotel-Bett, während wir essen waren. In Dessau schmeckten die Süßkartoffel-Pommes köstlich, im Bauhaus-Museum beeindruckten uns der Klubsessel B 3 von Marcel Breuer und die Möbel von Mies van der Rohe und überhaupt wie mutig und modern die Architekten und Künstler in den 1920er Jahren ihre Welt gestalteten, ehe die Nazis sie verfolgten.

Kettensägen-Mann auf dem Weg ins Bauhaus-Museum
Auf Reisen geht es um neue Eindrücke. Keine Frage. Meiner Erfahrung nach stellt sich aber ein weiterer Effekt ein: man blickt mit wohltuendem Abstand auf den Ort, an den man zurückkehrt, auf das eigene Leben und Wirken zu Hause. Besonders auf dem Heimweg von meinen Eltern, als ich allein im Regen auf der A1 vor mich hinfuhr und die Scheibenwischer wie ein Hypnose-Pendel sachte quietschend vor meinen Augen schwangen. Ich habe fast gänzlich auf das Radio- oder Podcast-Hören verzichtet, weil so viele Gedanken und Ideen in mir aufstiegen.
Da war eine große Freude auf den Herbst, auf neues Gestalten im Garten, auf die finale Apfelernte, das Laub-Rechen und Tulpenzwiebeln-Einsetzen. Ich schmiedete Pläne für Tage mit deutlich mehr Stunden als vorhanden und für einen Garten so groß wie der Botanische in Hamburg. Vor meinen Augen sah ich Scheibenwischer und Autokennzeichen, aber auch zarte Kränze aus Heide und Arrangements aus Kürbissen und Kastanien zwischen den Laternen auf der Terrasse.

Vor allem aber erkannte ich, wie halbherzig ich vor meinem Aufbruch agiert hatte. Immer noch ist das Gartenhaus nur halb aufgeräumt, immer noch blockiert die Schneeschaufel und der große Eimer mit Granulat gegen Glatteis die rechte Schuppenecke, immer noch warten die Blumenzwiebeln, die unsere Tochter aus Holland mitgebracht hat, auf ihren Einsatz. Erst lagen die Beutel auf dem Klavier im Wohnzimmer, jetzt in einem unbenutzten Fahrradkorb. Und jedes Mal, wenn ich das Gartenhaus betrete, schauen sie mich durch ihr Gitternetz an. Blättrig-braun und vorwurfsvoll.
Unerledigte Aufgaben sind gemeine Energie-Fresser. Die Tulpen-Zwiebeln lösen eine kleine Mattigkeit aus, die Schneeschaufel, die ich längst in den Keller räumen wollte, addiert eine weitere hinzu und der gähnend leere Korb auf der Terrasse, vorgesehen für die Winterheide, gibt mir den Rest.
Mehr Elan
Deshalb reifte etwa auf Höhe der Ausfahrt „Stuckenborstel“ in mir der Vorsatz, die Dinge in meinem Leben und Garten mit deutlich mehr Elan anzugehen. Vielleicht nehme ich mir weniger Projekte vor, aber die werde ich durchziehen. Klotzen statt Kleckern. Und bei den Blumenzwiebeln mache ich den Anfang. Habe ich bisher im Herbst höchstens 20 gesetzt, die sich mehr oder weniger in den Beeten verloren, sollen es in diesem Jahr 200 werden. Kaum eine Pflanzung ist einfacher und günstiger als Zwiebel-Setzen. Und in kaum einem Beutel steckt mehr fröhlich-bunte Verheißung als in den gelöcherten Tüten mit den Pappschildern aus dem Pflanzenmarkt.
Die hochfliegenden Pläne von Stuckenborstel landeten zu Hause auf den mit Schmutzwäsche übersäten Boden und auf einem Terminkalender, in dem noch eine Autoreparatur eingefügt werden musste, weil auf der Fahrt ein kleiner Stein auf die Frontscheibe geprallt war und ihr einen Riss zugefügt hatte. Aber die Schwestern Kleinmut und Halbherzigkeit sollten nicht wieder die Oberhand gewinnen. Am nächsten Tag besorgte ich so viele Blumenzwiebeln, dass ich zusammen mit den vorhandenen im Gartenhaus die magische Zahl 200 erreichen werde. Tulpen, Narzissen, Hyazinthen, Schneeglöckchen und Blaustern liegen nun bereit. Am Wochenende auf der Pflanzenbörse im Botanischen Garten werde ich noch nach Zwiebeln von Krokussen und Winterlingen Ausschau halten.
Hier meine Ausbeute beim Discounter:

Danke, liebe Gartenfreundin Beate, dass du mir den Tipp mit dem Discounter gegeben hast! Bei den Preisen in unserem Gartencenter hätte ich mich wahrscheinlich wieder auf zwei Beutelchen Tulpen beschränkt. So aber fuhr ich am Abend noch zu Aldi und fand am Eingang hinter der Schiebetür eine Palette, auf der sich Kisten voller herrlicher Blumenzwiebeln stapelten. Und die Pappschilder trugen allesamt das Gütesiegel, das Beate empfohlen hatte: „Exklusiv“.
Sonst halte ich mich nicht für raffgierig. Aber bald hatte ich mir so viele Beutel an die Brust gepresst, dass ich mir doch noch einen Einkaufswagen holen musste. Selig stand ich an der Kasse und bekam gar nicht mit, dass der junge Mann hinter mir die Zwiebeln zusammenschieben musste, damit sein Energie-Drink auch noch ein Plätzchen auf dem Band fand.
Immer fröhlich klotzen statt kleckern und mit Blumenzwiebeln die Welt im nächsten Jahr ein wenig bunter machen,
Eure Uta



Bei diesem Angebot droht bei mir allerdings doch jedes Jahr sich das Klotzen in Richtung Gier zu entwickeln 😉