Diskretion 

 16/06/2016

Warum ich es so wichtig finde, nicht alles über meine Kinder zu erzählen.

Häufig fühle ich mich unwohl, wenn ich mit Freunden oder Bekannten über unsere oder deren Kinder spreche. Das sind jetzt alles Teenager, einige schon erwachsen, viele irgendwo dazwischen. Und wenn wir über sie sprechen, kommt mir das immer ein bisschen wie Verrat vor. Kennt ihr das Gefühl?
Als sie klein waren, okay. Welche Windel, welche Grundschullehrerin, warum mag Tim kein Fußball, wie feiert Paula ihren Piraten-Geburtstag? Aber inzwischen stehen sie so an der Pforte zu unserer Erwachsenenwelt, machen Erfahrungen mit Erwachsenenthemen, wollen Unterstützung, aber keine Einmischung. Es ist so ein Schwebezustand, einer, in dem man sich auch mal verpuppt, ehe man wieder die Flügel ausbreiten kann. Sehr intim. Da ist Vertrauen ein großes Thema, wenn nicht das größte Thema überhaupt. Gibt es jemanden, der mich unterstützt, und auch meine Fehlversuche, mein Scheitern, meine Geheimnisse, meinen Beziehungsstatus nicht in der Patchworkgruppe, unter den Ü-40-Tennisdamen oder am Elternstammtisch ausbreitet?
Vielleicht denken einige im Bekanntenkreis oder unter meinen Blog-Lesern, unsere Kinder seien Muster-Kinder oder wir würden manches unter den Teppich kehren. Beides ist nicht der Fall. Nur dass ich lieber die Klappe halte, als etwas Negatives über meine Kinder zu erzählen, was wir nicht vorher in Familie oder mit zwei oder drei sehr guten Freunden geklärt oder ausgeräumt haben. Und wenn ich hier etwas Heikles über sie schreibe, lasse ich es von ihnen genehmigen. Das ist anstrengend, entschädigt uns aber mit guten Beziehungen und wirklich guten Zeiten, die wir in Familie haben.
 

Auch einer, der nicht alles weitererzählt - Amon, das Pflegepferd von Prinzessin
Auch einer, der nicht alles weitererzählt – Amon, das Pflegepferd von Prinzessin

 
Es ist ein verständliches Bedürfnis, über die Menschen sprechen zu wollen, die einem am Herzen liegen. Wie wohl tut es, eine Sorge mit der besten Freundin teilen zu können – oder noch besser – eine zu haben, die sich über Erfolge mitfreut. Das macht echte Freundschaft aus. Aber dann gibt es Menschen, die sind in etwa so diskret wie die BILD-Zeitung. Die werden von meiner Familie nichts oder nur Banalitäten zu hören bekommen.
Ich möchte einfach nicht, dass meine Kinder von ihren Freunden auf Sachen angesprochen werden, die sie mir anvertraut hatten und die dann über Elternrunden ihre Kreise ziehen.
Welche Erfahrung habt ihr mit dem Thema gemacht?
Immer fröhlich das Vertrauen zu seinen Kindern stärken.
Eure Uta
PS: Ich bin gerade ganz aus dem Häuschen wegen dieser Besprechung meines Buches.

  • Ich bin da ja sowas von bei dir, liebe Uta! Und mehr ist dazu auch nicht zu sagen…
    Liebste Grüße nach HH sendet dir die SteffiFee

  • Ich kann mich noch gut daran erinnern selbst Kind gewesen zu sein und auch wenn ich jetzt selbst Mutter bin, so bin ich doch immer noch Tochter meiner Eltern. Ich kann es gar nicht leiden, wenn sie über mich reden oder gar tratschen. Ich mag noch nicht einmal wenn sie Leuten erzählen wie ich früher als kleines Kind so war. Von daher freue ich mich über deine Entscheidung und versuche es bei meinen Kindern ähnlich zu machen.

  • Ja, und ich find es jetzt im Kleinkindalter manchmal schon befremdlich, welche Geschichten im großen Kreis erzählt werden. Oder zumindest unter welchem Motto (neues von der Zicke oder so…).
    Und mitfreu wegen der Buchbesprechung… jetzt muß doch mal das Buch wirklich her 😉
    Liebe Grüße, Mo

  • Am allerschlimmsten fand ich es ja immer, wenn mir Mütter vor den Ohren ihrer kleinen Kinder Geschichten über sie erzählt haben (egal ob das nun positive oder negative Sachen waren). Ganz furchtbar! Wie kann man solchen Leuten klar machen, dass das einfach gar nicht geht?! Erst neulich hat ein ansonsten netter Bekannter im Beisein seiner 14jährigen (auch sehr netten) Tochter „humorvoll“ über gewisse pubertäre Verhaltensweisen geklagt – ich habe ihn sabotiert, indem ich jedesmal Partei für die Tochter ergriffen und ihr einmal sogar verschwörerisch zugezwinkert habe… irgendwann hat ers begriffen und aufgehört.
    Tja, und dein Buch werde ich mir wohl trotz nicht mehr vorhandenen eigenen Bedarfs besorgen – zum Lesen und bei Gelegenheit weiterverschenken.
    Herzliche Grüße,
    Brigitte

  • Liebe Uta, durch die Buchbesprechung von Danielle habe ich sofort Dein Buch bestellt und stöber jetzt durch Deinen tollen Blog ?. Und Du hast einen Fan mehr! LG Kathrin

  • Dein p.s freut mich auch sehr.
    Denn ich habe damals, deinen Blog und den verlinkten Blog unabhängig voneinander entdeckt. Und habe den selben Eindruck wie es beim verlinkten Blog beschrieben wurde.
    Bei dir kann ich mir Ideen holen wie ich in 10 Jahren achtsam, individuell und wertschätzend meine Kinder ins erwachsen werden, begleite.
    Dein Buch kommt nun auch endlich auf meine „zu-kaufen-Liste“
    Danke für deine Arbeit und das daran teilhaben lassen!
    Liebe Grüße
    Eetje

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    Uta


    Ich arbeite als Eltern-Coach, Buchautorin und Journalistin, bin Ehefrau und Mama (ein Sohn, eine Tochter) und kann es nicht lassen, dem Familien-Glück auf die Spur zu kommen. Ich forsche in Büchern, spreche mit Experten und teste alle Erkenntnisse in der Praxis. Nur was mich überzeugt, weil es das Leben mit Kindern wirklich erfüllender macht, schafft es auf diese Seite.

    Deine, Uta

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