Sätze, die das Leben leichter machen 

 19/05/2022

Über das Buch von Coach und Moderatorin Karin Kuschik

Neulich im Bio-Supermarkt. Eine ältere Frau lässt sich den Geschäftsführer holen, schreit ihn an, die Maultaschen würden fade schmecken und seien völlig überteuert. Sie funkelt den Mann böse an, bellt „Das ist eine Unverschämtheit!“ und schmeißt die Packung mit den Nudeln in einen Korb mit Müsli. 

„Es tut mir leid, wenn ich den Eindruck vermittelt habe, dass Sie so mit mir sprechen können“. Diesen Satz hätte der Filialleiter gebrauchen können. Wahrscheinlich aber hat er das Buch „50 Sätze, die das Leben leichter machen“ von Karin Kuschik noch nicht gelesen und war nicht gewappnet für die Furie mit den Maultaschen. 

Ist der Satz nicht genial? Damit schießt man nicht zurück, sondern bringt Ruhe und Höflichkeit in die schlimmste Eskalation. Und der, der ihn ausspricht, bewahrt seine Würde, kaum ist der letzte Laut verklungen. „Es tut mir leid, wenn ich den Eindruck vermittelt habe, dass Sie so mit mir sprechen können“. Karin Kuschik hat den Satz von einem Freund übernommen, der als Steward bei einer Fluggesellschaft arbeitet. Dieser hat damit schon First-Class-Passagiere zum Schweigen gebracht, die ihn anbrüllten, weil er ein Getränk mit einer Zitrone statt mit einer Limette serviert hatte. 

Karin Kuschik, Copyright (c) Manfred Johan MJ-Photo

Karin Kuschik arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Coach für Führungskräfte, Schauspieler, Speaker, Sänger und manche Berühmheit, die sie namentlich nicht nennt. Für ihre Klienten und für sich selbst hat sie im Laufe der Zeit Sätze gesammelt, die im Kleinkrieg mit Kollegen, aber auch mit Freunden oder in der Familie für Frieden und Klarheit sorgen. Zum Beispiel „Im Moment treffe ich mich am liebsten mit mir selbst“, wenn jemand einem eine Verabredung aufdrängt, auf die man keine Lust hat. „Ich möchte lieber professionell bleiben“, wenn ein Kollege einen persönlich angreift. „Ich rede lieber mit Menschen als über sie“, wenn in der Tee-Küche über die neue Chefin hergezogen wird. 

Dank Karin Kuschik habe ich endlich verstanden, warum „Ich“-Botschaften hilfreich sind. Bisher sah ich kaum einen Unterschied zwischen „Ich empfinde dich als unverschämt“ und „Du bist unverschämt!“. Nehmen wir aber mal einen Satz wie  „Es ist respektlos, dass Sie während unserer Besprechung andauernd auf Ihr Handy schauen“ und sagen stattdessen „Ich verstehe absolut, dass Sie für Ihre kleine Tochter erreichbar sein möchten, und (kleine Pause) ich möchte für unsere Besprechung Ihre hundert-prozentige Aufmerksamkeit“. Die zweite Formulierung signalisiert Verständnis für den anderen und bringt gleichzeitig das eigene Bedürfnisse zum Ausdruck. 

Üben ist wichtig

So ist es mit den Kuschik-Sätzen. Sie zeigen Wertschätzung für das Gegenüber und Klarheit und Abgrenzung für sich selbst. „Ich gehe dann mal wieder auf meinen angestammten Platz“, sagt sie zum Beispiel im Laden, wenn sich jemand vordrängelt. Auf diese Weise greift sie die Person  nicht an („Sie haben sich vorgedrängelt.“), sondern sorgt mit einer Ich-Botschaft für Verblüffung und ihr eigenes Recht. 

Zu jedem der 50 Sätze erzählt die frühere Radio-Moderatorin eine kurze Geschichte, so dass die Lektüre kurzweilig ist und es Spaß macht, sich auf den nächsten Konflikt in Büro oder Familie vorzubereiten. Deutlich wird aber auch, dass wir alle üben müssen, um die Sätze, die uns am besten gefallen, im Eifer des Gefechts parat zu haben. Bei der nächsten Diskussion mit Freunden über die Frage „Soll Deutschland schwere Waffen in die Ukraine liefern?“ könnte ich sagen: „Wir sind uns zumindest einig, dass wir uns nicht einig sind.“ Und dann können wir friedlich wieder nach Hause gehen. 

Immer fröhlich das 50-Sätze-Buch lesen, 

Eure Uta 

Das Titelbild ist von Timur Weber von Pexels. Vielen Dank!

Wegen der Buch-Verlinkung gilt der Beitrag als Werbung, ist aber unbezahlt.

  • Hallo Uta, das sind tolle Sätze, habe ich gleich notiert. Wenn ich mal wieder vollkommen sinnlos angepampt werde, antworte ich gern: „Ich werde Ihre schlechte Laune nicht zu meiner machen.“ Mein Sohn (7) fragte letztens einen Mann, der ihn unberechtigt anschrie nicht auf dem Gehweg Rad zu fahren: „Wer hat Sie denn so unglücklich gemacht?“ Herrlich 🙂
    Viele Grüße

    • Liebe Lisa, die Sätze aus deiner Familie sind auch nicht ohne und werden meinerseits notiert. Dein Sohn ist ja der Hammer. Mit sieben Jahren so etwas antworten zu können. Alle Achtung! LG Uta

  • Toller Beitrag, die Sätze notiert und neben dem WC an die Wand geheftet, dass sie mir in Fleisch und Blut übergehen 😉 …. und nicht nur diese sondern das System dahinter.

    • Ja, das System dahinter ist, immer kurz auch in die „Schuhe“ des anderen Menschen zu steigen und seine Sicht auf das Thema zu würdigen und gleichzeitig für die eigene Position einzustehen, ohne den anderen zu entwerten. So entsteht Klarheit und Frieden. Liebe Grüße, deine Uta

  • „Es tut mir leid, wenn ich den Eindruck vermittelt habe, dass Sie so mit mir sprechen können“
    Der Satz ist ja dermaßen genial! So ein richtiges „Halt die Fresse!“ in hübsch. 😀 Supergut! Ich schau mich mal nach dem Buch um, das klingt wirklich interessant, danke!
    Liebe Grüße
    Dana

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    Uta


    Ich arbeite als Eltern-Coach, Buchautorin und Journalistin, bin Ehefrau und Mama (ein Sohn, eine Tochter) und kann es nicht lassen, dem Familien-Glück auf die Spur zu kommen. Ich forsche in Büchern, spreche mit Experten und teste alle Erkenntnisse in der Praxis. Nur was mich überzeugt, weil es das Leben mit Kindern wirklich erfüllender macht, schafft es auf diese Seite.

    Deine, Uta

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